Die Geschichte der Fußballfans

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21.02.2011

Schlecht. Noch schlechter. Schalke.

Die Bundesliga in den Blogs (23)

Text: Johannes Ehrmann  Bild: Imago

In Europa trotzen sie spanischen Spitzenklubs ein Unentschieden ab, in der Liga blamieren sie sich beim Tabellenletzten – das ist Schalke 2011. Auch alle anderen Wichtigkeiten des 23. Spieltags wurden im Netz kommentiert – die Blogschau.

Schlecht. Noch schlechter. Schalke. - Die Bundesliga in den Blogs (23)


Gladbach – Schalke 2:1 (2:1)

Siebeneckeneinaltbier feiert die »multiple Wende« von Borussia Mönchengladbach beim Einstand von Lucien Favre. »Erster Sieg unter dem neuen Trainer / Erster Heimsieg der Saison / Erstes wirklich umgedrehtes Spiel der Saison…« Hinweis der Red.: Die Liste ist noch deutlich länger. Es gibt ja so einiges, worüber man sich als Gladbacher freuen kann nach diesem Wochenende.

Auf Schalker Seite war das Ergebnis für den Königsblog »nicht überraschend, nicht mehr enttäuschend, schlecht«. Gladbach war vor dem Spiel ein Team, »dessen Heimbilanz mit drei Unentschieden in elf Spielen kaum schlechter hätte sein können. Für das ›noch schlechter‹ ist dann eben Schalke zuständig. Ich halte Lucien Favre für einen guten Trainer. Zaubern kann er nicht. Borussia Mönchengladbach spielte einfach, schnell und zielstrebig nach vorne, war im Mittelfeld solide und hinten unsicher. Solide reichte...« Auch der Schalkefan ist nachhaltig vergrätzt: »Die Erfolge in Champions-League und DFB-Pokal sind schön und gut. Nachhaltig in Erinnerung bleiben von dieser Spielzeit wird jedoch das Abschneiden in der Liga. Genau dieses Alltagsgeschäft wird von der Mannschaft seit Monaten sträflich vernachlässigt.«



Mainz – Bayern 1:3 (0:1)

»Einfach geilen Fußball« hat das Fernglas FCB beim 3:1-Sieg der Bayern in Mainz gesehen. »Natürlich kann man die Auftritte Badstubers, Pranjics und zum Teil auch Tymoshschuks kritisieren - habe ich aber gar keine Lust zu. Dazu war das Spiel einfach zu schön - und letztlich ja auch erfolgreich.« Sich über das Schöne freuen – kann ja auch mal reichen als Analyse.

»Mit erhobenem Haupt verloren« haben dagegen die Mainzer, wie der 05er Fanblog schreibt. »Extrem quirlig und mutig« hätten die Mannen von Thomas Tuchel begonnen. Um dann der individuellen Klasse der Münchner zu unterliegen. »Alleine die Flügelzange R & R reicht schon aus, einen Gegner gehörig unter Druck zu setzen. Wenn dann noch der Individualkünstler Thomas Müller und der Knipser Mario Goméz hinzukommen, dann musst du in extremer Topform sein und auch noch das entsprechende Glück haben, um dagegen zu bestehen.«

Hamburg – Bremen 4:0 (1:0)

Ein klarer Derbysieg nach der peinlichen Derbyniederlage. Die Pleitegeigerin ist »zwiegespalten«. Mann des Tages: Mladen Petric, nicht nur wegen seines »Superduperzuckertor zum Einsnull«. Am Ende: »Traumergebnis. Zumal man damit Wer da? weiter in Richtung Abgrund (zwote Liga) geschubst hat. Gleichzeitig klingt die Niederlage von Mittwoch noch nach. Natürlich. Die wird uns wohl auch noch sehr lange nachhängen.« Ned Fullers Worte zum Spiel: »Zäh. Unsicher. Planlos.« Sein Fazit: »Das viernull täuscht über vieles hinweg. Der Aufbau war träge, teilweise nicht vorhanden. Keine Bewegung im Spiel, niemand hat sich angeboten. Träge. Wie so oft in dieser Saison.«

Trauerarbeit dagegen bei den Grünen. »Die Rechnung ist doch ganz einfach«, erklärt der Werderblog. »Pizarro ist nicht da, also schießt bei uns keiner ein Tor. Denn seien wir doch mal ehrlich: Der HSV war reines Mittelmaß heute. Und mittlerweile verlieren wir also auch gegen eine solche Mannschaft mit 4:0.« Das Resümee ist grausig: »Ich habe heute nichts Gutes gesehen. Mit vielen Abstrichen haben mir noch Fritz und Bargfrede gefallen.« Ähnlich sieht das Tobias von Meine Saison mit dem SVW . »Das Schlimmste ist aus Werdersicht nicht einmal die Höhe der Niederlage gegen den größten Rivalen. Das Schlimmste ist die Leichtigkeit, mit der der HSV Werder am Ende aus dem Stadion schoss, obwohl er 75 Minuten lang unterdurchschnittlich gespielt hat. Zuhause ist Werder eine Mannschaft, die um den Klassenerhalt kämpft. Auswärts hat man sich anscheinend schon aufgegeben. In dieser Kombination wird das nicht reichen, um den Abstieg zu verhindern.«

Nürnberg – Frankfurt 3:0 (0:0)

Den »historischen vierten Sieg in Folge« bejubelt der Glubb-Blog. Das letzte Mal soll es das 1989 gegeben haben, »da spielte ein gewisser FC Homburg in der 1.Liga! Gibt es den Verein überhaupt noch?« Ansonsten ist alles Staunen über zwölf Punkte Vorsprung vor der eigentlich obligatorischen Relegation: »Subber Glubb!« Die Clubfans-United sind von den Leistungen der Nürnberger nicht überrascht, sondern »höchstens von den Ergebnissen«. Denn: »Seit Beginn dieser Liga ... präsentierte sich der Club konstant engagiert, bissig, um Struktur und Ordnung bemüht ... Fußball ist … genau, ein Mannschaftssport. Der FCN präsentierte sich die ganze Saison als solche.«

Aus Eintracht-Sicht verlief das Spiel so wie in Beves Welt unter dem Titel »Horror in Nürnberg feat. Vollidioten« geschildert: »In einer ruhigen Minute denke ich: mal schauen, ob es 0:0 ausgeht, das habe ich nämlich getippt. Batsch. 1:0 für Nürnberg.« - »Es wird dunkler und dunkler und dunkler«, formuliert düster der Blog G - und persönliche wie mannschaftliche Misere verschmelzen. »Meine Mannschaft hat ein Spiel um den Abstieg mit 0:3 in Nürnberg verloren. Ich bin bis auf die Knochen nass. Meine Mannschaft war chancenlos gegen Nürnberg. Ich bin ratlos und müde. Mein Kopf schmerzt.«

Und sonst so?

Im schwarz-gelben Hamburg hakt man den Pflichtsieg gegen St. Pauli schnell ab (»Leistung insgesamt gut«) – und findet dann noch Zeit, sich über Teile der Paulianer Fans aufzuregen. Zum Beispiel über die »Lehrertypen«, die »ein bisschen alternativ, aber im Herzen doch grundspießig« sind. Oder darüber »dass die braunweißen ›Lüdenscheid‹ sagen, weil Asamoah diesen Begriff benutzt.« (Nur dass der Autor ein anderes Wort für Asamoah benutzt.) »Wer ›Lüdenscheid‹ sagt positioniert sich und wenn der FCSP gerne mit Gazprom in einer Ecke stehen will: Bitteschön.«

»Jan Schlaudraff trumpft groß auf«, freut sich das Fanmagazin von Hannover nach dem 3:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern. »Gefährdet schien der Sieg von Hannover 96 zu keiner Zeit. Lediglich in der Anfangsphase schien für die Gäste aus der Pfalz etwas zu holen zu sein. Doch ab Schlaudraffs erstem Treffer in der 17. Spielminute war dann von Kaiserslautern nichts mehr zu sehen.«

Nach dem 1:1 in Hoffenheim ist Samba Köln zufrieden. »Der 1.FC Köln macht bei seiner Punktejagd 2011 auch bei Auswärtsspielen nicht mehr Pause. Zwei Tore in Hoffenheim geschossen und ein Punkt mitgenommen. Letztendlich kann die Mannschaft aber mit diesem Punkt zufrieden sein, denn Hoffenheim traf drei Mal die Latte und fand in Rensing gefühlte 2.000 Mal seinen Meister.«

catenaccio analysiert nach dem 4:2 von Bayer Leverkusen über den VfB Stuttgart, dass das Spiel auch hätte kippen können. »Leverkusen bewies wieder einmal Killerinstinkt im entscheidenden Moment. In den ganz großen Spielen fehlt es zwar noch desöfteren an dieser Eigenschaft, aber gegen die vermeintlich kleineren Gegner schlägt man auch schon mal dann zu, wenn man gar nicht damit rechnet. Im Zweifelsfall mit einer Standardsituation, danach wird noch ein Konter gegen aufrückende Gegner verwandelt und der Drops ist gelutscht.«

Vor dem Spitzenspiel gegen den BVB kann der Kaisergrantler nicht umhin, die Sticheleien aus Dortmund zu kommentieren. »Lieber Kevin Großkreutz«, schreibt er, »Sie sind sicherlich ganz aufgeregt, wenn Sie schon an Samstag denken. Das ist ja auch in Ordnung, schließlich spielen Sie gegen den großen FC Bayern. Das ist für den kleinen Kevin halt was ganz besonderes. Aber vielleicht haben Sie es schon von unserem Herrn Ribéry gehört, wir verschwenden noch gar keinen Gedanken an den BVB. Das tut mir jetzt ein wenig leid für Sie...«

Das 11FREUNDE-Fazit:

Als sich der Anfang vom Ende des ersten richtigen Höhenflugs von Borussia Dortmund ankündigte, spielten die Borussen eine Saison, die sich ansatzweise mit der des FC Schalke in diesem Jahr vergleichen lässt. Mit dem Unterschied, dass die Dortmunder da gerade Champions-League-Sieger geworden waren. Doch ähnlich wie die Blau-Weißen in diesem Jahr spielten die Borussen 1997/98 in der Liga mehr schlecht als recht, standen in der Hinrunde zeitweilig auf einem Abstiegsplatz und wurden am Ende graumäusiger Zehnter. Jenseits von allem. Aber international, da drehten sie noch mal auf, marschierten durch ihre Champions-League-Gruppe, wurden im Dezember Weltpokalsieger und schalteten im Viertelfinale der Königsklasse den FC Bayern nach Verlängerung aus. Doch dann – im Halbfinale – war Schluss. Der BVB scheiterte an Real Madrid. Und im Jahr mussten die Europahelden zu Hause bleiben. Weil sie ihre Hausaufgaben nicht gemacht hatten. Schalke 2011 ist acht Punkte vom internationalen Geschäft weg. Alles spricht vom Rückspiel gegen Valencia. Doch sich über die Champions League für die Champions League zu qualifizieren, das wird wohl nicht so ganz klappen. Müssen sie wohl nächstes Jahr auch zu Hause bleiben, die Gelsenkirchener Lümmel von der letzten Bank.

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Kommentare

  • User
  • 22.02.2011 00:09:01 kune

    Für die Ballspielfreunde in Stuttgart und Umgebung ist es sicherlich kein Trost, dass Thomas "The Hammer" Hitzlsperger in seinem ersten Einsatz für West Ham gleich mal ein Tor schießt und dann noch für ein anderes auflegt. Ich hoffe, dass er diese Leistung bestätigen kann.

  • User
  • 22.02.2011 00:28:04 kune

    s/Ballspielfreunde/Bewegungsspielfreunde/

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