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07.06.2011

André Trulsen über St. Pauli und seinen neuen Job

»Vor Hoffenheim fürchte ich mich nicht«

Interview: Christian Lawendel  Bild: Imago

André Trulsen ist als Co-Trainer von Holger Stanislawski ebenfalls zur TSG 1899 Hoffenheim gewechselt. Wir sprachen mit ihm über St. Paulis Abstieg, den Gang in die Provinz und warum er keine Angst vor Dietmar Hopp hat.

André Trulsen über St. Pauli und seinen neuen Job - »Vor Hoffenheim fürchte ich mich nicht«


André Trulsen, blicken wir zunächst zurück auf die vergangene Saison: Ihr FC St. Pauli ist abgestiegen. Ein verdienter Gang in die zweite Liga?

André Trulsen: Wenn man nach 34 Spieltagen auf dem letzten Tabellenplatz steht, ist das verdient. Es ist aber sehr unglücklich für uns gelaufen. Wir hatten schließlich arge Verletzungssorgen. Das betraf vor allem unsere Hintermannschaft. Zudem hatten wir viele unglückliche Spiele, bei denen wir kurz vor Schluss noch den entscheidenden Gegentreffer bekommen haben.



Gegen Bayern München war es am 33. Spieltag eindeutig. Sie haben 1:8 verloren.

André Trulsen: Das schmerzte sehr. Im letzten Heimspiel stand jeder in der Pflicht noch einmal alles zu geben. Es ging schließlich gegen den Rekordmeister.

Wie kommt ein solches Ergebnis zustande?

André Trulsen: Die ersten beide Tore haben wir den Bayern geschenkt. Wir hätten kurz nach Wiederanpfiff ein Tor erzielen können und haben das nicht gemacht. Ansonsten hatten die Bayern einen Tag an dem Sie alles getroffen haben. So einfach ist das. Diese Dinge waren während der gesamten Saison unser Problem.

Fehlte die Klasse beim FC St. Pauli?

André Trulsen: Sicherlich fehlte uns die Qualität auf dem Platz.

Wie erlebten Sie dieses Spiel von der Bank aus?

André Trulsen: In der Halbzeit versuchten wir das Team zu pushen. Während des Spiels waren wir von draußen aus machtlos. Wir haben gehofft, dass das Spiel bald vorbei geht, weil das Zuschauen einfach weh tat.

Borussia Mönchengladbach hat einen erfolgreichen Endspurt gezeigt und die Klasse gehalten. Warum ist das dem FC St. Pauli nicht gelungen?

André Trulsen: Es klingt einfach, aber uns fehlten schlichtweg entscheidende Spieler durch Verletzungen. Fabio Morena oder Bastian Oczipka konnten wir eben nicht ersetzen. Allen Jungs kann man aber keinen Vorwurf machen. Der Einsatz stimmte. Es fehlte zum Ende einfach die Qualität in der Breite des Kaders.

Lassen die finanziellen Mittel des FC St. Pauli nur ein Dasein als Fahrstuhlmannschaft zu?

André Trulsen: Wir sind einen eigenen Weg gegangen: Mit Spielern, die zum Teil noch in der dritten Liga mitgewirkt haben, spielten wir in der ersten Liga weiter. Dieses System funktionierte bis zu den Verletzungen auch sehr gut. Ohne diese Probleme hätten wir die Klasse gehalten.

Heribert Bruchhagen sagte über den Abstieg von Eintracht Frankfurt, dass dieser den Klub in seiner Entwicklung um Jahre zurückwirft. Steht beim FC St. Pauli ähnliches zu befürchten?

André Trulsen: Der Verein wird nicht abstürzen. Der FC St. Pauli steht auf gesunden Beinen. Wir haben als Zweitligamannschaft den Aufstieg geschafft und hätten liebend gern die Klasse gehalten. Der Klub muss sich aber damit abfinden, immer zwischen der ersten und zweiten Liga zu pendeln. Das Ziel des Vereins ist es, zu den besten 25 Mannschaften in Deutschland zu zählen. Trotz des Abstiegs ist St. Pauli weiterhin eine sehr gute Adresse.

Sie haben nun zusammen mit Holger Stanislawski den Verein in Richtung Hoffenheim verlassen. Haben Sie keine Lust mehr auf die zweite Liga?

André Trulsen: Es hat immer Spaß gemacht, für den FC St. Pauli zu arbeiten. Da ist die Liga egal. Stani konnte keine weitere Kraft mehr aufbringen, um hier eine weitere Saison durchzuziehen. Da stellte sich für mich die Frage, ob ich mitgehe.

Was hat Sie zum Wechsel bewogen?

André Trulsen: Stani und ich passen und gehören zusammen. Außerdem hatte ich auch Lust auf eine neue Herausforderung.

Das klingt als hätten Sie Ihre Entscheidung von Holger Stanislawski abhängig gemacht. Wäre er geblieben, hätten Sie auch in der nächsten Saison in Hamburg auf der Bank Platz genommen?

André Trulsen: Das ist richtig.

Jetzt ziehen Sie vom Hamburger Kiez ins Kraichgau. Haben Sie keine Angst vor einem Provinzkoller?

André Trulsen: Nein, in Hamburg bin ich auch nicht mehr groß ausgegangen und um die Häuser gezogen. Ich möchte mich in Hoffenheim auf den Fußball konzentrieren und werde die meiste Zeit eh auf dem Trainingsplatz stehen. Außerdem ist Heidelberg nicht weit entfernt. Da kann man abends mal einen Wein trinken.

Sie sagten einmal, dass der FC St. Pauli eine Herzensangelegenheit für Sie sei. Werden Sie in Hoffenheim ein Identifikationsproblem haben?

André Trulsen: Die Verbundenheit zum FC St. Pauli kann mir niemand nehmen. Dort war ich viele Jahre Spieler und Trainer. Als Co-Trainer habe ich hier Ehrenrunden nach den Spielen gedreht. Mir ist bewusst, dass ich das bei keinem anderen Verein erleben werde. Mein Ziel ist es aber nicht nur beklatscht zu werden: Ich strebe nach Erfolg. Die Chance habe ich in Hoffenheim.

Die TSG Hoffenheim gilt in Fankreisen als neureicher Klub. Stößt Ihnen das als St.Paulianer nicht sauer auf?

André Trulsen: Ohne Geld geht es nicht in diesem Geschäft. Dietmar Hopp hat dort die Begebenheiten geschaffen, um erfolgreichen Fußball zu spielen. Das stört mich nicht wirklich.

Keine Angst vor dem Mäzen?

André Trulsen: Nein. Ich habe großen Respekt vor Dietmar Hopp. Er hat vieles erreicht in seinem Leben und gibt das jetzt an die Region zurück. Vor Hoffenheim fürchte ich mich nicht. Es ist interessant einen Verein zu trainieren, der die Ambition hat, um die internationalen Plätze mitzuspielen. Das ist für mich auch neu.

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Das Interview erscheint mit freundlicher Genehmigung vom Eckball Magazin.




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News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: 1899 Hoffenheim






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Kommentare

  • User
  • 07.06.2011 15:02:13 GTEvo

    Gegen Bayern München war es am 33. Spieltag eindeutig. Sie haben 1:8 verloren.

    am 33. Spieltach, 1:8 verloren...gegen 1899Hoff"nung"heim.

    So geht Voodoo heute!
    "Ich habe keine Angst vor Hoffenheim"Ich habe großen Respekt vor Dietmar Hopp. Er hat vieles erreicht in seinem Leben und gibt das jetzt an die Region zurück.
    André 'T.(Co-Trainer, C Promi und Rumpelfußballer mit Sternchen)

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