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16.08.2011

Eishockey-Schiedsrichter Stefan Trainer zum Videobeweis

»Fehler wird es immer geben«

Interview: Ron Ulrich  Bild: Imago

Felix Magath fordert wieder einmal den Videobeweis. Im Eishockey klappe es doch auch, sagen die Befürworter. Doch wie läuft der Videobeweis dort genau ab? Ein Gespräch mit dem Schiedsrichter-Beauftragten der DEL, Stefan Trainer.

Eishockey-Schiedsrichter Stefan Trainer zum Videobeweis - »Fehler wird es immer geben«


Stefan Trainer leitete selbst Spiele und ist derzeit Schiedsrichter-Beauftragter der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).

Herr Trainer, können Sie uns kurz erläutern, wie der Videobeweis im Eishockey eigentlich funktioniert?


Stefan Trainer: In der DEL ist eine Übertorkamera vorgeschrieben, zusätzlich können wir bei einer TV-Liveübertragung die Bilder von den seitlichen und hinteren Kameras nutzen. Der Hauptschiedsrichter kann zu jeder Zeit des Spiels einen Videobeweis anordnen. Dann geht es um die Frage, ob der Puck die Linie überquert hat, aber auch um das Torraumabseits oder ob ein Spieler den Stock zu hoch gehalten hatte – über Fouls wird nicht entschieden.



Die Fans sitzen in den Hallen nah dran, beeinflusst das die Entscheidung?

Stefan Trainer: Klar, es gibt schon Rufe. Aber ich glaube nicht, dass das Auswirkungen hat. Viel schwieriger wird es, wenn die Szene in der Halle vorher auf der Videoleinwand gezeigt wird – das bringt die Leute natürlich auf.

Kommt das häufiger vor?

Stefan Trainer: Es kommt immer wieder vor. Das ist keine Katastrophe, aber es bringt Unruhe.

Gibt es eine zeitliche Obergrenze für den Videobeweis?

Stefan Trainer: Nein, in der Regel spielt sich das zwischen 20 und 30 Sekunden ab. Es gab einmal einen Videobeweis, bei dem das Signal kurzzeitig ausgefallen ist. Dadurch zog sich das Ganze bis zu fünf Minuten hin.

Im Fußball gäbe es da Diskussionen darüber, dass der Spielfluss zerstört wäre und wie man diese Zeit nachspielen ließe.

Stefan Trainer: Die Szene mit den fünf Minuten war die Ausnahme. Im Eishockey gibt es für den Videobeweis eine hohe Akzeptanz – bei Fans und Spielern. Schließlich geht es um eine wichtige Spielsituation und die richtige Entscheidung. Also ich kann den Videobeweis nur empfehlen, allein wenn ich an die Szenen aus dem Spiel Berlin gegen Düsseldorf denke...

...als der Puck so schnell durch die Maschen flog, dass niemand in der Halle wusste, ob es ein Tor war oder nicht...

Stefan Trainer: Richtig, das Video zeigt mehr, als das menschliche Auge sehen kann. Man könnte sich die ewigen Diskussionen sparen.

Im Fußball kommt die Videobeweis-Diskussion jedes Jahr so zuverlässig wie »Dinner for one« zu Silvester.

Stefan Trainer: Man kann ein Thema auch totdiskutieren, das war im Eishockey lange nicht anders – bis man sich endlich dazu durchgerungen hat.  Es gab sogar Versuche, den Puck mit einem roten Lämpchen zu versehen. Heute sage ich: Es gibt für uns keine bessere Lösung als den Videobeweis.

Kritiker führen an, dass man den Charakter des Spiels verändere. In der Bundesliga gäbe es einen Videobeweis, in unteren Ligen wohl nicht.

Stefan Trainer: Im Eishockey ist dies auch nur in der obersten Liga so. Allerdings sind bei den meisten Fußballspielen doch so viele Kameras vor Ort, dass man technisch gar nicht viel umrüsten müsste. Ob man den Charakter des Spiels antastet, weiß ich nicht. Denn im Fußball wird in den seltensten Fällen ein Videobeweis nötig, das ist beim Eishockey ungleich häufiger der Fall. Da braucht man die Technik.

Kann der Videobeweis wirklich alle Irrtümer ausschließen?

Stefan Trainer: Nein, auch wir hatten ein sogenanntes »Phantomtor«. Da wurde selbst nach dem Videostudium ein Tor gegeben, das keines war. Das war nicht zum Lachen, aber so etwas passiert nun einmal. Die Technik ist ein sehr gutes Hilfsmittel, aber Fehler wird es im Sport immer geben.






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Kommentare

  • User
  • 16.08.2011 12:07:04 EgilSkallagrimsson

    Die Technik ist ein sehr gutes Hilfsmittel, aber Fehler wird es im Sport immer geben.

    Danke. Wenigstens einer, der nicht um die "Entromantisierung" des Sports fürchtet. Videobeweis her, und zwar sofort.

  • User
  • 16.08.2011 14:46:57 Flappen

    Fußball braucht den Videobeweis nicht. Ich erinnere daran, dass es bei der von Magath kritisierten Situation um eine Abseitsentscheidung ging und nicht darum, ob der Ball vor oder hinter der Linie war.
    KONTRA!

  • User
  • 16.08.2011 16:57:34 chutspe

    Die Lösung wäre eigentlich ganz einfach. Wie im Film "Referees at Work" zu sehen, ist es möglich und wird praktiziert, daß die Schieds-, und Linienrichter sowie der "vierte Offizielle" während des Spiels mittels Knopf im Ohr miteinander kommunizieren. Wie hier zu sehen ist, nimmt der Vierte von außen sogar Einfluß auf die Kartenvergabe bei Foulspiel o.ä.

    Es spräche daher nichts dagegen, daß sich der vierte, oder meinetwegen ein fünfter Offizieller (auf einen mehr kömmt es nun auch nicht mehr an) das Spiel parallel auf dem Bildschirm anschaut und dem Schiedsrichter auf dem Platz Mitteilung macht, sobald der im Begriff ist, eine Entscheidung zu treffen, die objektiv falsch ist.

    Wenn also der Bildschirmrichter sieht, daß der Torschütze nicht im Abseits stand, sagt er kurz durch "kein Abseits!", überstimmt so die gehobene Fahne des Linienrichters, und der Mann auf dem Platz gibt das Tor bzw. unterbindet den Angriff nicht. Ohne daß das Spiel angehalten werden müßte, ohne Diskussionen am Seitenrand, ohne Verzögerung. Denn alle, die sich aufgrund der gehobenen Fahne sonst berufen fühlen würden, zu meckern, wissen ja, daß das Spiel auch am Bildschirm begutachtet wird, die Entscheidung also mit einiger Sicherheit stimmt, selbst wenn es anders aussah. Eine Tatsachenentscheidung bleibt es so oder so.

    Alle Lösungen, die mit einer nachträglichen Beurteilung der Szene per Time-out und Videobeweis aufwarten, halte ich auch für schlecht. Die Entscheidung muß sofort, in der Situation fallen. Nachträgliche Beurteilungen bringen ja im Falle einer korrigierten Fehlentscheidung oft nichts, da eine unterbundene Spielsituation nicht wiederherzustellen ist.

    Ich kann mir eigentlich nur einen Grund denken, weshalb die Verantwortlichen bei Fifa, Uefa und DFB dergleichen nicht längst tun: Die Schiedsrichter sind die Vertreter des jeweiligen Verbandes auf dem Platz und gegenüber den Spielern deutlich in der Unterzahl. Trotzdem haben sie eine wichtige Funktion inne, haben Gewicht. Würde man die Entscheidungsgewalt vom Referee aufm Platz an einen im Verborgenen wirkenden Bildschirmrichter übertragen, sänke die Bedeutung des Mannes auf dem Platz, da er in vielen Fällen nur eine Art Marionette wäre. Das käme auch einem sichtbaren (wenngleich keinem tatsächlichen) Bedeutungsverlust des Verbandsvertreters am Spielgeschehen gleich, mithin des Verbandes. Und man weiß ja, wie wichtig sich Fifa, Uefa und DFB/DFL nehmen.

    Aber das ist natürlich Blödsinn. Denn ohnehin sollte der Schiedsrichter so gut wie unsichtbar sein und lediglich dafür sorgen, daß zwei Mannschaften gesittet Fußball spielen können.

  • User
  • 16.08.2011 17:23:59 hotheyer

    Fussball braucht den Videobeweis und es gibt genügend vernünftige Ansätze.
    Mich ärgert nur die oft scheinheilige Meinung dazu, nämlich immer dann laut zu schreien den Videobeweis einzuführen wenn eine Entscheidung gegen die eigene Mannschaft gefallen ist, um dann bei einer glücklichen Entscheidung zu sagen: " Das gleicht sich bis zum Ende der Saison wieder aus"

  • User
  • 17.08.2011 09:52:03 leralle

    Im Eishockey ist das was völlig anderes, es wird eh ständig unterbrochen. Und wenn der Schiri TV guckt und es gibt kein Tor gibt es Bully und alle sind zufrieden.

    Im Fußball geht das aber so nicht. Angenommen, da ist ein "Wembley-Tor", wird nicht gegeben, ein sofortiger Gegenangriff führt zu einem Tor auf der anderen Seite. Dann ist das Spiel unterbrochen, Schiri guckt TV, stellt fest dass das Wembley-Tor drin war, und somit das andere Tor im Gegenzug gar nicht hätte fallen dürfen. Und dann? Dann möchte ich mal die Trainer sehen. Es fehlt Fußballern und Trainern ganzheitlich an der Disziplin, mit der Eishockey-Spieler und -Trainer solche Entscheidungen hin nehmen.

    Diese Video-Beweis-Idee ist völlig unausgegoren, Fußball wäre nicht mehr der selbe wenn man so einen Kram einführen würde, also DAGEGEN.

  • User
  • 17.08.2011 11:44:33 skifahrer

    "Es fehlt Fußballern und Trainern ganzheitlich an der Disziplin, mit der Eishockey-Spieler und -Trainer solche Entscheidungen hin nehmen."

    Als Aktiver in Sachen Eishockey kann ich das (leider) so nicht ganz bestätigen...
    Allerdings gibt es einen anderen fundamentalen Unterschied: die Schiedsrichter erklären in aller Regel beiden Trainern in Ruhe ihre Entscheidungen, ob es ihnen passt oder nicht. Das ist ein anderes Auftreten als das der "schwarzen Herren" in kurzen Hosen auf dem Platz.

  • User
  • 17.08.2011 12:58:52 leralle

    skifahrer, das bezog sich auf die Unterbrechungen, ein aberkanntes Tor gefällt keinem Sportler. ;-)

  • User
  • 17.08.2011 15:31:15 gelsenkirchen

    es gibt so einige dinge die sich der fussball ruhig von anderen sportarten abgucken könnte:

    handball: nach schiedsrichterpfiff ist der ball unverzüglich am ort des pfiffes freizugeben.

    eishockey: nur der kapitän und seine assistenten dürfen als spieler mit dem schiedsrichter sprechen.

    nebenbei ist beim eishockey JEDES tor ein videobeweis, immerhin sitzt im profibereich hinter jedem tor ein torrichter und gibt unmittelbar "rot" oder "grün".

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