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18.06.2011

Prof. Dr. Wilhelm Schänzer im Interview über Doping

»Die Abschreckung ist groß«

Interview: Moritz Herrmann  Bild: Imago

Fünf mexikanische Nationalspieler wurden beim Gold-Cup positiv auf Clenbuterol getestet. Wir sprachen mit Prof. Dr. Wilhelm Schänzer vom Labor für Dopinganalytik der Sporthochschule Köln über Fleisch, Schmerzmittel und volle Terminkalender.

Prof. Dr. Wilhelm Schänzer im Interview über Doping - »Die Abschreckung ist groß«


Wilhelm Schänzer, fünf mexikanische Nationalspieler wurden beim Gold-Cup positiv auf Clenbuterol getestet. Ein Zweittest fiel indes negativ aus. Was stimmt denn nun?

Wilhelm Schänzer: Das kann ich aus der Ferne nicht beurteilen. Fakt ist, dass wir schon vor Wochen davor gewarnt haben, dass in China und Mexiko kontaminiertes Fleisch im Umlauf sein kann, weil in der Mast Clenbuterol Anwendung findet. Jetzt müssen weitere Untersuchungen zeigen, ob tatsächlich Fleisch die Ursache des positiven Ersttests war.


Kann Clenbuterol im Fußball leistungssteigernden Nutzen haben?

Wilhelm Schänzer: Clenbuterol hat anabole Effekte. Es wird eigentlich in Kraftsportarten eingesetzt, im Bodybuilding beispielsweise. Es regt die Fettverbrennung an und kann den Eiweißaufbau der Muskulatur verbessern. Dass Clenbuterol in einer Spielsportart wie Fußball zum Einsatz kommt, ist deshalb eher unwahrscheinlich.

Welche Dopingarten sind dann weiter verbreitet und effektiver?


Wilhelm Schänzer: Im Fußball wurde Ende der Achtziger Jahre durch das Buch »Anpfiff« von Toni Schumacher ja bekannt, dass viel mit Stimulanzen gearbeitet wird. Wer die die Grundeigenschaften pushen will, der greift zu Anabolika und Epo.

Wie ist es um Marihuana und Kokain bestellt? Wenn Fußballer damit erwischt werden, wird immer schnell von einem privaten Fehltritt ohne Doping-Absicht gesprochen.

Wilhelm Schänzer: Dopingverstoß bleibt Dopingverstoß. Wer soll beurteilen, ob Absicht oder Versehen dahintergesteckt hat? Wahrscheinlich ist es so, dass viele positive Tests zu Marihuana und Kokain tatsächlich auf den Missbrauch in der Freizeit zurückzuführen sind. Aber man kann sich mit Cannabis eben auch ganz bewusst die Angst nehmen. Deshalb ist es in Risikosportarten wie Snowboarding sehr beliebt.

Lange Zeit hieß es, Doping bringe im Fußball nichts. Diese Meinung hat sich hoffentlich erschöpft.


Wilhelm Schänzer: Fußball fällt nicht in die High-Risk-Kategorie, ist also kein Sport, der mit Doping ganz große Probleme hat. Das soll aber nicht heißen, dass Doping im Fußball gar nicht vorkommen kann. Die Wahrscheinlichkeit ist nur geringer.

Sie sprechen von Wahrscheinlichkeiten. Wie repräsentativ ist die Menge der Testproben am Institut für Biochemie der Sporthochschule Köln und damit im akkreditierten Labor für Dopinganalytik.

Wilhelm Schänzer: Wir haben pro Jahr hier bei uns 14.000 Kontrollen, davon kommen 2000 Proben aus dem Fußball.  800 davon wiederum entstammen dem deutschen Fußball, der Rest dem Ausland.

Eine Bundesligasaison hat allein 306 Spiele und jede Mannschaft einen Kader von 25 oder mehr Spielern. Da erscheinen 2000 Proben aus dem Fußball sehr wenig.


Wilhelm Schänzer: Natürlich stellt sich die Frage: Reicht das aus? Dass man nicht alle Spiele kontrollieren kann, ist aber auch klar. Die Verbände versuchen schon, eine Kontrollzahl zu erreichen, die prozentual in Ordnung ist und den Vorschlägen der nationalen Dopingagentur folgt.

Oft wird eine geringe Testzahl mit den hohen Kosten begründet.

Wilhelm Schänzer: Es gibt zwei Arten von Kosten. Erstens die Kosten, die bei der Probenahme entstehen. Und zweitens die Kosten, die sich bei der Überprüfung der Probe im Labor summieren. Unser Standardtest, der Urintest, deckt eine breite Palette von Stoffen ab und schlägt mit 150 Euro zu Buche. Ein Bluttest ist unweit teurer, der kostet 100 Euro extra. Wollen wir dann auf ganz bestimmte Stoffe wie Epo oder Cera testen, geht das noch mehr ins Geld. Letztlich entscheidet der Verband, bei welchen Proben Spezialtests angewendet werden sollen. Diesbezüglich kann man die Dopingfahndung sicherlich noch intensivieren. Wir im Labor hätten nichts dagegen, wenn noch mehr getestet wird.

Doping im Fußball: Die 11FREUNDE-Bildergalerie zeigt prominente Fälle >>>


weiterlesen [1] [2]





Traute Umarmung: 1994 reist Diego Maradona 33-jährig zur WM und entzaubert im ersten Gruppenspiel die Griechen. Der entrückte Torjubel mit animalischem Schrei in die Kamera lässt dann aber Skepsis aufkommen. Um die Welt gehen die Bilder, wie eine Krankenschwester Maradona zur Urinprobe vom Feld führt. Ephedrin wird gefunden, der Regisseur vom Turnier ausgeschlossen. Trotzig göttert er in die Mikrofone: »Ich habe nicht gedopt. Ich glaube, die FIFA verfolgt mich.«


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  • Traute Umarmung: 1994 reist Diego Maradona 33-jährig zur WM und entzaubert im ersten Gruppenspiel die Griechen. Der entrückte Torjubel mit animalischem Schrei in die Kamera lässt dann aber Skepsis aufkommen. Um die Welt gehen die Bilder, wie eine Krankenschwester Maradona zur Urinprobe vom Feld führt. Ephedrin wird gefunden, der Regisseur vom Turnier ausgeschlossen. Trotzig göttert er in die Mikrofone: »Ich habe nicht gedopt. Ich glaube, die FIFA verfolgt mich.«
  • Die Lage ist ernst: 1998 rasselt Thomas Ernst in der Liga mit dem Lauterer Michael Schjönberg zusammen. Mannschaftsarzt Joachim Schubert verabreicht ihm ein kreislaufstabilisierendes Mittel, darin enthaltene Substanzen stehen auf der Dopingliste. Der Torwart des VfL Bochum wird zwar freigesprochen, sein Verein muss indes 80.000 Mark Strafe berappen. Ob die der Arzt aus eigener Tasche zahlt, bleibt unbekannt.
  • Erfolgstrainer mit zwielichtiger Akte: Pep Guardiola werden am 21. Oktober 2001 Spuren von Nandrolon nachgewiesen. Vier Monate muss er für Brescia Calcio aussetzen, 2005 folgt gar eine Verurteilung zu sieben Monaten Haft samt 9000 Euro Geldstrafe. Guardiola legt Berufung ein und bleibt bis zur Revisionsverhandlung 2007, siehe Foto, auf freiem Fuß. Mittlerweile gilt er als rehabilitiert.
  • Gras über die Sache wachsen lassen: Kann Ibrahim Tanko nicht mehr, als ihm 2001 THC im Blut nachgewiesen wird. Der Ghanaer gibt zu, Marihuana konsumiert zu haben, wird für vier Monate gesperrt, von Borussia Dortmund suspendiert und im Winter schließlich in den Breisgau zum SC Freiburg transferiert.
  • Kann man vergessen: Rio Ferdinand versäumt anno 2003 einen Dopingtest und wird für acht Monate gesperrt. Wo sich andere Profis um komplizierte Ausreden mühen, gibt der Abwehrchef von Manchester United ehrlich zu, die Probe wegen »Stress beim Umzug« nicht geschafft zu haben. Dafür nochmal 50.000 Pfund Strafe obendrauf.
  • Hertha geht's nicht: Am 15. Mai 2004 wird Marko Rehmer, Hertha BSC Berlin, die Einnahme des Glukokortikosteroids Betamethason nachgewiesen. Er hatte damit eine Kieferverletzung lindern wollen und kassiert neun Spiele Sperre. Solidarität für andere Dopingangeklagte zeigt er anno 2010 auf der Pressekonferenz »Top 100 für Gerechtigkeit« im Wirbel um Claudia Pechstein.


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