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08.09.2011

Die Stimme vom Bökelberg – Rolf Göttel im Interview

»...ein sportverbundenes Vergnügen«

Interview: Alex Raack  Bild: Imago

In Mönchengladbach ist er eine Legende: Rolf Göttel war 30 Jahre lang Stadionsprecher am Bökelberg, heute sitzt der 67-Jährige im Ehrenrat von Borussia Mönchengladbach. Wir sprachen mit ihm über Heppos Frauen und Kabinenbesuche von Günter Netzer.

Die Stimme vom Bökelberg – Rolf Göttel im Interview - »...ein sportverbundenes Vergnügen«


Rolf Göttel, von 1962 bis 1992 waren Sie Stadionsprecher am legendären Bökelberg, der ehemaligen Heimstätte von Borussia Mönchengladbach. Wissen die Leute heute noch, wer Sie sind?

Rolf Göttel: Viele schon! Wenn ich durch Mönchengladbach laufe, dann werde ich meistens mit den Worten begrüßt: »Da kommt doch die Stimme vom Bökelberg!«

Wie wurden Sie damals überhaupt Stadionsprecher?

Rolf Göttel: Ich bin schon mein ganzes Leben Borusse, seit 1958 Mitglied im Verein. Mit Herbert Laumen, dem späteren Gladbacher Superstürmer, war ich zusammen in einer Klasse. Früher habe ich sogar für die Gladbacher Jugend gespielt, aber eher mit mäßigem Erfolg. In der A-Jugend war Schluss. Und natürlich war ich jedes zweite Wochenende am Bökelberg, wenn unsere Mannschaft in der damaligen Oberliga-West spielte. Ich muss 15 oder 16 gewesen sein, als man mir die Bedienung des Totomaten übertrug. Auf Stecktafeln konnten die Tototipper die Ergebnisse der anderen Spiele lesen. Und mein Platz war gleich neben unserem damaligen Stadionsprecher Hans-Joachim Leucht.



Der dann irgendwann keine Lust mehr hatte?

Rolf Göttel: Er wurde irgendwann krank und die Borussia brauchte einen Ersatzmann. Also habe ich mir mit meinen 18 Jahren das Mikrophon gegriffen und den Job erledigt. Das war damals keine große Sache. Im Verein hat es jedenfalls niemanden groß interessiert.

Wissen Sie noch, bei welchem Spiel Sie Ihr Debüt gegeben haben?

Rolf Göttel: Junger Mann, das ist doch Jahrzehnte her! Nein, das kann ich Ihnen nicht mehr sagen. Das erste Bundesliga-Spiel weiß ich aber wohl noch.

Und zwar?

Rolf Göttel: Am 2. Spieltag in der Saison 1965/66 war das, die Bundesligapremiere bei uns am Bökelberg. 5:0 gegen Tasmania Berlin, Netzer, Heynckes und Bernd Rupp haben die Tore gemacht! Das war mein Start in die Bundesliga.

Wie sah der Job des Stadionsprechers denn damals aus?

Rolf Göttel: Ich saß in meiner Kabine, neben mir die Techniker für das Licht, später auch für die Anzeigetafel. Und dann ging es los: Startaufstellungen beider Mannschaften, Ein- und Auswechslungen, die Torschützen, und nach dem Spiel die Endergebnisse.

Und zwischendurch die Einspieler für die Werbedurchsagen?

Rolf Göttel: Wo denken Sie hin, das habe ich alles selber gemacht! Mit manchen Werbeslogans ziehen sie mich in Mönchengladbach noch heute auf.

Zum Beispiel?

Rolf Göttel:

Großartig! Haben Sie noch weitere Klassiker auf Lager?


Rolf Göttel: Naja, mein »Toor für die Borussia!«, mein Standardsatz nach einem Tor für uns, wird noch heute nach jedem Treffer eingespielt.


Das macht mich schon stolz. Jetzt fällt es mir wieder ein, ich hatte auch immer die gleiche Begrüßung auf Lager. Wollen Sie die auch hören?

Ich bitte darum.

Rolf Göttel:


Haben Sie mal nachgezählt, wie viele Spiele Sie in all den Jahren als Stadionsprecher live verfolgt haben?

Rolf Göttel: Nein. Aber das können Sie ganz leicht nachrechnen: 17 Bundesliga-Heimspiele plus die vielen internationalen Begegnungen sind circa 25 Spiele pro Saison. Mal 30 Spielzeiten macht das...

750 Spiele. Eine stolze Zahl.

Rolf Göttel: Ja, das kommt in etwa hin.

Haben Sie denn nie ein Spiel verpasst?

Rolf Göttel: In all den Jahren nur eine einzige Partie. Ich traue mich gar nicht, Ihnen zu sagen, welches Spiel das war...

So schlimm?

Rolf Göttel: 34. Spieltag der Saison 1977/78...

Das legendäre 12:0 gegen Borussia Dortmund? Die Geburt des BVB-Trainers Otto »Torhagel«?

Rolf Göttel: Ganz genau. Damals sogar im Rheinstadion, weil der Bökelberg umgebaut wurde. Ich habe es wirklich immer geschafft, meinen Urlaub nach dem Saisonverlauf zu richten, aber in diesem Sommer ging es nicht anders. Ich war mir sicher, dass wir die Kölner nicht mehr von Platz 1 hätten verdrängen können, also bin ich in den Urlaub gefahren. Fast wären wir sogar doch Meister geworden, aber Köln gewann zeitgleich mit 5:0 gegen den FC St. Pauli und holte wie erwartet den Titel.


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