»Standleitung zu den Medien«
Kölns Pressesprecher über Transfergerüchte
Interview: Felix Laurenz Bild: Imago
Wenn der Spielbetrieb in der Winterpause ruht, dreht der Markt für absurde Transfergerüchte auf. Christopher Lymberopoulos, Pressesprecher des 1. FC Köln über den Wahrheitsgehalt von Transfergerüchten und einen Teufelskreis.
Christopher Lymberopoulos, wie viel Prozent der Transfergerüchte, die über den 1. FC Köln im Umlauf sind, basieren auf der Realität?
Schwer zu sagen. Aber ich behaupte mal, dass nur 30 Prozent aller Gerüchte die im Internet kursieren wahr sind. Bei den großen Nachrichtenagenturen oder den Tageszeitungen ist der Wahrheitsgehalt natürlich viel höher. Die können es auch nicht erlauben, einfach nur ein Transfergerücht in die Welt zu setzen.
Wie können Sie auf die 70 Prozent aller Transfergerüchte reagieren, die nicht der Wahrheit entsprechen?
Als Verein muss ich mir die Frage stellen, ob ich ein Transfergerücht überhaupt aufgreife, und wenn ja, über welchen Kanal. Unsere vereinseigene Homepage ist schließlich dazu da Dinge zu verkünden, und nicht um sie zu dementieren. Wir haben uns gut aufgestellt in den sogenannten Neuen Medien, also Facebook und Twitter. Über diese Social Media Netzwerke können wir interaktiv und direkt auf Transfergerüchte eingehen.
Wie oft fragen Journalisten bei Ihnen nach dem Wahrheitsgehalt eines Transfergerüchts?
Im Moment hält es sich in Grenzen. Wir haben klar kommuniziert, dass wir in diesem Transferfenster keine weiteren Spieler holen wollen. Mit so einer Aussage nehmen natürlich auch die Transfergerüchte schlagartig ab. Ganz anders ist das, wenn man offensichtlich auf der Suche nach Spielern ist. Gerade das Erstarken von Online-Medien hat dazu geführt, dass immer mehr Transfergerüchte im Umlauf sind. Wenn ein Medium ein Transfergerücht in die Welt setzt, wird es von anderen Medien oft gar nicht mehr geprüft, sondern direkt vermeldet. Und wenn ein Medium das Andere zitiert, verfestigt sich der Eindruck, dass an dem Transfergerücht etwas dran sein muss. Schon haben Sie einen Teufelskreis.
Fragen also viele Journalisten bei Ihnen überhaupt nicht mehr nach dem Wahrheitsgehalt eines Transfergerüchts?
Die Meisten schon. Aber das ändert nichts an der Überschrift. In der Zeitung steht dann: «Messi zum FC?« Nur um wenige Zeilen später ein eindeutiges Dementi vom Verein zu lesen.
Laut aktuellen Transfergerüchten will der 1. FC Köln Ervin Skela und Artur Wichniarek aus dem Ruhestand holen. Bekommen Sie mit, wie solche Transfergerüchte entstehen?
Zu diesen beiden konkreten Beispielen will ich mich nicht äußern, aber oft geht es bei den erfundenen Transfergerüchten um Spieler, die schon länger etwas suchen. Deren Spielerberater rufen dann gerne mal bei einer Zeitung an, um ihren Schützling ins Gespräch zu bringen.
Trotzdem sagen Sie, dass immerhin 30% aller Transfergerüchte eine Grundlage haben. Sind Sie manchmal überrascht, wenn etwas über laufende Verhandlungen durchsickert?
Die Journalisten sind schon gut informiert. Es ist eben nicht so, dass ständig nur irgendwelche haltlosen Transfergerüchte durch die Gegend schwirren. Das Meiste wird sauber recherchiert. Bei einer Zeitung oder einer großen Nachrichtenagentur kann man sich relativ sicher sein, das vermeldete Transfergerüchte ziemlich wasserdicht sind.
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