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26.01.2011

Aachens Manager über das Pokalspiel gegen Bayern

Erik Meijer: »Nach vorne spielen und Vollgas geben«

Interview: Roland Wiedemann  Bild: Imago

Am Samstag explodierte Erik Meijer beinahe auf der Tribüne, dabei gewann Aachen 4:2 gegen den KSC. Vor dem Pokalspiel gegen den FC Bayern fragten wir nach seinem Gemütszustand und dem Wunschgegner fürs Halbfinale.

Aachens Manager über das Pokalspiel gegen Bayern - Erik Meijer: »Nach vorne spielen und Vollgas geben«


Erik Meijer, Sie haben nach dem 4:2-Sieg am Samstag gegen den KSC von einem Katastrophenspiel Ihrer Mannschaft gesprochen und gewettert, dass einige Spieler sich wohl für den Pokal-Hit gegen den FC Bayern München geschont hätten.

Erik Meijer: Mein Ärger hat sich schon ein bisschen gelegt. Nach dem 3:1 ist die Mannschaft vom Gas gegangen. Dabei hätten wir auf jeden Fall das vierte oder fünfte Tor machen müssen. Aber stattdessen machen wir eine Mannschaft wie Karlsruhe wieder stark. Darüber habe ich mich geärgert. Ich will auch mal ab der 70. Minute mit meinem Nebenmann auf der Tribüne über etwas anderes als über Fußball reden.



War das ein spontaner Wutausbruch oder haben Sie sich schon auf der Tribüne die Worte an die Mannschaft zurechtgelegt?

Erik Meijer: Wer mich kennt, der weiß, dass sich bei mir in so einer Situation etwas aufbaut. Die Leute neben mir auf der Tribüne dachten schon, dass ich gleich explodiere. Aber als Spieler war ich noch heftiger.

Im Dress von Alemannia Aachen schossen Sie am Februar 2004 den FC Bayern München aus dem Pokal. Wie war das bei Ihrem entscheidenden Treffer in der 81. Minute zum 2:1?

Erik Meijer: Da kommt eine Flanke von rechts, der Ball in der Luft wird länger und länger. Ich springe höher als Demichelis, treffe den Ball mit dem Kopf, und er geht rechts unten ins Tor. Kahn hat keine Chance, 2:1. Danach wussten wir, dass wir gewinnen werden.

Was kann das Alemannia-Team 2011 aus dem Spiel von 2004 lernen?


Erik Meijer: Dass man mit Einsatz und Leidenschaft ein Starensemble schlagen kann. Die Stars sind geblieben, nur die Namen haben sich beim FC Bayern München geändert.

2006, Sie waren damals Co-Trainer in Aachen, ist der Tivoli für die Bayern erneut im DFB-Pokal die Endstation gewesen. Die Alemannia als Angstgegner der Bayern?

Erik Meijer: Die Statistik spricht klar für uns. Ich vermute, dass die Spieler vom FC Bayern auch eine Riesenangst vor unserer großen Mannschaft haben. Die werden im Bus sitzen und zittern. Und dann müssen sich auch noch so lange fahren...

»Erik, Schluss mit Fußball« – Erik Meijer über seine Karriere >>

Wie soll Ihr Team die Neuauflage des Pokalduells angehen?

Erik Meijer: Nach vorne spielen und Vollgas geben.

Ist das gegen einen Gegner wie den FC Bayern München nicht ein bisschen gefährlich?


Erik Meijer: Wir werden so spielen, wie wir das immer tun. Wir haben 30 Tore geschossen, 28 kassiert. Bei unseren Spielen ist immer etwas los. Und so soll das auch heute gegen den FC Bayern München sein. Vielleicht zeigt die Mannschaft eine Leistung die außergewöhnlich ist und in den Köpfen der Leute hängen bleibt.

Sie schlugen die Bayern 2004 noch im alten Tivoli. Das neue Stadion heißt zwar auch Tivoli, ist aber der Tivoli tatsächlich noch der Tivoli?

Erik Meijer: Ein Stadion ist nicht nur Stein und Stahl. Ein Stadion sind vor allem die Leute, die es besuchen. Und die Leidenschaft unserer Fans ist so groß wie früher. Eines hat sich aber geändert. Das wird die Bayern freuen. Im alten Stadion hatten wir nicht immer warmes Wasser. Damals mussten wir zwischen warmem Wasser für die Dusche oder der Rasenheizung wählen. Die Entscheidung fiel zugunsten der Rasenheizung.

Es gibt noch einen Unterschied: Die Altersstruktur des Alemannia-Teams.

Erik Meijer: Das stimmt. Wir hatten damals einige Spieler, die Mitte 30 waren. Heute haben wir eine junge Mannschaft, die in läuferischer Hinsicht sicher mehr Kilometer abrufen kann, aber halt auch über weniger Erfahrung verfügt. Es wird sich zeigen, ob die Kilometerfresser es den Erfahrenen nachmachen können.

Beim FC Bayern München schwelt der Konflikt zwischen Vorstandschaft und Trainer weiter.

Erik Meijer: Louis van Gaal ist ein Typ, der gerne alleine herrscht. Aber beim FC Bayern München gibt es viele Leute, die auch etwas zu sagen haben. In der vergangenen Saison hat van Gaal mit dem FC Bayern München fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Aber jetzt steht man nicht auf einem Champions League-Platz. Und wenn es nicht so läuft, dann treten solche Konflikte zutage. Aus unserer Sicht sollen die beim FC Bayern ruhig weiterquatschen und vergessen, dass sie heute im Pokal gegen Alemannia Aachen spielen müssen.

Wenn Sie das Drehbuch für die Partie heute Abend schreiben könnten, wie sähe die perfekte Dramaturgie aus?


Erik Meijer: Der FC Bayern München ist total überlegen, aber es gelingt ihm nicht ein Tor zu schießen. Unser David Hohs hält alles, was auf seinen Kasten kommt. Und dann macht Benjamin Auer das 1:0  für die Alemannia. Und in der 89. Minute legt Zoltan Stieber den Ball quer zu Sergiu Radu und der schießt das 2:0. Danach gibt es nur noch Jubel, Jubel.

Haben Sie einen Lieblingsgegner für das Halbfinale?

Erik Meijer: Das ist mir scheißegal. Ich hoffe nur, dass wir uns fürs Halbfinale qualifizieren.




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Im DFB-Pokal Viertelfinale 2004/2005 trifft Aachen zu Hause auf den FC Bayern. Die Partie ist hart umkämpft. Aachens Stefan Blank (re.), in der 34. Spielminute der Schütze zum 1:0, gewinnt das Duell mit Owen Hargreaves.


Fotostrecke

  • Im DFB-Pokal Viertelfinale 2004/2005 trifft Aachen zu Hause auf den FC Bayern. Die Partie ist hart umkämpft. Aachens Stefan Blank (re.), in der 34. Spielminute der Schütze zum 1:0, gewinnt das Duell mit Owen Hargreaves.
  • In der 45. Minute gibt es für die Münchner Grund zum Jubel. Ballack trifft und feiert im Anschluss ausgiebig.
  • Vielleicht etwas zu früh, wie sich später herausstellen sollte. Ob Ottmar Hitzfeld bereits zu diesem Zeitpunkt mehr wusste?
  • Erik Meijer köpft in der 81. Minute wuchtig zum 2:1 für Alemannia Aachen ein...
  • ...und dreht seinerseits zum Jubellauf ab. Martin Demichelis und Willy Sagnol sehen völlig entgeistert hinterher.
  • Jens Jeremies findet in Samuel Kuffour einen verständnisvollen Zuhörer für ausschweifende Erklärungsversuche.


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Kommentare

  • User
  • 26.01.2011 18:22:02 Links_Aussen

    Ja, unsere Superstars sind billiger als Gustavo. Vor denen muss man Angst haben. Wie schon Bismarck bemerkt hat: Mit Blut und Brüchen schlägt man den Gegner.
    q.e.d.

  • User
  • 27.01.2011 10:32:54 Cantona 7

    naja, ging ja eher nach hinten los....

    hatte ein bisschen mehr von aachen erwartet!

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