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12.03.2011

Richard Golz über Freiburgs Erfolgssaison vor zehn Jahren

»Wir hatten einen sehr guten Torwart«

Interview: Marc Luettgemann  Bild: Imago

22. April 2001. Der SC Freiburg trifft auf den 1. FC Kaiserslautern. Beide Mannschaften kämpfen um die Qualifikation für den Uefa-Cup, der FCK liegt sechs Punkte vor dem SC. Es wird ein denkwürdiges Spiel. Richard Golz erinnert sich.

Richard Golz über Freiburgs Erfolgssaison vor zehn Jahren - »Wir hatten einen sehr guten Torwart«


Schon nach 45 Minuten war alles gelaufen. Freiburg spielte wie im Rausch. Erst traf Wladimir But (15.), dann legten die Tunesier Adel Sellimi (30.) und Zoubaier Baya (37,) nach, ehe wieder But (39.) und Kobiaschwili (42.) die 5:0-Halbzeitführung perfekt machten.  Nie zuvor und nie danach spielte der SC Freiburg in der Bundesliga so eine Halbzeit.

Nach dem Spiel sagte Kaiserslautern Torwart Georg Koch: »Zur Pause habe ich befürchtet, dass es zweistellig werden könnte.« Wurde es nicht, der FCK verkürzte auf 2:5 (Tore: Pettersson und Djorkaeff). Die Partie hatte trotzdem großen Einfluss auf den Saisonverlauf: Der SC Freiburg zog in den Uefa-Cup ein, Kaiserslautern verpasste die internationalen Ränge.

Der damalige Freiburger Keeper Richard Golz (42) erinnert sich zehn Jahre später vor der Wiederauflage des Duells am Wochenende an die Freiburger Erfolgssaison, vergleicht die Mannschaft von 2001 mit der aktuellen und verrät, wie es ihm gerade beim HSV ergeht.

Richard Golz, fünf Freiburger Tore in 27 Minuten. Erklären Sie es den Nachgeborenen: Wie hat der SC das geschafft? War die Mannschaft mit dem Ziel Uefa-Cup vor Augen besonders heiß?

Richard Golz: So klar hatten wir das Ziel Uefa-Cup erst nicht im Blick, das Kaiserslautern-Spiel nicht so sehr als Sechs-Punkte-Spiel empfunden. Im Nachhinein war es eins. Durch dieses Spiel und vor allem durch diese erste Halbzeit hat sich damals vieles verselbständigt.

Das hat es: Sie verloren nur noch gegen Bayern und gewannen drei der letzten vier Spiele.

Richard Golz: Es hat sich eine Eigendynamik entwickelt. Wir hatten unser Ziel, den Klassenerhalt, relativ früh erreicht und sahen dann auf einmal, das da noch mehr gehen könnte.

Wer waren denn damals die entscheidenden Figuren für die starke Saison?

Richard Golz: Zoubaier Baya war sehr wichtig, ein sehr moderner Spielmacher. Der konnte laufen bis zum Abwinken, war dazu ein toller Fußballer.  Er war Sechser und Zehner in einem. Auch Levan Kobiashvili auf der linken Seite und Alexander Iashvili mit seinen Dribblings im Sturm waren von großer Bedeutung. Und wir hatten einen sehr guten Torwart. (lacht)

Im Uefa-Cup in der Saison drauf hätte der SC Freiburg den späteren Sieger Feyenoord Rotterdam fast ausgeschaltet. Nach einem 0:1 im Hinspiel führte der SC schon 2:0, schied nach einem 2:2 aber aus.

Richard Golz: Das ist sehr traurig gewesen. Wir hatten sie am Rande der Niederlage. Aber es gilt die alte Weisheit: Ein Spiel dauert 90 Minuten.

Auch in diesem Jahr kann der SC Freiburg den Europapokal erreichen. Sehen Sie Parallelen zwischen der Mannschaft von 2001 und der aktuellen?

Richard Golz:  Die aktuelle Mannschaft ist sehr spielstark, dazu taktisch sehr flexibel und diszipliniert. Das hat uns damals auch ausgezeichnet. Bei uns konnte man nie sagen, wer im Mittelfeld offensiv und wer defensiv spielt. Das war ein fließender Übergang. In diesem System konnte übrigens auch Sebastian Kehl seine Stärken einbringen und den Durchbruch schaffen.

Einen großen Unterschied gibt es aber: Der SC hatte damals keinen wie Papiss Cissé. Der hat jetzt schon 17 Tore, der beste Freiburger Sellimi damals am Saisonende nur zehn.

Richard Golz: Das stimmt, so einen hatten wir nicht. Wir haben anders gespielt. Unsere Mittelfeldspieler sind oft mit in die Spitze gerückt, haben so für Torgefahr gesorgt. Aber klar: Wenn man einen guten Stürmer hat, ist das eine Menge wert. Doch die Mannschaft ist sehr homogen und auch ohne Cissé lebensfähig.

Ist sie das auch ohne Robin Dutt? Der wird ja im Moment überall gehandelt, wo bald ein neuer Trainer gebraucht wird.

Richard Golz: Der Erfolg der Mannschaft ist natürlich auch das Ergebnis seiner Arbeit, aber es gibt auch noch andere sehr gute Trainer. Man muss sie nur finden, das hat der Sportclub mit Finke und Dutt ja ganz gut hin bekommen.

Trauen Sie Dutt denn einen Klub wie Schalke, Leverkusen oder den HSV zu?

Richard Golz: Ja, auf jeden Fall. Das wäre der nächste logische Schritt in seiner Trainerkarriere. Ob es jetzt schon nach dieser Saison so weit ist, kann ich aber nicht beurteilen. Vielleicht wäre es für ihn auch besser, noch ein Jahr zu warten.

Sie sind aktuell Co-Trainer der zweiten Mannschaft des HSV und trainieren die U15-Torwärte. Wie geht es Ihnen im Moment im Klub?

Richard Golz: Tja. Man denkt jede Woche, es geht nicht mehr schlimmer. Aber ich glaube, das Schlimmste ist jetzt überstanden. Es kann nur noch bergauf gehen.

Beeinträchtigt die Unruhe denn ihre tägliche Arbeit beim HSV-Nachwuchs?

Richard Golz: Ja, durchaus. Unsere Kaderplanung wird auch von der ersten Mannschaft beeinflusst. Bis man nicht weiß, wer Trainer wird und was Frank Arnesen im Detail vor hat, bleibt die Lage kompliziert.




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Jubel in Freiburg: Wladimir But freut sich über einen seiner beiden Treffer beim wichtigen 5:2-Erfolg gegen Kaiserslautern am 30. Spieltag.


Fotostrecke

  • Jubel in Freiburg: Wladimir But freut sich über einen seiner beiden Treffer beim wichtigen 5:2-Erfolg gegen Kaiserslautern am 30. Spieltag.
  • Spielmacher Zoubaier Baya gehörte zu den Lieblingen der Freiburger Fans.
  • Der Rückhalt: Mit Richard Golz im Tor bekam Freiburg in der Saison 37 Gegentore. Besser war nur Schalke mit 35.
  • Im Duell der Dribbler umkurvt Freiburgs Iashvili Bayerns Scholl. Zu Unrecht aus der Mode gekommen: Handys in Lebensgröße als Werbeutensil (r.).
  • Und jetzt alle springen: Die Freiburger Abwehrmauer in der Partie gegen Bayer Leverkusen.
  • Sebastian Kehl feierte in der Saison 00/01 seinen Durchbruch.


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