Eishockey-Schiedsrichter Stefan Trainer zum Videobeweis
»Fehler wird es immer geben«
Interview: Ron Ulrich Bild: Imago
Felix Magath fordert wieder einmal den Videobeweis. Im Eishockey klappe es doch auch, sagen die Befürworter. Doch wie läuft der Videobeweis dort genau ab? Ein Gespräch mit dem Schiedsrichter-Beauftragten der DEL, Stefan Trainer.
Stefan Trainer leitete selbst Spiele und ist derzeit Schiedsrichter-Beauftragter der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).
Herr Trainer, können Sie uns kurz erläutern, wie der Videobeweis im Eishockey eigentlich funktioniert?
Stefan Trainer: In der DEL ist eine Übertorkamera vorgeschrieben, zusätzlich können wir bei einer TV-Liveübertragung die Bilder von den seitlichen und hinteren Kameras nutzen. Der Hauptschiedsrichter kann zu jeder Zeit des Spiels einen Videobeweis anordnen. Dann geht es um die Frage, ob der Puck die Linie überquert hat, aber auch um das Torraumabseits oder ob ein Spieler den Stock zu hoch gehalten hatte – über Fouls wird nicht entschieden.
Die Fans sitzen in den Hallen nah dran, beeinflusst das die Entscheidung?
Stefan Trainer: Klar, es gibt schon Rufe. Aber ich glaube nicht, dass das Auswirkungen hat. Viel schwieriger wird es, wenn die Szene in der Halle vorher auf der Videoleinwand gezeigt wird – das bringt die Leute natürlich auf.
Kommt das häufiger vor?
Stefan Trainer: Es kommt immer wieder vor. Das ist keine Katastrophe, aber es bringt Unruhe.
Gibt es eine zeitliche Obergrenze für den Videobeweis?
Stefan Trainer: Nein, in der Regel spielt sich das zwischen 20 und 30 Sekunden ab. Es gab einmal einen Videobeweis, bei dem das Signal kurzzeitig ausgefallen ist. Dadurch zog sich das Ganze bis zu fünf Minuten hin.
Im Fußball gäbe es da Diskussionen darüber, dass der Spielfluss zerstört wäre und wie man diese Zeit nachspielen ließe.
Stefan Trainer: Die Szene mit den fünf Minuten war die Ausnahme. Im Eishockey gibt es für den Videobeweis eine hohe Akzeptanz – bei Fans und Spielern. Schließlich geht es um eine wichtige Spielsituation und die richtige Entscheidung. Also ich kann den Videobeweis nur empfehlen, allein wenn ich an die Szenen aus dem Spiel Berlin gegen Düsseldorf denke...
...als der Puck so schnell durch die Maschen flog, dass niemand in der Halle wusste, ob es ein Tor war oder nicht...
Stefan Trainer: Richtig, das Video zeigt mehr, als das menschliche Auge sehen kann. Man könnte sich die ewigen Diskussionen sparen.
Im Fußball kommt die Videobeweis-Diskussion jedes Jahr so zuverlässig wie »Dinner for one« zu Silvester.
Stefan Trainer: Man kann ein Thema auch totdiskutieren, das war im Eishockey lange nicht anders – bis man sich endlich dazu durchgerungen hat. Es gab sogar Versuche, den Puck mit einem roten Lämpchen zu versehen. Heute sage ich: Es gibt für uns keine bessere Lösung als den Videobeweis.
Kritiker führen an, dass man den Charakter des Spiels verändere. In der Bundesliga gäbe es einen Videobeweis, in unteren Ligen wohl nicht.
Stefan Trainer: Im Eishockey ist dies auch nur in der obersten Liga so. Allerdings sind bei den meisten Fußballspielen doch so viele Kameras vor Ort, dass man technisch gar nicht viel umrüsten müsste. Ob man den Charakter des Spiels antastet, weiß ich nicht. Denn im Fußball wird in den seltensten Fällen ein Videobeweis nötig, das ist beim Eishockey ungleich häufiger der Fall. Da braucht man die Technik.
Kann der Videobeweis wirklich alle Irrtümer ausschließen?
Stefan Trainer: Nein, auch wir hatten ein sogenanntes »Phantomtor«. Da wurde selbst nach dem Videostudium ein Tor gegeben, das keines war. Das war nicht zum Lachen, aber so etwas passiert nun einmal. Die Technik ist ein sehr gutes Hilfsmittel, aber Fehler wird es im Sport immer geben.






