Mannschaftsfoto (7): Borussia Mönchengladbach
Der Sturm nach dem Sturm
Text: Andreas Bock Bild: Imago
Nach der Last-Minute-Rettung in der Relegation und dem Aufbegehren der Effenberg-Clique sehnt man sich in Gladbach nach ein bisschen mehr Ruhe. Doch Pustekuchen! Auch in der kommenden Saison wird es stürmisch.
Unsere neue Serie: Wir präsentieren jeden Tag das aktuelle Mannschaftsfoto eines Bundesligisten und zeigen in unserer Bildergalerie die schönsten historischen Schüsse. Heute: Borussia Mönchengladbach.
1.
Der neue Star
Kein Magier aus den Villas von Buenos Aires, kein Dribbelkönig aus Fernost, kein Abwehrungeheuer aus Bulgarien. Der einzige Neuzugang mit Startelf-Potenzial heißt Lukas Rupp und spielte bis dato seit kurz seiner Geburt beim Karlsruher SC. Ein offensiver Mittelfeldspieler. Ein Mann mit Auge. Rupp kommt aus einer Sportlerfamilie – sein Vater spielte in der Handballbundesliga für Leutershausen – und meldet sich auf seiner Mailbox mit »Ruppinho«. Kein Zauberer von der Copacabana, aber immerhin ein Scherzbold aus dem Badischen.
2.
Wer ist er denn?
Ja, das ist tatsächlich Dante Bonfim. Für alle, die es nicht mitbekommen haben: Nach der erfolgreichen Relegation gegen den VfL Bochum ließ sich der Sunshine-Reggae-Boy seine Lockenmähne rasieren. Danach sah er ein bisschen selts..., pardon, gewöhnungsbedürftig aus. Jetzt liegt alles wieder schick: Dante trägt adrette kurze Löckchen – und hört statt Marleys »Redemption Song« nun vermutlich UB40s »Red red wine«.
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3.
Eine kleine Stilkritik
Das Setting hat was von einem Bezirksligasportplatz irgendwo hinter an der A4. Man riecht förmlich die Kiebitze, die gleich wieder hinter den Zäunen und Geländern hervorkriechen. Was natürlich gut kommt: Die erste Reihe versteckt sich nicht hinter der Werbebande, sondern posiert auf ihr. Sie steht quasi über den Dingen. Ansonsten fallen ein paar Unstimmigkeiten auf, so wurden etwa die Herren in den grauen Shirts nicht analog postiert. Das hätte man leicht durch Verschieben (Vgl. Rubiks Zauberwürfel) lösen können. Was das Bild über die neue Saison sagt, verrät übrigens Trainer Lucien Favre: Ellenbogen raus! Und zwar frühzeitig! Das Leben ist hart, die Bundesliga ist härter.
4.
Was fehlt?
Neben Dantes Haaren fehlt ein bisschen Glanz und Gloria. Allzu gerne hätte sich dafür Stefan Effenberg angeboten und hier wie ein leicht bezuckertes Kaffeeplätzchen an die Seite drapiert. Ein bisschen gönenrhaft dreinblickend, ein bisschen kaiserlich winkend, ein bisschen tiger-esk nickend. Doch er hat es vor zwei Monaten nicht allen gezeigt – seine Initiative scheiterte kläglich. Und so muss Effe nun als einer von 13.902 Kiebitzen (nicht im Bild) mit einem Latte to go hinter der Kamera ausharren.
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5.
Prognose 2011/12
Dieser verrückte Fußball! Vor einer Woche verlor Gladbach ein Testspiel gegen Drittligist Saarbrücken mit 0:1. Wenige Tage später trotzte der Bundesligist dem amtierenden Europa-League-Sieger FC Porto ein 0:0 ab. Dabei brannten die Portugiesen ein Offensivfeuerwerk ab, das nur durch Gladbachs Marc-Andre ter Steegen entschärft werden konnte. Der Keeper parierte am Ende sogar die Luftpartikel. Der 11FREUNDE-Tabellenkalkulator errechnet anhand dieser Testspiele (berücksichtigt wurde die Wertigkeit von Testspielen) die Platzierung 14, allerdings verläuft die erste Halbserie wieder einmal stürmisch. Dennoch: Ganz okay, sollte man meinen. Doch ob »ganz okay« auch in Gladbach ganz okay ist, darf wie immer leise bezweifelt werden.
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1967
Trainer: Hennes Weisweiler
Stilikone: Berti Vogts (mittlere Reihe, 3. v. r.)
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