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05.08.2011

Thomas Kroth über Kagawa und Co. in der Bundesliga

»Japaner kommen nicht zu spät«

Interview: Moritz Herrmann  Bild: Imago

Kagawa, Usami und Co. – Zur neuen Saison treten neun Japaner in der Bundesliga gegen den Ball, so viele wie nie. Warum? Spieler-Berater Thomas Kroth erklärt den plötzlichen Boom, Klischees und kalkulierte Publicity.

Thomas Kroth über Kagawa und Co. in der Bundesliga - »Japaner kommen nicht zu spät«


Thomas Kroth, in der Bundesliga spielen so viele Japaner wie nie zuvor. Die meisten davon haben Sie dem deutschen Markt vermittelt. Greifen die Vereine jetzt zu, weil Shinji Kagawa alle verzaubert hat?

Thomas Kroth: Verschiedene Faktoren erklären den aktuellen Boom: Natürlich war der Aufstieg von Shinji Kagawa ganz wichtig. Den eigentlichen Grundstein hat aber vor Jahren schon Naohira Takahara gelegt. Er hat den Markt zu seinen Hamburger Zeiten eröffnet. Dann kam Makoto Hasebe, der mit Wolfsburg auf Anhieb Meister wurde, und dabei die japanischen Tugenden unter Beweis gestellt hat. Die aus meiner Sicht für Japan erfolgreiche WM in Südafrika, als das Land unglücklich im Elfmeterschießen ausschied, und der Gewinn beim Asian Cup waren weitere Bausteine. Zu guter Letzt spielt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis eine Rolle. Der südamerikanische Markt ist zum Beispiel total überhitzt und verlangt überzogene Preise.

Die Bundesliga-Japaner: In der 11FREUNDE-Bildergalerie >>



Und der japanische Markt ist im Umkehrschluss besonders günstig.

Thomas Kroth: Nein, mit diesem Urteil würde man dem japanischen Markt Unrecht tun. Es ist nur einfach so, dass in Japan lange Zeit ein anderes Vertragsmodell praktiziert wurde. Die Spieler hatten im Gros Jahresverträge und konnten deshalb viel häufiger ablösefrei wechseln – meist im Januar, wenn der Vertrag ausgelaufen ist. Langfristige Verträge mit vier oder fünf Jahren Laufzeit gab es nicht. Das kommt erst seit zwei Jahren etwas mehr auf.

Sie sprachen die japanischen Tugenden an. Disziplin, Professionalität, Pünktlichkeit – das ist also Realität und nicht nur ein Kulturklischee?

Thomas Kroth: Ich will wirklich nicht pauschalisieren, aber den japanischen Spielern würde es nie passieren, dass sie zu spät zum Training oder zum Spiel zu kommen. Dafür bringen sie einfach zu viel Akribie mit.

Takashi Usami, der neue Flügelstürmer beim FC Bayern, begrüßte die Journalisten bei seiner ersten Pressekonferenz auf deutsch. Akribie liegt in der japanischen Kultur begründet?

Thomas Kroth: Auf jeden Fall. Auch Shinji Okazaki hatte bei der ersten Trainingseinheit beim VfB Stuttgart schon erste deutsche Worte parat. Ein anderes Beispiel für die Professionalität ist die Körperpflege – ein Ideal, das in Japan seit Jahrhunderten existiert. Daraus leiten die Spieler ab, sich auch im Urlaub mit einem eigens angeheuerten Coach fit zu halten. Mit Übergewicht kommt keiner aus der Sommerpause.

Als Naohira Takahara zum Hamburger SV kam, schickten die japanischen TV-Sender ihre Kamerateams zu jedem Training. Hat sich jetzt, acht Jahre und etliche Japaner später, die Aufregung relativiert?

Thomas Kroth: Ich bin regelmäßig in Japan und während der letzten Saison auch mal mit Shinji Kagawa rübergeflogen. Als wir da gelandet sind, gab es ein riesiges mediales Aufkommen. Um Kagawa ist ein Hype entstanden, das ist auch an der steigenden Zahl von TV-Liveübertragungen festzumachen. Über Jahre hat man in Japan nur englische Premier League und Champions League wahrgenommen. Jetzt dreht sich das. Die Spiele von Borussia Dortmund werden gezeigt, und auch andere. Das hat wiederum zur Folge, dass japanische Spieler, die nach Shinji in die Bundesliga wechseln, gut über die Bundesliga Bescheid wissen.

Das war früher anders?

Thomas Kroth: Wenn ich früher ein Angebot aus Deutschland nach Japan getragen habe, haben die Spieler erstmal nach Videos gefragt, die den Klub und die Liga zeigen.


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Makoto Hasebe, seit 2008 beim VfL Wolfsburg, emsiger Abräumer im defensiven Mittelfeld und 43-facher Nationalspieler.


Fotostrecke

  • Makoto Hasebe, seit 2008 beim VfL Wolfsburg, emsiger Abräumer im defensiven Mittelfeld und 43-facher Nationalspieler.
  • Shinji Okazaki, wechselte am 30. Januar 2011 von Shimizu S-Pulse zum VfB Stuttgart. Thomas Kroth sagt: »Hat als Stürmer voll eingeschlagen. Da können beide Seiten sehr zufrieden sein, auch wenn er zuletzt leider verletzt passen musste.«
  • Kisho Yano, 27 Jahre alt, kam in seiner ersten Bundesliga-Saison beim SC Freiburg noch nicht so richtig zum Zuge, weil Cissé als alleiniger Angreifer gesetzt ist.
  • Hajime Hosogai, hat bis 2013 Vertrag bei Bayer Leverkusen, wurde aber nach seinem Wechsel im Winter 2011 sofort an den FC Augsburg verliehen. Fünffacher Auswahlspieler mit blondiertem Haar, Nakata lässt – auch ob der Position im linken Mittelfeld – grüßen.
  • Atsuto Uchida, soll bei Schalke 04 als Rechtsverteidiger eine Ära wie einst Rafinha prägen, derzeit aber noch sehr defensiv orientiert. Jüngster Torschütze für Japan bei einem WM-Qualispiel.
  • Tomoaki Makino, wie seine Kollegen natürlich Nationalspieler, debütierte beim 1. FC Köln am 29. Januar 2011 gegen den FC St. Pauli. »Musste gleich gegen den Abstieg spielen, dazu kam der dreifache Trainerwechsel. Das macht es natürlich schwierig, diese Saison wird vielleicht auch ein wenig zum Neuanfang für ihn«, sagt Kroth.


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Kommentare

  • User
  • 06.08.2011 15:54:21 currygoi

    Tatsächlich scheinen die Japaner dazugelernt zu haben. Schon Ende der 90er/Anfang 00er gab es eine kleine Japanerwelle in Europa. Allen voran Hidetoshi Nakata, aber auch Junichi Inamoto und Shinji Ono, waren Popstars in Japan und galten als Toptalente.
    Nakata hatte tatsächlich sehr gute Anlagen, aber ihm, genau wie Ono und Inamoto, fehlte eine Tugend, die man den Japanern eigentlich immer nachsagt: Fleiß.
    Sie alle waren große Fische in einem kleinen Teich (J-League) und hatten gar keine Lust sich auf europäisches Niveau zu entwickweln.
    Warum auch? Alle hatten super Verträge. Unverhältnismäßig für ihre sportliche Qualität. Das sollte sich aber ziemlich rechen. Als die europäischen Klubbosse (vorallem die Italiener im Fall Nakata) merkten, das doch nicht soooo wahnsinnig viel Merchandisinggeld zu machen ist, mit einem höchstens überdurchschnittlichen Bankdrücker, landete Nakata wieder in Japan, Ono und Inamoto spielten stark in Holland und der Türkei (Siehe "Fisch/Teich"), kamen aber trotzdem nie über Mittelmaß hinaus (Bochum, Frankfurt).
    Der erste Japaner, seit Okudera, der es wirklich geschafft hat in Europa als guter Fußballer und nicht als Popstar zu gelten war Shunsuke Nakamura. Ordentlich in Italien, ein Star bei Celtic.

    Kagawa könnte der erste echte Weltklassespieler Japans werden.
    Vieleicht auch deshalb, weil er nicht schon als Nationalheld nach Europa kam. Sondern erst in Europa einer wurde.

  • User
  • 06.08.2011 18:32:38 currygoi

    RÄCHEN.

    Nicht RECHEN.

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