Union Berlin: Fans können Stadionaktien kaufen
»Das kann man mit Geld nicht aufwiegen«
Interview: Sebastian Stier Bild: Imago
Ein ungewöhnlicher Plan: Union Berlin will 58 Prozent der Eigentumsanteile am Stadion an die eigenen Fans verkaufen. Im Interview spricht André Rolle, seit 44 Jahren Union-Fan und ehemaliger Stadionsprecher, über das Modell und seine Vorteile.
André Rolle, ab dem 1. Dezember können alle Mitglieder und Sponsoren des 1. FC Union Anteile am Stadion An der Alten Försterei in Form von Aktien erwerben. Werden Sie auch welche kaufen?
André Rolle: Auf jeden Fall! Eine Stadionaktie muss für mich sein. Ich denke, für viele ist es Ehrensache.
Eine Aktie kostet 500 Euro. Glauben Sie, dass jeder Fan gewillt ist, soviel Geld auszugeben?
André Rolle: Sie haben Recht, günstig ist das nicht. Ich bekomme 800 Euro Rente im Monat, aber der 1. FC Union ist mir das wert. Viele, mit denen ich in den vergangenen Tagen gesprochen habe, denken genauso. Schließlich ist es ja für einen guten Zweck.
Wie meinen Sie das?
André Rolle: Die Idee, das Stadion in die Hände der Fans zu geben, ist etwas ganz Neues. Der Verein hat nachgedacht, wie man bestimmte Strukturen, die sich im Fußball breit machen, durchbrechen kann. Anstatt wie andernorts üblich die Macht auf eine Einzelpersonen zu übertragen, wird bei Union die Basis gestärkt.
Glauben Sie, dieses Modell ist zukunftsfähig?
André Rolle: Es ist auf jeden Fall eine Alternative. Schauen Sie sich doch nur an, was mit Arminia Bielefeld passiert ist. Die haben sich beim Stadionbau total übernommen und sind jetzt pleite. So etwas darf uns nicht passieren. Lieber bezahlen die Fans bei Union mit ihrem eigenen Geld und sichern sich so etwas für die Ewigkeit.
Ist das nicht etwas zu hoch gegriffen?
André Rolle: Mir gibt die Aktion ein gutes Gefühl. Wenn ich einmal abtrete und weiß, dass die Alte Försterei in Händen derer ist, die ihnen wirklich am Herzen liegt, bin ich beruhigt.
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