Die Geschichte der Fußballfans

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05.11.2011

Fußball-Legenden gratulieren Uwe Seeler

»Schade, dass Du keine Frau bist!«

Text: Protokolle: Alex Raack  Bild: Imago

UWE-UWE-UWE! Am heute wird »Uns Uwe« Seeler 75 Jahre alt. Zu seinem Geburtstag lassen wir ehemalige Weggefährten zu Wort kommen. Happy Birthday, Dicker, sagen Horst Hrubesch, Dettmar Cramer, Willi Schulz und Co.!  

Fußball-Legenden gratulieren Uwe Seeler - »Schade, dass Du keine Frau bist!«


Klaus Fischer

Für mich gab es nie ein größeres Idol als ihn: Uwe Seeler. Als kleiner Junge in Bayern wollte ich immer so sein wie er, Tore schießen wie er, Tore köpfen wie er – und seine Fallrückzieher habe ich ja dann später auch ganz gut kopiert... 1968 stand ich Uwe das erste Mal gegenüber, als junger Neuling bei 1860 München. Er war da schon längst eine deutsche Fußballlegende und beim HSV der absolute Chef auf dem Platz. Trikots haben wir aber nicht getauscht, jedes verschenkte Leibchen mussten wir damals noch aus eigener Tasche bezahlen und das wollte ich dann doch nicht. Was mir am meisten an Uwe imponierte, war seine Stärke im Kopfballspiel. Seine Sprungkraft, seine Explosivität, seine Präzision – all das hat Uwe, genau wie ich, am Kopfballpendel gelernt. Das Pendel – warum gibt es das heute eigentlich nicht mehr? Ohne das Pendel hätte Uwe vielleicht nie sein legendäres Tor im WM-Viertelfinale 1970 gegen England erzielt. Als ich den Treffer damals im Fernsehen sah, wusste ich sofort: Das hat er mit Absicht getan! Den Ball mit dem Hinterkopf so geschickt ins lange Eck zu lupfen, das konnte wirklich nur er. Vielleicht wird es nie wieder einen so guten Kopfballspieler wie »Uns Uwe« geben. Deshalb: Alles Gute, Uwe, und: Bleib gesund!



Hannes Löhr

Ich kann mir eigentlich keinen besseren Kapitän als Uwe Seeler vorstellen. Wenn er in der Kabine vor dem Spiel von uns vollen Einsatz verlangte, dann sind wir auch gelaufen wie die Wahnsinnigen. Warum? Weil Uwe selbst der Verrückteste von allen war. Bei ihm passt die Phrase »etwas vorleben« wie die Faust aufs Auge. Ich erinnere mich an eine der ersten Trainingseinheiten vor der WM 1970 in Mexiko. Es war unglaublich heiß und nach gut einer Stunde klappte Peter Dietrich zusammen. Diagnose: Sonnenstich! Wir übrigen Spieler überlegten, ob wir das Training aufgrund des brutalen Klimas nicht lieber abbrechen sollten. Nur Uwe sagte: »Kommt, lasst uns noch ein büschen weitermachen.« Noch heute sehe ich ihn mit hochrotem Kopf über den Trainingsplatz rennen, er leuchtete wie eine Glühbirne. Und wir alle dachten: Der Uwe kippt als Nächster um! Was er natürlich nicht tat. Uwe ist und war einfach nicht klein zu kriegen...

Willi Schulz

Man hat mich gebeten, bei all der Lobhudelei auf Uwe, doch auch mal etwas Negatives über ihn zu berichten. Tut mir leid, das ist einfach unmöglich. Selbst wenn er uns früher während des Spiels oder später in der Kabine zusammenstauchte – Uwe konnte man nicht böse sein. Er war einfach ein großer Spieler, ein großer Kapitän. 1959 gab ich als junger Spund mein Debüt in der Nationalmannschaft, ich spielte damals noch bei Union Günnigfeld in der fünften Liga. Natürlich war ich total nervös, aber Uwe, der ja selbst nur ein paar Jahre älter war, nahm mich gleich beiseite und sprach mir Mut zu. Schon als junger Kerl strahlte er so viel Sicherheit aus, das hat ihn später zu einem perfekten Kapitän gemacht.

Dettmar Cramer

Im Februar 1950 saß ich gemeinsam mit Sepp Herberger auf der Tribüne, um in Hamburg ein Spiel der U-18-Mannschaften von Schleswig-Holstein und Hamburg zu beobachten. Neben uns saßen Erwin und Anni Seeler, deren ältester Sohn Dieter für Hamburg auf dem Platz stand. Dieter machte ein tolles Spiel, also sprach ich »Old« Erwin mein Kompliment aus: »Ihr Sohn ist ein großartiger Fußballer!« »Das macht mich stolz«, sagte Erwin, doch Mutter Seeler grätschte verbal dazwischen: »Da sollten sie erst unseren Lütten sehen!« Der Lütte, das war der kleine Uwe, den alle nur »den Dicken« nannten. Als ich zwei Jahre später in Duisburg die erste deutsche Jugend-Nationalmannschaft auf ein FIFA-Turnier in Belgien vorbereitete, war Uwe mit dabei. Er war schon damals unbezahlbar. Jürgen Werner, sein Mitspieler und Kumpel aus Hamburg, verriet mir: »Wenn wir zurückliegen, schicken wir immer den Dicken nach vorne.« Und auch für unsere Jugend-Auswahl traf Uwe wie er nur wollte, ein unglaublicher Stürmer! Ich habe ihn in all den Jahren auf seinem Weg begleitet und wenn ich eines weiß über Uwe, dann, dass er immer unglaublich zuverlässig war – in jeder Lebenslage. Außerdem hatte er einen wunderbaren Mutterwitz. Ich weiß gar nicht mehr, wer lustiger war: Sepp Maier oder »Uns Uwe«. Natürlich musste er auch einstecken. Damals gab es einen Schlager, der hieß: »Ach, sag doch nicht immer wieder Dicker zu mir...« Damit haben wir ihn immer wieder aufgezogen. Ich kann nur hoffen, dass dieses Lied auch an seinem 75. Geburtstag eingespielt wird – Uwe würde sich freuen!


weiterlesen [1] [2]



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»Uns Uwe« in Zahlen und Fakten:
476 Spiele (Oberliga und Bundesliga) für den Hamburger SV, 404 Tore (davon 137 in der Bundesliga). 10 U-Länderspiele (15 Tore), 72 A-Länderspiele (43 Tore).


Fotostrecke

  • »Uns Uwe« in Zahlen und Fakten:<br />
476 Spiele (Oberliga und Bundesliga) für den Hamburger SV, 404 Tore (davon 137 in der Bundesliga). 10 U-Länderspiele (15 Tore), 72 A-Länderspiele (43 Tore).
  • Weiter gehts: Titel und Auszeichnungen:<br />
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Vize-Weltmeister 1966 in England, WM-Dritter 1970 in Mexiko, WM-Vierter 1958 in Schweden, Zweiter Platz im Europapokal der Pokalsieger 1968, Deutscher Meister 1960, Vize-Meister 1957, 1958, Deutscher Pokalsieger 1963, Neunmal in Folge Norddeutscher Meister (1955–1963), 1960, 1964 und 1970: Deutscher Fußballer des Jahres (1960 wurde er erster Träger dieses Titels), 1970: Großes Bundesverdienstkreuz (als erster Sportler), 1971: Bambi, 1972: Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft (zweiter so ausgezeichneter Spieler), 1982: Ehren-Schleusenwärter in Hamburg, 2003: Hamburger Ehrenbürger (Seeler erhielt diese höchste Auszeichnung, die Hamburg vergibt, als bislang einziger Sportler), 2006: Mall of Fame, 2006: Ehrenkommissar der Polizei Hamburg, 2006: Goldener Rathausmann der Stadt Wien, 2008: Ehrenkapitän der Rickmer Rickmers
  • Gibt es Hamburger, die Uwe Seeler nicht mögen? Vermutlich nicht. Selbst St. Pauli Fans dürften Seeler ins Herz geschlossen haben, als er als amtierender HSV-Präsident dem Fanzine »Uebersteiger« ein Interview gab und sich anschließend mit Heft und Trikot anbbilden ließ. Weil der HSV Ende der neunziger Jahre in argen Finanzproblemen steckte, veröffentlichte eine große Tageszeitung Bildbotschaften mit dem Titel »Ganz Hamburg steht hinter dem HSV«. Die »Uebersteiger«-Macher antworteten mit einem Cover, darauf Seeler mit St. Pauli Trikot im Anschlag. Titel: »Ganz Hamburg steht hinter dem HSV. Ganz Hamburg?«
  • Typische Pose: Im Liegen, im sitzen, im stehen, in der Luft – seine Hütten machte Seeler aus nahezu jeder Lage. Legendär sein Fallrückzieher im sitzen gegen Westfalia Herne.
  • Der Ball ist sein Freund. Stundenlang mühte sich Seeler am Kopfballpendel, Ergebnis: Eine einzigartige Technik im Stirnlappen. Spricht man ihn heute auf das Pendel an, darf man sich auf minutenlange Lobeshymnen freuen.
  • Als Spielerfrauen noch Fußballer-Bräute hießen: Ilka Seeler. Im »Hamburger Abendblatt« schrieb Deutschlands Vorzeige-Kickergattin einmal: »Ich hätte gar keinen anderen Mann heiraten können. Ich habe einen Mann gefunden, den ich betüdeln konnte. Und das habe ich reichlich getan. Wir haben uns prima ergänzt. Ich hatte den Part zu Hause, er auf dem Platz.« Nett auch diese Anekdote: »Als ich ihn kennenlernte, da mochte Uwe nicht mal ans Telefon gehen, weil er so unsicher war, zu reden.«


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Kommentare

  • User
  • 05.11.2011 02:48:58 Ganna

    Nach wie vor ein netter Bursche!
    Herzlichen Glückwunsch also!

  • User
  • 05.11.2011 03:24:10 Ramon Diaz

    Glückwunsch oh Größter aller Fussballer!

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