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04.02.2011

Ex-Freunde hinter Stacheldraht

Als Hertha und Union sich noch lieb hatten

Text: Gunnar Leue  Bild: Gunnar Leue

Hertha BSC und Union koexistieren heute friedlich, aber lange nicht mehr wie die dicksten Freunde. Dabei waren sich beide Klubs im getrennten Berlin mal so grün, dass es eine musikalische Verbrüderung auf einer Platte gab.

Ex-Freunde hinter Stacheldraht - Als Hertha und Union sich noch lieb hatten


Gerade war Fashion Week, bald ist Berlinale und dazwischen gibt’s das Hauptstadtderby Hertha gegen Union. Berlins Regierender, Klaus Wowereit, außeramtlich Hertha-Fan und Mitglied des Vereins, dürfte am Sonnabend im ausverkauften Olympiastadion nicht fehlen.



So viele potenzielle Wähler auf einen Schlag trifft man selten. Beim Hinspiel in der Alten Försterei war er ebenfalls anwesend. Zuvor hatte er sogar ein wenig die Duellpartystimmung angeheizt, als er den Union-Präsidenten zum Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung animierte, weil der Senat Hertha die Stadionmiete gestundet hatte. Zwar ist die Berliner Ost-Ost-Rivalität viel stärker als die Ost-West-Rivalität – Unions Erzfeind heißt immer noch BFC Dynamo –, aber aus der fast freundschaftlichen Bande zwischen Hertha- und Union-Fans zu DDR-Zeiten ist eine mehr oder weniger friedliche Koexistenz geworden.

Auf einer Platte: Die Hertha-Hymne und Mentzels Union-Hommage

Dabei ging die Annäherung von Herthaner und Unionern schon mal so weit, dass es zu einer musikalischen Verbrüderung auf einer Schallplatte kam. Verantwortlich dafür war der Westberliner »Pepe« Mager. Er sorgte für das Novum der Veröffentlichung einer DDR-Vereinshymne im Westen. »Pepes Freunde hinter Stacheldraht« hieß die Platte, auf der Peter Klaus-Dieter Mager (kurz Pepe) 1988 gleichermaßen Hertha BSC und den 1. FC Union huldigte. Auf der A-Seite der Single mit einer selbst verfassten Hertha-Hymne, auf der B-Seite mit Achim Mentzels Tributsong an die »Stimmung in der Alten Försterei«.

Wie eine Boulevardzeitung die Stimmung vor dem Derby aufheizt >>


Pepe betätigte sich schon vor Mauerfallzeiten als gewiefter Fanartikeldealer (was er bis heute ist). So bezahlte er unter anderem auf dem Ostberliner Weihnachtsmarkt einen NVA-Soldaten dafür, massenhaft Vereinswimpel an der Schießbude zu erballern. Die vertickerte er anschließend in Westberlin, wo DDR-Oberliga-Merch unter Fußballfreunden durchaus begehrt war.

Bei der Plattenfirma fragten die bloß: »Was wollen Sie?«

Das war freilich nichts gegen Pepes Idee, die Union-Hymne auf Vinyl zu pressen und die Platte an seinem Fanartikelstand vor den Hertha-Spielen zu verkaufen. Vorher musste der Song jedoch beschafft werden. »Zuerst habe ich in einem großen Plattenladen am Alexanderplatz nach der Telefonnummer von ›Amiga‹ gefragt, aber die guckten mich nur komisch an. Dann rief ich die Auskunft an und als ich zur Firma durchkam, fragten die bloß: Was wollen Sie?«

Pepe antwortete den Leuten vom Staatslabel »Amiga«, dass er Hertha-Fan sei, deshalb ein Hertha-Lied komponiert habe und das nun zusammen mit dem Union-Lied auf einer Single zu veröffentlichen gedenke. Bei »Amiga« wollte man das erstmal schriftlich und dann Westgeld. »Ich habe denen die Rechte für 800 D-Mark abgekauft und das Union-Lied zusammen mit meinem in einem kleinen Studio einspielen lassen.« Die limitierte Auflage von 2000 Stück verkaufte er für 10 D-Mark, was immerhin rund drei Jahre dauerte. Heute verkauft er die nur auf CD, dafür aber auch manchmal sogar in seinem Fanartikelwagen vorm Union-Stadion in Köpenick.    

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Im buchstäblich letzter Minute hält Trainer Karsten Heine 1987/88 mit dem 1.FC Union die Klasse. Fast zwei Jahre sitzt Heine bei den Köpenicker auf dem Chefsessel.


Fotostrecke

  • Im buchstäblich letzter Minute hält Trainer Karsten Heine 1987/88 mit dem 1.FC Union die Klasse. Fast zwei Jahre sitzt Heine bei den Köpenicker auf dem Chefsessel.
  • Hertha BSC erlebt in der Saison 1982/83 ein glanzloses Bundesliga-Comeback. Nach zuvor zwei Jahren Zweitklassigkeit müssen die Herthaner wieder runter. Gegen den dynamischen Lothar Matthäus, sieht Walter Gruler ziemlich alt aus.
  • Zur gleichen Spielzeit quält sich auch der Nachbar hinter der Grenze. Der 1.FC Union verhindert mit Ach und Krach einen Abstieg.
  • Hertha bleibt weiterhin in der 2. Liga und muss sich mächtig strecken um wieder nach oben zukommen. Auch mit dem späteren Nationalkeeper Andreas Köpke wird es nicht besser.
  • Große Spieler wie der Werderaner Rudi Völler laufen im Olympiastadion nur für die Gäste auf und nehmen die Punkte mit nach Hause.
  • Nach dem Aufstieg 1984/85 <br />
stabilisiert der 1. FC Union für vier Jahre in der DDR-Oberliga. Und spielt im Intertoto-Cup sogar 1986 gegen Standard Lüttich und Bayer Uerdingen.


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Kommentare

  • User
  • 04.02.2011 16:33:11 misterkite

    der stolz der alten reichshauptstadt?? wie ich dem fanschal entnehmen kann ... ist das eine anspielung auf... ja auf was?? haben die im "reich" schon fussball gespielt? und welches reich ist damit gemeint? nicht zu fassen...

  • User
  • 04.02.2011 17:01:10 berlina

    berlin war nunmal im kaiser- und im 3. reich haupstadt. somit is es die alte reichshaupstadt. aber union is nicht der stolz berlins, das is ein wenig übertrieben.

  • User
  • 04.02.2011 17:06:27 Cantona 7

    nicht zu fassen...

    hilft dem image der ostvereine nich gerade weiter dieser schal!

  • User
  • 04.02.2011 17:06:35 Hotte80

    Kite! halloooooo? noch nie was von UNION OBERSCHÖNEWEIDE gehört? das ist der vorgängerclub von union und wurde 1923 deutscher vize-meister (0:3 im endspiel gegen, na klar, HSV).

  • User
  • 04.02.2011 17:19:34 Lederfresse

    Zur Klarstellung, das Foto ist uralt und der Schal glaub ich nicht mehr erhältlich. Außerdem verkauft der seinen nachgemachten Merchdreck nicht vor dem Stadion sondern mindestens 1 km davon entfernt, dort steht er eher unbeobachtet mit seinem häßlichen Bus ( kein Fanartikelwagen )den noch keiner aus Mitleid abgefackelt hat, könnte aber mal passieren wenn er das Herthalogo noch lange dranläßt. In meinen Augen ist der Typ ne ganz arme Wurst, der übrigens auch Kontakte zu den " Freunden" aus Hohenschönhausen hat, der Artikel übrigens auch, ungefähr so spannend wie Arminia.

  • User
  • 04.02.2011 18:36:07 berlina

    "hilft dem image der ostvereine nich gerade weiter dieser schal!"

    mir geht dieses klischee "ostvereine=rechts" gehörig auf den sack!!!

    1. sollen die unioner mit den st. paulianern befreundet sein. und pauli steht nun wirklich nicht im verdacht, irgendwie rechtslastig zu sein.
    2. gibt es rechte auch in westdeutschen stadien. ich sag nur "borussenfront". oder jan delay´s 11freunde interview, in dem er meinte, er sei werder-fan, weil beim hsv leute den hitler-gruß machen würden.

  • User
  • 04.02.2011 18:52:07 AbteilungAttacke

    berlin war nunmal im kaiser- und im 3. reich haupstadt.

    Nur gut, dass dazwischen nix war... oder war die Rechshauptstadt der Weimarer Republik Grevenbroich ?

  • User
  • 04.02.2011 19:43:05 misterkite

    ach kom m hotte...echt...ein ostberliner club der 1966 aus der asche eines sonstwas für exclubs aufstieg...ist genausoein argument wie: genealogisch sind wir alle mit karl dem großen verwandt. das ist bullshit son schal, genauso wie irgendwelche "kategorie c " schals ... obwohl..einen schal gibts der ist ... hihi

  • User
  • 05.02.2011 09:25:23 berlina

    es hat doch keiner behauptet, dass dazwischen nix war!!! allerdings gab es zwischen 1918 und 1933 keine "reichshauptstadt" weil es kein reich, sondern ne republik war.

  • User
  • 05.02.2011 10:20:48 alpipego

    Das war immer noch das Deutsche Reich, mit Reichskanzler und Reichspräsident und Reichshauptstadt!

  • User
  • 05.02.2011 21:07:09 AbteilungAttacke

    Jawoll - und zwar auch zwischen 1918 - 1933.

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