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19.09.2011

Charly Dörfel über Michael Oenning und die HSV-Krise

»Da muss jetzt einer mit der Peitsche ran!«

Interview: Andreas Bock  Bild: Imago

Der HSV ist saisonübergreifend seit 13 Spielen sieglos. Das gab es zuletzt, als Charly Dörfel noch aktiv war. Wir sprachen mit der Vereinslegende über Michael Oenning, den »Chelsea-Kindergarten« und Horst Hrubesch.

Charly Dörfel über Michael Oenning und die HSV-Krise - »Da muss jetzt einer mit der Peitsche ran!«


Charly Dörfel, wir möchten mit Ihnen über den HSV sprechen.

Charly Dörfel: Ich weiß nicht, ob das noch was nützt.

Sie machen sich Sorgen?

Charly Dörfel: Mein Herz schlägt doch immer noch für den Verein. Was ich mich momentan wieder und wieder frage: Wie kann man einen Kindergarten vom FC Chelsea verpflichten und dann hoffen, dass man in der Liga eine gute Rolle spielt? Zugleich hat man Spieler wie Frank Rost oder Joris Mathijsen ziehen lassen. Dabei ist es doch keine große Neuigkeit, dass ein Team auch Typen braucht. Ein Gefüge, also erfahrene Profis, an denen sich die jungen Spieler orientieren können.



Ist also der aktuelle Tabellenstand vornehmlich der Einkaufspolitik geschuldet und weniger dem Trainer?

Charly Dörfel: Ich kenne Michael Oenning, zuletzt habe ich ihn beim »Tag der Legenden« getroffen. Ein höflicher, netter Mann. Und auch wenn ihm immer wieder unterstellt wird, er habe kein Konzept, hat er sicherlich eine Idee wie er den HSV nach oben führen will. Allein, er ist viel zu lieb. Der HSV braucht jetzt einen Schleifer, einen Trainer, der die Peitsche rausholt.

Einen Felix Magath?

Charly Dörfel: Zum Beispiel. Das Problem: Der Markt gibt nicht so viel her.  Vor einiger Zeit dachte ich noch, dass einer wie Horst Hrubesch sich gut beim HSV machen würde. Dazu Spieler, die Gras fressen. Doch was haben wir: Schönspielerei und Angsthasenfußball. Wenn ich das sehe, schalte ich den Fernseher aus.

Wie müsste der HSV momentan denn spielen?

Charly Dörfel: Kick and Rush der ganz alten englischen Schule. Die Leute müssen verstehen, dass der Baum lichterloh brennt. Gucken Sie sich Gladbach an: Die sind spielerisch ja auch nicht besser als wir, aber die sind konditionsstärker, die haben mehr Leidenschaft.

Es fehlt also die viel zitierte Brechstange?

Charly Dörfel: Ein Stürmer und hinten dicht machen – anders geht es nicht! Im Mittelfeld müsste man bestenfalls einen Typen wie Effenberg haben, also einen, der das Spiel lenkt. Diese ganzen Indianer brauchen doch einen Häuptling. Da sind wir aber wieder beim Personalproblem: Denn woher nehmen? In den eigenen Reihen findet sich so einer nicht.

Es wurden vor der Saison keine wirklichen Ziele vonseiten des HSV ausgegeben. Ist das auch ein Problem?

Charly Dörfel: Das mag sein. Es gibt keine Orientierung. Übergangssaison! Wenn ich das schon höre! Dazu wird alles schön geredet. Wenn ich die Interviews nach den Spielen höre, wird mir ganz anders. Da hat man das Gefühl, der HSV spielt aktuell ziemlich großartigen Fußball. Ich frage mich immer: Bei welchem Spiel waren diese Leute?

Michael Oenning wird auch gegen Stuttgart auf der Bank sitzen. Erstaunt Sie das?

Charly Dörfel: Das ehrt eigentlich den Verein. Nach den zahlreichen Trainer-Wechseln in der Vergangenheit versucht man nun auf Kontinuität zu setzen. Doch ganz ehrlich: Ich würde an der Stelle von Oenning selber hinschmeissen. Ansonsten, da bin ich mir ziemlich sicher, wird es nach einer Niederlage in Stuttgart einen unschönen Rausschmiss geben.

War die Situation schon mal so kritisch?

Charly Dörfel: Unter Thomas Doll war es ähnlich. Doch das war eine Momentaufnahme. Jetzt kann man ja schon von einem Geschwür sprechen. Der HSV ist seit 13 Spiele in Folge sieglos.

Es lief allerdings schon mal schlechter.

Charly Dörfel: Wann?

Vor 44 Jahren, als Sie und Uwe Seeler noch aktiv waren.

Charly Dörfel: Ach, ja. Saison 1966/67, damals blieben wir 14 Spiele in Folge sieglos. Wir rutschten vom 3. auf den 14. Platz ab. Alles halb so wild, wir blieben ja in der Liga. (lacht) Und wenn die aktuelle Saison ähnlich endet, können alle zufrieden sein.




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Kommentare

  • User
  • 19.09.2011 12:34:43 DavidGinola

    "Gucken Sie sich Gladbach an: Die sind spielerisch ja auch nicht besser als wir, aber die sind konditionsstärker, die haben mehr Leidenschaft und die sterben nicht in Schönheit."

    und noch ein paar andere stellen deuten auf seeehr wenig fußballverstand und seeehr viel tresenromantik.

  • User
  • 19.09.2011 13:58:17 mehmetwirdankendir

    Zwischen dem ganzen Müll, den er absondert steckt aber eine trostlose Wahrheit. Wo ist die Alternative? Topmöller, Neururer und Daum als Strandgut zu bezeichnen wäre Euphemismus.
    Daher meine bescheidene Meinung:
    Übergangstrainer für die Übegangssaison:
    Morten Olsen.
    Und nach der Saison, wenn Olsen mit Dänemark zur EM fährt dann ein junger ambitionierter Trainer wie Thorsten Fink und eine etwas ausgewogenere Transferpolitik.

  • User
  • 19.09.2011 14:19:19 4ter Blinder

    Ja, genau das besiegelte auch mein Urteil, Ginola. Natürlich ist Gladbach besser. Ganz ohne Brechstange.

    Und ganz ohne böse Absicht: Vielleicht gibt es irgendwo einen Wunderheilertrainer, der diese Mannschaft knapp vor dem Abstieg bewahren könnte.

    Irgendwie glaube ich aber, das würde dem HSV auch nicht weiterhelfen. So ein Abstieg würde vielleicht viel eher einen Neuanfang ermöglichen.

    Schliesslich haben die Hamburger SV-Probleme tiefliegende, traditionsbedingte Ursachen.

    Auch wenn im Publikum jetzt scheinbar doch viele merken, wie weltfremd die destruktive Kopf ab- und Nörgelstimmung vor 2-3 Jahren war, als man mit einer jungen, entwicklungsfähigen Mannschaft diverse Halb- (und Voll-)finals erreichte.

    Und sich vor allem darüber erregte, keine Titel gewonnen zu haben.

  • User
  • 19.09.2011 15:57:22 Linker Libero

    Ich hab mich beim Lesen des Inerviews gefragt, ob das ein Fake ist bzw. auch hier der böse Twitter-Twin am Werk war. Mann oh Mann, der gute Charly ist ja mal old school, genauer gesagt oldest school vom Übelsten! Kick & Rush, Gras, fressen, hinten dicht und vorne ein Stürmer - das strotz ja nur so vor Konzept!
    Und klar ist auch: Gladbach ist dem HSV spielerisch um LÄNGEN voraus! Ein Interview so unnütz wie dem Papst seine Eier. Die 11Freunde-Redaltion hätte den Charly vor sich selbst schützen und das Interviewe ganz tief vergraben sollen, anstatt es zu veröffentlichen.

  • User
  • 19.09.2011 15:59:25 giselher

    "Rodolfo hat jetzt unsere volle Unterstützung"...

    ... is son Scheiß-Satz, dass es schon wieder weh tut. Gold bei der Plattitüden-Olympiade. Mindestens.

  • User
  • 19.09.2011 16:07:55 hellboy69

    Herr Dörfel, jede Zeit, im Fussball, hat ihre Spieler, Trainer, Taktiken und Strategien. Ihre Zeit ist nun schon einige Tage vorbei und die der Trainer-Charaktere die Sie nun fordern ist, hoffentlich, mit der Ära Magath auch bald Geschichte. Am Tresen mag es dafür Applaus geben, im realen Fussball-Geschehen nur Mitleid. Das die Uhren anders Ticken ist für jeden Veteranen schwer nach zu vollziehen, aber zum Glück wird nicht jeder nach seiner Meinung gefragt.

    Und mal eine Grußadresse an die Verantwortlichen beim HSV. Wie genau definieren Sie eigentlich den Begriff „Glaubwürdigkeit“?

  • User
  • 19.09.2011 16:15:12 mitleser

    Was für ein herrlicher alter Zausel, genau so müssen die alten Recken auftreten. Alleine schon die Antwort auf die erste Frage; als ob es was genützt hätte mit ihm vor sechs Wochen zu reden, ganz großes Tennis. Und wie oben schon geschrieben, moderne Fachausdrücke wie "schleifen" (am besten solange, bis Wasser aus bestimmten Körperregionen kocht), "Gras fressen!" und der lichterloh brennende Baum machen einfach immer Spaß beim lesen. Viel mehr old school geht eigentlich nicht, es sei denn man interviewt mal wieder Ahlenfelder (die Halbzeit!) oder gräbt gleich den Merkel wieder aus.
    Aber Spaß beiseite: man hat ja nicht so den Einblick in den HSV, hier im Süden, aber es drängt sich einem doch der Eindruck auf dass die gute alte Zeit ein wenig die Sinne betäubt. Ich habe zum Beispiel nie verstanden weswegen damals die Stimmung so schlecht war, als man in einem Europapokalhalbfinale war und auch das Tagesgeschäft gut aussah - also bitte, wenn das nicht reicht, was denn dann? Ernst Happel ist ja leider tot, und Günter Netzer wird den durchtriebenen Laden auch nicht wieder übernehmen. Dass dann Michael Oenning (den ich in Nürnberg eigentlich immer sehr geschätzt habe) nicht ganz das mediale Format hat, um eine eigentlich absehbare Entwicklung zu überstehen, ist leider eine durchaus logische Konsequenz.

  • User
  • 20.09.2011 00:38:22 ElTrende

    Sollen die doch Otto Rehhagel holen. Der ist sogar mit Griechenland Europameister geworden. Dann wird er wohl ja mit dem HSV den Klassenerhalt schaffen :-)

  • User
  • 20.09.2011 09:55:16 fuerchtegott krause

    Naja, seine Aussagen klingen wirklich Old School, aber ich sehs genauso ;-) Mit "Wasser im Arsch koch"-Sprüchen wird er heut natürlich nix bei den Büblein erreichen, das kommt noch bei Ü40-Truppen in der Halbzeit an.
    Ich teile mit ihm die Meinung, dass man in einer so verfahrenen Situation sich wieder auf die Basics konzentrieren muss. Langfristige Konzepte muss jeder Trainer haben, aber in dieser Situation das Konzept des Vorgängers zu übernehmen wär lächerlich und das Einführen eines neuen Konzepts wohl zu spät für den Saisonverlauf. Ich bin daher richtig überrascht, was Ex-HSV-Trainer Labbadia in Stuttgart angestellt hat. Die letzte Saisonrückrunde haben die alles andere als ne feine Klinge gespielt, sich aber mit Kampf und Einsatz als Mannschaft rückbesonnen und den Abstieg vermieden. Heute kann man sich die sogar wieder anschauen, spielen erfolgreich und gefestigter mit System. Bei Gladbach mit Favre der gleiche Effekt.

  • User
  • 20.09.2011 12:12:47 Capocannoniere

    Schönspielerei, ha ! Wo denn ?

    Wenn man die Sprüche so manches Altvorderen hört, könnte man auf den Gedanken kommen, die sind neidisch, weil die heutige Generation besser Fußball spielt, als sie damals. Und wenn`s dann irgendwo kriselt, kommen sie an mit der gesammelten Weisheit alter Zeiten, in denen die meisten Bundesliga-Kassierer nicht wußten, daß 1/3 mehr ist als 1/4.

    Gemäß dem von Dörfel umrissenen Anforderungsprofil müßte Ferdinand Schörner zum neuen HSV-Trainer bestellt werden.

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