Florian Lechner über sein Abschiedsspiel
»Stanislawskis Frau hat ihn würdig vertreten«
Interview: Karol Herrmann Bild: Imago
Bevor Florian Lechner zum Karlsruher SC wechselte, spielte er sieben Jahre bei St. Pauli. Weil es keinen offiziellen Abschied gab, plante er im Mai dieses Jahres zusammen mit Marcel Eger sein eigenes Abschiedsspiel. Es geriet leicht aus den Fugen.
Florian Lechner, Ihr Vertrag in St. Pauli wurde nicht verlängert. Sie waren sieben Jahre im Verein. Warum gab es keinen offiziellen Abschied?
Florian Lechner: Marcel Eger und mir wurde erst kurz vor dem letzten Heimspiel gegen Bayern gesagt, dass der Verein in Zukunft ohne uns plant. Deshalb gab es keine offizielle Verabschiedung am Millerntor. Wir wollten dann selbst was auf die Beine stellen.
Wie haben Sie das geplant?
Florian Lechner: Ursprünglich hatten wir die Schnapsidee, im Schanzenviertel auf einem Betonbolzplatz zu kicken. Nebenbei sollte gegrillt werden.
Aus diesem Vorhaben wurde aber bekanntlich nichts. Letztendlich kamen 4500 Zuschauer.
Florian Lechner: Als unser ehemaliger Mitspieler Marvin Braun von unseren Plänen hörte, kam der Stein ins Rollen. Er hat direkt ein Skript ausgearbeitet, wen man denn einladen könnte und hat Werbung auf Facebook gemacht. Nach 24 Stunden hatten sich bereits über 1500 Leute angekündigt. Also war unsere Idee mit dem kleinen Bolzplatz schnell verworfen. Wir hatten natürlich allerhand zu tun, um die benötigten Mengen an Bier und Würstchen zu organisieren. Wenig später hat dann die Polizei angerufen und gesagt, dass es sich dabei mittlerweile um eine Großveranstaltung handelt.
Warum sind Sie dann ausgerechnet ins Stadion des Konkurrenten Altona 93 gegangen?
Florian Lechner: St. Pauli hatte uns angeboten, das ganze am Millerntor zu veranstalten, aber Marvin Braun hat sich so ins Zeug gelegt, dass wir es dann auch selber organisieren wollten. Das Stadion von Altona hatte genau die richtige Größe für unser Vorhaben. Dann ging es dann nicht um irgendwelche Feindschaften.
Der Rest war dann ein Selbstläufer…
Florian Lechner: Mittags auf der Schanze haben wir Rolf Fuhrmann von Sky getroffen. Den haben wir aus Spaß gefragt, ob er nicht moderieren wolle. Er hat direkt zugesagt. Ein Hamburger Bundesliga-Schiedsrichter hat sich auch sofort bereit erklärt mitzumachen.
Gab es denn Sicherheitsbedenken seitens der Polizei? Am Ende wurden ja reichlich bengalische Feuer gezündet.
Florian Lechner: Die Pyrotechnik wurde bewusst und kontrolliert von einigen Kumpels eingesetzt. Die Polizei hat uns dann auch nahegelegt, professionelle Ordner zu organisieren, was wir dann auch gemacht haben.
Wer ist alles aufgelaufen?
Florian Lechner: Eine Mischung aus St.Pauli-Spielern und Kumpels von uns. Dabei waren zum Beispiel Marius Ebbers, Michel Dinzey, Ralph Gunesch, Fabian Boll, mein Bruder, Mark Tavassol von »Wir sind Helden«, unser Pressesprecher. Sie sind aus der ganzen Bundesrepublik angereist.
War Holger Stanislawski nicht dabei?
Florian Lechner: Der war leider in Hoffenheim, um den Kader für die neue Saison zu planen. Aber seine Frau war da und hat ihn würdig vertreten.
Sie gelten nicht als großer Torjäger. Hat es denn beim Abschiedsspiel geklappt?
Florian Lechner: Gleich zweimal. Ich durfte aber auch auf der Zehner-Position spielen.
Sie haben nach dem Spiel sieben Relikte aus ihren sieben Jahren in St. Pauli für einen guten Zweck gespendet. Um was hat es sich genau gehandelt?
Florian Lechner: Da war ein Rum dabei, den ich damals beim Trainingslager in Kuba gekauft habe. Außerdem ein Aufstiegs-Shirt, Fußballschuhe, ein Trikot und Ohropax, die ich wegen meinem damaligen Zimmerpartner Fabio Morena gekauft habe. Kurioserweise war auch ein Abschiedsgeschenk von letzter Saison dabei. Damals war noch nicht klar, ob mein Vertrag verlängert würde. Also habe ich dieses Jahr das Abschiedsgeschenk von letztem Jahr versteigert.
Es wurde von einer feucht-fröhlichen After-Show-Party berichtet.
Florian Lechner: Es waren über 1000 Leute da. Fettes Brot, die Freunde von uns sind, haben aufgelegt. Die Party ging bis sechs Uhr morgens.
Ergänzung zu Heft#116 07/2011
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