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24.06.2011

BVB-Kapitän Sebastian Kehl im Interview

»Die Fluggrätsche stirbt aus«

Interview: Alex Raack  Bild: Imago

Sebastian Kehl ist einer der wichtigsten Spieler beim Deutschen Meister Borussia Dortmund – wenn da nicht die Verletzungen wären. Während die Kollegen den Urlaub genießen, schuftet Kehl für sein Comeback. Wir sprachen mit ihm.

BVB-Kapitän Sebastian Kehl im Interview - »Die Fluggrätsche stirbt aus«


Sebastian Kehl, Sie sind und bleiben der Pechvogel der Bundesliga: Wie sieht der momentane Fitnessstand aus?

Sebastian Kehl: Dass ich erneut einen großen Teil der Saison wegen Verletzungen verpasst habe, war sehr frustrierend. Und während meine Mitspieler ihren verdienten Sommerurlaub genossen haben, stand ich auf dem Rasen und habe trainiert. Noch reicht es nicht für das normale Mannschaftstraining, aber ich kämpfe mich Stück für Stück heran.

>>> Die aufregende Karriere von Sebastian Kehl in Bildern: Hier klicken!



Auf Ihrer angestammten Position – dem defensiven Mittelfeld – standen in der abgelaufenen Spielzeit mit Sven Bender und Nuri Sahin zwei junge Herausforderer, die ihre Sache so gut gemacht haben, dass Dortmund am Ende Meister wurde. Wie viele Sorgen machen Sie sich um Ihren Stammplatz?

Sebastian Kehl: Wenn ich fit bin stand ich in der Vergangenheit immer auf dem Platz. Als Kapitän ist das auch in der neuen Saison mein Ziel. Das meine persönliche Saison so frustrierend war, lag zunächst nicht an meinen Konkurrenten sondern an meiner Verletzung.

Wie bewerten Sie die Leistung von Nuri Sahin?

Sebastian Kehl: Er hat viele großartige Spiele abgeliefert, wichtige Tore geschossen und deshalb großen Anteil am Gewinn der Meisterschaft. Mit Real Madrid hat er einen tollen Klub  gefunden und ich freue mich für ihn. Aber ich hätte ihn natürlich auch gerne in der neuen Saison an meiner Seite gesehen – dass wir in der Champions League auf einen Spieler wie Nuri verzichten müssen, ist sicherlich eine Schwächung.

Sahin galt schon mit 16 Jahren als Super-Talent, doch erst jetzt, mit 22, scheint er den Durchbruch geschafft zu haben. Woran liegt das?

Sebastian Kehl: Sicherlich daran, dass er inzwischen einen deutlich defensiveren Part spielt, als noch vor zwei, drei Jahren. Diese Umstellung hat seinem Spiel gut getan. Entscheidend war aber auch, dass er 2007, als er bei uns in einer schwierigen Phase steckte, mutig genug war, zu Feyenoord Rotterdam zu wechseln. In Holland hat er sein Spiel neu erfunden.

Sie sind neun Jahre älter als Nuri Sahin – haben Sie dem jungen Kollegen Ratschläge für die Zukunft gegeben?

Sebastian Kehl: Nicht direkt. Aber nach der Saison, als der Rest der Mannschaft in den Urlaub gefahren ist, haben wir noch gemeinsam trainiert. Natürlich haben wir über Madrid gesprochen, über die Wohnungssuche vor Ort und über seine neuen Mitspieler. Nuri freut sich riesig auf die neue Herausforderung. Aber ich weiß ja am Beispiel meines alten Freundes Christoph Metzelder, wie schwer der Alltag eines Fußballprofis bei Real Madrid sein kann. Dieser Klub ist durchsetzt von Weltklasse-Spielern, die Erwartungen sind noch einmal viel größer als in Dortmund. Daran kann man  scheitern – aber Nuri hat auf jeden Fall die Klasse, sich auch bei Real Madrid durchzusetzen.

Die Rolle des »Sechsers«, des defensiven Mittelfeldspielers, ist in den vergangen Jahren immer wichtiger geworden. Sie können die Entwicklung am ehesten nachvollziehen – was hat sich verändert?

Sebastian Kehl: Grundsätzlich wird die Bedeutung dieser Position noch immer unterschätzt. Die Arbeit während der 90 Minuten ist eben nicht so sichtbar, wie die eines Stürmers oder eines offensiven Mittfeldspielers. Das sind viele taktische Einzelheiten, die Koordination des Defensivspiels, die Rollenverteilung im Mittelfeld und so weiter. Und das geht nur über eine sehr hohe Laufbereitschaft.


weiterlesen [1] [2]



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Deutsche Hoffnung: U-18-Nationalspieler Sebastian Kehl posiert für die Kamera.


Fotostrecke

  • Deutsche Hoffnung: U-18-Nationalspieler Sebastian Kehl posiert für die Kamera.
  • Die gute alte Zange, vorgeführt von Carsten Linke und Nachwuchsmann Sebastian Kehl im Trikot von Hannover 96 (gegen den Mainzer Sirious Dinmohammed).
  • 2000 wechselt Kehl ans andere Ende Deutschlands und heuert beim FC Freiburg an. Schnell ist der junge Mittelfeldmann einer der wichtigsten Spieler seiner Mannschaft und...
  • ...begeistert gemeinsam mit den anderen jungen Wilden aus Freiburg (hier Tobias Willi) die Bundesliga.
  • Das weckt Begehrlichkeiten: 2001 soll Kehl eigentlich zum FC Bayern wechseln (hier vertreten durch Stefan Effenberg), bekommt sogar ein stattliches Handgeld, doch wenige Monate vor dem eigentlichen Wechsel geht Kehl nach Dortmund. Das Handgeld zahlt er zurück, den Ärger mit den Münchenern hat er trotzdem.
  • Alles richtig gemacht: Mit dem BVB holt Kehl gleich im ersten Jahr (2001/02) die Deutsche Meisterschaft.


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Kommentare

  • User
  • 24.06.2011 14:09:30 Capocannoniere

    "Die Rolle des »Sechsers«, des defensiven Mittelfeldspielers, ist in den vergangen Jahren immer wichtiger geworden."

    Andererseits ist zu beobachten, daß es im internationalen Spitzenfußball kaum noch Spieler gibt, die die hintere Mittelfeldrolle rein physisch interpretieren.

    Edgar Davids konnte mehr, als nur zerstören, aber mit seiner Bully-Taktik flog er durchschnittlich in jedem dritten Spiel vom Platz, und deswegen erlitt seine Weltkarriere einen Knick, als er gerade mal 30 war (gleichzeitig und im selben Alter verschwand Davids` Juve-Kamerad und kongenialer Wüstling Montero aus dem europäischen Topfußball).

    Die Tendenz geht zu Spielern, die die Rolle mit Finesseausüben, Redondo-mäßig, wie der lange Busquets.

  • User
  • 24.06.2011 14:14:51 AntiMöller

    ...oder der feine Schweinsteiger! Von ihm erwarte ich mir eine Saison, wie die Rückrunde 2010.

  • User
  • 24.06.2011 15:11:47 currygoi

    wo wir gerade beim thema 6er sind:
    wer hat eigentlich van gaal und löw auf die idee gebracht das toni kroos einer für die doppelsechs wäre???

    toni kroos ist ein rein OFFENSIVER spieler.
    schweinsteiger war das mit 21 auch noch (der ständig dribbelnde schweini auf links oder rechts) und es hat jahre gedauert bis er die reife und klasse hatte den offensiven 6er zu geben.
    diese zeit sollte man kroos auch gewähren und ihn bis dahin da spielen lassen wo er es kann: in der offensiven reihe.

  • User
  • 25.06.2011 11:57:19 24THINK

    beim allseits bekannten FC freiburg hat der herr kehl also gespielt.
    interessant. FC freiburg. man lernt nie aus.

  • User
  • 25.06.2011 12:24:47 mehmetwirdankendir

    Der Kroos könnte vielleicht im 4-3-3 die halblinke zentrale Mittelfeldposition spielen. Also ungefähr so:

    Der ewige Gast
    Rafinha Boateng Badstuber Lahm
    Gustavo
    Schweinsteiger Kroos
    Robben Ribery
    Gomez

    Das wäre für Kroos die perfekte Position. Leider müsste man dann Müller opfern. Sollte aber Ribery oder Robben ausfallen, wäre das eine echte Option.

  • User
  • 25.06.2011 13:06:13 Capocannoniere

    "...oder der feine Schweinsteiger!"

    Hoffen wir, daß es nicht nur dem Van Gaal gegeben ist, Weltklasse aus ihm herauszukitzeln. Als Van Gaals Position zu bröckeln begann, fing Schweinsteiger an zu stockfehlern (Dortmund-Spiel), und binnen kurzem war der Weltklassemann Schweinsteiger genauso Vergangenheit, wie Meistermacher und Firebeast Van Gaal.

  • User
  • 25.06.2011 13:15:28 AbteilungAttacke

    Man darf bei Schweinsteigers Leistungsabfall aber auch nicht den Weggang von van Bommel und die Tatsache übersehen, dass sich die gegnerischen Mannschaften mittlerweile besser auf Schweinsteigers Spielweise eingestellt haben.
    Wie man Bastian zu Stockfehlern und Ballverlusten zwingen kann, hatten ja sogar die Kasachen 'raus.

  • User
  • 25.06.2011 13:20:18 currygoi

    Man darf bei Schweinsteigers Leistungsabfall aber auch nicht den Weggang von van Bommel und die Tatsache übersehen, dass sich die gegnerischen Mannschaften mittlerweile besser auf Schweinsteigers Spielweise eingestellt haben.
    Wie man Bastian zu Stockfehlern und Ballverlusten zwingen kann, hatten ja sogar die Kasachen 'raus.


    jawoll. nachdem van gaal sich geweigert hat einen ECHTEN defensiven mittelfeldspieler (Gustavo, zur Not Ottl) aufzustellen und schweinsteiger diesen job für pranjic/kroos mitmachen musste war sense.
    van gaal hat somit schweinsteiger der stärke beraubt, die er selbst erst entdeckte.

  • User
  • 26.06.2011 22:52:06 Capocannoniere

    Heute morgen war Metzelder als Gast einer mehrstündigen Interviewsendung im Hessischen Rundfunk. Im "Überraschungs-Call-In" war plötzlich Kehl zu hören. Sehr eloquent und sympathisch. Vor 25 Jahren wären die Beiden ohne Zweifel als kickende Intellektuelle gehandelt worden.

    Pech für Kehl und Metzelder, daß sie nach verbreiteter Wahrnehmung Überlebende einer glücklich überwundenen Ära des deutschen Fußballs sind.

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