Die Geschichte der Fußballfans

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23.01.2011

Ein Weltmeister wird 50 und blickt zurück

Guido Buchwald: »Diego fluchte auf alles!«

Interview: Felix Laurenz  Bild: Imago

Deutscher Meister, Weltmeister und gefeierter Trainer in Japan – Guido Buchwald hat viele Erfolge eingefahren. Heute wird der Schwabe 50. Wir sprachen mit ihm über japanische Autogrammjäger und Diego Maradonas Flüche.

Ein Weltmeister wird 50 und blickt zurück - Guido Buchwald: »Diego fluchte auf alles!«


Guido Buchwald, haben die Fans der Stuttgarter Kickers Sie 1983 verachtet?

Guido Buchwald: Weil ich zum VfB Stuttgart gegangen bin? Nein. Das war damals was ganz Normales, weil die Kickers in Stuttgart ganz klar die Nummer zwei waren. Ich war schließlich nicht der Erste, der das gemacht hat. Nach mir ist Jürgen Klinsmann den selben Weg gegangen, vor mir Karl Allgöwer.



Sie sind im ersten Jahr mit dem VfB auf Anhieb Meister geworden, fuhren 1984 direkt mit zur EM. Ein kometenhafter Aufstieg.

Guido Buchwald:Das war schon sensationell für mich. Ich habe damals auch als Einziger beim VfB alle 34 Spiele mitgemacht.

1986 gab es dann den ersten Karriereknick. Kurz vor der Weltmeisterschaft wurden Sie von Franz Beckenbauer aus dem Kader gestrichen. Die größte Niederlage Ihrer Karriere?

Guido Buchwald: Es war sicherlich die größte Enttäuschung. Das wäre meine erste WM gewesen. Und ich habe die Entscheidung nicht verstanden. Ich hatte ein recht gutes Vorbereitungsspiel gemacht und das Signal bekommen, dass ich dabei bin.

Guido Buchwald über die WM 1986: »Meine Tasche hatte keine Nummer« >>

Franz Beckenbauer hat mal gesagt, dass die Entscheidung, Sie nicht mitzunehmen, die schwierigste in seiner gesamten Amtszeit war. Hat er später mit Ihnen darüber gesprochen?


Guido Buchwald: Nein. Aber es war klar, dass es nicht an der Leistung lag, sondern daran, dass Franz Beckenbauer auf den Bayern-Block gesetzt hat. Das war damals wie heute die beste Mannschaft in Deutschland. Diese Spieler waren eingespielt,

1990 hat Beckenbauer Sie dann nominiert. Im Finale gegen Argentinien haben Sie Ihr vielleicht bestes Spiel gemacht und Diego Maradona aus dem Spiel genommen. Hatten Sie Angst vor ihm?


Guido Buchwald: Nein. Ich habe mich drauf gefreut, gegen ihn zu spielen. Es ist doch die größte Herausforderung für einen Defensivspieler, gegen den besten Fußballer der Welt antreten zu dürfen!

Sie hatten auch keine Angst, dass er mit der »Hand Gottes« aufwartet?


Guido Buchwald: Was heißt Angst? Ich war einfach noch konzentrierter als sonst. Damit sich für Maradona gar nicht erst die Möglichkeit ergab, zu solchen Tricks zu greifen. Wenn man gegen Maradona zur vorsichtig spielte, hatte man schon verloren.

Nach 55 Sekunden haben Sie ihm das erste Mal den Ball weggegrätscht. War ihm da direkt klar, wer der Boss auf dem Platz ist?


Guido Buchwald: (lacht) Da müssen Sie ihn fragen. Aber die ersten Zweikämpfe zu gewinnen, das ist natürlich das Wichtigste. Und mit der Zeit hat man gemerkt, dass er immer frustrierter wurde. Er ließ die Schultern hängen, schüttelte ständig mit dem Kopf und fing an zu fluchen.

Waren Sie das Ziel seiner Flüche?


Guido Buchwald: Nein. Er fluchte auf alles: Auf das Spielfeld, den Schiedsrichter, seine Mitspieler.

Ein genialer Maradona-Moment, wie der Pass zum 3:2 im Finale der WM 1986, war also nicht möglich?

Guido Buchwald: Damals war er gedanklich schneller als die deutschen Spieler. 1990 hätte uns das auch passieren können, ganz klar. Aber da waren wir eben schneller.


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Kommentare

  • User
  • 23.01.2011 14:44:50 VfBjul

    Das Spiel in leverkusen ging 1:2 aus, nicht 0:1!!

  • User
  • 23.01.2011 15:09:52 framck

    Äh, wann genau ist Beckenbauer Europameister geworden?

  • User
  • 23.01.2011 15:17:06 Papiertiger

    Als Spieler 72, als Trainer nie.

  • User
  • 24.01.2011 02:20:50 Ganna

    Mir hat schon damals das Gerede über Maradona gestunken. Er hat zwar ‘86 den entscheidenden Pass gespielt, aber trotzdem war es der Tünn, der den langen Ball unterlief! Das Vorbild für Oliver Kahn…
    Eine Mannschaft hat immer mehr als einen Spieler. Lass den einen besonderen doch sein Tor machen. Wenn das eigene Niveau entsprechend höher als der Schnitt der anderen ist, ist das egal.
    ‘86 hatten die Argentinier eine bessere Mannschaft als ‘90. Und deshalb haben sie dann endlich das Finale verloren.
    Ein Highlight aus Guido Buchwalds Karriere war aber auch das Holland-Spiel von 1990!

  • User
  • 24.01.2011 13:33:47 Yvy

    ... als er, geschmeidig auf dem linken (!) Flügel (!) auftauchend in elegantester Weise 1, 2 Gegenspieler aussteigen ließ und danach mit dem linken (!) Fuß (!!!) eine butterweiche Traumflanke schlug.

    Ich dachte, ich seh nicht recht :-)

  • User
  • 24.01.2011 13:36:29 Yvy

    obwohl das auch im Endspiel gewesen sein könnte... ist so lang her.

    Am besten war nach dem Schlßpfiff die Liveschaltung nach Buenos Aires, wo so ein Volltrottel gejammert hat "ungerechte Niederlage ! Wir waren viel besser !"
    Und das nach dem Spiel, wo die Argentinier weder Ballbesitz noch eigene Angriffe hatten und 90 min grottenschlechten Mist abgeliefert hatten.

    Der Volltrottel hat mich noch mehr Richtung Uruguay gedrängt, könnte mich heute noch drüber aufregen

  • User
  • 24.01.2011 13:38:04 AntiMöller

    Das jammern die heute noch. Vor kurzem eine Statistik des Finales gesehen: Argentinen hatte 0 Torschüsse.

  • User
  • 24.01.2011 14:34:06 gelsenkirchen

    ich drücke es mal einfach aus: das liegt beim argentinier ganz tief drin in der seele. vor zwei, drei monaten ein brasilianisches video von der letzten wm gesehen. man sieht einen häuserblock in sao paolo beim schlusspfiff BRD-ARG 4:0. überall überschwänglicher jubel. dann zeigen sie bilder von der jubelarie in buenos aires als holland gegen brasilien gewann. anschliessend ein kurzes interview mit einem argentinischen typen, der auf die frage, wer weltmeister wird ganz salopp und überzeugt antwortet: "argentina! muy tranquillo! argentina!" und davon palavert dass sie ja unschlaagbar sind und auch so die geilsten hengste. anschließßend sieht man die vier deutschen tore, immer wieder nach jedem den netten herren eingeblendet mit "muy tranquillo! campeones! tranquillo tranquillo tranquillo!" zum abschluss nochmal den häuserblock in sao paolo. ich fand es durchaus erheiternd, haha.

  • User
  • 24.01.2011 15:22:22 Rafael Thunderfart

    Irgendwo hat vor der WM ein Argentinier behauptet, ohne den Maradona-Skandal wären die Argentinier `94 nicht zu stoppen gewesen, schließlich hätten sie, wie Holland `74, mit vier Sturmspitzen gespielt (als ob das im Fußball der 90er etwas anderes wäre, als ein Rezept für den Selbstmord). Wohl vergessen, daß ihre Supermannschaft minus Maradona von den Rumänen an die Wand gespielt worden war.

    Länder, die über Jahre hinweg 24/7 der Propaganda einer Diktatur ausgesetzt waren, haben dieses pausbäckige, von keines Gedankens Blässe angekränkelte Selbstgefühl. Unfreie Länder erkennt man daran, daß es dort keine schlechten Nachrichten gibt - und, wenn doch, sind die Anderen schuld. Solche Denkgewohnheiten sind schwer abzulegen; zumal in einem Land, das trotz dem Ende der Militärjunta nie mehr so recht auf die Füße gekommen ist. Da ist eben der Fußball der Gradmesser des nationalen Selbstbewußtseins, weil im Fußball Anspruch und Wirklichkeit noch am nächsten beieinander liegen.

  • User
  • 24.01.2011 16:00:20 oberhofer

    Ich möchte den Fred bitte wieder zu seinem Ursprung zurückführen.
    Glückwunsch Guidooo, Du hast für immer einen Platz in meinem Herzen. Nicht wegen Argentinien, Holland oder Maradona. Sondern weil Du immer versucht hast Dein Bestes zu geben. Und natürlich wegen dem 1:2 Siegtreffer in Leverkusen, den ich mit ins Grab nehme.

    TOOOOOOOOOOOOOOR IN LEEEEEEEEVEEERKUUUUUUUUSEN!!!!!!
    GUIDOOOOOOOO BUCHWALD KÖPFT DEN VFB ZUM TITEL!

  • User
  • 24.01.2011 16:05:07 misterkite

    ... als er, geschmeidig auf dem linken (!) Flügel (!) auftauchend in elegantester Weise 1, 2 Gegenspieler aussteigen ließ und danach mit dem linken (!) Fuß (!!!) eine butterweiche Traumflanke schlug.

    Ich dachte, ich seh nicht recht :-)
    und den übersteiger nicht zu vergessen in der gleichen szene!

    UND GENAU UND NUR DESHALB HEISSTER DIEGO!! ich kann diese scheisse von wegen finale und maradonna platt gemacht nicht mehr lesen. holland spiel war dasjenige welches! und finale hin oder her, da hat maradonna gleich von jedem (kohler und co.) auffe socken bekommen, der hat nicht einen stich gemacht nicht einen einzigen. außer beim theatralischen rumgeheule nach abpfiff.

  • User
  • 24.01.2011 22:31:50 Tobi123

    Also wenn ich das sehe geht mir das Herz auf. Einfach ein wunderschöner Fussball-Tag. Werde ich nie vergessen.

  • User
  • 25.01.2011 01:40:44 Ganna

    In der Tat! Sehe ich auch so.

    Täusch ich mich, oder haben die Argentinier unter dem „Doping-Experten“ Maradona etwas von ihrer Linie verloren (um mal beim Wortspiel zu bleiben)?
    Im WM-Finale von 1990 haben sie sich als echte Traditionalisten gezeigt und, wie es sich für ordentliche Gauchos gehört, noch zweimal rot gesehen.
    2010 gab es keine Tretereien gegen die deutschen Spieler. Irgendwie „tranquilo“.

  • User
  • 25.01.2011 08:47:44 gelsenkirchen

    war es nicht billardo selber, der mal behauotete, die deutschen hätten den argenitiniern heimlich schlafmittel in die trinkflaschen getan? irgendwie kann ich mich an einen mikroskandal vor ein paar jahren erinnern.

  • User
  • 25.01.2011 10:09:56 misterkite

    waren es nicht die argentinier die 78 ihren titel gekauft haben??

  • User
  • 25.01.2011 10:11:48 noorange

    Gegen Peru kann man doch mal 6:0 gewinnen...

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