Die Geschichte der Fußballfans

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29.12.2011

Best of 2011: Kabarettist Dieter Nuhr über Fortuna Düsseldorf

»Die ganze Kurve war halbnackt«

Interview: Thorsten Schaar  Bild: Imago

Kabarettist Dieter Nuhr hat die schweren Jahre seiner Fortuna Düsseldorf oft in seinen Shows thematisiert. Wir sprachen mit ihm über die Wiederauferstehung seines Lieblingsvereins.

Best of 2011: Kabarettist Dieter Nuhr über Fortuna Düsseldorf - »Die ganze Kurve war halbnackt«


Sie haben in den 90er-Jahren den Satz geprägt: »Wer Fortuna kennt, braucht das Leben nicht zu fürchten.« Die Fans tragen den Spruch bis heute auf T-Shirts. Ist er überhaupt noch gültig angesichts der aktuellen Erfolgswelle?

Dieter Nuhr: Nun, immerhin ist es ja noch Zweite Liga. Aber es stimmt. Momentan macht es sehr viel Spaß, der Fortuna zuzugucken. Allerdings haben diese Phasen bei Fortuna langfristig immer nur dazu gedient, die Fallhöhe zu erhöhen. Hoffen wir, dass es diesmal anders kommt. Was macht eigentlich Aleks Ristic...?



Was ist passiert, dass aus dem heruntergekommenen Traditionsverein plötzlich ein veritabler Kandidat für den Erstligaaufstieg wurde?

Dieter Nuhr: Aleks Ristic hatte auf dem Balkan einfach nicht mehr genügend weitere Freunde, denen er durch irgendwelche glibberigen Verträge den letzten Rest Kohle, der in Fortuna steckte, zuschustern konnte. Insgesamt haben nach dem Niedergang ziemlich viele halbseidene Gestalten das Interesse verloren. Das war für Fortuna eine große Chance. Sie wurde genutzt. Sie haben ihn reingemacht. Wunderbar!

Wie und wann sind Sie selbst in die Fänge der Fortuna geraten? Das legendäre 7:1 Ende der siebziger Jahre gegen den FC Bayern – woran erinnern Sie sich?

Dieter Nuhr:  Beim 7:1 war ich im Stadion. Noch spektakulärer war das 6:5, bei dem es zur Halbzeit 2:4 gestanden hat. Da stand doch Sepp Maier bei den Bayern zwischen den Pfosten und ließ Zimbos Flatterball aus gefühlten 110 Metern durch, eine Aktion, für die man Neuer in der Bayernfankurve heute köpfen würde.

...Zimbo nannten die Fortuna-Fans seinerzeit liebevoll ihren Scharfschützen Gerd Zimmermann...

Dieter Nuhr: Damals war Superwetter, wir waren nebenan im Schwimmstadion und haben Mädchen reingeworfen. Pünktlich zum Spielbeginn drängten die ganzen Pubertierenden durch den Zaun auf die Stehplätze. Die ganze Kurve war halbnackt. Leider interessierten sich die Mädchen damals noch nicht für Fußball. Heute hätte das Ganze vielleicht in einer Schaumparty geendet. Es war aber auch so wunderbar!

Haben Sie geweint, als die Fortuna 1979 in Basel gegen Barcelona verlor?

Dieter Nuhr:  Da war ich im Sommerurlaub. Ich muss gestehen, dass ich das Ergebnis aus der Zeitung erfahren habe. Und wir hatten damit gerechnet. Einen Europapokalgewinn hätte ich mir auch nicht wirklich vorstellen können. Dass es so knapp vorbei war und Fortuna sogar das bessere Team, hätte mich am Fernseher wahrscheinlich verzweifeln lassen. Und ein Besuch im Stadion stand ja damals noch gar nicht zur Debatte. Fernreisen waren damals noch teurer als die Straßenbahn nach Stockum. Das hat sich ja auch teilweise geändert.

Mal eine kleine Klubgeschichte im Zeitraffer: Was ist zwischen Ende der 70er-Jahre und heute passiert?

Dieter Nuhr: Das Tragische ist, dass sich der Alterungsprozess der Spieler nicht aufhalten ließ und die Gentechnik noch nicht so weit war, dass man Spieler wie Seel, Zewe, Herzog, Geye und viele andere hätte klonen können. Spätestens als die Allofs-Brüder weg waren, zog die Gravitation den Verein Richtung ganz weit unten. Wenn Fortuna eine Aktie wäre, ließe sich das Ganze so zusammenfassen: Insgesamt ging's  rauf und runter, aber der langfristige Trend ließ seriösen Analysten schon in den Achtzigern nur eine Empfehlung: Verkaufen!

Sind Sie auch zur Fortuna gegangen, als sie zwischen 2002 und 2004 in der 4. Liga spielte?

Dieter Nuhr: Dritte Liga habe ich teilweise gesehen, aber in der vierten hatte man das Gefühl, den Sterbenden nicht stören zu wollen. Ich dachte, die sind im Koma, die merken das gar nicht, wenn einer vorbeikommt. Dass der Verein dieses Nahtoderlebnis überstehen konnte, war ja nicht zu erwarten. Ich war kurz davor, mich anderen Sportarten an den Hals zu werfen. Ich weiß, im Nachhinein wirkt das charakterlos, aber auch meine Leidensfähigkeit hat Grenzen. Ich komme aber auch so nicht so oft ins Stadion, weil ich ja wie die Fußballer einen Tourneeberuf habe, da ist das Wochenende Hauptarbeitszeit.


weiterlesen [1] [2]



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Die goldenen Endsiebziger I: Nicht zu klonende Pokalhelden: Gerd Zewe, Rüdiger Wenzel und Co.; andere wechseln später zu Werder Bremen (rechts: Otto Rehhagel mit Feierabendbier.



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  • Die goldenen Endsiebziger I: Nicht zu klonende Pokalhelden: Gerd Zewe, Rüdiger Wenzel und Co.; andere wechseln später zu Werder Bremen (rechts: Otto Rehhagel mit Feierabendbier.<br />
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  • Die goldenen Endsiebziger V:  Stürmer Rüdiger Wenzel behängt sich stets mit teurem Schmuck, wenn er in Düsseldorfer In-Diskotheken auf Beutezug geht.
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Kommentare

  • User
  • 23.09.2011 10:49:14 skifahrer

    »Fortuna-Fan zu sein, ist gelebte Lebenshilfe. Wer mit diesem Verein aufwächst, weiß dass Schmerzen, vielleicht nicht vergehen, aber, dass sie erträglich werden. Irgendwann. Insofern kann ich nur Eltern empfehlen nach Düsseldorf zu ziehen, um ihre Kinder mit der Fortuna aufwachsen zu lassen, weil solche Kinder einfach nachweislich resistenter durchs Leben gehen.«

    Bis auf die Kommata ist dem nichts hinzuzufügen: yep, so isses.

  • User
  • 23.09.2011 11:48:15 Jim Panse

    Dieter is der Beste!

  • User
  • 23.09.2011 11:56:54 Klakki

    "Düsseldorf war ja schon immer eine große Sportstadt[...] oder Dorf. [...]und man ist eventorientiert.

    C'est ca.

  • User
  • 23.09.2011 11:57:52 El Buitre

    Ich find den arg scheiße. Aber jeder wie er will.

  • User
  • 23.09.2011 13:03:59 Leo Hintermann

    11freunde sollte weniger Interviews mit chronisch unlustigen Leuten machen, die sich für witzig halten. Apropos: was macht eigentlich Dieter Nuhr?

  • User
  • 23.09.2011 15:37:22 rumpler

    Genau. Gibt's da nicht irgendeinen HIPHOPPER oder ALTPUNK der über D'dorf was sagen könnte?

  • User
  • 23.09.2011 17:39:54 Capocannoniere

    Bei den Frauen kommt er an - die mögen solche Smooth Talker. Naja, zumindest die Frauen des moralischen Mittelstandes. :)

    Gemessen an dem, was sich sonst in der Kabarett- und Comedy-Branche tummelt, ist er in der Tat einer der erträglicheren.

    Ganz besonders schlimm finde ich diesen Trottel bei den Mitternachtsspitzen auf WDR; nicht den Präsentator der Sendung, sondern einen Kabarettisten, der immer furchtbar herumkrakeelt und sich regelrecht auskotzt. Gräßlich. Kaum zu glauben, daß es Leute gibt, die für sowas Geld ausgeben.

  • User
  • 23.09.2011 17:49:16 Jim Panse

    Männer können hören, was Frauen nicht hören, sie hören .............



    ................... weg

  • User
  • 23.09.2011 18:29:31 1895

    Ich weiß gar nicht, was Ihr habt. Er hat doch einfach Recht!?

    "Im Moment ist die Fortuna allerdings als Lebenshilfe für Loser wirklich nicht zu gebrauchen."

  • User
  • 23.09.2011 22:30:26 einrudithömmes

    Apropos: was macht eigentlich Dieter Nuhr?

    Sich mit den Millionen, die er sich aufgrund reiner Einbildung (sich für lustig halten) verdient hat ein schönes Leben vielleicht?

    Wie der fette Chipfresser von der Couch... "Lauuuuuf, du faule Sau!"

  • User
  • 23.09.2011 22:46:19 MarcRamone

    Altpunks aus und über Düsseldorf? Dann rufen die gleich wieder Campino an.

    Auf die Schwarzen Schafe, Broilers oder Fehlfarben kommt doch keiner mehr.

    Von mir aus können die auch Leute von Deathrow oder Assassin noch mal ausgraben. Von denen würde ich sogar noch alte Kurvengeschichten erwarten. Eher als bei die Punkrockers, aber dafür sehr schwer auffindbar...

    Außerdem ist es egal aus welcher Richtung was kommt, Hauptsache sympathisch und lesenswert.

    Manche Sachen von Dieter Nuhr waren wirklich klasse nd dieses Interview fand ich lokerleicht und unterhaltsam.

    Man könnte ersatzweise mal am Kölner Dom nachfragen, was die vom Wiedererwachen der Fortuna halten...

  • User
  • 24.09.2011 07:31:44 Plumpe

    @ Capocannoniere: Du meinst Wilfried Schmickler, und wenn Du den tatsaechlich fuer einen Trottel haeltst, dann ist wirklich kritisches politisches Kabarett wohl eher gar nix fuer Dich ...

    Im uebrigen wuensche ich der Fortuna weiterhin alles Schlechte, moegen Sie wieder in die 3. oder 4. Liga zurueckkehren und da verschimmeln !

    PS: erstes Auswaertsspiel meines Lebens: Hannover 23.06.’79

  • User
  • 26.09.2011 00:34:30 alterzabo

    23.09.2011 22:46:19 von MarcRamone
    ...Altpunks aus und über Düsseldorf? ...


    Kennst Du noch Xao Seffcheque oder den fantastischen K.F.C.?
    Und Campino und Punk schließt sich mittlerweile so aus wie Bayern und Demut.

  • User
  • 29.12.2011 22:21:09 Wer

    Also, es gibt diverse unlustige Gestalten im deutschen Fernsehen. Nuhr gehört allerdings ganz sicher nicht dazu - und wer dann noch Schmickler als Krakeler bezeichnet sollte wohl besser weiter Mario Barth gucken, oder Olm, oder was auch immer, irgendwelche geistigen Fähigkeiten sind da ohnehin nicht mehr zu erwarten.

  • User
  • 29.12.2011 22:45:07 MarcRamone

    Das sehe ich ja jetzt erst... alterzabo ... die Frage habe ich nicht mitbekommen. Lange ist es her. Sorry!

    Kennst Du noch Xao Seffcheque oder den fantastischen K.F.C.?

    Nein, sagt mir nichts.

    Campino und Punk...
    Machen wir es so:
    Ist Henry Rollins noch Punk?

    Für mich sind es beide, weil beide genau das machen was sie wollen und ziemlich straight ihren Weg gehen ohne sich dabei zu verbiegen.

    Dass Campino jetzt ziemlich erfolgreich ist, viele Platten verkauft hat mit den Toten Hosen und eine andere Musik besingt die weniger Punk, dafür mehr Punk Rock oder meinetwegen nur noch Rock ist ... gegessen. Er wird älter. Ich fänd es eher erbärmlich, wenn er immer noch den alten Punk spielen würde. Von den ehemaligen Discharge brüllt heute auch keiner mehr zum Frühstück "they declare it".

    Und ich glaube auch, dass Campino überhaupt gar nicht darüber nachdenkt, ob das was er macht in eine Punk Schublade passt oder nicht. Man, das war 1977! Da dachte er (bestimmt) noch so. Heute?! Ich glaube nicht. Nebensache.

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