Die 11FREUNDE-Blogschau (5)
Marionette ohne Fäden
Text: Marius Gutowski und Erik Peter Bild: Imago
Der 5. Spieltag einer jungen Saison bot eine Trainerdiskussion auf Sparflamme, rheinländische Leidensbereitschaft und die schmerzhafte Erkenntnis, dass Gelsenkirchen nicht Barcelona ist. All das in der 11FREUNDE-Blogschau.
Text der Woche
Die Diskussion um Pyrotechnik lässt die Fanszenen nicht los. Wie auch? Seit Monaten investieren viele Gruppen und Einzelpersonen jede Menge Arbeit in die Kampagne »Pyrotechnik legalisieren«. Schwatzgelb fasst den aktuellen Stand präzise zusammen und geht dabei vor allem auf den Wortbruch von DFB und DFL ein, die trotz des erfolgreichen Verzichts von Pyros an den ersten drei Spieltagen keine weitere Verhandlungsgrundlage sehen. Damit hat sich der DFB »für viele Fans wohl endgültig als ernstzunehmender Gesprächspartner disqualifiziert«. Wie es weitergeht ist ungewiss, leuchtende Ideen sind gefragt.
Bester Spruch
»Spielt man gegen einen mehr als resolut zur Sache gehenden Gegner, gibt es drei Möglichkeiten: Erstens, der Schiedsrichter bewertet das Vorgehen des Gegners als überhart und lässt es nicht zu. Zweitens, man ist mit dem Ball für den Gegner zu schnell und lässt ihn gar nicht in Tretweite an sich rankommen. Oder drittens, man schert sich nicht drum und hält dagegen. Für die erste Möglichkeit war Schalke bei Deniz Aytekin an den falschen geraten. Die zweite Variante ist das Spiel Barcelonas, nicht Schalkes. Die dritte wäre der Schlüssel zum Sieg gewesen.«
Der koenigsblog sollte sich trösten lassen. Für Barca hat es an diesem Wochenende beim 2:2 gegen Real Sociedad auch nicht zum Sieg gereicht.
Fundstück des Spieltags
Wo anderswo ein Waschlappen reicht, um die Neuzugänge zu begrüßen, ist in Wolfsburg unter Spielerhändler Magath, ein ganzes Laken notwendig. Den Fans ist die perfekte Melange gelungen, aus herzlicher Begrüßung der neuen Helden und Kritik an dieser exzessiven Einkaufspolitik.
(gefunden bei fanfotos.net)
Kontroverse
Der HSV bleibt der Sorgendino der Liga, der nach einem Punkt aus fünf Spielen weiter im Tabellenkeller nach den eigenen Ansprüche sucht und obendrein die erste Trainerdiskussion der Saison zu bieten hat. Pleitegeiger fühlt sich an allerschlimmste Thomas Doll-Zeiten erinnert und wartet täglich auf neue sinnentleerte Durchhalteparolen. Sie fragt sich, was »unser Trainer von Beruf ist. Hat er einen Plan? Und wenn ja: Kennt die Mannschaft den auch? Versteht sie ihn?« Die Antworten, versehen mit der Beteuerung »Ich will hier keinen Trainer absägen«, sind jedoch wenig schmeichelhaft: »Er wirkt wie eine Marionette, der man die Fäden abgeschnitten hat. Er wirkt jetzt schon völlig resigniert und hilflos. Aber wo soll das enden, wenn selbst der Trainer ideenlos ist?»
Matz-ab betreibt Fehleranalyse im Personalwesen und stellt konsterniert fest, dass der beste Hamburger Spieler zurzeit am Rhein und nicht an der Elbe spielt: »Mir tränen immer die Augen, wenn ich die Zweite Liga und Fortuna Düsseldorf sehe. Da spielt ein Maximilian Beister in schönster Regelmäßigkeit die gegnerischen Abwehrreihen schwindelig.« Die Hamburger Funktionäre bewahren zumindest äußerlich Ruhe. Sportchef Frank Arnesen ist »nicht in Panik« Der Trainer stehe nicht zur Diskussion. In der HSV-Webwelt ist man sich da nicht ganz so sicher.
Geheimtipp-Blog
»Wieder einmal schafft es der effzeh die zarte Pflanze Hoffnung sofort wieder mit groben Trollhänden zu zerquetschen.«
Der vierte Offizielle nimmt es mit der LEIDENschaft zum 1. FC Köln sehr genau und verzweifelt in regelmäßigen Abständen an den Darbietungen der Rheinländer.
Das Fazit fällt dabei nicht selten in die Kategorie »Wiederholung nicht erwünscht«: »Meine Selbstkasteiungsneigung hat Grenzen und ich werde mir das Spiel nicht nochmal anschauen!«
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