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11.02.2011

Das DDR-Relikt: BFC Dynamo gegen Union Berlin

»Stadtderby mit Schwachköpfen«

Interview: Alex Raack  Bild: Imago

Stadtderby und Hooligan-Treff: Wenn heute in Berlin der BFC Dynamo Union Berlin II empfängt, brennt im Prenzlauer Berg die Luft. Frank Willmann, Autor von »Stadionpartisanen – Fans aus der DDR« über Gewalttouristen und Berliner Rivalität.

Das DDR-Relikt: BFC Dynamo gegen Union Berlin - »Stadtderby mit Schwachköpfen«


Frank Willmann, freust du dich auf das Berliner Derby zwischen BFC Dynamo und Union II?

Frank Willmann: Ja. Auch wenn die Vorfreude durch die äußerst unglücklichen Umstände, unter denen dieses Spiel stattfindet, doch etwas getrübt wird.

Was meinst du?


Frank Willmann: Böse Mächte haben dafür gesorgt, dass die erste Mannschaft von Union zeitgleich gegen Osnabrück anritt. Was zur Folge hat, dass aus dem lang ersehnten Fußball-Fest eine kleine Randnotiz am Berliner Sportwochenende werden wird.



Du sagst: »Fußball-Fest«. Trotz der Brisanz, die man sich bei so einer Paarung erwartet?

Frank Willmann: Tatsächlich sind die ersten Dinge, die mir zu diesem Derby einfallen, nicht wirklich festlich: 2006 stürmten BFC-Fans beim bislang letzten Derby der beiden ersten Mannschaften den Platz und zettelten eine Massenhauerei an; und im vergangenen Jahr wollten Union-Fans anlässlich eines Altherren-Turniers die Dynamo-Halle entern und schlugen dabei eine Ordnerin zusammen.

Was hat das also mit einem »Fest« zu tun?

Frank Willmann: BFC gegen Union – das ist ein echtes Stadtderby. Und Stadtderbys sind immer interessant. Schade nur, dass durch die Ansetzung des anderen Spiels so wenig Zuschauer kommen werden.

Mit wie vielen Stadionbesuchern rechnest du?

Frank Willmann: Circa 1500 BFC-Fans, 300 neutrale Schaulustige, 400 zugereiste Schwachköpfe aus Deutschland, Polen und anderen Nachbarländern und etwa 20 Union-Fans. Vielleicht werden es auch 50. Kommt darauf an, was Unions Stadion-Verbotler machen. Ohne das Osnabrück-Spiel wären es vielleicht 500 Leute aus Köpenick geworden.

Mehr nicht?

Frank Willmann: Glaube ich nicht. Wahrscheinlich hätte es vor dem Spiel Aufrufe gegeben »die da« nicht noch mit dem Stadionbesuch zu finanzieren.

»Die da«?

Frank Willmann: So nennen die Unioner den BFC.

Gibt es solche Spitznamen auch für Union?

Frank Willmann: Waldmenschen. Uriner.

»Wie ein Zootier in der Wildnis« – Der Ost-Fußball nach der Wende >>>

Du sprachst von »400  Schwachköpfen«. Dient dieses Ost-Berliner Derby tatsächlich als Anlaufpunkt für Hooligans aus ganz Europa?

Frank Willmann: Das war schon immer so und wird es wohl auch bleiben. Beim letzten Derby in Hohenschönhausen waren etwa 500 Gewalt-Touristen aus aller Welt in Berlin, nur um sich auf die Schnauze zu hauen oder ihren Nazi-Scheiß abzusondern. Die ersten 20 Kerle, die im Juli 2010 beim Pokalspiel BFC Dynamo gegen Berliner AK über den Zaun sprangen und Schlägereien mit den Ordnern anfingen, waren Polen, Fans von Pogon Stettin, die auch schon in Cottbus negativ aufgefallen waren, weil sie die ganze Zeit irgendwelche Nazi-Lieder grölten.

BFC-Trainer Bonan über die Pokal-Ausschreitungen >>>

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Selige Oberliga-Zeiten: Im Ost-Berliner Derby 1976 ist Unions Ulrich Netz (links) seinem BFC-Kollegen Artur Ullrich auf den Fersen. Vergeblich – der BFC gewinnt dieses Prestigeduell.


Fotostrecke

  • Selige Oberliga-Zeiten: Im Ost-Berliner Derby 1976 ist Unions Ulrich Netz (links) seinem BFC-Kollegen Artur Ullrich auf den Fersen. Vergeblich – der BFC gewinnt dieses Prestigeduell.
  • BFC-Angreifer Frank Rohde hat allen Grund zur wilden Tribünen-Feierei: Von 1979 bis 1988 heißt der DDR-Meister BFC Dynamo. Und weil auf den Ehrenplätze Stasi-Chef Erich Mielke und Konsorten sitzen, wird der Serienmeister zum Hassobjekt für den Rest des Landes.
  • Einer der talentiertesten DDR-Angreifer der späten siebziger Jahre war sicherlich BFC-Mann Lutz Eigendorf (hier beim Schussversuch, im Tor: Union-Keeper Wolfgang Matthies). Am 23. März 1979 nutzte Eigendorf einen Aufenthalt seiner Mannschaft im hessischen Gießen zur Flucht, am 5. März 1983 starb er bei einem Autounfall. Bis heute ist der Fall nicht vollständig aufgeklärt, Hinweise deuten allerdings daraufhin, dass die Stasi Eigendorfs Unfall provozierte, um sich an dem prominenten »Republikflüchtling« zu rächen.
  • »BFC Dynamo«, sagt Frank Willmann, »galt als Klubs der Staatssicherheit und der Polizei, wo nur Funktionäre mit ihren Kindern hingingen. Das stimmt nicht – die Mehrheit der Fans waren ganz normale Arbeiter wie auch bei Union Berlin.«
  • Das vorerst letzte Derby der beiden ersten Mannschaft im Sportfourm Hohenschönhausen, der ehemaligen Spielstätte des BFC Dynamo, endete in Krawallen. Und der traurigen Gewissheit, dass einige Dinge eben nie ändern.
  • Die plakativen Beleidungen beider Seiten dürften dazu beigetragen haben...


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Kommentare

  • User
  • 12.02.2011 22:36:48 Klakki

    Ist der BFC einfach jedem egal? Wär schön!

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