Stefan Effenberg und die Initiative Borussia
Mit verdeckten Karten
Text: Karol Herrmann Bild: Imago
»Viel ist über uns geschrieben und noch mehr geredet worden«, schreibt die »Initiative Borussia« auf ihrer Homepage. Am Dienstag hat sich das Schattenkabinett um Stefan Effenberg in Mönchengladbach endlich vorgestellt. Ein Ortsbesuch.
Das Dorint Hotel in Mönchengladbach gehört zu den noblen Vertretern seiner Zunft. Zwischen den adrett gekleideten Empfangsdamen haben sich aber auch unkonventionelle Gäste rund um den Haupteingang geschlichen: Sie tragen grüne Baseballmützen, einer hat die Raute auf dem Hals tätowiert. Sie sind unverkennbar Fans von Borussia Mönchengladbach, denen das Wohl des Vereins am Herzen liegt. Ob sie Befürworter oder Gegner der »Initiative Borussia« sind, ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar. Vorbei am Sauna-Areal und an Lachsschnittchen gelangt man schließlich per Aufzug in einen großen Konferenzraum. Alle namhaften und weniger namhaften Fernsehsender haben ihre Vertreter geschickt. Sie haben so viele Mikrofone auf dem Tisch installiert, dass das Schild mit dem Namen »Stefan Effenberg« nicht mehr zu sehen ist.
Ende April hat sich Effenberg der Initiative Borussia angeschlossen. Bei der Jahreshauptversammlung am 29. Mai soll das aktuelle Präsidium um Rolf Königs gestürzt werden. Die ehrenamtliche Alleinherrschaft, die unprofessionellen Strukturen und der fehlende Fußballsachverstand in der Vereinsführung sind nach Aussage der Initiative der Grund, warum Anspruch und Wirklichkeit in Gladbach schon seit Jahren auseinanderklaffen. Für den Umbruch wäre allerdings eine Zwei-Drittel-Merhheit der Mitglieder nötig. Als neuer starker Mann im Verein würde Effenberg dann Max Eberl als Sportdirektor ablösen.
Köppel wirkt abwesend
Effenberg kommt pünktlich. Er wird von Norbert Kox und Martin Schmuck, den beiden Sprechern der Initiative- sowie Georg Hendricks, seit heute Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten, begleitet. Die Protagonisten sind so gut gebräunt, dass man meinen könnte, das intensive Blitzlichtgewitter der Fotografen wäre die Ursache dafür. Doch dann fällt der fünfte Mann im Bunde auf. Es ist Horst Köppel. Neben den anderen Herren wirkt er buchstäblich etwas blass. »Den Mythos Gladbach kann keiner besser verkörpern als Horst Köppel«, beginnt Kox seine Rede über die Wahl des ehemaligen Trainers als Präsident des Schattenkabinetts. Wie recht er damit hat. Mit der Borussia wurde Köppel in den siebziger Jahren fünfmal Meister. Heute wirkt er dagegen etwas abwesend. Seine besten Tage hat er, wie die Borussia, schon hinter sich. Er habe sich lange überlegt mitzumachen, sagt Köppel. Effenberg habe ihn letztendlich überzeugt.
Die Unternehmer Hendricks und Kox referieren wenig enthusiastisch über die Notwendigkeit von internationalen Sponsoren und der Installation eines Betriebsrates. Bei Moderator Schmuck unter dem Schnäuzer lässt sich noch am ehesten etwas Ähnliches wie Euphorie erkennen. Für die großen Emotionen aber, das ahnen bereits alle, ist heute Stefan Effenberg zuständig. Hinter seinem Rücken erinnert ein Flachbildschirm an erfolgreichere Tage. »Jetzt oder nie!« steht unter einem Bild Effenbergs mit geballter Faust, kurz nach dem DFB-Pokalsieg 1995. »Der letzte einstellige Tabellenplatz von Gladbach war mit mir als Kapitän, es tut mir weh, was da momentan passiert«, eröffnet der Kandidat seine Rede. Er habe sich nach seinem Abschiedsspiel dem Verein angeboten. Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, dieses Versprechen einzulösen, schließlich trage er die Raute im Herzen.
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