Die Geschichte der Fußballfans

11FREUNDE-Spezial: Nr. 1

Die Geschichte der Fußballfans

Neu hier? Alle Infos zu 11Freunde Community
19.09.2011

FC Schalke 04 - FC Bayern: Die Analyse

Das asymmetrische Angriffssystem

Text: Tobias Escher  Bild: Imago/spielverlagerung.de

Nach dem 0:1 durch Bayerns Nils Petersen lief Schalke dem Rückstand fast 70 Minuten hinterher. Rangnick stellte auf ein offensiveres System und bot so den Bayern Räume – am Ende fiel das Spiel mit 2:0 fast noch zu niedrig aus.

FC Schalke 04 - FC Bayern: Die Analyse - Das asymmetrische Angriffssystem


Jupp Heynckes größte Errungenschaft in seiner kurzen Trainerzeit bei den Bayern ist das asymmetrische Angriffssystem. Unter seiner taktischen Führung versuchen die Münchner jederzeit eine Überzahlsituation zu kreieren. Anders als unter van Gaal interpretieren die Außenspieler ihre Positionen nicht starr, sondern driften oft ins Zentrum ab, um dort auszuhelfen. Auf den Flanken werden Ribery und Müller oft von Schweinsteiger unterstützt. So haben die Bayern in Ballnähe immer mindestens eine, meistens aber zwei Anspielstationen.



Schalke in der Theorie gut…

Der Vorteil dieser Taktik liegt auf der Hand: Durch den Versuch, Überzahlsituationen in Ballnähe zu schaffen, kann man den Ball und den Gegner laufen lassen. Der Nachteil dieser Strategie: In ballfernen Positionen hat man selten Spieler, die angespielt werden können. Schalke versuchte diese Eigenheit durch eine sehr konsequente Abwehrtaktik auszunutzen: Hinter dem Ball blieben nur sieben Spieler, die aber in einer 4-3-3-Aufstellung konsequent zum Ball hin verschoben.

S04

Die Mittelfeldspieler Holtby, Papadopoulos und Kluge waren nicht umsonst die drei Schalker Spieler mit der höchsten Laufdistanz. In der Verteidigung ließen die Schalker so die jeweils nicht bespielte Flanke verwaisen, genau wie die Angreifer es taten.

… In der Praxis mit Problemen

Die Königsblauen hatten so stets drei Akteure in Lauerstellung. Raul, Farfan und Huntelaar sollten die Passwege zurück zu den Abwehrspielern schließen und gleichzeitig allzeit bereit für den schnellen Konter sein. Von der Grundidee reichten sieben Verteidiger gegen die asymmetrische Bayern-Offensive. Im Spielverlauf zeigte sich jedoch, dass Schalkes Offensive gar nicht in das Geschehen eingebunden war. Den ersten Torschuss konnten sie erst in Minute 27 verbuchen. Phillip Lahm (94 Ballkontakte) alleine war fast so oft am Ball wie die gesamte Schalker Offensive zusammen (108). So hatten die Schalker damit zu kämpfen, dass die Bayern in den ersten dreißig Minuten über 60 Prozent Ballbesitz hatten. Sie selber konnten kaum für Entlastung sorgen, da sie zwar immer die Überzahlsituationen der Bayern neutralisierten, aber zu selten selber den Ballführenden mit mehreren Spielern unter Druck setzen konnten.

Defensiv standen die Hausherren dennoch recht gut. Allerdings rückten sie in einigen Situationen zu aggressiv auf. Dies war ein Fehler, den man gegen einen Ribery in Topform nicht machen darf: Nachdem er sich mit nur einer Finte 50 Meter Raum schaffen konnte, legte er den Ball zu Petersen weiter. Dieser erzielte mit etwas Glück den Führungstreffer (21.). Im eigenen Stadion ausgekontert – das darf nicht passieren. Die zweite Hälfte folgte dem altbekannten Muster: Schalke lief dem Rückstand hinterher und Rangnick musste in der Folge auf ein offensiveres System umstellen. Hierdurch entstanden Räume, die die Bayern dankbar annahmen. Am Ende fiel das Spiel mit 2:0 fast noch zu niedrig aus.

----
Ballbesitzstatistiken, Spielfeldmatrixen und taktische Formationswechsel – für manche Fans ein rotes Tuch, für Tobias Escher eine Leidenschaft. Zusammen mit seinen Kollegen analysiert er die Taktik der Bundesligisten auf dem Blog Spielverlagerung.de.




---
News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: Bayern München, Schalke 04






Ähnliche Artikel

Kommentare

  • User
  • 19.09.2011 12:07:25 valenciano

    Irgendwie weiss ich immer noch nicht was ich von diesem Trend mit dieser Pfeil-Grafik halten soll. Einerseits toll, dass Taktik mehr in den Mittelpunkt gestellt wird, was nach Rangnicks legendaerem Auftritt eigentlich laengst ueberfaellig ist; anderreseits ist es doch bloede ne statische Ausrichtugn symbolisch darzustellen und dann im Text das verschieben hervorzuheben. Der naechste Schritt muesste eigentlich individuelle animationen sein. Und dann vielleicht auch ohne so Phrasen wie: "Im eigenen Stadion ausgekontert – das darf nicht passieren".

  • User
  • 19.09.2011 21:19:02 König Fussball

    Hier fehlt irgendwie die Analyse...
    Die gibt es dann im Originaltext. Also könnte man auch gleich nur nen Link setzen. Verstehe ich nicht.

  • User
  • 19.09.2011 23:33:06 shabberich

    kleiner querschläger (ist das erlaubt? es ist ja für die gute sache!):
    einen sehr unterhaltsamen blog zum FCB gibts jetzt unter
    http://arthurfriedenreich.wordpress.com/
    käsekrainer an fußball!

  • User
  • 20.09.2011 00:05:25 Al Packer

    Also ist das Spiel nun zu niedrig ausgefallen oder nicht?
    Wobei die Frage erlaubt sein muß, was in diesem Zusammenhang
    das Wort "fast" für eine Bedeutung hat?

  • User
  • 20.09.2011 15:47:39 raoul_duke

    Der naechste Schritt muesste eigentlich individuelle animationen sein.

    Und irgendwann wird dann das ganze Spiel nochmal in 3D gerendert.
    Weiss auch nich, was ich mit diesen Analysen anfangen soll. Ich hab das Spiel in voller Länge gesehen. Und damit auch die Bewegungen der Spieler. Das Außenverteidiger sich auch in die Offensive einschalten war mir auch vorher bekannt.

    Das is alles irgendwie so aufschlussreich, wie die Antworten nach jedem Spiel auf DIE Reporterfrage Nr.1: "Woran lags?"
    (Offensichtliche) Antwort: "Die andern haben mindestens ein Tor mehr geschossen."

  • User
  • 21.09.2011 00:02:47 MarcRamone

    Also ich finde das gar nicht so schlecht. Ich selbst habe kaum Ahnung von Taktik und finde das Thema normalweise auch eher langweilig. Aber die Erklärungen mit welcher Aufstellung oder Philosophie die heute versuchen in Ballnähe auf Überzahl zu kommen, finde ich schon gut. Alleine so ein Satz (wie der gerade vorherige) wäre mir in den 80ern nie in den Sinn gekommen.

    English

    German

    Turkish

    Italian

zum Forum

Logge Dich ein, um einen Beitrag zu schreiben!

VON DEN LESERN EMPFOHLEN



DIE AKTUELLE UMFRAGE

Und bei euch so?

Chaos dahoam!
Trauer dahoam!
Freude dahoam!
Wut dahoam!
Lasst mich mit diesem »dahoam« endlich in Ruhe!




FC Internationale: Der friedlichste Verein der Welt


Wie heißen noch mal die Söhne von Martin Jol?

  • Cock
  • Dick

Das Tagesticker-Archiv

11Freunde Liveticker

11FREUNDE @ TWITTER