Mannschaftsfoto (1): 1. FC Kaiserslautern
Die Streber von der dritten Bank
Text: Andreas Bock Bild: Imago
Wo es in der neuen Saison für Kaiserslautern hingeht, weiß niemand so richtig. Fest steht indes: In Sachen Mannschaftsfoto ist kein Team so akurat aufgestellt wie die Roten Teufel. Als hätte jemand mit dem Zollstock die Abstände ausgemessen.
Unsere neue Serie: Ab heute präsentieren wir jeden Tag das aktuelle Mannschaftsfoto eines Bundesligisten und zeigen in unserer Bildergalerie die schönsten historischen Schüsse. Den Anfang macht der 1. FC Kaiserslautern.
1.
Der neue Star
Der Transfer des israelischen Stümers Itay Shechter (eingeklinkt) zog sich wie ein ausgeleiertes Deuserband. Schon im März war der Stürmer erstmals in Kaiserslautern, ließ sich die Stadt und den Klub zeigen. Es hieß, es sei sehr angetan gewesen, weil der FCK für ihn koscheres Essen servierte. Doch es brauchte einen weiteren Monat, bis diverse Medien verkündeten, dass nun »alles fix« sei – es fehlte nur noch die Unterschrift. Und die ließ auf sich warten, Apri, Mai, Juni. Immer noch keine Einigung. Die Klubbesitzer von Hapoel Tel Aviv waren sich uneinig über eine Vertragsklausel. In der Zwischenzeit wurde Dortmund Meister, Schalke Pokalsieger, Barcelona holte die Champions League, die deutschen Frauen schieden im WM-Viertelfinale aus, Jimmy Hartwig trat bei »Das perfekte Dinner« auf, Jörg Kachelmann wurde freigesprochen und Lena gewann nicht beim Eurovision Songcontest. Fünf Monate so lang wie die Ära Kohl. Doch warum klagen? Nun ist er ja endlich da. Rund 2,5 Millionen soll der 24-Jährige kosten (Vertrag bis 2015). In den vergangenen zwei Spielzeiten erzielte der dribbelstarke Angreifer übrigens 27 Tore in 45 Ligaspielen.
2.
Wer ist er denn?
Mit Aberglaube im Fußball ist das ja so eine Sache. Frankreichs Ex-Nationalcoach Raymond Domenech berücksichtigte bei der Aufstellung zum Beispiel die Sternzeichen der Spieler. Skeptisch stand er Skorpionen wie Robert Pires gegenüber, die »bringen sich am Ende alle gegenseitig um«. Nun bekommt der FCK einen Spieler, bei dem manch abergläubischer FCK-Funktionär alles tun wird, dass dieser, auch wenn er nicht in der ersten Elf zum Einsatz kommt, bei sämtlichen Saisonspielen irgendwo im Stadion weilt. Er heißt: Konstantinos Fortounis (mittlere Reihe, 7. v. l.). 18 Jahre jung. Angeblich war auch Juventus Turin an dem Griechen dran, doch sein Klub Astera Tripolis lehnte das Angebot ab. Nun ist er beim FCK gelandet. Stefan Kuntz schablonierte danach folgenden Satz: »Konstantinos Fortounis ist ein sehr talentierter Offensivspieler mit großem Potential.« Wir kontern: »Es steht 0:0, aber es könnte auch andersherum stehen.«
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3.
Eine kleine Stilkritik
Wie schon in den letzten Jahren zeigt der FCK wenig Mut zum Risiko. Der Kader posiert mit Sack und Pack adrett gescheitelt im Fritz-Walter-Stadion. Selten sah ein Team so geordnet aus. Man ist geneigt zu glauben, ein emsiger Landvermesser lief mit einem Zentimetermaß zwischen den Reihen umher, um die Abstände zu justieren. Doch, oh Gott, der zweite Blick zeigt Dinge, die jedem Hobbypedanten die Schweißperlen auf die Stirn triebe. Da sehen wir zwischen Heinz Bossert und Wolfgang Wittich (mittlere Reihe links) eine riesige Lücke klaffen. Und Clemens Walch legt die Hände so leger in seinen Schoß, als sei das hier eine Casual-Friday-Veranstaltung. Nur die dritte Reihe macht auch bei genauerem Hinschauen alles richtig. Trotzdem: Alles noch einmal von vorne. Neuer Fototermin morgen!
4.
Was fehlt?
Klar, der Taxofit-Koffer fehlt. Was aber schmerzlicher vermisst wird, ist der ehrliche Einzelhandel des örtlichen Gewerbeparks auf der Werbebande. Konnte früher jeder Schlüsseldienst, Partyservice und Schuhmacher seine Zwei-Zentimeter-Logos auf eben dieser platzieren, prangen dort heute nur noch die Big Player: Coca Cola, Praktiker, VW und Lotto. Immerhin durfte der Radiosender RPR1 mitwerben. Slogan: Das Gute von heute und das beste von Gestern. Heißt in der Praxis: Menowin Fröhlich (heute) und Silbermond (gestern). Da wünscht man sich nicht: morgen.
In unserer Bildergalerie: Das aktuelle FCK-Mannschaftsfoto >>
5.
Prognose 2011/12
Ein bisschen zu konfirmandig kommt der FCK daher – schick gemacht und viel zu brav. Nach einem schüchternen Start und Platz 14 nach der Hinrunde laufen die Lauterer am Ende immerhin im gesicherten Mittelfeld ein. Platz 11.
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1972
Trainer: Dietrich Weise
Stilikone: Klaus Toppmöller (hintere Reihe, 3. v. r.)
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