Vor dem Fankongress: Die wichtigsten Fans im deutschen Fußball
Helden wie ihr
Text: Moritz Herrmann, Ron Ulrich und Alex Raack Bild: Imago / Grafik: 11FREUNDE
Nie waren sie so wichtig wie heute: Fan-Initiativen und Fan-Projekte von KOS über BAFF bis »Kein Zwanni«. Sie geben den Fans in der Kurve eine Stimme und sind der mahnende Zeigefinger der deutschen Fankultur. Wir stellen sie vor.
Am 14. und 15. Januar findet in Berlin der Fankongress 2012 statt. Der Grundgedanke lautet: »Wie schaut der Fußball in der Zukunft aus und welche Rolle spielen die Fans dabei?« Am Samstag und Sonntag wird es Podiumsdiskussionen und Workshops zu Themen wie 50+1, Pyrotechnik, Anstoßzeiten, Selbstbestimmung in der Kurve, soziale Verantwortung, Eintrittspreise etc. geben. Diskussionsteilnehmer sind u.a. Martin Kind (Präsident von Hannover 96), Jonas Gabler (Autor von »Die Ultras«), Dirk Grosse (Sky Deutschland AG), Holger Hieronymus (Geschäftsführer DFL), Hendrik Große Lefert (Sicherheitsbeauftragter DFB) oder Kevin Miles (Football Supporters Federation). Weitere Infos findet ihr auf www.fankongress-2012.de.
Im Laufe dieser Woche lest hier auf der 11FREUNDE-Homepage Interviews und Berichte zum Thema Fankultur. Ihr findet alle Berichte gesammelt unter www.11freunde.de/fans. Der folgende Text wurde erstmals im August 2011 veröffentlicht.
Es war ein Hilferuf, mit dem sich die Bremer Sportjugend 1981 im »Weser-Kurier« an die Bremer Bevölkerung wandte: Wegen der immer brutaleren Gewalt in deutschen Fußballstadien forderte die Sportjugend »sozialpädagogische Interventionen«. Doch das wollten zu Beginn der achtziger Jahre, als wüste Tribünenschlägereien zum Bundesligaalltag gehörten wie der Fisch zum Brötchen, niemand hören. Fußballfans, das waren Asoziale, Proleten, unverbesserliche Idioten, mit denen sich vernünftig zu unterhalten, einfach keinen Sinn zu machen schien.
Weil allerdings zeitgleich an der Uni Bremen einen Studentengruppe unter der Leitung des Wissenschaftlers Narciss Göbbel die Werder-Fans unter sozialwissenschaftlichen Gesichtspunkten im Hörsaal untersuchte, kam der Aufruf der Sportjugend zur richtigen Zeit: Göbbel und seine Studenten entwickelten das Konzept für das erste deutsche Fanprojekt, im Frühjahr 1981 gingen die ABM-Kräfte Manfred Knaust und Lutz Linnemann als erste offizielle Fanprojektler Ihrer Arbeit nach.
Trauriger Höhepunkt: Der brutale Übergriff auf Daniel Nivel
Seitdem hat sich viel geändert in der deutschen Fanszene. Wenn auch nur sehr schleppend. Und unter Aufbringung vieler unnötiger Opfer. Nur ein Jahr nach der Gründung des Bremer Fan-Projekts starb der Werder-Fan Adrian Maleika bei Auseinandersetzungen mit Anhängern vom Hamburger SV an den Folgen einer Kopfverletzung. In den späten achtziger und frühen neunziger Jahren schien die Gewalt auf den Rängen überall zu eskalieren. Trauriger Höhepunkt der deutschen Fußball-Gewalteexzesse: Der brutale Übergriff deutscher Hooligans gegen den französischen Polizisten Daniel Nivel bei der WM 1998.
Erst danach merkten auch die letzten deutschen Fußball-Funktionäre, dass die unausgesprochenen Probleme der hiesigen Fanszenen ernst zu nehmen sind. In den Folgejahren ploppten Initativen und Organisationen aus dem Boden, einige gibt es schon nicht mehr, viele sind geblieben. Die großen überregionalen Projekte heißen heute B.A.F.F., KOS, FSE oder BAG – das klingt nach Bundeswehr und Schnellfeuergewehren, ist aber die Bestätigung dafür, dass Fußballfans eben nicht nur asozial und dumm wie Bohnenstroh sind, sondern ihre Interessen formulieren und vor allem angemessen vertreten können. Auch die aktuellste Debatte um eine mögliche Legalisierung von Pyrotechnik in Stadien zeigt: Längst operiert die hiesige Fanszene nicht mehr nur in schummrigen Eckkneipen und stadionnahen Garagen, sondern kommuniziert mit den Entscheidern im deutschen Fußball über eine gerechtere Behandlung der Liebhaber und Verrückten, die Woche für Woche dafür sorgen, dass die deutschen Bundesligen zu den aufregensten Spielklassen im Weltfußball gehören.
Von B.A.F.F. bis KOS von »Kein Zwanni fürn Steher« bis QFF – noch nie waren Fanprojekte und Faninitiativen so wichtig wie heute. Wir stellen die größten überregionalen Organisationen vor.






