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06.11.2011

Wie Herthas Maik Franz an Gegenspieler Marco Reus verzweifelte

Wenn Treten nicht mehr hilft

Text: Sven Goldmann  Bild: Imago

Das Image von Maik Franz ist hinlänglich bekannt, gilt der Herthaner doch als einer der letzten harten Hunde der Liga. Auch am Samstag grätschte er wieder brutal gegen Supertalent Marco Reus – der Gladbacher rächte sich mit dem Siegtor

Wie Herthas Maik Franz an Gegenspieler Marco Reus verzweifelte - Wenn Treten nicht mehr hilft


Blöde Sache mit dem Gladbacher Siegtor, findet Markus Babbel. Ja, der Marco Reus sei schon ein großartiger Fußballspieler, sagt der Trainer von Hertha BSC, »aber beim Siegtor hat er natürlich auch Glück, dass ihm der Ball auf den Fuß fällt«. Da ist was dran. Denn eigentlich hätte Marco Reus dieser Ball gar nicht auf den rechten Fuß fallen dürfen, weil der rechte Fuß mutmaßlich grün und blau leuchtete und demnach denkbar ungeeignet hätte sein können für weitere Kontakte mit dem Ball. Herthas Verteidiger Maik Franz hatte alles in seiner grätschenden Macht stehende getan, den talentiertesten und gefährlichsten Fuß auf dem Platz auszuschalten. Es hat nicht gereicht. 



Maik Franz erzählt oft und gern, er sei eigentlich ein liebenswerter Kerl und das ganze Knochenbrecher-Image eine Erfindung missgünstiger Zeitgenossen wie Mario Gomez. In seinem jetzt vier Monate währenden Berliner Engagement hat er sich vorwiegend durch das sanfte Verschulden von Gegentoren hervorgetan. Gegen Mönchengladbach aber zeigt er, dass er das Treten noch nicht ganz verlernt hat. Maik Franz ist der unschlagbare Beweis für die These des Berliner Managers Michael Preetz, dass in dieser Hertha-Mannschaft nichts mehr drinsteckt aus der Zeit des Ästheten Lucien Favre. 

Die Rückkehr des Treters

Das Privatduell zwischen Maik Franz und Marco Reus beginnt nach einer guten halben Stunde. Patrik Herrmann spielt den Ball im perfekten Moment mit perfektem Tempo in den Rücken der Berliner Abwehr. Reus ist schneller als Franz, er läuft noch ein paar Meter und schießt. Der grätschende Franz bekommt noch die Fußspitze an den Ball und gibt ihm den Effet für seinen Flug in die rechte Ecke des Tores zum 1:1. Fernsehbilder zeigen Franz, wie er wütend die Lippen aufeinander presst. Das soll, das darf ihm nicht noch mal passieren.  Drei Minuten später kommt es zum nächsten Kontakt. Im Niemandsland zwischen Mittellinie und Strafraum. Marco Reus steht mit dem Rücken zum Berliner Tor und läuft scheinbar unbedrängt dem Ball entgegen, aber da kommt schon Maik Franz heran geflogen mit einer selten gesehenen Spezialität, der beidfüßigen Grätsche. Mit dem rechten Fuß touchiert er den Ball, die Spitze des linken bohrt sich in den rechten Knöchel des hilf- und ahnungslosen Gladbachers. Reus überschlägt sich, er schreit und fasst sich mit beiden Händen an den Kopf, der zwar nicht schmerzt und doch signalisiert, dass möglicherweise etwas Schwerwiegendes passiert ist. Franz’ Stiefelspitze hat den ungeschützten Teil des Fußes getroffen, die Stelle zwischen Schienbeinschoner und Schaft des Schuhs. Diese Links-Rechts-Kombination ist viel zu gut ausgeführt, als dass man ihr die mildernden Umstände des unglücklichen Zufalls zusprechen kann.

»Zu diesem Spieler muss man nichts mehr sagen«

Wütend bedrängen die Gladbacher den Schiedsrichter. Tobias Welz hat zwar sofort gepfiffen und auf Foul entschieden, aber den Kartensatz in seiner Brusttasche lässt er unangetastet. Der Mainzer Eugen Polanski ist am Freitag beim 3:1 über den VfB Stuttgart nach einem vergleichbaren Tritt mit Dunkelrot vom Platz geflogen. Maik Franz kommt mit ein paar ermahnenden Worten davon. »War wohl ein Foul«, sagt er später. »So was passiert.«  Marco Reus entgegnet, »dass man zu diesem Spieler eigentlich nichts mehr sagen muss«. Und sagt dann doch etwas: »Ich habe schon geahnt, dass er in dieser Szene von hinten kommt. Aber dass er so durchzieht…« Und: »Eigentlich wissen die Schiedsrichter, dass Maik Franz so spielt, aber sie gehen nicht dagegen vor.«  Reus humpelt vom Platz, und für ein paar Minuten sieht es so aus, als sei das Spiel für den Gladbacher Torschützen beendet. Würde sich perfekt fügen in seine persönliche Krankenakte, der immer dann ein neues Kapitel hinzugefügt wird, wenn gerade ein Länderspiel ansteht. Am Freitag tritt die deutsche Nationalmannschaft in Kiew gegen die Ukraine an, Marco Reus ist nominiert, also ist eigentlich mal wieder eine Verletzung fällig. 

Doch nach ein paar ewigen Minuten der Behandlung kehrt Reus zurück. Er vergisst den Schmerz und bleibt das frei schwebende Elementarteilchen des Gladbacher Spiels. Mit seiner Leichtfüßigkeit und seinem Ideenreichtum macht Marco Reus den Unterschied. Bei so ziemlich jedem Konter und natürlich beim Siegtor, als ihm der Ball im Berliner Strafraum auf den rechten Fuß fällt und der grandiose Abschluss vergessen lässt, dass da mal ein schmerzhafter Kontakt war mit einem gewissen Maik Franz.

Tagesspiegel@11Freunde




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Kommentare

  • User
  • 06.11.2011 13:28:48 mehmetwirdankendir

    aus der Zeit des Ästheten Lucien Favre.

    Gladbach spielt sicherlich erfolgreichen Fußball. Aber schönen? Sicher hinten drin stehen, Räume eng machen, verschieben und mit ein paar schnellen Spielern kontern.
    Wo dabei die Ästhetik sein soll verstehe ich nicht ganz.

  • User
  • 06.11.2011 14:05:31 Jim Panse

    Ästhetisch=schnörkellos

  • User
  • 06.11.2011 14:41:50 Leo Hintermann

    Ja, der Marco Reus sei schon ein großartiger Fußballspieler, sagt der Trainer von Hertha BSC, »aber beim Siegtor hat er natürlich auch Glück, dass ihm der Ball auf den Fuß fällt«. Da ist was dran. Denn eigentlich hätte Marco Reus dieser Ball gar nicht auf den rechten Fuß fallen dürfen,

    wenn die Berliner Verteidiger - darunter auch der unsägliche Maik Franz - nicht ca. 5 m Sicherheitsabstand gehalten hätten.

  • User
  • 06.11.2011 18:16:49 currygoi

    Was hast du denn gegen Maik Franz? Der ist doch voll cool! Ein echter Typ und so. Da gibts doch viel zu wenig heutzutage, undso. Was man halt bei Maik Franz so sagt.

    Die Ballade von Maik Franz läuft bei 11Freunde auf heavy rotation.

  • User
  • 06.11.2011 19:40:19 Binger05

    @mehmetwir...Schon mal ein Gladbach-Spiel gesehen? Oder nur Zusammenfassungen? Wenn ueberhaupt hat Gladbach nicht erfolgreich genug gespielt,sondern trotz zahlreicher Chancen in Spielen Punkte liegen gelassen. Und wenn die Leistungen zb gegen Leverkusen und Wolfsburg nicht aesthetisch waren,was dann? Ein Arango ist technisch einer der besten Spieler der Liga, schlicht eine Augenweide am Ball.

  • User
  • 07.11.2011 07:43:28 mehmetwirdankendir

    @ Binger
    Wenn ich sehen will, wie sich 10 Menschen gleichzeitig in die selbe Richtung bewegen, kann ich mir auch Synchronschwimmen anschauen. Das Spiel gegen den Ball ist fad und hat mit Pressing mal nichts zu tun. ballverlust - schnell in die eigene Hälfte und Position einnehmen.

  • User
  • 07.11.2011 10:48:46 bobby171

    @mehmet: woher soll ein bayernfan auch wissen, wie ästhetisches Spiel aussieht...

  • User
  • 07.11.2011 10:55:00 mehmetwirdankendir

    Das haben uns 2 Jahre van Gaal beigebracht. Aber ich muss dir zähneknirschend Recht geben. Außerhalb dieser 2 Jahre waren wir wohl nur erfolgreich. Euer Fußball in den 70ern soll sehr schön gewesen sein. Der aus meiner Kindheit mit Dahlin, Effenberg und Petersson ganz nett. Aber der jetzige ist pragmatisch. Euphemistisch ausgedrückt. Kann aber verstehen, was du meisnt. Wenn man doch mal Punkte holt sieht man alles mit der rosaroten, Nech?

  • User
  • 07.11.2011 15:20:13 HaDe

    Wie nett Maik F. ist, sieht man an seinem netten Foul, dauerhafte Invalidität des Gegners nicht ausgeschlossen.

  • User
  • 07.11.2011 15:25:30 Redondo7 1

    Sonst wäre es ja auch keine Invalidität.

  • User
  • 07.11.2011 15:31:44 Hotte80

    ja merkwürdig, nich? trotzdem wird ja recht häufig von dauerhafter Invalidität gesprochen.

  • User
  • 07.11.2011 15:36:59 Redondo7 1

    Gemeint ist wohl dauerhaft im Sinne von "für immer", was aber dauerhaft genau genommen eben nicht heißt.

  • User
  • 07.11.2011 15:39:12 L3v3l0rd

    Hehe. Boah, Alter! Letztes Jahr war ich zwei Wochen Invalide!

  • User
  • 07.11.2011 15:50:55 hmpflgrr

    Ungültig!

  • User
  • 07.11.2011 15:52:52 Hotte80

    ich bin mo - do von 6.45 - 16.00 und fr. von 6.45 - 12.45 uhr invalide.

  • User
  • 07.11.2011 16:00:12 AntiMöller

    Wenn man bei Invalidität automatisch von "dauerhaft" ausginge, schlösse man ja Gottesbeweise aus.

  • User
  • 07.11.2011 16:00:34 Redondo7 1

    Du bist aber immer ein Pflegefall!

  • User
  • 07.11.2011 21:26:46 einrudithömmes

    Is vielleicht so wie (früha!) Arbeits- und Berufsunfähichkeit. Gerade letzteres geht ja vielen so. Und doch übern viele mindestens genauso viele leider ja doch ihren Beruf aus.

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