Marcel Eger über das 1:8 und sein erstes Bundesligator
»Humor ist, wenn man trotzdem lacht«
Interview: Andreas Bock Bild: Imago
Beim Stand von 1:7 skandierten die St.Pauli-Fans: »Zieht den Bayern die Lederhosen aus.« Marcel Eger hatte es zumindest versucht und den 1:5-Anschlusstreffer geschossen. Wir sprachen mit ihm über seinen Jubel und den Abschied von Stanislawski.
Marcel Eger, am Samstag verlor der FC St. Pauli mit 1:8 gegen den FC Bayern. Sie schossen das zwischenzeitliche »Anschlusstor« zum 1:5. Die Freude war dennoch groß.
Marcel Eger: Ich will nicht sagen, dass einem bei einer solchen Klatsche nichts anderes übrig bleibt, als in Selbstironie zu verfallen, doch es ist eine Art damit umzugehen. Außerdem freute ich mich tatsächlich, denn es war mein erstes Bundesligator.
Hatten Sie keine Sorge, dass Sie damit die Fans verstimmen?
Marcel Eger: Unsere Fans pflegen ja einen ähnlichen Stil. Beim 1:7 sangen sie: »Zieht den Bayern die Lederhosen aus« Humor ist eben, wenn man trotzdem lacht. Und letztendlich wollte ich mit dem Jubel nicht zeigen, wie toll ich bin – zumal meine Saison alles andere als ideal verlief. Es war schlichtweg schön, den Zuschauern im letzten Heimspiel noch einmal »Song 2« (Torsong am Millerntor, Anm. d. Red.) auf die Ohren zu geben, und es fühlte sich gut an, vor meinen Freunden und meiner Familie ein Tor gegen den FC Bayern zu schießen.
Es gibt Trainer, die einen Jubel bei einem solchen Spielstand alles andere als lustig finden. Gab es denn Rüffel von Holger Stanislawski?
Marcel Eger: Ach, ich bin ja nicht wie wild über den Platz gerannt und habe Jubeltänze vorgeführt. Ich habe lediglich ein Grinsen auf dem Gesicht gehabt. Das kann man sich doch mal gönnen. Ich habe auch von niemanden gehört, dass das überzogen war.
Wie war Ihr Verhältnis zum scheidenden Trainer?
Marcel Eger: Stani holte mich 2004 – damals noch in der Funktion als Manager – zum FC St. Pauli. Ich bin den ganzen Weg mitgegangen – von der Regional- in die Bundesliga. Über die Jahre konnten wir uns also recht gut kennenlernen, wir wissen, wer wir sind. Klar, manchmal war ich enttäuscht über sportliche Entscheidungen, aber rein menschlich kamen wir stets gut miteinander aus.
Die Partie gegen den FC Bayern war nicht nur Stanislawskis letztes Heimspiel beim FC St. Pauli, auch bei Ihnen stehen die Zeichen auf Abschied. Mussten auch Sie ein paar Tränen verdrücken?
Marcel Eger: Als ich die Ehrenrunde lief, steckte mir ein Klos im Hals. Da kam ziemlich viel zusammen: Es war das letzte Heimspiel der Saison und wir sind abgestiegen. Und, ja, auch für mich könnte es das letzte Spiel am Millerntor gewesen sein.
Ihr ehemaliger Mitspieler Benjamin Adrion hing seine Schuhe einst an den Nagel, nachdem er keinen neuen Vertrag bei St. Pauli bekam. Auch bei Ihnen klang es häufig so, als sei der FC St. Pauli die einzige Option. Wo sehen Sie sich in der nächsten Saison?
Marcel Eger: Weil lange Zeit niemand mit mir gesprochen hat, war ich dazu gezwungen, mich mit Alternativen zu beschäftigen. Wohin es geht, weiß ich immer noch nicht. Zudem habe ich gemerkt, dass ich nicht mit dem Klub verheiratet bin. Ich glaube auch, dass es was Gutes hätte, einen weiteren Schritt zu machen.
Das hieße dann auch, Hamburg zu verlassen.
Marcel Eger: Ich weiß, was mir das alles hier bedeutet. Der Klub, das Viertel, das Leben in Hamburg – das ist meine Heimat. Doch meine Heimat hat eben auch einen Hafen, das Tor zur Welt.
Auch ein Wechsel ins Ausland ist möglich?
Marcel Eger: Durchaus. Doch nun muss man erst einmal abwarten, der Verein ist am Zug. Man muss mit dem neuen Trainer besprechen, welche Philosophie er verfolgt. Die große Frage: Möchte er Spieler halten, die sich mit dem Klub identifizieren und die schon länger dabei sind? Oder baut er eine ganz neue Mannschaft?
Sie sind diese Saison nur auf sechs Bundesligaeinsätze gekommen. Würden Sie sich noch einmal auf der Bank setzen?
Marcel Eger: Ich habe gemerkt, dass ich mithalten kann. Außerdem stehe ich noch im Saft, ich bin 28 Jahre alt, das ist das perfekte Alter für einen Abwehrspieler. Ich habe schon Bock zu kicken.
Gibt es denn konkrete Angebote?
Marcel Eger: Es gibt immer was. Wissen Sie, wenn man auch nur ein paar Spiele in der Bundesliga gemacht hat, dann wird man sehr häufig angerufen. Mein Berater und ich gehen aber recht entspannt an die Sache – er weiß, was ich will und reibt mir nicht jede Sache unter die Nase.
Wenn Sie in vielen Jahren auf die Saison zurückblicken, bleiben vermutlich drei Sachen: Ihre ersten Bundesligaspiele, ihr erstes Bundesligator...
Marcel Eger: Es begann schon so merkwürdig: Mein Bundesligadebüt machte ich am 25. Spieltag ausgerechnet in meiner alten Heimat Nürnberg. Ich wurde nach sechs Minuten eingewechselt – wir gingen wir 0:5 vom Platz. Tja, wenn der Egi kommt, ist immer was los... (lacht)
...dann war da noch der erste Derbysieg seit 1977. Nach dem 1:0 gegen den HSV konnte der FC St. Pauli nur noch einen Punkt holen. Was änderte sich nach dem Spiel?
Marcel Eger: Um das zu analysieren, braucht man vermutlich ein wenig Abstand zur Saison. Tatsächlich haben wir nach dem Sieg gegen den HSV nichts anders gemacht, wir haben nicht anders trainiert und wir sind nicht duch Hamburg gelaufen und haben gesagt: »Wir sind die Derbysieger, jetzt geht vor uns auf die Knie.« Es gab danach ein paar Spiele, die sehr eng waren und in denen wir oft die bessere Mannschaft waren. Doch wenn du die Dinger nicht nutzt... Das kennt man ja. Letztendlich mussten wir dann doch festhalten: Das war zu wenig für die Bundesliga.
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