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28.12.2011

Best of 2011: Erich Ribbeck über Fußball 2000 und Stielikes Sakko

»Tja, jeder hat seinen eigenen Geschmack«

Interview: Philipp Selldorf  Bild: Imago

Der Name Erich Ribbeck wird für deutsche Fußballfans immer mit der katastrophalen EM 2000 in Erinnerung bleiben. Für unsere neue Spezial-Ausgabe »Das waren die Nuller« sprachen wir mit ihm über deutschen Fußball zur Jahrtausendwende und das Sakko von Uli Stielike.

Best of 2011: Erich Ribbeck über Fußball 2000 und Stielikes Sakko - »Tja, jeder hat seinen eigenen Geschmack«


Erich Ribbeck, herzliches Beileid: Sie sind als erfolglosester Bundestrainer in die Geschichte eingegangen.

Erich Ribbeck: Wenn man die Statistiken sieht, dann stehe ich ganz hinten, das stimmt. Ich war allerdings auch der einzige Bundestrainer der DFB-Geschichte, der während der Saison eingestellt wurde. Alles war bereits arrangiert, ich hatte keinerlei Einfluss auf die Planungen. Ich kam ins Amt – und musste drei Wochen später das Qualifikationsspiel in der Türkei machen. Früher hat man so was Todeskommando genannt.

>>> Die Karriere von Erich Ribbeck in Bildern!



So schlimm?

Erich Ribbeck: Die Konstellation war einfach ungünstig. Jürgen Klinsmann hatte es viel besser, der konnte zwei Jahre lang experimentieren. Als ich mal bei einem Freundschaftsspiel in Holland Zoltan Sebescen ausprobiert habe und er schwindelig gespielt wurde, da ging es gleich richtig rund. Es war schwierig. Andere Trainer wären auch nicht besser rausgekommen aus der Zeit.

Was machte diese Zeit so besonders?

Erich Ribbeck: Wir hatten ja darüber hinaus noch ein paar andere Todesaufträge: Wir mussten zum Beispiel nach Mexiko zu diesem FIFA-Turnier ... wie hieß das noch?

Confederations-Cup.

Erich Ribbeck: Genau, zum Confed-Cup. Da mussten wir antreten, weil wir sonst die WM 2006 nicht bekommen hätten. Für diese WM mussten wir jedes Opfer bringen. Ich erinnere mich noch an die entsprechende Sitzung in Frankfurt: Die Klubs wollten ihre Spieler nicht freigeben, und so durfte ich von jedem Verein nur zwei haben. So kamen einige zu ihrem Debüt, die haben in der Folge nur noch ein, zwei Mal aufgelaufen sind.

Zum Beispiel Ronald Maul und Heiko Gerber.

Erich Ribbeck: Ich muss gestehen: Die Namen hätte ich jetzt nicht sofort gewusst. Zuerst mussten wir gegen die Brasilianer ran, die hatten sich ganz gezielt vorbereitet. Wir haben 0:4 verloren – und bekamen es kübelweise. Später gab es noch diese Reise in die USA mit drei Länderspielen, dagegen konnte ich mich auch nicht wehren. Auch so ist meine miese Statistik entstanden. Die Leute wissen das ja gar nicht mehr. Die lesen die Zahlen und sagen: »Der Ribbeck war ja eine schöne Flasche.« Ich konnte und kann damit aber gut leben. Weil ich weiß, was passiert ist.

Sie haben damals selten den Anschein erweckt, als hätte Sie die Kritik und allgemeine Häme sonderlich erschüttert.

Erich Ribbeck: Bei mir ging’s, aber für meine Familie war das nicht so einfach, wenn die wieder in der Zeitung lesen mussten, was ich für einen Mist gebaut hätte.

Ihr Dienst beim DFB hatte ja schon unruhig begonnen. Die Trainersuche des Präsidenten Egidius Braun trug komödiantische Züge. Erst durfte sich Paul Breitner als Bundestrainer wähnen, dann Uli Stielike, schließlich wurden Sie präsentiert. Wie haben Sie diese Unordnung erlebt?

Erich Ribbeck: Da kam einiges zusammen, der Start war denkbar ungünstig. Schon die Einführungsrede des Präsidenten, als ich in Frankfurt vorgestellt wurde ... Es ist nicht ideal gelaufen, höflich formuliert. Normalerweise hätte ich gleich sagen müssen: »Danke, meine Herren, Thema ist erledigt.« Aber wer macht das in so einer Situation? Dann wären sie ja auch alle über mich hergefallen.

Der Vorstellungstermin wurde vor allem von dem Entsetzen über das Jackett ihres Assistenten Uli Stielike bestimmt.

Erich Ribbeck: (denkt nach) Ich habe es auch gesehen. Tja. Jeder hat seinen eigenen Geschmack. Der Uli Stielike war nicht verkehrt, doch zwischen uns beiden hat es nicht gepasst. Aber ich musste meinen Assistenten praktisch über Nacht nehmen. Ich wusste gar nicht, dass der sich selbst Hoffnungen gemacht hatte, Bundestrainer zu werden. Im Nachhinein ist mir klar: Es wäre besser gewesen, Rainer Bonhof zu nehmen, obwohl er damals Hüftprobleme hatte und nicht richtig trainieren konnte...

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Das vollständige Interview mit Erich Ribbeck, seine Meinung zu Lothar Matthäus und warum er keine Lust darauf hat, ein Buch zu schreiben, lest Ihr im neuen 11FREUNDE-Spezial »Das waren die Nuller«, das ab sofort im Handel ist!



Aus 11 FREUNDE-Spezial: 00er

Das waren die Nuller Jahre






1957, wir sehen den blutjungen Erich Ribbeck, Spieler beim Wuppertaler SV. Wohin wohl sein Blick gleitet in diesem Moment? Nach Portugal? Holland oder Belgien?


Fotostrecke

  • 1957, wir sehen den blutjungen Erich Ribbeck, Spieler beim Wuppertaler SV. Wohin wohl sein Blick gleitet in diesem Moment? Nach Portugal? Holland oder Belgien?
  • Seine Trainerkarriere beginnt Ribbeck 1965 als Co-Trainer von Hennes Weisweiler. Unser Fto zeigt ihn bei seiner ersten Station als Cheftrainer für Rot-Weiss Essen.
  • 1971, Ribbeck ist inzwischen bei Eintracht Frankfurt angestellt, präsentiert sich der Coach vor der neuen Saison mit hübschen Bällen, Ender Konca (Mitte) und Jürgen Grabowski.
  • Zwei Jahre später ist Ribbeck schon Trainer beim 1. FC Kaiserslautern. Da hat er bereits einen Rekord aufgestellt: 1826 Tage im Amt als Trainer von Eintracht Frankfurt. Das hat bis heute kein anderer geschafft.
  • Als er 1978 das Amt am Betzenberg abgeben muss, wird Ribbeck Co-Trainer von Neu-Bundestrainer Jupp Derwall. Hier feilt er an der nächsten taktischen Maßname während der WM 1978.
  • Berti Vogts und Erich Ribbeck – ihre Wege kreuzen sich in all den Jahrzehnten nicht nur einmal.


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Kommentare

  • User
  • 06.10.2011 15:26:24 mitleser

    Ach, Erich Ribbeck... er war sicher kein schlechter Trainer, aber eben auch kein guter. Wenn ich das so im Nachhinein betrachte hatte er während seiner Karriere immer den Vorteil, gut mit den Medien umgehen zu können, auch früher schon nicht ganz unwichtig. Aber wie um alles in der Welt er Bundestrainer wurde erschließt sich mir einfach nicht.
    Und natürlich waren die Spieler damals nicht unbedingt das Material zum Schwärmen, aber dennoch... nein, ich verstehe es auch heute nicht.

  • User
  • 06.10.2011 15:35:24 misterkite

    Auch 1982 ist Ribbeck als Derwalls Assistent an der Seitenlinie. Deutschland wird Vize-Weltmeister, zwei Jahre später sogar Europameister *hüstel*

  • User
  • 06.10.2011 15:40:58 Hotte80

    naja, der erich. immerhin UEFA-Cup-Sieger, das darf man nicht vergessen. sicher, ganz ganz sicher nicht grade einer innovativsten und besten seines fachs, aber das furchtbare fußballdeutschland seiner zeit, nein da hat er keine schuld. er hatte auch das pech, grade verfügbar zu sein, als der dfb einen bundestrainer brauchte. vielleciht hätte er einfach "nein" sagen sollen.

  • User
  • 06.10.2011 15:42:10 saloth sar

    hinterher weiss man's immer besser

  • User
  • 06.10.2011 15:42:53 misterkite

    ja wäre besser gewesen. ich mochte den auch. und für sein:

    Ich kann es mir als Verantwortlicher für die Mannschaft nicht erlauben, die Dinge subjektiv zu sehen. Grundsätzlich werde ich versuchen zu erkennen, ob die subjektiv geäußerten Meinungen subjektiv sind oder objektiv sind.
    Wenn sie subjektiv sind, dann werde ich an meinen objektiven festhalten.
    Wenn sie objektiv sind, werde ich überlegen und vielleicht die objektiven subjektiv geäußerten Meinungen der Spieler mit in meine objektiven einfließen lassen.

  • User
  • 06.10.2011 15:43:26 misterkite

    hätte er auch den nobelpreis verdient.

  • User
  • 06.10.2011 17:41:48 elkazer

    gibt es eigentlich bewegte bilder von stielikes sakko?

  • User
  • 06.10.2011 17:58:25 Dschungelking

    bestimmt auf youtube, da haben wir ja so spezialisten für hier im forum....

  • User
  • 06.10.2011 19:10:55 Man the Van

    Ja gut, äh, sicherlich.... Plötzlich und unerwartet Bundestrainer werden und dann ein Team um Carsten Ramelow aufbauen müssen: klar die A-Karte gezogen, das Leben ist schon eins der Schwersten.
    Aber ist Otto Rehhagel nicht mit 22 Ramelows Europameister geworden?
    Und mit welcher Diagnose erklären wir den folgenden Satz: "Wir mussten zum Beispiel nach Mexiko zu diesem FIFA-Turnier ... wie hieß das noch?"
    Gibt es "chronische Oberflächlichkeit" im ICD-10? Lässt so ein Satz Rückschlüsse auf Sir Erichs Arbeitshaltung als (Vorsicht: Ekelsynonym with 3 l in a row) Fußballlehrer zu?
    Und, vielleicht die wichtigste Frage: Was ist eigentlich das Gegenteil von "Konzepttrainer"?

  • User
  • 06.10.2011 20:11:52 elkazer

    ernst happel. und das ist gut so.

    @dschungelkönig. ich hab bis jetzt nichts gefunden :(

  • User
  • 06.10.2011 20:51:45 schabernack

    Was ist eigentlich das Gegenteil von "Konzepttrainer"?

    Das Gegenteil von Konzeptfußball ist "HELDENfußball" und Ribbeck war gerade auch in seiner Zeit als Bundestrainer ein Verfechter davon nach dem Motto: "Konzepte sind Kokolores!"

  • User
  • 06.10.2011 21:36:31 Man the Van

    und Ribbeck war gerade auch in seiner Zeit als Bundestrainer ein Verfechter davon nach dem Motto: "Konzepte sind Kokolores!"

    Laut Ribbeck (s. vollständiges Interview im Heft) hat er diesen Satz nie gesagt, er stammt offenbar von eben jenem Rehakles, der mit 22 Ramelows Europameister geworden ist (so schließt sich der Kreis). Zitat: "Das Wort Kokolores gehört gar nicht zu meinem Wortschatz, aber Otto benutzt es oft."

    Aber schön, dass man als präseniler Ex-Bundestrainer von Leuten verteidigt wird, die man nicht kennt, mit Sätzen, die man nie gesagt hat.

    Muss wirklich ein geiles Gefühl sein, prominent zu sein...

  • User
  • 06.10.2011 22:37:29 Hotte80

    das die 96er-elf aus 22 ramelows bestand, also das... das ist mir neu.

  • User
  • 06.10.2011 22:51:15 Man the Van

    Wohingegen mir neu ist, dass unser Trainer 96 eben jener Rehakles war. Behauptet hat das hier auch niemand. Aber es ist ja auch schon spät...

  • User
  • 07.10.2011 01:13:54 Exil96er

    "Aber schön, dass man als präseniler Ex-Bundestrainer von Leuten verteidigt wird, die man nicht kennt, mit Sätzen, die man nie gesagt hat."

    Sehr schön! :)

  • User
  • 07.10.2011 08:07:29 Hotte80

    ah tatsächlich. völlig verlesen. is aber auch egal.

  • User
  • 07.10.2011 10:37:08 fisch100

    Da soll noch mal eina über Jogi lästern! Schlimmer würde der es mit 22 Ramelows auch nich hinkriegen!

  • User
  • 10.10.2011 20:12:59 ceex73

    was mich by the way am interview im heft stört (ansonten ganz gelungen): es wird genau in den momenten nicht nachgefragt, in denen ribbeck z.B. luft über didi hamann ablassen will. da hätte sich ein: "erzählense doch mal..." durchaus gelaunt. wenn der herr r. schon mal am tisch sitzt.

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