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04.02.2011

»Bum Kun Cha war der Knackpunkt«

Steigt Werder ab, Wolfgang Weber?

Interview: Alex Raack  Bild: Imago

Erst ein einziges Mal musste der SV Werder Bremen aus der 1. Bundesliga absteigen. Jetzt, mitten im Abstiegskampf, denken viele wieder zurück an die verhängnisvolle Saison 1979/80. Wolfgang Weber, damals Trainer, erinnert sich.

»Bum Kun Cha war der Knackpunkt« - Steigt Werder ab, Wolfgang Weber?


Wolfgang Weber, wenn Sie einen Spieler nennen müssten, der symbolisch für den Abstieg von Werder Bremen in der Saison 1979/80 steht, wen würden Sie da wählen?

Wolfgang Weber: Dave Watson! Ein englischer Libero, den Manager Rudi Assauer und ich vor der Saison bei einem Länderspiel beobachtet und als gut genug für die Bundesliga eingestuft hatten. Also holten wir ihn von Manchester City zum SV Werder.



Gut genug? Watson war damals doch als Verteidiger in der englischen Nationalmannschaft gesetzt.

Wolfgang Weber: Und das zu Recht. Dave war ein typischer Defensivspieler von der Insel: Groß gewachsen, ein sensationeller Kopfballspieler, zweikampfstark – eine richtige Kante. Allerdings nicht so stark in der Offensive, wie unser scheidender Libero Per Röntved...

...der Werder vor der Saisonbeginn nach sieben Jahren in Richtung Dänemark verließ.

Wolfgang Weber: Per wollte zurück in sein Heimatland, diesem Wunsch wollten wir uns nicht widersetzen. Mit ihm verloren wir einen der besten Liberos der Bundesliga. Kein guter Start in die neue Spielzeit.

Zumal Röntved dann auch noch für Unruhe sorgte, als er Werders Ärzten in seinem Buch »Die Kehrseite« vorwarf, sie hätten ihn heimlich gedopt.

Wolfgang Weber: Wie bitte?

Erinnern Sie sich nicht mehr daran?

Wolfgang Weber: Jetzt wo Sie es mir sagen, kommen ein paar dunkle Erinnerungen hoch. Helfen Sie mir auf die Sprünge.

Röntved behauptete, man habe ihm ein Aufputschmittel namens »Inocid« verabreicht. In seiner Werder-Chronik »Das W auf dem Trikot« schreibt Arnd Zeigler allerdings, dass es dieses Mittel nie gegeben habe.

Wolfgang Weber: Ja, ich erinnere mich. Aber das war so absurd, dass wir es schon bald wieder vergessen hatten. Viel entscheidender war, dass wir mit dem Abgang von Röntved ein echtes Defensivproblem hatten.

Aber Sie hatten doch Dave Watson?

Wolfgang Weber: Das stimmt und gleich im ersten Saisonspiel gegen Bayer Uerdingen, zeigte er uns, was er drauf hatte: Wir gewannen 1:0 und ich glaube, Watson  verlor nicht einen Zweikampf.

Klingt nach einem tollen Saisonstart!

Wolfgang Weber: War es auch. Bis der zweite Spieltag kam. Wir spielten gegen 1860 München, lagen 1:2 hinten, als sich in der 36. Minute Dave Watson und Herman Bitz in die Wolle bekamen. Plötzlich schlug Watson zu, Bitz krachte auf den Rasen. Eine brutale Tätlichkeit! Ich habe das einfach nicht verstehen können, warum unser Libero so eine Dummheit begeht! Natürlich bekam er die Rote Karte. Kurz danach wurde er für acht Wochen gesperrt. Und wir hatten keinen Libero.


weiterlesen [1] [2] [3]



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Von Tschik Cajkovski bei einem Jugendspiel entdeckt, kommt Wolfgang Weber, geboren in Pommern, aufgewachsen in Köln-Porz, noch nicht volljährig zum großen FC. Gemeinsam mit Wolfgang Overath (rechts) ist Weber ein Kind der Bundesliga: Pünktlich zum Start des deutschen Profi-Fußballs beginnt auch seine Karriere. Hier beim offiziellen Fototermin mit Trainer Georg Knöpfle.


Fotostrecke

  • Von Tschik Cajkovski bei einem Jugendspiel entdeckt, kommt Wolfgang Weber, geboren in Pommern, aufgewachsen in Köln-Porz, noch nicht volljährig zum großen FC. Gemeinsam mit Wolfgang Overath (rechts) ist Weber ein Kind der Bundesliga: Pünktlich zum Start des deutschen Profi-Fußballs beginnt auch seine Karriere. Hier beim offiziellen Fototermin mit Trainer Georg Knöpfle.<br />
  • Willkommen in der bunten lauten Welt des Profifußballs! Weil sich nun auch der Boulevard für die privaten Geschichten der Fußballstars interessiert, folgt so manche Homestory (die einige Akteure von damals heute bereuen). Wolfgang Weber hat dazu keinen Grund, hier präsentiert er stolz die heimische Klingelanlage. Oder plant einen Klingelstreich bei Trainer Knöpfle. Wer weiß.<br />
  • Kommt immer gut: Hobbys abseits des Fußballfeldes. Wolfgang Weber versucht sich als Hobbyfotograf. Das Auge an der Linse, der Auslöser in der Faust, sieht prima aus. Bitte lächeln!<br />
  • 1966, bei der Weltmeisterschaft in England, spielt Verteidiger Weber sein erstes großes internationales Turnier. Und weil die Deutschen gute Gäste sein wollen, werden im Trainingslager auch gleich die exotischen Sportarten der Gastgeber von der Insel ausprobiert. Noch etwas steif: Wolfgang Weber beim Cricket. Hinten ist bereits eingeschlafen: Lothar Emmerich.<br />
  • Und täglich grüßt das Filmemonster. Wolfgang Weber mit der Super 8 an der englischen Küste. Er filmt hier a) Sepp Maier, nackt, b) Helmut Schön, betrunken, oder c) die englische Küste.<br />
  • Bei der WM die wichtigste Achse in der deutschen Defensive: Wolfgang Weber und Willie Schulz. Beide spielen ein starkes Turnier, Schulz wird gar mit dem hübschen Beinamen »World-Cup Willie« bedacht. Im Finale spielt Wolfgang Weber eine tragische Rolle: Nach dem Lattenschuss von Hurst köpft er den Ball über die Latte. Uwe Seeler im 11FREUNDE-Interview: »Ich bin mir sicher: Wenn Weber den Ball nicht ins Aus, sondern ins Spielfeld geköpft hätte, wäre das Spiel einfach weitergegangen, der Schiedsrichter hätte nicht auf Tor entschieden.«<br />


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Kommentare

  • User
  • 03.02.2011 13:40:32 Bart

    "die weltweit größte Sportbewegung für Menschen mit geistlicher Behinderung"

    Endlich traut sich mal einer zu schreiben was Religion wirklich ist. ;)

  • User
  • 03.02.2011 14:05:12 Frot

    Bei der Geburt getrennt: Wolfgang Weber von Rudi Dutschke

  • User
  • 03.02.2011 14:34:15 GTEvo

    Bei der Geburt getrennt: Rudi Assauer von Ken Wahl

  • User
  • 03.02.2011 14:53:22 Dschungelking

    Der Abstieg war echt hart damals, das werde ich nie vergessen und jetzt ist es vielleicht wieder so weit. Schlimme Saison! Und kann noch viel schlimmer werden.

  • User
  • 03.02.2011 15:01:20 Alex Raack

    @Bart: Danke, ist korrigiert. Auch wenns so ein schöner Verschreiber war...

  • User
  • 03.02.2011 15:01:37 Wer

    Für seine Arbeit als Botschafter der »Special Olympics«, die weltweit größte Sportbewegung für Menschen mit geistlicher Behinderung
    Jungs, so sehr ich das als Scherz schätze, die mit der geistlichen Behinderung sind andere. Und außer Chorknaben-Bocksprung haben dies mit Sport weniger ...

  • User
  • 03.02.2011 15:49:52 Flachschupfer

    4:6 gegen 1860 München - mein ersten Spiel live und in Farbe im Stadion. Kalt, z.T. Schnee-/Eis-/-matsch auffem Platz, mitverantwortlich für mind. 1 Tor.

    Hier klicken für die Torfolge - ich schätze, die Radiokonferenz war etwas einseitig so ca. ab Minute 85.

    Nicht zu fassen, dass ich einmal gezwungen sein würde, häufiger an diese Saison zu denken.

  • User
  • 03.02.2011 19:06:55 Yvy

    @ Flachschupfer : Danke für die Torfolge ! HA ! damals....

  • User
  • 03.02.2011 19:29:09 M37

    Auch sehr schön die Benotung. Ellbracht: Zwei Tore --> glatte 4

    Damals war die Welt noch in Ordnung...

  • User
  • 03.02.2011 22:24:36 fabigoal

    Bei dem Foto drängt sich der Verdacht auf, dass Bruno Labbadia der uneheliche Sohn von Rudi Assauer ist ;-)

  • User
  • 03.02.2011 23:36:29 Ganna

    Und wie wir auf dem letzten Foto auch noch erkennen, wurde das Bundesverdienstkreuz von Eddie Constantine entgegen genommen!

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