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02.04.2011

Markus Münch über Lautern-Leverkusen 1996

»Es ging um alles – da gibt es kein Fairplay!«

Interview: Johannes Ehrmann  Bild: Imago

Am 34. Spieltag der Saison 1995/96 geht es zwischen Lautern und Leverkusen für beide Teams um den Klassenerhalt. Kurz vor Schluss trifft Markus Münch zum rettenden 1:1. Wir sprachen mit ihm über das existenziellste Tor seines Lebens.

Markus Münch über Lautern-Leverkusen 1996 - »Es ging um alles – da gibt es kein Fairplay!«


Markus Münch, wo erwischen wir Sie gerade?

Markus Münch: Ich komme gerade aus meinem Stall. Ich züchte seit einigen Jahren Rennpferde, seit 2010 bin ich auch Trainer.

Ein ehemaliger Fußballprofi als Pferdezüchter – das müssen Sie uns erklären.

Markus Münch: Den ersten Kontakt zum Pferdesport gab es 2002, damals spielte ich in Gladbach und habe in Düsseldorf in der Nähe der Rennbahn gewohnt. Mit meiner Familie war ich oft dort, später habe ich mir dann einige Pferde gekauft. Nach meiner Karriere habe ich den Trainerschein gemacht, was sehr mühsam war, mir aber wahnsinnig viel zurückgibt. Es ist ein absoluter Leistungssport – genau wie der Fußball.



Schade, dass in der Sportschau nicht mehr der »Galopper des Jahres« gekürt wird.

Markus Münch: Die Rubrik gibt es zwar noch, aber die große Öffentlichkeit hat das Pferderennen nicht mehr, das ist richtig. Unser Sport ist schlecht vermarktet worden, obwohl Deutschland in der Zucht weltweit führend ist.

Zurück zum Fußball: Am Wochenende spielt Kaiserslautern gegen Leverkusen ...

Markus Münch: Ach ja? Wusste ich gar nicht. Das wird sicher nicht so spannend wie 1996.

Wohl nicht. Damals schossen Sie in der 82. Minute am 34. Spieltag das entscheidende Tor zum Klassenerhalt für Bayer, Lautern stieg ab. Der wichtigste Treffer Ihrer Karriere.

Markus Münch: Nicht nur für mich, vor allem für den Verein. Wären wir abgestiegen, hätte es sicher nicht die Investitionen in Stadion und Kader gegeben.

Kaiserslauterns Andreas Brehme weinte danach an der Schulter von Rudi Völler. Ist im Fußball-Geschäft Platz für Mitleid?

Markus Münch: Nein, man macht ja seinen Job. Es war mein letztes Spiel für Leverkusen. Ich habe mit Leistenbruch gespielt, hätte eigentlich längst operiert werden müssen. Aber es war schon ein Drama. Alle schauten auf dieses Spiel. Vorher war klar: die oder wir.

Einige Lauterer beschwerten sich, dass der Ball nach einer Verletzung nicht zurückgespielt wurde – so wie neulich bei Dortmund gegen Mainz.

Markus Münch: Bei diesem Spielstand zu diesem Zeitpunkt ging es um alles, um Millionen, um die Zukunft des Vereins. Da gibt es kein Fairplay, da spielt kein Spieler freiwillig den Ball zurück oder ins Aus. Der Einzige, der da abpfeifen kann, ist der Schiedsrichter.




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Kommentare

  • User
  • 02.04.2011 12:44:38 Frot

    Das Spiel damals hieß aber Leverkusen-Lautern und nicht umgekehrt.

  • User
  • 03.04.2011 15:39:22 Nummer_8_lebt

    Deshalb auch gerne weiterhin alles Gute zur Vizemeisterschaft...

  • User
  • 03.04.2011 22:45:27 xBrownstonex

    Und euch viel Spaß in Liga 2

  • User
  • 04.04.2011 14:33:40 Holger Nebier

    Die Situation von 1996 mit der von vor ein paar Wochen im Spiel Dortmund gegen Mainz gleichzusetzen, ist schon schwierig!
    Für alle die es vergessen oder nie gesehen haben: Marschall wurde damals von Münch umgetreten, der Schitrichter hat auf Foul entschieden und Freistoß für Lautern gepfiffen. Danach lag Marschall noch immer schmerzverzerrt am Boden, aber der Schiedsrichter hat den Ball einfach trotzdem freigegeben! Ein Kaiserslauterer haut den Freistoß dann aus Verzweiflung direkt auf die Tribüne ins Seitenaus! Marschall wurde danach auf einer Trage von Sanitätern vom Feld getragen und Leverkusen warf den Ball nicht, wie es sich nicht nur nach dem Fairplay gehört, zum Gegner ein, sondern schoss mit einem Spieler mehr auf dem Platz im direkt folgenden Angriff das entscheidende Tor.
    Für mich ist es damit das unsportlichste Tor der Bundesligageschichte!
    Obwohl auch die Spielleitung des Schiedsrichters in der damaligen Situation als Skandalös empfinde, denke ich, dass ein Verein, der den Fairplay-Gedanken in dieser Form missachtet und dessen Angestellte nach all den Jahren immer noch nicht dazugelernt haben und das Geld in den Vordergrund stellen, im höchsten Maße zu verachten ist und niemals deutscher Meister werden darf!

  • User
  • 04.04.2011 15:20:07 P_Block

    Nun, das ist die Perspektive eines Lauterers !
    Meine Sichtweise ist die:
    Nachdem Lautern in der 58 min. durchaus nicht unverdient in Führung gegangen war, überboten sich die Herren geradezu im Zeitschinden und Schwalben produzieren. Was da bis zum Ausgleich in der 82. Miute an Unsportlichkeiten präsentiert wurde, suchte seinesgleichen.
    Ich weiß noch wie sehr mich das aufgeregt hat und mein Mitleid wegen der geschilderten Szene hielt sich doch sehr in Grenzen, obwohl ich sicherlich den Fairplay-Gedanken immer vorneweg stelle. Ich weiß sogar noch, dass der bei dieser Szene zuvor "gefoulte" Spieler (ob es Olaf Marschall war weiß ich allerdings nicht mehr) nicht nur eigentlich gar nicht (und wenn ja schon gar nicht schwer) gefoult wurde, sondern auch kurz darauf wieder lief wie ein junges Reh.
    Also bei allem Respekt: Was die Sportlichkeit betrifft darf gerne mal vor der eigenen Haustür gekehrt werden, zumal seinerzeit eigentlich beinahe bei jedem Heimspiel des FCK gegen Lev irgendwas Krummes ablief (nicht-gegebene "Abseits"-Tore, übertrieben lange Nachspielzeiten, lächerliche Elfmeter für den FCK usw.).

  • User
  • 04.04.2011 20:48:35 betze_diaspora

    die einen sagen so die andern so.

    mir schwillt bis heute gleichermaßen die schläfenader ob der leverkusener arschigkeit und brehmes heulsuserei. hätten die herrn in rot die saison über so viel emotion auf dem platz gezeigt wie er an völlers schulter, hätte leverkusen meinetwegen zwei solche tore machen können und wäre trotzdem abgestiegen.

  • User
  • 05.04.2011 12:28:06 Autobahnkreuz

    Naja, nach der Ehrenrunde seid Ihr zurück gekommen und Meister geworden, es gibt schlimmere Schicksale.

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