Stuttgarts Abwehrikone sicher: »VfB steigt nicht ab!«
Günther Schäfer: »Niemand spricht vom Abstieg«
Interview: Alex Raack Bild: Imago
331 Spiele lang war Günther Schäfer der Mann fürs Grobe beim VfB Stuttgart. 1984 und 1992 wurde er mit den Schwaben Deutscher Meister. Im Interview spricht »Günnes« über den Zustand seines Ex-Klubs. Sorgen kennt dieser Mann nicht!
Günther Schäfer, der VfB Stuttgart steht vor dem 25. Spieltag auf Tabellenplatz 17. Wie akut ist die Abstiegsgefahr im Schwabenland?
Günther Schäfer: Ich gebe zu: Wenn man auf die Tabelle schaut, dann kann man auf böse Gedanken kommen. Aber ich spreche erst gar nicht vom Abstiegskampf.
Warum nicht? Der VfB hat nach 24 Spielen erst 22 Punkte gesammelt. Wovon sprechen Sie?
Günther Schäfer: Vom Klassenerhalt. Wie soll eine Mannschaft den Abstieg verhindern, wenn sie nur vom Abstieg spricht? Außerdem finde ich, dass diese Mannschaft viel zu gut ist, um tatsächlich abzusteigen.
Was macht Sie da so sicher?
Günther Schäfer: Vor allem das Spiel am vergangenen Spieltag gegen Eintracht Frankfurt (2:0 für den VfB Stuttgart, d. Red.). Wie sich die Mannschaft nach dem frühen Platzverweis für ihren Kapitän Delpierre präsentiert hat, war großartig! Solch ein wichtiges Spiel gegen einen Konkurrenten um den Klassenerhalt in Unterzahl zu gewinnen, setzt neue Kräfte frei. Ich denke, die Mannschaft hat den Schalter jetzt endlich umgelegt.
Was halten Sie eigentlich von Trainer Bruno Labbadia?
Günther Schäfer: Bruno ist ein großartiger Trainer. Ich schaue ihm oft bei den Übungseinheiten zu. Fußball ist ein emotionaler Sport, und Bruno ist in der Lage, seine Spieler auf emotionaler Ebene zu erreichen.
Verschließen Sie sich da nicht der allgemeinen Kritik an seiner Person?
Günther Schäfer: Nein. Denn aus Stuttgart habe ich noch keine Kritik an Bruno Labbadia vernommen. Wir glauben an ihn. Deshalb kann ich die Kritik an seiner Person nicht nachvollziehen, er ist der richtige Trainer für den VfB Stuttgart.
Viele Stuttgarter befürchten, dass es dem VfB nun gegen Schalke wie vor einigen Wochen ergehen wird, als man nach einem 3:2-Erfolg gegen Borussia Mönchengladbach am folgenden Spieltag gegen Nürnberg mit 1:4 unterging. Teilen Sie diese Sorgen?
Günther Schäfer: Nein. Im Frankfurt-Spiel meine ich etwas in der Mannschaft erkannt zu haben, das vorher noch nicht da war: Ein ganz starkes Gefühl der Geschlossenheit, des Miteinander. Und genau das braucht eine Fußball-Truppe, um sich selbst an den Haaren aus dem Sumpf zu ziehen.
Ihr Optimismus in Ehren, aber woran wollen Sie das erkannt haben? Schließlich fehlen seit dem Abgang von Jens Lehmann und Sami Khedira die Führungspersönlichkeiten, die dem VfB in diesen schweren Zeiten die Richtung vorgeben könnten.
Günther Schäfer: Ich behaupte mal, dass es solche »Leadertypen« gar nicht braucht, um im Kampf um den Klassenerhalt zu bestehen. Was nützt mir der Mittelfeldstratege in Topform, wenn der Rest der Mannschaft die Saison schon aufgegeben hat? Entscheidend ist, dass es dem VfB jetzt auch gegen Schalke gelingt, alle vorhandenen Fähigkeiten zu bündeln, und dadurch zum Erfolg zu kommen.
Das klingt etwas kryptisch – können Sie ein Beispiel geben?
Günther Schäfer: Als ich damals beim VfB spielte, war ich ganz sicher nicht der Mann für den tödlichen Pass oder den Spielaufbau. Ich habe mein Tor verteidigt, habe den Ball notfalls per Fallrückzieher von der Linie gekratzt, oder bin den Stürmern auch mal unten reingefahren. Alles Fähigkeiten, die beispielsweise nicht unbedingt zu den Spezialitäten eines so begabten Strategen wie Matthias Sammer gehörten. Aber wir haben uns ergänzt und waren dadurch eine Mannschaft, die Erfolg hatte.
Es gibt nur einen Günther Schäfer! >>>
Und dazu ist die Mannschaft der Gegenwart ebenfalls in der Lage?
Günther Schäfer: Ja. Der VfB Stuttgart 2010/11 ist stark genug, die Klasse zu halten. Wir steigen nicht ab.
Zum Abschluss: Gibt es eigentlich noch Ihr Bier »Günnes« zu kaufen?
Günther Schäfer: (lacht) Jawohl, das hält sich wacker auf dem Markt.
Kennen Sie noch den Werbespruch, der auf dem Flaschenetikett steht?
Günther Schäfer: Natürlich. »Ein Bier, wie Günnes. Stark im Zweikampf, stark im Geschmack!«
Sehen Sie in dieser Mannschaft einen würdigen Nachfolger als Bier-Modell?
Günther Schäfer: Sie meinen so was wie »Ein Bier wie Träschi...«? Wenn diese Saison gut ausgeht, wird vielleicht ein VfB-Bier gebraut: Stark im Geschmack, stark im Zusammenhalt. Dann gebe ich der Mannschaft einen Kasten aus.
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Günther Schäfer und der Jubel nach dem ersten Meistertitel seiner jungen Karriere: Am letzten Spieltag der Saison 1983/84 treffen der Zweitplatzierte Hamburger SV und Tabellenführer aufeinander, zwei Punkte trennen beide Mannschaften, der HSV hat nur noch theoretische Meisterchancen: Lediglich ein 9:0 würde den Norddeutschen noch den Titel bringen. Dazu kommt es nicht, Hamburg gewinnt 1:0 und Günnes darf die Party starten.






