Die Geschichte der Fußballfans

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02.03.2011

Als Schalke gegen Bayern 6:6 spielte

Klaus Täuber: »Ich war der Bodyguard von Olaf Thon«

Interview: Andreas Bock  Bild: Imago

2. Mai 1984: Der FC Schalke empfängt im Pokalhalbfinale den FC Bayern. Am Ende steht es 6:6 und Olaf Thon ist Gelsenkirchens neuer Star. Dabei war das Heldenpodest bis dahin von Klaus Täuber belegt. Hier erinnert er sich.

Als Schalke gegen Bayern 6:6 spielte - Klaus Täuber: »Ich war der Bodyguard von Olaf Thon«


Klaus Täuber, wenn Sie sich an den 2. Mai 1984 erinnern: Was sehen Sie?

Klaus Täuber: Ich sehe mich, wie ich renne. Unaufhörlich. Ich renne, renne und renne. Und dann sehe ich jubelnde Menschen, Fans auf dem Rasen, Olaf Thon auf ihren Schultern.



Wissen Sie eigentlich, dass ZDF-Kommentator Eberhard Figgemeier in der Live-Übertragung sowohl nach dem 4:5 als auch nach dem 5:6 sagte: »Das ist die Entscheidung!«?

Klaus Täuber: Das war ja nicht nur seine Meinung. Nach dem 5:6 durch Dieter Hoeneß blickte ich auf die Tribüne und sah die Leute zu den Ausgängen eilen. Dabei waren noch zwei oder drei Minuten zu spielen. In dem Moment hielt ich allerdings auch kurz inne.

An was dachten Sie?

Klaus Täuber: Einen Tag zuvor fand das erste Halbfinale zwischen Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen statt. Es endete 5:4 nach Verlängerung für Gladbach und die Presse überschlug sich mit Hymnen auf das Spiel und den Fußball an sich. Es soll das beste und verrückteste Pokalspiel aller Zeiten gewesen sein. Und nun, 24 Stunden später, erlebten wir diese Partie gegen den FC Bayern. Der pure Wahnsinn.

Schiedsrichter Wolf-Günter Wiesel soll in der 120. Minute gesagt haben: Noch ein Angriff, dann pfeife ich ab.

Klaus Täuber: Das sagte er zu Olaf Thon. Und dann zimmerte der Junge den Ball von halblinks unter die Latte. Unfassbar! Es gab kein Halten mehr. Sie erinnern sich sicherlich an das Interview mit Klaus Töpperwien – Olaf wurde dabei von den Fans eingekesselt, während Töppi versuchte, seine Fragen zu stellen.

Olaf Thon war einen Tag vor dem Halbfinale 18 Jahre geworden. Nun drehte sich alles um das kommende Supertalent. Die anderen Spieler, auch Sie, wurden zu Nebendarstellern. Enttäuschte Sie das?

Klaus Täuber: Ganz ehrlich: Ich war ein wenig enttäuscht, dass ich kein Tor geschossen hatte. Für einen Stürmer ist es schon seltsam, in einem Spiel, in dem die eigene Mannschaft sechs Hütten macht, nicht zu treffen.

Zumal Sie der treffsicherste Stürmer in der laufenden Zweitligasaison waren. Am Ende wurden Sie mit 19 Treffern Torschützenkönig.

Klaus Täuber: Das stimmt. Und ich erinnere auch, dass ich nahezu jedes Tor gegen die Bayern aus nächster Nähe sah. Nur der Ball lag mir nie vor den Füßen. Aber was soll's: Es war der Sieg der Mannschaft. Und es war der große Tag von Olaf Thon. Was allerdings auch daran lag, dass er eine Position hinter den Spitzen spielte. Wir liefen sehr viel, um ihm die Freiräume für sein geniales Spiel zu schaffen. Ich war quasi sein Bodyguard. Und klar, ich habe mich wahnsinnig für ihn gefreut, denn jeder beim FC Schalke wusste um sein riesen Talent – es fehlte ihm bis dahin nur die große Bühne.

Nach dem Spiel brachen alle Dämme. Die Fans stürmten aufs Spielfeld. Bekamen die Spieler keine Angst?

Klaus Täuber: Ach, das war normal auf Schalke. Nach dem Spiel nahm ich eh kaum noch etwas wahr. Das lief alles wie im Film. Ich hätte einfach immer weiter laufen können. Stundenlang. Und ich hätte weiter feiern können. Nächtelang. Ein anderes Mal war es allerdings wirklich absurd.

Erzählen Sie.

Klaus Täuber: Wenige Wochen nach dem Halbfinale und dem Wiederholungsspiel (Schalke verlor 2:3 in München, Anm.), stiegen wir in die Bundesliga auf. Beim letzten Spiel gegen Rot-Weiss Essen standen wenige Minuten vor Ende 30.000 Fans dicht gedrängt auf der Aschebahn. Als der Schiedsrichter pfiff, rannten sie jubelnd aufs Feld, keine zwei Minuten später stand ich nur noch in Unterhose da. Dummerweise hatte der Schiedsrichter nicht beendet, sondern nur eine Ecke gepfiffen. Wir mussten uns also wieder anziehen. Ich lief in den Tretern unseres Zeugwarts auf den Platz – der hatte Schuhgröße 41, ich eigentlich 44.

»Wir lagen am Boden« – Klaus Täuber über das Uefa-Cup-Finale '88 >>

Herr Täuber, Sie gewannen 1988 mit Bayer Leverkusen gegen Espanyol Barcelona ein verloren geglaubtes Uefa-Cup-Finale. Kann man die Gefühlswelt des Europapokaltriumphs mit dem DFB-Pokal-Halbfinale von 1984 vergleichen?

Klaus Täuber: Nein. Der Sieg 1988 war unfassbar. Solche Gefühle etwas habe ich davor und danach nie wieder erlebt. Allerdings war das Halbfinale 1984 eine sehr intensive Erfahrung. Gerade im Rückblick, denn ich bin, auch wenn ich gebürtiger Franke bin, immer noch Schalker durch und durch. Ich liebe den Ruhrpott.

Welche Chancen hat Schalke heute Abend?

Klaus Täuber: Momentan würde Schalke von fünf Spielen gegen den FC Bayern vier verlieren. Doch vielleicht findet ja heute Abend das fünfte Spiel statt. Die Partie kann jedenfalls ein Wendepunkt sein, denn bei einem Finaleinzug stünden die Chancen auf eine Europapokalteilnahme ausgesprochen gut. Die unterdurchschnittliche Bundesligasaison wäre vergessen – und mit ihr all der Ärger um das Team, die Fans und Felix Magath.

Wie stehen Sie denn zu der neuen Fannähe des Felix Magath?

Klaus Täuber: Sie meinen sein Auftritt über Facebook? Gut ist, dass er sich zeigt. Doch all das wäre nicht nötig gewesen, wenn Magath schon früher auf die Fans zugegangen wäre. Denn es ist eines der wichtigen Gebote auf Schalke: Vernachlässige die Fans nicht!




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Ob de Schalker Fans wohl heute einen ihrer Spieler auf Händen tragen würden? Olaf Thon wurde diese Ehre zuteil nach dem 6:6 gegen Bayern am 2. Mai 1984 zuteil.


Fotostrecke

  • Ob de Schalker Fans wohl heute einen ihrer Spieler auf Händen tragen würden? Olaf Thon wurde diese Ehre zuteil nach dem 6:6 gegen Bayern am 2. Mai 1984 zuteil.
  • Der 18-Jährige schoss damals drei Tore im Gelsenkirchner Parkstadion, das letzte in der 120. Minute - und ermöglichte Schalke so ein Wiederholungsspiel.
  • Der Beweis, dass an diesem Tag alles ging: Olaf Thon (Körpergröße: 1,70 Meter) macht ein Kopfballtor.
  • Schalkes Torwart Jungshans ist geschlagen, doch Dieter Hoeneß (2.v.l.) bringt den Ball trotzdem nicht im Tor unter.
  • Bayern-Keeper Pfaff streckt sich vergeblich: Stichler bringt Schalke 4:3 in Führung.
  • Thon feiert einen seiner drei Treffer.


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Kommentare

  • User
  • 02.03.2011 13:44:41 Redondo71

    Hach, der Boxer. Ein echter Fußballer (im positiven Sinne).

    Das waren Zeiten - ausgestorbener Stürmertyp. Braucht man im heutigen Fußball nicht mehr.

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