Die Macher der »Fan-Umfrage« im Interview
»Jede Saison kostet 500 Euro«
Interview: Alex Raack Bild: Imago
Die Wissenschaftler Marvin Karczewski und Professor Tobias Kollmann sind die Initiatoren der ersten bundesweiten Fanumfrage. Sie wollten wissen: Wie viel kostet eigentliche eine Saison Fußball? Wir sprachen mit Ihnen.
Marvin Karczewski, Tobias Kollmann, Sie haben in Ihrer Funktion als Mitarbeiter der Universität Duisburg eine bundesweite Fanbefragung durchgeführt. Warum?
Marvin Karczewski: Im Rahmen meiner Doktorarbeit beschäftige ich mich mit der Markenführung professioneller Fußballvereine. Das Image eines Vereins hat für dessen Vermarktung in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Die Fans spielen dabei eine zentrale Rolle und deswegen haben wir unsere Untersuchung auch genau hier angesetzt. Wie sehen die Fans Ihren Verein? Welches Image liegt vor und welche Aspekte bestimmen eigentlich die Außenwahrnehmung eines Vereins?
Was wollten Sie von den deutschen Fußball-Fans wissen?
Tobias Kollmann: Fußball zählt schon länger nicht mehr nur der Erfolg auf dem Rasen, sondern auch der in der Bilanz. Wir wollten also wissen, wie der Fan einen fiktiven Club einschätzt, den wir mit verschiedenen Ausprägungen bezüglich einzelner Imageaspekten beschrieben hatten. Und wir wollten wissen, wie viel Geld Fußballfans für ihre Leidenschaft ausgeben: Tickets, Fanartikel, Kosten für die Mitgliedschaft usw.
Wie war das Feedback aus der Fangemeinde?
Marvin Karczewski: Insgesamt haben mehr als 6.100 Fans die Umfrage komplett beantwortet. Das Feedback war erwartungsgemäß gemischt. Von »super und interessant« bis »totaler Quatsch« war alles dabei. Aber die Teilnehmerzahl alleine zeigt schon, dass sich viele Fans nicht nur mit dem Spiel selbst auseinandersetzen, sondern auch mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Der gemeine Fußball-Zuschauer ist längst zu einem Konsumenten geworden. Wie drückt sich das in den Ergebnissen der Fanbefragung aus?
Tobias Kollmann: Am deutlichsten wird das an den durchschnittlichen Ausgaben: Pro Saison gibt jeder deutsche Fußballfans durchschnittlich über 500 Euro aus. Und ich denke, dass das wirtschaftliche Potenzial der Fans von den Vereinen noch nicht vollständig ausgeschöpft wird.
Welche Rolle nimmt dann der normale Besucher eines Bundesligaspiels ein: Die des Fans, der seine Mannschaft unterstützt, oder die des Konsumenten, durch den der Verein existiert und expandiert?
Marvin Karczewski: Für die meisten Fans dürften die emotionalen Aspekte besonders wichtig sein – schließlich gehen sie mit ihrem Verein durch dick und dünn. Sie kaufen sich die Karten und Fanartikel nicht, weil es besonders »in« ist, sondern weil sie sich als Teil des Vereins sehen. Für die Vereine ist aber natürlich beides wichtig: Durch die Emotionen und die Unterstützung der Fans werden sie ja erst zu etwas Besonderem. Aber natürlich zählt für sie auch das Geld. Aber man kann Fans nicht mit x-beliebigen Konsumenten gleichsetzen. Dafür sind ihre emotionale Bindung und ihr Einsatz für den Verein viel zu hoch.
Was erhoffen Sie sich von den Ergebnissen der Umfrage?
Tobias Kollmann: Die Ergebnisse der Umfrage werden zum Teil bereits für interne Zwecke der teilnehmenden Vereine genutzt und es gibt auch erste Clubs, die sie für die öffentliche Kommunikation verwenden. Damit haben wir eigentlich schon unsere Hauptziele erreicht. Darüber hinaus stehen wir den Vereinen natürlich aber auch in Zukunft als Ansprechpartner zur Seite.
Marvin Karczewski: Da die Umfrage komplett auf die Vereinsebene ausgerichtet war, gibt es auch keine Rückmeldungen der DFL oder des DFB. Aber die Grundsätze der Untersuchung ließen sich sicherlich auch auf die Ebene der Bundesliga selbst oder des Verbands übertragen – aber das wäre dann eine Fragestellung für eine neue Fanbefragung.





