Die Geschichte der Fußballfans

11FREUNDE-Spezial: Nr. 1

Die Geschichte der Fußballfans

Neu hier? Alle Infos zu 11Freunde Community
29.08.2011

11FREUNDE-Taktikanalyse: Schalke - M´Gladbach

Rangnick 1, Favre 0

Text: Tobias Escher  Bild: Imago

Glaubt man Ralf Rangnick, dann war das Spiel der Schalker gegen Borussia Mönchengladbach (1:0) »das beste Spiel gegen den Ball in dieser Saison«. Was das nur bedeuten mag? Unser Taktikexperte Tobias Escher hat die Partie für euch auseinander genommen.

11FREUNDE-Taktikanalyse: Schalke - M´Gladbach - Rangnick 1, Favre 0


Favres Gladbacher sind berüchtigt für ihre tadellose Abwehr. Auch gegen Schalke hielten sie diszipliniert ihr 4-4-2 System. In zwei Viererketten reihten sie sich vor dem eigenen Tor auf, immer darauf bedacht, möglichst wenig Platz zwischen der Abwehr und dem Mittelfeld entstehen zu lassen. Im Schließen der Räume sind die Gladbacher Experten, und so schafften sie es auch gegen Schalke, kaum Lücken entstehen zu lassen. Geschickt unterbanden sie in Halbzeit eins das Schalker Flügelspiel, indem Nordtveit und Neustädter aus dem Zentrum den Außenverteidiger halfen, mit Draxler und Farfan fertig zu werden.



Schalke hatte offensiv ihre liebe Müh‘ mit der disziplinierten Grundordnung des Gegners. Das Spiel unter Ralf Rangnick war in der bisherigen Saison sehr auf die Flügel ausgerichtet. Zu Beginn der ersten Hälfte zündete dieses noch nicht richtig, was aber Rangnick nicht weiter gestört haben dürfte. Auch er hatte die Devise ausgegeben, defensiv sicher zu stehen, und so blieben die Außenverteidiger im Zweifelsfall lieber in der eigenen Hälfte. Ebenso wie sein Gegenüber wies er seine Spieler an, zwischen Abwehr und Mittelfeld keine zu großen Abstände aufkommen zu lassen, in die der Mal-Wieder-Neu-Nationalspieler Reus hätte stoßen können.

Sie sind zurück: Malochende Schalker

In der Rückwärtsbewegung machten die Königsblauen größtenteils das, was das Klischee von einer Reviermannschaft erwartet: Sie arbeiteten. Um Gladbachs schnelle Konter mit direkten Pässen zu verhindern (neudeutsch »One-Touch-Fußball«), mussten die Angreifer und Mittelfeldspieler den gegnerischen Spielaufbau schon im Ansatz zerstören. Im Mittelfeld waren die Schalker daher immer direkt am Gegner dran. 55% der Zweikämpfe gewann die auf Pressing im Mittelfeld ausgelegte Mannschaft – ein sehr guter Wert. Auch Raul und Huntelaar arbeiteten viel gegen den Ball. Letzterer lief mit knapp zwölf Kilometer mehr als alle anderen Akteure auf dem Platz – eine ungewöhnliche Statistik für einen Stürmer, was aber beweist, wie ernst er seine Defensivaufgaben nahm.

Beide Teams konnten durch engagierte Defensivleistung ihre Angriffsreihen neutralisieren, Chancen waren auf beiden Seiten rar. In solch eng umkämpftem Spielen sind es meist die Standardsituationen, die den Unterschied machen. Die Gastgeber wirkten nach ruhenden Bällen souveräner, und so waren sie es auch, die in der Folgezeit die größten Chancen hatten. Zweimal mussten die »Fohlen« nach Eckbällen auf der Linie retten (11., 37.), ehe Raul eine schöne Freistoßvariante mit doppelter Kopfballablage im Tor versenken konnte (64.).

Favre mit eigenen Waffen geschlagen

Die Borussia fand gegen weiterhin bewegliche und aggressive Schalker nicht mehr zurück ins Spiel. Die Gelsenkirchener waren trotz des Europa-League-Spiels unter der Woche viel unterwegs, am Ende hatten sie mit knapp 116 gelaufenen Kilometern einen Topwert (Gladbach 112). Nach Abpfiff lobte Rangnick seine Mannschaft für das »das beste Spiel gegen den Ball in dieser Saison«. Sie hatten die »Fohlen« in Favres ureigener Kernkompetenz geschlagen.

schalke

----
Ballbesitzstatistiken, Spielfeldmatrixen und taktische Formationswechsel - für manche Fans ein rotes Tuch, für Tobias Escher eine Leidenschaft. Zusammen mit seinen Kollegen analysiert er die Taktik der Bundesligisten auf dem Blog Spielverlagerung.de.




---
News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: Borussia Mönchengladbach, Schalke 04






Ähnliche Artikel

Kommentare

  • User
  • 29.08.2011 17:41:27 Annan

    Wohl eher Schulden 1, Schuldenfrei 0

    Wieso dieser Sieg Rangnick angerechnet wird, kann ich ja noch verstehen, aber wieso "Favre 0"? Rangnick hat zweifelsfrei die Schwäche von Gladbach gut erkannt. Nämlich der Spielaufbau, bzw. die mangelhafte Ballsicherheit der Zentralen. Daher hat Gladbach Mühe das Spiel hoch zu halten, und spielt viel hinten rum. Gladbach versucht dann mit einem Vertikalpass, und darauf folgende One-Touch-Stafetten gefährlich zu werden. Natürlich ist das ein Waffe, aber auch irgendwie aus der Not geboren. Weil man diese Vertikal-One-Touch-Stafetten von ganz hinten heraus starten muss. Oft eröffnet Dante so. Mit ein wenig Pressing auf die zwei Gladbacher Zentralen, und mit einer gewissen Manndeckung der Abnehmer dieser Vertikalpässe hat man Gladbachs Offensive still gelegt. Was Rangnick gut gemacht hat. Aber wieso soll das Favre's Fehler gewesen sein? Favre sagt ja immer wieder, dass es seiner Mannschaft an dieser Ballsicherheit mangelnd. Das ist eine Frage der Qualität seiner Spieler, die er nicht geholt hat. Favre löste dieses Problem nicht wie Magath mit langen Bällen, sondern entwickelte in den letzten Monaten diese an sich wunderbare Methode (gibt Favre Zeit dann wird er den schönsten Fussball spielen lassen), die immerhin Gladbach in der 1. Halbzeit fast in Führung gebracht hätte. Danach hätte Schalke die Defensive etwas lockern müssen, und ein zweites Tor für Gladbach wäre dann nicht mal unwahrscheinlich gewesen.

  • User
  • 30.08.2011 09:31:42 Yvy

    Favre kann wohl mit vorhandenem Spielermaterial nicht arbeiten. Genießt Eure Mannschaft, Gladbacher, denn noch enthält sie Typen.
    Pantelic gehen lassen, immer noch unfaßbar

  • User
  • 30.08.2011 10:29:43 Annan

    Das ist ja unglaublich @Yvy

    Hast Du nicht mitbekommen was Favre mit den Gladbachern in den letzten Monaten angestellt hat? Gegentor-Schnitt von 2.7 runter auf 0.6 pro Spiel. Und das ohne zu mauern. Zusammen mit Dortmund am wenigsten Tore kassiert. Seit 14 Spielen nie mehr als 1 Tor kassiert. Platz 5 in der Rückrunde. Aber nicht nur defensive Fortschritte. In den letzten 15 Spiele 22 Tore geschossen. Neue spielerische Mittel mit Vertikal-Pässen und darauf folgende One-Touch-Stafetten. Dafür muss man die Spiele aber auch mal anschauen. Auch oben im Artikel wird das erwähnt. usw.

    Und Pantelic wollte einen 7 Jahresvertrag inkl. anschliessend den Posten des Sportdirektors. Er hat öffentlich gesagt, dass er einen letzten grossen Vetrag will. Favre und Hertha boten ihm einen 3 Jahresvertrag. Er wollte nicht, und verzockte sich brutal. Kein Verein nahm ihn wegen seinen Forderungen. Am Ende landete er bei Ajax für ein 1 Jahr und 1 Million. Weniger als Favre ihm angeboten hat. - Und zudem, Favre hat es sogar geschafft, dass Pantelic sich am Ende angepasst hat.

  • User
  • 30.08.2011 10:52:25 MarcRamone

    Das was Favre mit Gladbach anstellt ist unfassbar! Richtig gut! Seine Qualität liegt in diesem Fall wohl darin, dass er seine Spieler genau einschätzen kann und das bestmöglich auf die vorhandene Mannschaft passende System auf sie abstimmt. Hinzu kommt Vertrauensgewinn und steigende Motivation.

    Ich finde den Weg von Gladbach seit Favres Anwesenheit äußerst interessant und spannend.

zum Forum

Logge Dich ein, um einen Beitrag zu schreiben!

VON DEN LESERN EMPFOHLEN



DIE AKTUELLE UMFRAGE

Thema: Fußballfans. Eure Wunschgäste für Maischberger, Lanz, Plasberg und Co.?

Werner Schulze-Erdel
Charly Steeb
Alf
Bono
Frank Zander
Zini
Max Power
Johannes B. Kerner
Günter Wallraf
Campino
Andreas Elsholz
Alfred Biolek
Vera Int-Veen
Marius Müller-Westernhagen
Ich




Belgiens Co-Trainer Marc Wilmots über das Duell gegen Deutschland


Rekordtorschützen in der U21

  • Pierre Littbarski (21 Spiele, 18 Tore)
  • Heiko Herrlich (20 / 17)
  • Benjamin Auer (23 / 15)
  • Mike Hanke (26 / 14)

Das Tagesticker-Archiv

11Freunde Liveticker

11FREUNDE @ TWITTER