Dennis Eilhoff über Spieler, die auch Fans sind
»Neuer hat sich aufgeopfert«
Interview: Moritz Herrmann Bild: Imago
Schwere Zeiten für Manuel Neuer: Am Wochenende ausgepfiffen, von den »Ultras Gelsenkirchen« ausgeschlossen. Spieler, die auch Fans sind, werden immer weniger. Bielefeld-Torwart Dennis Eilhoff über seine Ultra-Mitgliedschaft, Identifikation und Vereinstreue.
Dennis Eilhoff, Sie verlassen Arminia Bielefeld am Saisonende. Ein Ausschluss aus den »Boys Bielefeld« steht trotzdem nicht zu befürchten?
Dennis Eilhoff: Ich weiß jedenfalls nichts davon. Es ist ja auch nicht so, dass ich zu Preußen Münster gehe. Das wäre dann ein Problem (lacht)!
Können Sie den Wirbel um Manuel Neuer verstehen? Die »Ultras Gelsenkirchen« schließen ihn aus, weil er mit einem Transfer zu Bayern München einen Ligakonkurrenten stärkt.
Dennis Eilhoff: Dafür habe ich kein Verständnis. Manuel Neuer wurde bei Schalke 04 ausgebildet und hat diesem Verein so viel zurückgegeben, sich immer um die Fans bemüht, aufgrund seiner Leistungen auch das eine oder andere Bierchen verdient nach dem Spiel, sprich: Schalke mit seinen Paraden etliche Punkte gerettet. Er ist für mich der beste Torwart Deutschlands, Europas, sogar der Welt. Neuer hat sich für Schalke 04 aufgeopfert – einem Spieler, der sich so sehr und über einen so langen Zeitraum mit dem Verein identifiziert, kann und darf man einen Wechsel nicht übel nehmen.
Ihre Situation verhält sich ähnlich. Sie haben schon im März angekündigt, in der nächsten Spielzeit nicht mehr in Bielefeld zu spielen.
Dennis Eilhoff: Es war eher so, dass ich damals sagte, ich gehe zwei Tage nach England. Ich wollte mir den Verein Hull City anschauen. In diesem Moment war für den Verein klar, dass ich Bielefeld verlassen werde und man nicht mehr mit mir planen muss. Die Verantwortlichen haben sich in keiner Weise quergestellt. Ich will mich einfach nochmal beruflich verändern.
Und, geht es dann im Sommer auf die Insel oder wohin führt der Weg?
Dennis Eilhoff: Noch kann ich nichts Definitives vermelden. Ich prüfe im Moment mehrere Optionen und werde zusammen mit meiner Familie entscheiden, was das Beste für mich und uns ist.
Sie sind eine Bielefelder Ikone. Wie haben die Arminia-Fans reagiert?
Dennis Eilhoff: Die Fans, mit denen ich oft Kontakt habe, verstehen meine Entscheidung schon. Ich bin seit 15 Jahren bei Arminia Bielefeld. Auch die Ausleihe nach Koblenz zwischen 2006 und 2008 war ja nur ein Abschied auf Zeit, weil immer angedacht war, dass ich mit mehr Spielpraxis zurück nach Bielefeld komme, um Mathias Hain im Tor abzulösen. Ich war dem Verein so lange treu! Jetzt hat mich die sportliche Talfahrt zu einem neuen Schritt bewogen.
Ein Verbleib in Bielefeld auch in der 3. Liga stand nie zur Debatte?
Dennis Eilhoff: Nein. Da muss man dann die Profikarriere auch mal über die Vereinsliebe stellen. In diesem Sinne stört mich auch der Vorwurf der Schalker Ultras, nach dem Wechsel von Manuel Neuer werde man Spieler nur noch als Profifußballer und Arbeitnehmer sehen. Manuel Neuer ist nun mal Profisportler und deshalb kann man ihm den Wechsel auch nicht verdenken. Es ist doch schon untypisch, dass er – oder auch ich jetzt – einem Verein überhaupt so lange treu bleibt. Das wird leider immer schnell ausgeblendet.
Sie sind den »Boys Bielefeld« 2005 beigetreten. Wie kam der Kontakt damals zustande?
Dennis Eilhoff: Ich stand ja früher selbst auf der Tribüne, kannte die Fanszene also. Über »Segelohr«, erstes Mitglied der »Boys« und auch Arminia-Fotograf beim Westfalenblatt, bin ich in diesen Kreis gekommen.
Bielefeld-Fan waren Sie schon vorher. Ihr erster Stadionbesuch datiert vom 1. August 1996. Was hat an der Arminia damals fasziniert? Immerhin hätte es in Westfalen ausreichend andere Optionen gegeben ...
Dennis Eilhoff: Ich muss gestehen, dass ich als ganz kleiner Junge Dortmund-Fan war. Da stand ich mit meinem Vater auf der Südtribüne, inklusive mitgebrachtem Hocker, damit ich kleiner Knirps über die langen Kerle rübergucken konnte. Oft war ich auch mit Martin Amedick im Westfalenstadion. Martin, heute bei Kaiserslautern, war unweit größer und brauchte keinen Hocker. 1996 kam für mich der Sprung zur Arminia. Ich wechselte in die B-Jugend von Bielefeld. Da habe ich mir natürlich die Spiele der Profimannschaft angeguckt, stand im Block mit meinen damaligen Kollegen. Uli Stein absolvierte damals seine letzten Spiele im Tor. Das war natürlich ein beeindruckendes Erlebnis.
Heute stehen Sie da, wo Uli Stein einst stand. Was bedeutet Ihnen die Bielefelder Alm?
Dennis Eilhoff: Nach fünfzehn Jahren bei der Arminia ist die Alm mein Wohnzimmer geworden. Ich saß viele Spiele auf der Bank, habe genauso viele Spiele gemacht. Das Stadion ist ein zweites Zuhause für mich.
Wie schwer fällt Ihnen der Abschied?
Dennis Eilhoff: Natürlich bin ich seit einigen Wochen darauf vorbereitet, dass ich gehen werde. Ich konnte mich also mit dem Abschied auseinandersetzen. Wehmut ist trotzdem da. Wenn man so lange im Verein war, tut das weh. Zumal ich weiß, dass ich als Spieler auf absehbare Zeit nicht mehr in diesem Stadion auflaufen werde – wobei, vielleicht ja als Gegner.
Das wäre kein Tabu für Sie? Es soll Spieler geben, die bei ihrem Abschied beschwören, nie auf der »falschen« Seite ins Stadion einlaufen zu wollen.
Dennis Eilhoff: Da muss man Profi genug sein, um zu akzeptieren, dass der Fußball einen vielleicht auch mal gegen den Ex-Verein oder die alte Liebe lotst. Ich würde mir jedenfalls nicht in den Vertrag schreiben lassen, gegen Bielefeld nicht auflaufen zu müssen. Ich bin jetzt 28. Wenn die Knochen halten, kann ich als Torwart also noch zehn Jahre Fußball spielen. Das habe ich auch vor. Eine Menge Zeit, in der viel passieren kann.
Auf der nächsten Seite: Dennis Eilhoff über Weihnachtsfeiern mit dem Fanclub, die Gefahr der Vereinnahmung und den aktuellen Niedergang von Arminia Bielefeld.
---
News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: Arminia Bielefeld






