Der Entwickler der beschädigten Spezialkamera im Interview
»Antelope gibt Lebenszeichen«
Interview: Alex Raack Bild: Imago
Eine Spezialkamera für extreme Zeitlupenaufnahmen war der große Verlierer des vergangenen Spieltags: Ein Frankfurter Fan zerstörte das kostbare Teil. Wir sprachen mit Christian Schreiber, dem Entwickler des Testgeräts.
Armer Steffen Simon: Weil der ARD-Mann mit den Worten: »Sie ist eigentlich nicht zu bezahlen. Es gibt sie nur einmal« zitiert wurde, glaubte die halbe Fußball-Nation, der ARD würde die sündhaft teure Kamera gehören, die ein Frankfurter Fan bei den Ausschreitungen am Samstag umgekippt und beschädigt hatte. Auf Anfrage von 11FREUNDE sagte Simon gestern: »Wir haben mit der Kamera überhaupt nichts zu tun!« Richtig ist: Ein hessische Entwicklerfirma ließ das Gerät für extrem langsame Zeitlupenaufnahmen beim Spiel Frankfurt gegen Kölns erstmals testen – und wer den Schaden hat, braucht für die Interviewanfrage nicht zu sorgen. Wir sprachen mit Christian Schreiber, der die Spezialkamera mitentwickelte.
Christian Schreiber, Sie haben die Spezialkamera, die am Samstag beim Spiel Eintracht Frankfurt gegen den 1. FC Köln zerstört wurde, mitentwickelt. Was ist das für ein Wundergerät?
Christian Schreiber: Der Name der Kamera lautet »Antelope« und der Vorgänger ist bereits seit 2006 im Einsatz. Eine Kamera die 2500 Bilder pro Sekunde macht und damit extrem langsame Zeitlupen möglich macht. Perfekt für Fußballspiele.
Frankfurter Fans haben nach der Niederlage ihrer Mannschaft den Platz gestürmt – wie haben Sie die Szenen erlebt?
Christian Schreiber: Die Kamera stand schräg hinter dem Tor, nahe der Frankfurter Fankurve. Als die ersten Zuschauer die Absperrung überwunden hatten, hat sich der Kameramann entfernt – was wohl auch besser war. Ein junger Mann hat »Antelope« dann umgeworfen. Dabei wurde sie beschädigt. Uns als Entwickler blutet dabei natürlich das Herz.
Sie sagen »beschädigt« – also doch kein Totalschaden?
Christian Schreiber: »Antelope« hat erste Lebenszeichen von sich gegeben, wir hoffen, dass noch etwas zu retten ist. Denn diese Kamera war ein Prototyp, es gibt sie nur einmal auf der Welt. Und die Partie in Frankfurt sollte der erste Härtetest vor der Massenproduktion werden.
Die Generalprobe war also aus ihrer Sicht ein Totalausfall?
Christian Schreiber: Mit der mutwilligen Zerstörung habe ich nun wirklich nicht gerechnet, aber »Antelope« hat 90 Minuten lang Bilder senden können, die von dem verantwortlichen Regisseur auch verwendet wurden. Wer das Spiel Frankfurt gegen Köln auf Sky verfolgt hat, wird auch die Bilder unserer Kamera gesehen haben.
Steffen Simon, der von den Nachrichtenagenturen fälschlicherweise als »Besitzer« der Kamera vermeldet wurde, hat den Wert des Geräts auf 600.000 Euro beziffert. Eine korrekte Einschätzung?
Christian Schreiber: Die Materialkosten liegen bei etwa 450.000 Euro, dazu kommen noch die Kosten der Entwicklung. Wenn man das zusammenrechnet, sind 500.000 Euro wohl eine angemessene Summe.
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