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07.04.2011

Das Kölner Ultrà-Fanzine »Kallendresser«

»Fleißig zensiert oder direkt verboten«

Interview: Daniel Marx  Bild: Coloniacs

Köln-Fan Eike ist Mitherausgeber des FC-Ultra-Fanzines »Kallendresser«. Wir sprachen mit ihm über Zensur vor dem Stadion, die Qualität der deutschen Fanzine-Landschaft und den Kölner Bürgerstolz.

Das Kölner Ultrà-Fanzine »Kallendresser« - »Fleißig zensiert oder direkt verboten«


Eike, Musik ist ein zentraler Bestandteil der vierten Ausgabe des »Kallendresser«: Eine Reportage über Köln als einer der Hauptstädte elektronischer Musik oder ein Interview mit einem DJ. Ist der Ansatz eher künstlerisch-literarisch oder doch politisch?

Eike: In der Ausgabe davor haben wir umfassend von der Problematik rund um das Kölner Schauspielhaus berichtet, da waren wir schon politisch. Wir unterstützen ja nicht nur unseren Verein, sondern repräsentieren auch unsere Stadt. Köln hat viele Facetten, die uns faszinieren und beschäftigen – von der Hoch- bis hin zur Subkultur. Unsere Mitglieder sind in diesen Szenen vernetzt und wir wollen den Lesern nahe bringen, dass neben dem Fußball noch sehr viel anderes in dieser Stadt passiert.



Warum eigentlich der Name »Kallendresser«?

Eike: Der »Kallendresser« ist eine Figur, die am Kölner Alter Markt direkt gegenüber des Rathauses angebracht ist, mit heruntergelassenen Hosen auf den der Dachrinne sitzt und herunter zu scheissen scheint. Er wurde von der Bürgerschaft angebracht, um den Ratsherren zu zeigen, dass sie beobachtet und zur Rechenschaft gezogen werden, falls sie nicht im Wohle der Bürger handeln. Im Grunde sind alle Fans Kallendresser. Wir müssen darauf achten, dass der Verein oder auch ein Fußballverband keinen Mist bauen.

Habt ihr in der aktuellen Ausgabe klassische Ultrà-Themen wie Stadionverbot oder die Legalisierung von Pyrotechnik bewusst nur am Rande behandelt?

Eike: Nein. Insbesondere die vorletzte Ausgabe war geprägt vom Thema Stadionverbot und anderen Formen von Repressionen für Fußballfans – beispielsweise durch die Polizei ausgesprochene »Stadtverbote«. Die Gewichtung fällt von Heft zu Heft unterschiedlich aus. Unser Anspruch war von Anfang an, nicht eines dieser klassischen Fanzines zu machen, die es überall in Deutschland gibt: Mit Spielberichten und zwei drei Geschichten rund um den Verein. Wir wollten ein breites Angebot darüber hinaus schaffen.

Wie haben sich deutsche Fanzines in den letzten Jahren verändert?

Eike: Das Klientel der Leute, die vor 15 oder 20 Jahren diese Hefte gemacht hat, war eine ganz andere. Da gab es eine Menge Gruppen, die viel Zeit investiert haben, Fanzines rund um den eigenen Verein zu stricken. Heutzutage sind es fast nur noch Ultrà-Gruppen, die Fanzines machen. Es gibt ein paar Hefte, die mehr wollen als nur Spieltags- und Reiseberichte zu machen, zum Beispiel die Nürnberger mit ihrem »Ya Basta!«. Zusätzlich gibt es die fanszenenübergreifenden Fanzines wie »Blickfang Ultra« oder »Erlebnis Fußball«. Da schreiben dann die einzelnen Szenen und auch wir steuern einzelne Artikel bei.

Wie hat der »moderne Fußball« Fanzines verändert?

Eike: Während sich früher hauptsächlich mit Fußball und Fußballkultur beschäftigt wurde, wird sich jetzt auch bewusst und kritisch mit den Auswüchsen des »modernen Fußballs« und den konkreten Auswirkungen auf Fans und Fankultur auseinandergesetzt. Darüber hinaus versucht »der moderne Fußball« heute, die Inhalte zu beeinflussen. Der 1. FC Köln zum Beispiel, lässt sich die Hefte vorlegen, die innerhalb des Stadions verkauft werden sollen. Da wird dann fleißig zensiert oder direkt verboten. Von den bereits vier erschienenen Kallendresser-Ausgaben durften wir bisher noch kein Heft im Inneren des Stadions verkaufen.


weiterlesen [1] [2]



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Kommentare

  • User
  • 07.04.2011 20:21:22 MarcRamone

    Hier zur Ergänzung des urkölschen Wortes Kallendresser in WIki ein Bericht mit Bild:
    Kallendresser in Wikipedia

    Kölsches Wörterbuch:
    koelschakademie

    Eigentlich ist es eine Auszeichnung, wenn das Heft nicht im Stadioninnern verkauft werden darf. Die scheinen wohl kritisch zu sein. Nur weiter so!

  • User
  • 07.04.2011 21:20:57 GTEvo

  • User
  • 07.04.2011 23:09:46 revalino

    ... ist ja eigentlich nix Neues. Vor Ewigkeiten gab es ein geniales Magazin, den HENNES. Den haben die Schlipsträger um ArtzingerBeee -ich glaube- nach 6 oder 7 Ausgaben zerschossen. Eigentlich total verwunderlich, dass eine derart reaktionäre Mischpoke eine solche Leidenschaft hervorruft... Real Madrid des Westens... Wenn es denen schlecht geht, haben sie Angst, dass Kritik sie noch weiter drückt und wenn es ihnen gut geht - Hey, dann ist ja eh´ alles klar, ne?
    Frag nach bei FC-reloaded...

  • User
  • 08.04.2011 09:06:12 giselher

    Wir unterstützen ja nicht nur unseren Verein, sondern repräsentieren auch unsere Stadt.

    Wenn überhaupt, repräsentieren solche Spinner nur sich selbst. Iss schon o.k., wenn ein Verrein sich vorbehält, mit solchem Müll nicht belästigt zu werden.

  • User
  • 08.04.2011 10:11:16 Hauptstadt_Jeck

    Hast du jemals dieses Magazin in den Händen gehalten, geschweige den gelesen giselher?

  • User
  • 08.04.2011 10:22:59 giselher

    Nö. Das Interview hab ich gelesen. Bei Sätzen wie dem oben zitierten oder "Wir müssen darauf achten, dass der Verein oder auch ein Fußballverband keinen Mist bauen" bin ich halt bedient.

    Völlige Selbstüberschätzung und Gestaltungsanmaßung ohne den Hauch von Legitimation - so sind sie halt, die Ultras. Da kannste jedem Verein nur beipflichten, wenn er den Anfängen wehrt.

  • User
  • 08.04.2011 10:37:46 geissbock77

    ich finde es völlig in ordnung, dass ein verein darüber entscheidet, was in seinem stadion verkauft werden darf und was nicht. mit zensur hat das m.e. überhaupt nix zu tun.

    wenn ich bei mir zu hause ne party mache will ich will ja auch nich, dass jemand meinen gästen den wachturm aufschwatzt.


    ups, ich glaube ich habe grade ein fußballspiel mit einer party verglichen, vermutlich bekomme ich jetzt lebenslanges ultra-verbot.

  • User
  • 08.04.2011 12:43:06 Hauptstadt_Jeck

    Ultras hin oder her... Ich finde das Magazin durchaus lesenswert. Es hebt sich allein durch das Layout, den Druck und die Themenauswahl, durchaus von dem ganzen anderen Quatsch ab.

  • User
  • 08.04.2011 20:01:42 revalino

    Ahhahaa, Geissbock77, bei dir zuhause! Nicht schlecht, der Vergleich!
    Leider gehört denen nix, nicht das Stadion und nicht die Stadt (der gehört das nämlich) und die Hälfte der Mannschaft ist verpfändet und natürlich -wie es einer rechtlichen Körperschaft gehört- ist eine Entscheidung letzlich auch demokratischen Prinzipien unterzuordnen.

    Auch wenn der "PPPpräsident: deWooosch! -- Nää, isch bin et selber!" da Kraft Vergangenheit anderer Meinung ist.

    Bei deiner "Meinung" solltest du ganz schnell mal nachgucken, ob du nicht selber den Wachturm in der Hand hast!

  • User
  • 08.04.2011 21:37:03 geissbock77

    @revalino
    hast du nen wutbürger gefrühstückt?
    komm mal wieder runter.

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