HSV-Stadionchef Kurt Krägel über eine Derbyabsage
»Petrus ist Schuld«
Interview: Christian Lawendel Bild: Imago
Regen, sehr viel Regen verhinderte im Februar 2011 das Derby zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli. Wir sprachen mit HSV-Stadionchef Kurt Krägel über Rasen aus Holland, pöbelnde Töchter und 43 Liter Wasser pro Quadratmeter.
Kurt Krägel, das Derby zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli im Februar 2011 wurde wegen der Unbespielbarkeit des Platzes abgesagt. Man warf Ihnen vor, den Rasen zu spät ausgetauscht zu haben. Warum musste das Grün überhaupt gewechselt werden?
Kurt Krägel: Das Stadion vom Hamburger SV ist so gebaut, das wenig Luft und Licht eindringt. Und solche Zustände sind schlecht für den Rasen. In den vergangen zehn Jahren mussten wir 30 Mal den Rasen wechseln. Wir sind also nicht völlig blauäugig in diesen Dingen. Vor dem Kauf haben wir den Rasen genau begutachtet. Entscheidend waren die Wetterbedingungen in Holland, dort kaufen wir unseren Rasen, und in Hamburg. Beides passte. Wir haben uns dann entschieden, den Rasen am Donnerstag vor dem Spiel zu verlegen.
Gab es dabei Probleme?
Kurt Krägel: Überhaupt nicht. Unter strahlendem Sonnenschein konnte das neue Grün verlegt werden. Dann wurden wir von den Wassermassen überrascht. Am Freitag fielen 18 Liter pro Quadratmeter, am Samstag gar 43 Liter und am Sonntag noch einmal 18 Liter. Das war einfach zu viel, Mit dieser Menge Wasser war nicht zu rechnen.
Sie sagen, der Rollrasen wurde am Donnerstag vor dem Spiel verlegt. Zu spät?
Kurt Krägel: Nein. Selbst in zehn oder 14 Tagen wächst kein Rollrasen an. Es hätte also mehr Zeit gebraucht.
Warum dann nicht zu einem anderen Zeitpunkt?
Kurt Krägel: Für uns erschien der Zeitpunkt optimal. Es ist nicht ungewöhnlich, den Rasen zu dieser Jahreszeit zu verlegen. Das haben Hannover 96, Werder Bremen, der VfL Wolfsburg, der VfB Stuttgart und der 1. FC Köln auch gemacht. In Stuttgart und Köln liegt sogar der selbe Rasen wie bei uns.
Auch der neue Rasen konnte die Absage des Derbys nicht verhindern. Hätte man den alten Rasen nicht noch ein bisschen liegen lassen können?
Kurt Krägel: Der war in einem sehr schlechten Zustand. Nach diesen Wassermassen wäre er auch nicht bespielbar gewesen. Das behaupten nicht nur wir, sondern auch unabhängige Fachleute.
Wen haben Sie konsultiert?
Kurt Krägel: Yves Kessler, ein staatlich geprüfter und vereidigter Sachverständiger aus München. Den Herrn haben wir extra einfliegen lassen. Er bestätigte uns, dass der neue Rasen in einem sehr guten Zustand und korrekt verlegt worden war.
Liebt Rasen, Punk und St. Pauli: Slime-Sänger Dirk Jora im Interview
Der HSV hatte also keine Chance gegen den Regen?
Kurt Krägel: Es ist eindeutig: Petrus trifft die Schuld.
Wie haben Sie auf die schlechten Platzverhältnisse reagiert?
Kurt Krägel: Wir haben die DFL informiert und uns gemeinsam mit den Schiedsrichtern den Platz angeschaut. Er war unbespielbar.
Hätten Sie den nassen Rasen nicht trocknen können?
Kurt Krägel: Das Problem ist, dass man mit keinem Gerät auf den Platz konnte. Auch mit einem Hubschrauber in die Arena zu fliegen, damit er dort alles trocken bläst, wäre undenkbar, da er gar nicht ins Stadion einfliegen könnte.
Ein Hubschrauber?
Kurt Krägel: Das ist nicht unüblich. Aber die Konstruktion unseres Stadions lässt das nicht zu. Es war einfach nichts zu machen. Die Drainage wurde geöffnet, damit das Wasser abfließt. Solche Mengen waren allerdings nicht zu bewältigen.
Wer entscheidet eigentlich über den Spielabbruch?
Kurt Krägel: Das beschließt die Stadionkommission, bestehend aus DFL, Schiedsrichtern und dem HSV. Alle kamen zu dem Ergebnis, dass man auf diesem Grund keinen Fußball spielen kann.
Sie sind in den Tagen nach der Derbyabsage häufig zitiert worden, Sie schienen für das ausgefallene Spiel gerade stehen zu müssen. Gab es auch negative Rückmeldungen seitens der Fans aus Hamburg?
Kurt Krägel: Außer meiner Tochter hat mich niemand bepöbelt.
Ihre Tochter?
Kurt Krägel: Sie musste sich in der Schule dafür rechtfertigen, dass ihr Vater das Derby vergeigt hat. Das fand sie nicht so toll.
---
News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: Hamburger SV








