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06.05.2011

Hanno Balitsch über Dutt und Kaderplanung

»Das Geld ist entscheidend«

Interview: Christian Lawendel  Bild: Imago

Hanno Balitsch rückte im Sommer 2010 vom Führungsspieler bei Hannover 96 in die zweite Reihe von Bayer Leverkusen. Ging die Rechnung auf? Ein Gespräch über die Besonderheiten von Jupp Heynckes, die Zukunft von 96 und das Dasein als Kaderspieler.

Hanno Balitsch über Dutt und Kaderplanung - »Das Geld ist entscheidend«


Hanno Balitsch, die Meisterschaft wurde am letzten Wochenende entschieden. Wie sehr nervte es, die entscheidende Niederlage gegen Köln von der Bank aus zu beobachten?

Hanno Balitsch: In erster Lage nervte die Niederlage und nicht der Zustand auf der Bank zu sitzen.

Vor der Saison hätten Ihnen viele die Rolle als Bankdrücker  zugeschrieben. Sie waren aber 23 Mal in der Liga im Einsatz. Hinzu kamen Spiele in der Europa League und dem DFB- Pokal. Sind Sie mit der Saison zufrieden?

Hanno Balitsch: Ja, ich bin sehr zufrieden. Man muss aber festhalten, dass ich von diesen Liga-Einsätzen nur sieben oder acht Partien von Beginn an bestreiten durfte. Der Rest waren Kurzeinsätze, manchmal nur für ein paar Minuten. Das relativiert diese Zahl.



Werden Sie mit dieser Einsatzzeit Ihrem eigenen Anspruch gerecht?

Hanno Balitsch: Ich bin ganz entspannt. Der Wechsel nach Leverkusen war eine sportliche Herausforderung. Es hätten mir wahrscheinlich nicht viele Leute die 23 Einsätze in der Liga und die Spiele in der Europa League und im Pokal zugetraut. Wenn alles gut läuft werden wir Vizemeister. Das ist doch alles sehr positiv.

Ist die zweite Reihe auch Ihre Rolle in Zukunft?

Hanno Balitsch: In diesem oder spätestens nächstem Sommer werde ich eine Grundsatzentscheidung treffen. Die Fragen lauten: Bin ich bereit, ein wichtiger Bestandteil einer Mannschaft zu sein, die hohe Ansprüche in der Bundesliga und im internationalen Geschäft hat? Oder möchte ich Stammspieler bei einer Mannschaft sein, die sich im Liga-Mittelfeld wiederfindet?

Und?

Hanno Balitsch: Diese Entscheidung lasse ich entspannt auf mich zukommen. Ich habe aber noch einen Vertrag bis zum Sommer 2012. Die Frage nach einem Wechsel stellt sich wahrscheinlich erst dann.

Gegen Bayern München durften Sie über 90 Minuten spielen. Gerade in dieser Partie ging Bayer Leverkusen mit 1:5 unter. Was war da los?

Hanno Balitsch: Es war ein rabenschwarzer Tag. Wir haben mit unseren Fehlern die Bayern eingeladen. Zur Halbzeit stand es dann 0:4. In der zweiten Hälfte war nur Schadensbegrenzung angesagt.

Wie kamen Sie aus der Halbzeitpause mit dem Wissen, dass eigentlich nichts mehr geht?

Hanno Balitsch: Wir wollten es besser machen. Es gibt doch so etwas wie Ehrgefühl. Im Jahr zuvor habe ich mit Hannover 96 in München 0:7 verloren. Das wollte ich nicht noch einmal erleben.

Leverkusen hat aber nicht verloren, um Jupp Heynckes für die nächste Saison die Champions League zu ermöglichen, oder?

Hanno Balitsch: Der Trainer hat am meisten unter dieser Niederlage gelitten. Jupp Heynckes wollte zeigen, dass mit Leverkusen in München etwas möglich ist. Dieses Ergebnis war bitter für ihn.

Sie sagten in einem Interview, dass Sie unbedingt international spielen wollen. Das könnten Sie nächstes Jahr auch bei Hannover 96 haben. Hätten Sie mit dieser Entwicklung Ihres Ex-Vereins gerechnet?

Hanno Balitsch: Nein. Jeder, der das behauptet, lügt.

Wie erklären Sie sich den Erfolg von 96?

Hanno Balitsch: Mirko Slomka ist ein Trainer, der sehr auf körperliche Fitness wert legt. Dadurch kann Hannover einen hohen läuferischen Aufwand betreiben und es gelingt, sehr kompakt zu stehen. Zudem haben sie mit Didier Ya Konan und Mohammed Abdellaoue zwei Stürmer, die aus zwei Chancen drei Tore machen. Das alles bringt den Erfolg, schafft Selbstvertrauen und führt zu einer positiven Saison.

Kann ein Verein wie Hannover 96 dieses Level über mehrere Spielzeiten halten?

Hanno Balitsch: Grundsätzlich ja. Wenn es der Mannschaft gelingt auch wichtige Spieler, die verkauftwerden, zu ersetzen, ist das möglich. Es kommt in der nächsten Saison allerdings eine Doppel- bzw. Dreifachbelastung auf Hannover zu. Ich bin gespannt, wie lange die Mannschaft den läuferischen Aufwand bringen kann.

Sie sprechen von den Englischen Wochen.

Hanno Balitsch: Genau. Außerdem muss man festhalten, dass die Partien, in denen Hannover in Rückstand geriet, auch meist hohe Niederlagen wurden. Mittel- und Langfristig werden sich Mannschaften durchsetzen, die sich einen größeren Kader leisten können. Das Geld ist entscheidend, um einen Kader auch in der Breite qualitativ gut zu gestalten. Für Mannschaften wie Hannover 96 wird es schwierig.

Sie stehen bei Bayer nicht so im Fokus wie noch bei Hannover 96, wo Sie als Stamm- und Führungsspieler auch in der Außendarstellung der Mannschaft agierten. Fühlen Sie sich in der neuen Rolle wohler?

Hanno Balitsch: Ich definiere mich nicht über meine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Gerade nach dem aufreibenden letzten Jahr, tut es mir gut, in Leverkusen nicht so stark im Fokus zu stehen. Auf dem Platz übernehme ich aber immer Verantwortung und das ist entscheidend.

In Hannover waren Sie ein Wortführer neben dem Platz. Hat sich das in Leverkusen geändert?

Hanno Balitsch: Wenn ich das Gefühl habe, dass etwas falsch läuft, äußere ich das intern auch bei Bayer. Das ist unabhängig von meinen Einsatzzeiten und ob es gefordert wird. In Leverkusen haben wir aber mehr von diesen Spielern, die diese Rolle einnehmen können und wollen. Das war bei Hannover 96 nicht der Fall.

Sie haben ein Jahr mit Jupp Heynckes trainiert. In Zeiten, in denen besonders die jungen Trainer gewürdigt werden, genießt er als reiferer Übungsleiter trotzdem eine große Wertschätzung. Wie nehmen Sie diesen Trainer wahr?

Hanno Balitsch: Ihm macht es unendlich viel Spaß, mit jungen Menschen zu arbeiten. Seine fast väterliche Art die Mannschaft zu führen und sein Gespür für die einzelnen Spieler und deren Charaktere ist sensationell. Das habe ich in meiner Karriere selten erlebt. Jupp Heynckes gibt jedem Spieler das Gefühl, wichtig für das Ganze zu sein, auch wenn dieser nicht unbedingt in der ersten Reihe steht. Das hält die komplette Mannschaft bei Laune und ist ein Grund für unseren Erfolg.

Wie macht er das speziell bei Ihnen?

Hanno Balitsch: Er begründet zwei Tage vor dem Spiel, warum er mich nicht aufstellt. Das ist für ihn bestimmt nicht die schönste Aufgabe. Der Trainer hat auch immer ein Auge für den privaten Bereich des Spielers und fragt, ob er dort helfen kann. Ihn zeichnet aus, dass er ein sehr angenehmes Arbeitsklima schafft.

Sie beschreiben Jupp Heynckes als sehr besonderen Trainer. Wie sehr schmerzt sein Weggang im Sommer?

Hanno Balitsch: Es ist sehr schade, dass er geht. Der Entscheidung zum Wechsel ging ein längerer Prozess bei Herrn Heynckes voraus. Das haben wir Spieler auch gemerkt. Wir gönnen ihm aber diesen Schritt. In München hat er die Chance, nationale und internationale Titel zu gewinnen.

Sein Nachfolger wird der aktuelle Trainer des SC Freiburg. Schauen Sie sich dessen Spiele jetzt genauer an?

Hanno Balitsch: Klar. Trotzdem wird die Situation für Robin Dutt in Leverkusen eine ganz andere sein als in Freiburg. Vergleiche sind da schwierig.

Was meinen Sie?

Hanno Balitsch: Trainingsmethoden, die in Freiburg durchführbar waren, kann man in Leverkusen vielleicht nicht machen, da wir viel häufiger englische Wochen vor uns haben werden. Er wird in Leverkusen auch auf einen ganz anderen Kader treffen. Freiburg lebt vom Kollektiv, hier gibt es Spieler, denen man den Status eines Stars zuschreiben kann. Er wird in Leverkusen ganz andere Herausforderungen finden.

Hoffen Sie auf eine neue Rolle bei Bayer Leverkusen unter Robin Dutt?

Hanno Balitsch: Ein Trainerwechsel ist immer mit Fragezeichen verbunden. Natürlich liegt darin auch für mich eine neue Chance. Außerdem ist jetzt noch nicht klar, wie sich unser Personalkarussell dreht, welche Spieler kommen und welche gehen. Robin Dutt wird die Mannschaft und damit auch mich neu beurteilen. Dann wird man sehen, wie er das Team sieht.

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Das Interview erschien zuerst in dem lesenswerten »Eckball Magazin«.




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Kommentare

  • User
  • 07.05.2011 01:51:14 derfister

    ich lüge nicht und habe das mit hannover so erwartet...vielleicht nicht soo weit oben,zugegeben, aber mein gedanke war, dass die mannschaft nach den unglaublichen erlebnissen im vorletzten november stärker zusammenwächst als man das unter normalen umständen hinbekommt.
    da das unmittelbar bzw mittelbar danach nicht klappte, war für mich logisch, dass diese saison hannover zumindest stark zulegen würde.
    mein tipp war platz 5, auch wenn ich das hier schlecht nachweisen kann.
    ich weiß, ich bin so toll*rolleyes*

  • User
  • 07.05.2011 09:54:22 Donaldo

    Du wirst lachen, aber ich glaub' dir das. Ich hätte das niemals vorher gesehen, aber wenn man sich überlegt, wie Hannover vor Enke's Tod agierte, das war nicht schlecht. Dann wurden sie zwar aus der Bahn geworfen, aber das Potential war eigentlich schon da...und jetzt können sie es abrufen.
    Dennoch: für mich eine echte Überraschung, ich hätte sie irgendwo zwischen 9 und 13 eingeschätzt.

  • User
  • 07.05.2011 10:11:50 Tobi123

    Hannover ist und bleibt Mittelmaß. Bei denen lief es diese Saison zu 100%. Wie bei Hertha vor drei Jahren. Bei denen ging ganach alles schief was schiefgehen konnte, mit bekanntem Ergebnis. Soweit wirds wohl nicht kommen, aber ich denke Hannover wird nächstes Jahr wieder um die Plätze 8-13 spielen, was ja immernoch ok ist.

    Im Sinne der 5-Jahres-Wertung hoffe ich nur, dass Hannover und auch Mainz mit dem Niveau in der Euroleague klarkommen...

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