Die Geschichte der Fußballfans

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01.09.2011

Zu Besuch im Gladbacher Jugendinternat

An die Wand genagelt

Text: Karol Herrmann  Bild: Karol Herrmann / Imago

Selten gab es im deutschen Fußball eine solche Fülle von hoch veranlagten Talenten. Die Ernte der jahrelangen Arbeit in den Jugendinternaten wird gerade eingefahren. Zu den besten Standorten zählt Borussia Mönchengladbach. Ein Blick hinter die Kulissen.

Zu Besuch im Gladbacher Jugendinternat - An die Wand genagelt


Wenn Mario Hesse sich im Kabinentrakt des Mönchengladbacher Borussia-Park die Stiefel schnürt und sich durch die Katakomben in Richtung Trainingsplatz begibt, kommt er an einer Reihe von eingerahmten Trikots vorbei. Es sind jene Trikots, die Spieler wie Marcell Jansen, Marko Marin oder Eugen Polanski bei ihrem ersten Bundesliga-Einsatz getragen haben. Sie alle haben den Sprung aus der Gladbacher Jugend ins Profigeschäft geschafft. Die Jugendspieler sollen daran erinnert werden, dass es hier, am Niederrhein, möglich ist, den ganz großen Traum zu schaffen, dass man hier auf den eigenen Nachwuchs baut. Zuletzt wurde das Leibchen von Torwart Marc-André ter Stegen hinzugefügt. Eine weitere Erfolgsgeschichte.  



Mario Hesse stürmt für Gladbachs U 19 und wohnt seit über zwei Jahren im Jugendinternat der Borussia. Zehn Spieler der A- und B-Jugend sind dort aktuell untergebracht, die restlichen Mannschaftskollegen stammen aus der Region und wohnen noch bei ihren Eltern. Hesse kommt aus Helbra in Sachsen-Anhalt, verließ sein Elternhaus aber bereits im Alter von zwöf Jahren, um in ein Sportinternat nach Halle zu gehen. Mit 16 wurden bei einem Jugendturnier in Duisburg dann diverse Scouts auf ihn aufmerksam: »Ich hatte direkt eine Reihe von Angeboten. Auch Wolfsburg und Hoffenheim waren in der engeren Auswahl, aber in Gladbach waren das Umfeld und die Perspektiven einfach am besten« berichtet der 18-Jährige.

Schnell wird klar, was Hesse mit diesem Umfeld meint. Die zweistöckige Internatswohnung befindet sich direkt im Stadion. Jeden Tag laufen die Profis an seiner Haustür vorbei, das Trainingsgelände liegt nur wenige Meter entfernt und wenn Hesse die Wohnung verlässt und über die Treppe einen Stock nach oben geht, steht er direkt im Oberrang des Borussia-Park und blickt auf das saftige Grün. In diesem kleinen Kosmos kann sich das junge Talent voll auf den Fußball konzentrieren, fernab von jeglichen Reizen, die beispielsweise eine Großstadt mit sich bringt. »Der Typ für Partys und Diskotheken bin ich aber sowieso nicht«, stellt er klar.  

Marko Marin kommt gerne auf ein Plausch vorbei

Wenn er was unternehmen will, muss er das mit dem Ehepaar Lintjens absprechen, eine Art Ersatzfamilie für die Jungs im Internat. Die Lintjens bewohnen selbst eine Wohnung im Stadion, bereiten Frühstück und Abendessen zu und kümmern sich um die kleinen und großen Probleme. Sie sorgen für den Wohlfühlfaktor, der fernab des Elternhauses nicht immer zwangsläufig gegeben ist. Wenn Werder Bremen zu Gast ist, kommt Marko Marin regelmäßig bei den Lintjens auf einen kleinen Plausch vorbei. Eine Bestätigung dafür, dass er hier einst eine gute Zeit hatte.  

Zeit hat Mario Hesse gerade genug. Es sind Sommerferien. Was also tun, den lieben langen Tag auf dem Stadion-Gelände? Das tägliche Training findet schließlich erst um 18 Uhr statt. »Man kann in die Stadt fahren und Freunde besuchen, aber meistens spielen wir einfach Fußball«, sagt er auf einem Sofa im Aufenthaltsraum des Internats. Vor ihm steht ein Flachbild-Fernseher mit Sky-Receiver, man schaut sich die Fußballspiele im Kollektiv an. Sein Zimmer ist tapeziert mit Postern von Idolen wie Didier Drogba oder Fernando Torres, die Bettwäsche selbstverständlich im Gladbach-Design überzogen. Auffällig ist ein Ballack-Trikot an der Wand. »Er hat es mir persönlich gegeben, wir haben den gleichen Spielerberater«, klärt Hesse auf. Dr. Michael Becker, schon bei so jungen Spielern? »Nicht persönlich, aber seine Mitarbeiter. Sie haben mir damals die Angebote der Bundesligisten vorgelegt und wir haben über meine Optionen diskutiert.«  


weiterlesen [1] [2]



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Mario Hesse auf seinem Zimmer im Gladbacher Jugendinternat. Auch wenn er in Sachsen Anhalt aufgewachsen ist, hat die Borussia bereits sein Herz erobert.


Fotostrecke

  • Mario Hesse auf seinem Zimmer im Gladbacher Jugendinternat. Auch wenn er in Sachsen Anhalt aufgewachsen ist, hat die Borussia bereits sein Herz erobert.
  • Die Wand ziert ein Ballack-Trikot. Der Ex-Capitano hat es ihm persönlich überreicht. Man hat denselben Berater.
  • Der Gladbacher Borussia-Park: Das Internat befindet sich direkt im Stadion, die Wohnungen sind hier im Bild hinter der Fahne. Über die Treppe in der Mitte kommt man ohne Probleme direkt...
  • ...in den Oberrang des Stadions. Hier sitzen die Jugendspieler bei jedem Heimspiel zusammen. Bald will man natürlich selbst den Rasen betreten.
  • Bilder von Spielern, die es aus dem Internat geschafft haben, zieren den Gang im Internat. Hier: Marko Marin.
  • In den Katakomben hängen die Trikots, von jenen Jugendspielern, die den Sprung aus der Gladbacher Jugend ins Profigeschäft gepackt haben. Bei jedem Training wird man daran erinnert, dass man dort bald auch hängen könnte.


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Kommentare

  • User
  • 01.09.2011 10:23:17 ibanez605

    Diese ständige Betonung auf die professionelle Ausbildung in den Internaten...ich bekomme langsam das Gefühl das da Fußballer eher "herangezüchtet" werden.

    Die Jungs hängen den ganzen Tag im Stadion rum, leben sogar dort, müssen alles was sie ansonsten tun wollen haargenau absprechen. Und das schlimmste, sie scheinen ja noch nicht mal Interesse daran zu haben was anderes zu machen, sondern kicken lieber weiter im Internat rum.

    Soll das eine gesunde Entwicklung für Jugendliche sein??? Aber dem Verein kann's ja egal sein wenn die Jungs mit 30 als völlige Sozialwracks mit zuviel Kohle der normalen Gesellschaft überlassen werden.

    Ich würde mich freuen wenn 11freunde mal über die Folgen einer solchen "Ausbildung" von Kindern/Jugendlichen berichten würde. Vielleicht ein Interview mit einem etwas neutraleren Pädagogen, anstatt den Leuten die in den Vereinen und Internaten angestellt sind, und natürlich das tolle System preisen.

  • User
  • 01.09.2011 12:14:52 Donaldo

    Super Idee, wäre echt mal interessant. Und wohin dieses eindimensionale Leben führen kann, hat man ja nicht nur bei Deisler gesehen...

  • User
  • 01.09.2011 13:05:24 pangold

    den Hintergrund von Deisler kenne ich leider nicht -ist der denn in vergleichbaren Verhältnissen aufgewachsen bzw. herangezüchtet worden?

  • User
  • 01.09.2011 13:06:41 Jim Panse

    Deisler ist sozusagen der Prototyp des Herangezüchteten.

  • User
  • 01.09.2011 13:40:16 Autobahnkreuz

    "Und wohin dieses eindimensionale Leben führen kann, hat man ja nicht nur bei Deisler gesehen..."

    Phillip Lahm würde sich als Studienobjekt anbieten.

  • User
  • 01.09.2011 13:57:19 einrudithömmes

    Was heißt denn eindimensional?

    Ausbildung an der Bank, 30 Jahre bei der Bank. Wehrdienst, Zeitsoldat, Berufssoldat. Abi, Lehramststudium, Lehrer. Wo ist das der Unterschied?

    Deisler? Zynisch jetz, aber: Einer von wie vielen 1000 Berufsfussballern bekommt Depressionen? Denkst du, es sind im einen Beruf signifikant mehr als im anderen?

  • User
  • 01.09.2011 14:21:58 Auswerter

    Ist es nicht vielleicht in manchen Berufsgruppen so - und Profisportler zähle ich dazu -, dass ohne Eindimensionalität in der Ausbildung der Schritt an die Spitze gar nicht möglich ist? Fragt mal den erfolgreichen Pianisten um die Ecke, oder die Balletttänzerin von gegenüber. Alles auf das Erreichen dieses Zieles auszurichten, heißt ja nicht, dass man sich in der sicher noch vorhandenen Freizeit auch mit anderen Dingen beschäftigen kann.
    Dieser eindimensionale Weg ist jedenfalls vielversprechender als das früher praktizierte "der Gute wird sich schon durchsetzen".
    Anleitung, Hilfestellung und Vorbereitung auf das spätere Leben schadet sicher nicht.

  • User
  • 01.09.2011 14:24:58 pandrodor

    Immer positiv sehen, die machen Sport und sind an der frischen Luft und stechen keine Omis am Bahnhof ab.

    Gerade bei Fußballern gibt es genug Leute, von denen man denkt sie würden ohne Fußball auf die schiefe Bahn geraten. Vielleicht ist da dieses glattbügeln gar nicht so verkehrt.


    Aber so ne Reportage, wie von ibanez angedacht, wäre auch was Feines.

  • User
  • 01.09.2011 14:31:31 elchefferino

    Wie gut das "normale" Jugendliche ein multidimensionales Leben führen:
    Da mal wieder ne komatöse Party
    Hier ne kleine Prügelei
    Mal n´büsschn ein auf Gangstarapper machen(man achte auf die Schreibweise)
    Heute mal nen dumpfbackigen Obdachlosen, Schwulen oder sonstigen Asi klatschen
    Nochmal n´büsschn HipHop
    Einen in der U-Bahn zusammentreten
    OH: DSDS läuft - sofort bewerben
    Imho gab es früher doch wesentlich mehr - naja, nennen wir es mal "minderbemittelte" Fussballer - Namen gefällig: Axel Kruse, Loddar, Effe, usw...
    Mir machen Leute wie Holtby, Schürrle, Reus, die Benders, Draxler, Ter Stegen....nicht grade den Eindruck als seien sie sozial derangiert...
    Wenn man dieses System der speziellen Sportförderung ablehnt - sollte man sämtliche Individualförderung ablehnen...
    "die müssen sich ja sogar abmelden" aha - ja was denn sonst? Lasst ihr eure Kiddies einfach so rumlaufen, ohne zu wissen wo sie sind? ja - neee - is klar!

  • User
  • 01.09.2011 14:37:47 einrudithömmes

    Mir scheint, dass ging jetzt nicht an mich.

    Aber.

    Elchdings.... so ganz "normal" ist deine Beschreibung gottbewahre dann wohl auch nich. Jedenfalls nich hier, wo die Epoch Times Deutschland kostenlos verteilt wird! Auch der Vergleich zu den, so nennst du es mal, minderbemittelte Fußballer, die es früher häufiger gegeben haben soll. Mit mehr als der Hälfte der heutigen Jungprofis willl ich ohne den weiteren Abbau von Vorurteilen kein Wort reden... "Wir spielen schon ziemlich viel Playstation" undsoweiterundsofort. Allet ne Frage der Differenzierung.

  • User
  • 01.09.2011 14:43:01 mehmetwirdankendir

    Deisler ist sozusagen der Prototyp des Herangezüchteten.

    Die heutigen Fußballschulen existieren erst seit 2000 als MV die große Revolution aussprach.
    Deisler spielte da bereits seine driete Saison.

    Für mich ist der alleingelassene, hintergangene und traurige Deisler sogar die Antipode zu den rundumversorgten Jungfußballern.

    Bei denen könnte der Knick hingegen nach der Karriere kommen.

    Aber das ist nur meine bescheidene Meinung dazu.
    Ein wenig fühle ich mich auch durch das von Deisler veröffentlichte Buch bestätigt.

  • User
  • 01.09.2011 14:58:21 mehmetwirdankendir

    Nachdem die Anfangsjahre ab dem 14. Lj sehr schwer waren bereichtete er über die Anfangszeit als Profi als die schönste seines Lebens. Die Phase nach dem Handgeldskandal, als sich Hoeneß und Konsorten, statt Ihren Spieler zu schützen, auch noch gemeinsam mit der BILD auf ihn stürzten fing die ganze Scheiße erst an.

    So habe ichs zumindest noch im Kopf.

  • User
  • 01.09.2011 16:17:11 rumpler

    der alleingelassene, hintergangene und traurige Deisler

    Das war echt ne Riesenschweinerei!!!
    Unerhört, für die paar lumpigen Millionen so eine Leistung unter ganz fiesem Druck zu verlangen.

  • User
  • 01.09.2011 16:53:50 Dschungelking

    mann bist du ein arsch oder ist das mal wieder schlechte iromie?

  • User
  • 01.09.2011 17:34:13 mehmetwirdankendir

    Blicks grad auch nicht ganz. Spricht jedenfalls nicht für dich Rumpler.

  • User
  • 01.09.2011 17:39:22 rumpler

    Du meinst, ich müsse Mitleid mit dem Deisler haben?

  • User
  • 01.09.2011 17:51:25 mehmetwirdankendir

    Dann bist du selber wohl aus einem ganz anderen Holz geschnitzt lieber Rumpler. Da weiß einer woher der Hase weht und wie der Wind läuft. Du Harter!

  • User
  • 01.09.2011 17:53:14 rumpler

    So schaut's aus, Du weichgekochtes Ei!

  • User
  • 01.09.2011 18:01:16 mehmetwirdankendir

    Lieber ein empathisches Weichei als ein Fußball-Chauvi.
    Ich für meinen Teil empfände es als schrecklich, wenn jeder wüsste wie wann ich was tue. Erfolgsdruck von 80 Millionen Bundestrainern lasteten auf seinen Schultern, weil Deutschland talentmäßig in diesr Zeit nicht viel hergibt. Diese Transparenz würde mich wahnsinnig machen.

    Heutzutage wird der Hype wenigstens auf mehrere Schultern verteilt, wobei ich den ein oder anderen Bericht über Götze, bei dem keine Peinlichkeit aus Teenagertagen ausgelassen wurde, schon wieder gleichsam ekelhaft fand.

  • User
  • 01.09.2011 18:19:04 rumpler

    Dafür gibt es aber das Geld, so ist nun einmal das Geschäft.
    Du bekommst absurd viel Kohle in sehr kurzer Zeit für körperlich extrem harte Arbeit und permanente Öffentlichkeit Deines Berufs- und Privatlebens. Unsereins kann sich dann daran freuen, darüber lustig machen, sich daran orientieren, nachäffen, wasauchimmer.

    Alternativ kann ja ein Deisler auch ne Schreinerlehre machen, glücklich und zufrieden leben und ab und zu im 11Freunde-Forum irgendeinen Bockmist posten.

    Dann hätts für ihn auch wieder gepasst.

    Er hatte nun einmal den anderen Weg eingeschlagen und wollte es auch durchziehen - nun gut, ist dann aber auch seine Entscheidung gewesen.
    Ich bin der Ansicht, dass Deisler nicht konsequent Hilfe in Anspruch genommen hat.
    Außerdem scheint es ihm ja mittlerweile doch ganz passabel zu gehen, nicht wahr?

    Ohne Schmarrn, da gibt es Menschen, die wesentlich größere Katastrophen wegen eines Burn-Out erleben

  • User
  • 01.09.2011 18:45:16 mehmetwirdankendir

    Bei einem Politiker würde ich dir Recht geben. Bei einem Popstar sowieso. Mein Namensgeber hingegen hatte ebenfalls große private Probleme und das Glück/ Pech erst zum Karriereherbst das richtige Umfeld für ihn gefunden zu haben. Dafür dass er trotzdem ein großer geworden und geblieben ist gebührt eher ihm Respekt als Deisler Abneigung.
    Finde ich.

  • User
  • 01.09.2011 18:52:02 rumpler

    Keine Abneigung. Aber auch kein Mitleid. Respekt allenthalben trotzdem (Scholli sowieso).
    Ich glaube trotzdem, der Deisler hätte es schaffen können.
    Is jetzt eh wurscht, soll er in Ruhe leben.

    Bin übrigens mal gespannt, ob der Mehmet als Trainer noch Großes erreicht.

  • User
  • 01.09.2011 19:08:25 mehmetwirdankendir

    Ich hoffs. Nur mir fehlt der Glaube. In der modernen Fußballwelt werden die Burschen immer härter und abgezockter.
    Gleichzeitig werden die Erwartungen an den einzelnen höher.
    Damit meine ich weniger die pure Leistung, als das Verhalten neben dem Platz. Da zählt vor allem wer die geilsten Schnallen, den höchsten Vertrag das teuerste Auto das größte Haus in der besten Lage hat. Ein Trainer der mit seiner einen Frau im Sommer 5 Tage mit dem Zelt auf einem Festivalgelände Urlaub macht und ins Training mit dem VW Passat Kombi fährt macht sichs vielleicht selbst nicht leicht.

    Was sein Fußballfachwissen angeht zweifle ich keinen Zentimeter an ihm. Ich halte ihn nur für zu menschlich für die ganz große Bühne. Einen ambitionierten Bundesligaverein traue ich ihm hingegen zu. Jedenfalls lass ich mich saugern vom Gegenteil überzeugen.

  • User
  • 01.09.2011 19:09:59 _estragon_

    "Hätter ja nicht machen müssen" zieht irgendwie nicht. Ist ja nicht so, dass es keine depressiven Leute mit Schreinerlehre gibt.

  • User
  • 01.09.2011 19:15:52 AbteilungAttacke

    Was sein Fußballfachwissen angeht zweifle ich keinen Zentimeter an ihm. Ich halte ihn nur für zu menschlich für die ganz große Bühne

    Meinst du jetzt Scholl ?!?

    Weia, man kann Menschen ja immer nur an ihren Äußerungen messen - und was ich da höre, lässt mich an seiner Trainerbefähigung nicht deswegen zweifeln, weil er "zu menschlich" ist sondern schlicht ein Depp.

    Und was man so gerüchteweise über seine bisherigen Ausflüge ins Trainerfach gehört hat...

    Nein, niemand erwartet an dieser Stelle einen "Professor", kann auch ätzend sein, siehe Rangnick.

    Aber entweder, du bringst es über Fussballsachverstand, oder durch Charisma, oder durch Verdienste.

    In allen drei Kategorien sehe ich Mehmet, trotz CL-Sieg wohlgemerkt, nicht in der ersten Reihe. Gerne mit weiteren Begründungen.

  • User
  • 01.09.2011 19:19:44 AbteilungAttacke

    Und zu Deisler: Hatten wir auch schon hitzige Diskussionen. Was an dem "späten", also post-Fussballerdeisler stört, was die Opfer-Selbstdarstellung. Vor allem in seiner Biographie und der anschliessenden Vermarktung.

  • User
  • 01.09.2011 19:21:36 mehmetwirdankendir

    Ich kenne einen Betreuuer der Bayern-Amateure sehr gut.
    Und der war voll des Lobes, wie er mit den jungen Spielern umgegangen ist. Immerhin ist Scholl mit der Mannschaft dringeblieben...
    Charisma und Verdienste, ich bitte dich. Wir reden über Scholl.

    Ansonsten bitte ich dich, führe weiter aus.

  • User
  • 01.09.2011 19:45:29 AbteilungAttacke

    Nun, was die Bayernamateure angeht, wirst du näher dran sein - hatte nur mal gehört, das die Bayernbosse Gerland Scholl quasi "zur Seite" gestellt hatten...

    Und vorweg - alles subjektiv, kk ?

    Charisma und Verdienste, ich bitte dich

    Du meinst doch nicht allen ernstes, dass, nur weil jemand die CL gewonnen hat, er deswegen gleich ein Bombentrainer ist, oder ?
    Verdienste sind doch nicht nur Titel, Verdienst ist es, wenn du in 4 verschiedenen Vereinen in 3 verschiedenen Ländern gespielt und dich immer durchgesetzt hast. Mehmet hat aber nie über den Tellerand hinausgeschaut. Und - Scholl gilt wohl zu Recht als einer derjenigen, die weniger aus ihrem Talent gemacht haben, als möglich wäre (ja, auch und trotz der vielen Verletzungen).

    Was Charisma angeht - Scholl war nie der "Führungsspielertyp". Hab ich in seiner Vita jedenfalls nicht auf dem Schirm. Man nehme mal nur Effenberg als direkten Vergleich (auch CL-Sieger) Oder, trotz aller Lächerlichkeiten, Lothar Matthäus.
    Und wenn man Scholl nun im Fernsehen auftreten sieht, einem Medium der Manipulation par exellence, kommt er dir da Charismatisch 'rüber ? Oder doch eher wie der arme Tor ? Also bitte...

    Was den Sachverstand angeht: Nicht EIN Länderspiel, wo Scholl keinen Blödsinn oder schlichtweg etwas FALSCHES von sich gibt. Beispiel gefällig ? Da faselt er beim Spiel Österreich gegen Deutschland, dass auch die "Erfahrung" gefehlt habe und bezieht sich auf Hummels und Schmelzer, blendet aber dabei wohlwollend aus, dass NEUN andere Spieler, von denen jeder EINZELNE mehr Länderspiele hat als er, auch auf dem Feld standen.
    Und das sind nur die faktischen Fehler. Auch die von ihm zur Schau gestellte, präferierte Spielphilosophie haut micht nicht aus den Latschen.
    Genau so, wie bei Kahn der Torwart immer der Wichtigste Mann auf dem Platz ist, ist es bei Scholl der kleine Zauberzwerg. Bei der WM tönte er noch, dass die Zeit der Aufgepumpten zu Ende sei und ein neues goldenes Zeitalter technisch feiner Spieler anbrechen würde. Wär es aber auf so einzelne Faktoren kapriziert, zeigt m.E. nur, dass er vom modernen Fussball nicht den Hauch eines Schimmers hat.

  • User
  • 01.09.2011 19:56:32 mehmetwirdankendir

    Scholl gilt wohl zu Recht als einer derjenigen, die weniger aus ihrem Talent gemacht haben, als möglich wäre

    Liegt auch an den Verletzungen. Aber als er fit war, hatte er mit den privaten Problemen zu kämpfen. Als er mental gereift war streikte der Körper. Unter anderem auch deshalb, weil er Teile seiner Karriere für den Champions-League-Titel 2001 geopfert hatte, als er gegen den Rat der Ärzte spielte. Dies und die Bereitschaft in kritschen Situationen, wie den Elfmeter in Mailand oder die Derbys gegen 60, "da" zu sein machten ihn m.E. zu einem der Führungsspieler.
    Was das rüberkommen im Fernsehen angeht.
    Löw kommt als furchtbarer Schwafler daher, Babbel oft als trotteliger Bauer, Klopp vergreift sich mittlerweile jede Woche im Ton. Keiner würde jedoch an deren Kompetenzen als Trainer zweifeln.

  • User
  • 01.09.2011 19:57:49 mehmetwirdankendir

    Und das sind nur die faktischen Fehler. Auch die von ihm zur Schau gestellte, präferierte Spielphilosophie haut micht nicht aus den Latschen.

    Diese ist mir selbst noch nicht ganz geläufig. Unsere zweite hat(te) nämlich keine. Anscheinend weißst du mehr.

  • User
  • 01.09.2011 23:36:47 AbteilungAttacke

    Diese ist mir selbst noch nicht ganz geläufig. Unsere zweite hat(te) nämlich keine. Anscheinend weißst du mehr.

    Nein nein - das bezieht sich ausdrücklich auf seine Auftritte in der Öffentlichkeit. Dort richtet sich Scholls Augenmerk immer auf diejenigen Spieler, die, oh Wunder, seinem Typ als Spieler verdammt ähnlich sehen und werden dann in seinen Analysen schnell zu alles-entscheidenden-Schlüsselspielern, was sich dann aber meistens nicht mit dem tatsächlichen Spielverlauf deckt.

    Löw kommt als furchtbarer Schwafler daher, Babbel oft als trotteliger Bauer, Klopp vergreift sich mittlerweile jede Woche im Ton. Keiner würde jedoch an deren Kompetenzen als Trainer zweifeln.
    Ja, sicherlich - nur denen fällt zwischen all dem Geschwafel wenigstens mal ein sinnvoller Satz aus dem Mund. Und sie vermögen ein Spiel gut zu analysieren und dies auch verbal auf den Punkt zu bringen (ob sie dann als Trainer auch im Laufe eines Spieles dann in der Lage sind, darauf zu reagieren, steht auf einem anderen Blatt, siehe Löw). Man denke nur an Klopps Zeit als Kommentator beim ZDF, der quasi das Muster für alle nachfolgenden DSF/Sport1 - Taktik - Quatschrunden war.
    Es MAG sein, dass Scholl das innerlich drauf hat, aber wenn, kann er es nicht nach außen artikulieren. Und wenn ihm das schon nicht im 0815-Milieu des Fernsehens gelingt, wie soll ihm das dann vor einer sehr viel kleineren Gruppe fokussiert gelingen ?
    Auch spürt man bei Scholl eine Hybris, die einfach nicht angebracht ist. So ist es ja bekannt, dass er so seine Probleme mit dem Trainerschein - Ablegen hatte. Da fielen Sätze wie "Ich habe unter Trainern wie Hitzfeld gearbeitet..." womit Scholl stillschweigend natürlich sagen wollte, dass die DFB-Lehrgänge ihm nix mehr beibringen können.

    An dieser Stelle zur Klarstellung: Man muss messerschaft zwischen dem Fussballspieler Scholl - vor den ich tiefsten Respekt habe - und dem Post-Fussballspieler Scholl trennen. Und, nochmals, auch hier gilt, so sehr es ehrenhaft ist, einen Elfmeter zu schiessen oder so fragwürdig, wenn auch Respekt abnötigend es ist, seine Gesundheit für einen Titel zu opfern, macht einen dies noch nicht zu jemanden, der Führungsqualitäten in dem Sinne hat, dass man sie auch in Trainerfähigkeiten ummünzen könnte.

  • User
  • 02.09.2011 13:48:20 mehmetwirdankendir

    womit Scholl stillschweigend natürlich sagen wollte, dass die DFB-Lehrgänge ihm nix mehr beibringen können.

    Dort richtet sich Scholls Augenmerk immer auf diejenigen Spieler, die, oh Wunder, seinem Typ als Spieler verdammt ähnlich sehen

    Mir kommt es ein bisschen so vor sls sähest du in jeder seiner Aussagen absichtlich das negative. Zumindest macht es dir nichts aus seine Aussagen aus dem Kontext zu reissen.

    Vielleicht wollte er mit seiner Aussage einfach seinen ehemaligen Trainer hervorheben.

    Zum zweiten Vorwurf. Auf die Frage oder besser Feststellung Beckmanns die 6 sein die wichtigste Position im modernen Fußball
    entgegnete Scholl lediglich, dass für ihn die Außenpositionen, die für den "besonderen Moment" sorgen, genauso wichtig sind.
    Ich für meinen Teil empfinde den ein oder anderen Weltklassesechser ebenfalls als durchschnittlich und die 6 an sich überbewertet.

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