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05.08.2011

Lothar Matthäus im 11FREUNDE-Interview (#2)

»Fußball ist meine Liebe«

Interview: Alex Raack  Bild: Imago

Im zweiten Teil unseres Interviews mit Lothar Matthäus spricht Bulgariens Nationaltrainer über weise Ratschläge von Franz Beckenbauer, seinen schlechten Ruf in der deutschen Presse und eine mögliche Zukunft in die Bundesliga.

Lothar Matthäus im 11FREUNDE-Interview (#2) - »Fußball ist meine Liebe«


Lothar Matthäus, Sie sind einer bekanntesten deutschen Fußballer aller Zeiten. Ist Ihre Prominenz eher Vor- oder Nachteil, wenn es um Ihren Job als Trainer geht?

Lothar Matthäus: In Deutschland ganz sicher ein Nachteil.

Warum?

Lothar Matthäus: Weil mein Name in den vergangenen zehn Jahren dazu benutzt wurde, Schlagzeilen zu machen.

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Sind Sie daran nicht auch selbst Schuld? Schließlich gibt es keine Diskussion über mögliche Trainerwechsel in der Bundesliga, bei der nicht Ihr Name fällt.

Lothar Matthäus: Ich verrate Ihnen was: Ich habe mich in all den Jahren noch nie selbst ins Gespräch gebracht. Das habe ich auch, ehrlich gesagt, nicht nötig. Aber sobald ein Trainer entlassen wurde, wurde mein Name in der Presse gehandelt. Das waren alles frei erfundene Gerüchte. Aber sie haben dazu geführt, dass mein Ruf in Deutschland ziemlich Schaden genommen hat.

Entsprechend haben Sie noch nie in Deutschland trainiert, dafür in Österreich, Serbien, Brasilien, Ungarn und Bulgarien. Wie muss man sich das eigentlich vorstellen, wenn der neue Trainer Matthäus zum ersten Mal zu seiner Mannschaft spricht. Schreiben Sie Ihren Namen an die Tafel?

Lothar Matthäus: Ganz sicher nicht. Die Spieler wissen ja, wer ich bin. Ich erkläre der Mannschaft kurz und knapp meine Ziele, wünsche allen eine gute Zusammenarbeit und dann geht es raus auf den Trainingsplatz.

Gibt es bei Ihnen einen Strafenkatalog?

Lothar Matthäus: Nein. Die größte Strafe für einen Fußballer ist ja eh, wenn er nicht spielen darf. Gleichzeitig ist das ein Problem für dich als Trainer: Du schwächst deine Mannschaft, weil du deine Autorität wahren musst. Deshalb suche ich meistens das ernste Gespräch mit dem Spieler, der Mist gebaut hat. Er soll wissen, dass er mich nicht für dumm verkaufen kann. Dafür stand ich schließlich viel zu lange auf der anderen Seite.

Erzählen Sie den Spielern manchmal auch Anekdoten aus Ihrer eigenen Karriere?

Lothar Matthäus: Das versuche ich zu vermeiden. Aber ab und zu nutze ich die Vergangenheit und konfrontiere meine Spieler damit. Zum Beispiel mit Hinweisen, die mir einst ein Franz Beckenbauer gab.

Was waren das für Hinweise?

Lothar Matthäus: Einer von Beckenbauers Lieblingssätzen war: »Genießt das Leben als Fußballer, so lange und so erfolgreich wie ihr nur könnt – denn der Erfolg entscheidet schließlich auch über euer weiteres Leben.« Das sage ich auch meinen Spielern: Nutzt das Talent, das euch der liebe Gott gegeben hat, um aus eurer Karriere den maximalen Profit rauszuholen.

Wäre der Trainer Matthäus eigentlich gut mit dem Spieler Matthäus zurecht gekommen?

Lothar Matthäus: Ich denke, der Trainer Matthäus hätte einen leichten Job gehabt. Denn der Spieler war extrem erfolgsorientiert, mannschaftsdienlich und in der Lage, Spiele durch seine individuelle Klasse zu entscheiden.

Ist die Bundesliga eigentlich noch Ihr erklärtes Ziel?

Lothar Matthäus: Vor einigen Jahren war sie das. Jetzt mache ich mich deswegen nicht mehr verrückt. Ich bin und bleibe ein Kind und Kenner der Bundesliga, und wenn irgendwann mal ein passendes Angebot aus Deutschland kommt, dann denke ich sicherlich darüber nach. Aber inzwischen bin ich in der Welt zu Hause – und mit diesem Leben komme ich ganz gut zurecht.

Lothar Matthäus, während wir sprechen, planen Sie bereits einen Flug nach Rio de Janeiro, außerdem die anschließende Reisen nach Polen und Bulgarien. Und das alles wegen Fußball. Warum tun Sie sich diesen Stress eigentlich noch an?

Lothar Matthäus: Weil mir das Ganze immer noch sehr viel Spaß macht. Und so lange ich Spaß an diesem Job habe, werde ich ihn auch machen. Fußball ist meine große Liebe – warum sollte ich also etwas anderes machen?






Und weiter geht die Titelsammelei: 1994 wird Matthäus mit dem FC Bayern Deutscher Meister: Der vierte Meistertitel von insgesamt sieben.


Fotostrecke

  • Und weiter geht die Titelsammelei: 1994 wird Matthäus mit dem FC Bayern Deutscher Meister: Der vierte Meistertitel von insgesamt sieben.
  • Nur den Ball gespielt? Auch in der Nationalmannschaft bleibt Matthäus gesetzt.
  • Nein, dies sind weder eiskalte Immobilienmakler auf dem Betriebsausflug in den USA, noch die Präsidentschaftskandidaten 1994, sondern Berti Vogts und sein Kapitän Lothar Matthäus in Washington.
  • Die WM 1994 gerät zur mittelschweren Katastrophe: Die Mannschaft zerstritten, das Wetter zu heiß, Aus im Viertelfinale gegen Bulgarien.
  • Wie gut tut die Rückkehr zu den Bayern und ins warme Rampenlicht der deutschen Öffentlichkeit: Matthäus wirft Knochen vor die hungrige Pressemeute.
  • Kein Bier vor vier: Trainingsschluss bei den Bayern, Matthäus stellt die Kanne unter die Dusche.


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Kommentare

  • User
  • 05.08.2011 15:10:21 sullenberger

    Gestern schrieb jemand unter den ersten Teil, dass Lothar bei all seinen möglichen fachlichen Kompezenzen die Fähigkeit zur Reflexion abgeht.

    Und genau das ist sein Problem. Mit seinem Namen lassen sich nicht deshalb so gerne und so leicht Schlagzeilen machen, weil er immer mal als Trainerkandidat gehandelt wird. Und selbst wenn das der Grund wäre, wie lesenswert wäre das?
    Die Schlagzeilen entstehen weil Herr M. alle paar Wochen seine Nase vor das RTL Exklusiv Mikro hält und erklärt dass die Brüste seiner Freundin echt sind. Als RTL / Bild Redakteur würde ich auch alle paar Tage mal beim Lothar durchrufen, einfacher kann man doch garnicht an Schlagzeilen kommen.

    Würde er sein Privatleben einfach rauslassen (oder hätte das vor vielen getan) wäre er nicht die Witzfigur, die er bei allen möglichen Kompetenzen geworden ist. Ich glaube er versteht das garnicht, die anderen sind schuld.
    Und was seine Mediengeilheit angeht, da schließt sich dann der Kreis zu Boris B. Die zweifellos überragende sportliche Karriere ist längst nicht mehr in der Lage über all die Peinlichkeiten in der Zeit danach zu überstrahlen. Eigentlich schade.

  • User
  • 05.08.2011 16:14:05 Rhoenschaf

    Nutzt das Talent, das euch der liebe Gott gegeben hat, um aus eurer Karriere den maximalen Profit rauszuholen.

    Sehr schöner Satz der den PROFIfußball recht schön zusammen fasst.

  • User
  • 05.08.2011 17:23:31 riarulala

    warum nur beunruhigt mich das, wenn loddar gleichzeitig die worte fußball und liebe in den mund nimmt? so kann das ja nix mehr werden. beziehungskisten waren ja noch nie seine stärke.

  • User
  • 05.08.2011 19:15:55 penalty

    im fussball und in der liebe ist alles erlaubt... äh ne, ging irgendwie anders.

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