Die Geschichte der Fußballfans

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05.01.2011

»Die TSG 1899 Hoffenheim ist sein Baby«

Martin Kind über Dietmar Hopp

Interview: Christian Hönicke  Bild: Imago

Zunächst wurde nach dem Transfer von Gustavo zum FC Bayern nach der Moral gefragt. Dabei soll Dietmar Hopp eventuell gegen DFL-Statuten verstoßen haben. Wir fragten bei Martin Kind von Hannover 96 nach.

»Die TSG 1899 Hoffenheim ist sein Baby« - Martin Kind über Dietmar Hopp


Martin Kind, Hoffenheims Finanzier Dietmar Hopp war offenbar maßgeblich am Verkauf von Luiz Gustavo nach München und der Entlassung von Trainer Ralf Rangnick beteiligt. War das ein Verstoß gegen die sogenannte 50+1-Regel?

Ich kann das nicht abschließend beurteilen, dazu kenne ich die Struktur in Hoffenheim zu wenig. Der Eindruck ist, dass der Finanzier oder Hauptinvestor – aus meiner Sicht legitim – Einfluss auf die Entscheidungsprozesse zu nehmen versucht.



Aber ist das nicht verboten? Nach der Regelung der Deutschen Fußball-Liga, DFL, darf ein Investor nicht die Mehrheit eines Vereins übernehmen, damit er nicht ins operative Geschäft eingreifen kann.

Da bin ich nicht so sicher. Dietmar Hopp hält ja, wenn ich richtig informiert bin, 49 Prozent der Stimmrechte und hat damit auch wesentlichen Einfluss auf Entscheidungen. Die Wahrnehmung ist, dass Dietmar Hopp das alles auch mit den Gremien abgestimmt hat. Ich denke, es war immer deutlich, dass Hoffenheim das Baby von Dietmar Hopp ist. Er hat die Strategie entwickelt und die Finanzierung sichergestellt.

Und deswegen darf Dietmar Hopp bestimmen?

Es ist einfach nicht seriös zu erwarten, dass jemand einem Verein oder einem Unternehmen Geld zur Verfügung stellt und sich dann aus den Entscheidungsprozessen heraushält. Einen solchen Investor werden Sie auch nicht finden.

Ist es dann nicht scheinheilig, dass Dietmar Hopp auch jetzt wieder betont, er würde sich nicht ins Tagesgeschäft einmischen?

Was wir brauchen, sind ehrliche, offene und reproduzierbare Entscheidungsprozesse. Ich bin unabhängig vom Hoffenheimer Beispiel der Auffassung, dass Profifußballvereine Unternehmen sind. Und damit kann nur das Unternehmensrecht gelten. Die 50+1-Regel wird immer dazu führen, dass es zu diskutierende Umgehungstatbestände geben kann.

Wie zum Beispiel Strohmänner?

Da gibt es sicher einige Beispiele. Wenn ein Bundesligaverein kein Geld hat, dann entsteht Kreativität.

Wenn diese Umgehungstatbestände mit Billigung des DFB und der Liga durchgeführt werden, sind dann nicht Glaubwürdigkeit und Wettbewerb bedroht?

Wenn es so wäre, wie Sie es formuliert haben, dass das in Kenntnis des DFB und der DFL so geschehen ist, dann wäre das natürlich eine Wettbewerbsverzerrung, keine Frage. Aber davon gehe ich nicht aus. Ich denke, in Hoffenheim werden sie schon seriös ihre Entscheidungen treffen. Wir müssen das Grundproblem lösen, dann brauchen wir auch nicht über Umgehungstatbestände zu diskutieren.

Die DFL untersucht den Fall jetzt und hat Hoffenheim zur Übersendung von Unterlagen zur Dokumentation des Transfers aufgefordert. Experten versprechen sich davon nicht viel – ist die Regel womöglich gar nicht durchzusetzen?

Ich denke, dass das Lizenzierungsverfahren sicher nicht uneingeschränkt die Kontrollmöglichkeiten sicherstellt, auch da fehlt eine gewisse Transparenz.

Deswegen klagen Sie vor dem Schiedsgericht des DFB und der DFL gegen die Regel?

Ich habe das Verfahren eingeleitet, da ich überzeugt bin, dass die 50+1-Regel zu verändern ist. Die Klage basiert im Wesentlichen auf vier Rechtsfragen. Eine hiervon ist das Wettbewerbsrecht im deutschen Fußball. Es gibt zwei Ausnahmen, in Wolfsburg und Leverkusen. Hier gilt die 50+1-Regel nicht. Jetzt müssen wir sehen, wie das Schiedsgericht entscheidet.

Wann erwarten Sie eine Entscheidung?

Wir haben gerade einen Befangenheitsantrag gegen Götz Eilers (den früheren Chefjustiziar des DFB, d. Red.) gestellt. Herr Eilers hat im Wesentlichen beim DFB die 50+1-Regel mitgestaltet. Ich denke, im ersten Halbjahr kann man dann mit einer endgültigen Entscheidung rechnen.

In der Liga hatten Sie keine Mehrheit für Ihr Ansinnen. Haben Sie in der Zwischenzeit mehr Zuspruch bekommen?

Ich weiß nicht, ob das Zuspruch ist, aber wir haben von anderen Bundesligavereinen und Wirtschaftsprüfern Anrufe bekommen, wann wir ein Urteil erwarten.

Die Klubs suchen schon nach neuen Dietmar Hopps?

Ich denke, dass sich auch andere Vereine mit der Kapitalbeschaffung und den Rahmenbedingungen beschäftigen. Einige denken wohl über Investoren nach, das kann man so interpretieren.

Andere werden vorschlagen, die 50+1-Regel künftig noch enger zu fassen.

Reglementierungen lösen keine Probleme. Die Marktentwicklungen und -notwendigkeiten können Sie damit nicht in den Griff bekommen.

Die Fans fürchten Investoren, die gar keine Ahnung vom Fußball haben und trotzdem entscheiden wollen.

Diese Frage unterstellt, dass die bisherigen Strukturen in den Vereinen qualifizierter sind. Das bestreite ich. Es sind immer Menschen, die gut oder weniger gut entscheiden. Aber jeder vernünftige Verantwortliche wird sich dort, wo er keine Kompetenz hat, einfach heraushalten. Er darf nur dort entscheiden, wo er auch Kompetenz hat.

Ist das in Hoffenheim der Fall?

Also, Dietmar Hopp verfügt nach meinen Kenntnissen über ganz gute Erfahrungen im Fußballmarkt. Er hat ja auch früher Fußball gespielt, und daraus sollte sich doch Kompetenz ableiten.


Tagesspiegel@11Freunde




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News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: Hannover 96, 1899 Hoffenheim






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Kommentare

  • User
  • 05.01.2011 18:34:15 mentalita kölsch

    Wir fragten bei 50+1-Befürworter Martin Kind von Hannover 96 nach.

    Ja genau. 50+1 Befürworter, oder so ähnlich. Aber irgendwas mit dem Thema wird der Mann schon zu tun haben.

  • User
  • 05.01.2011 19:08:52 prazzomoto

    Na, da darf man tatsächlich sogar bei den 11 Freunden was über den Hoffenheim-Skandal lesen, nachdem quasi alle anderen Zeitungen mitunter schon sehr kritisch an das Thema herangegangen sind – und dann sowas.

  • User
  • 05.01.2011 19:13:05 GTEvo

    watt ne Schmierenkomödie!
    Jetzt lenkt "Der Talentierte Mr. Hopp" von seiner Straftat ab..(eingreifen und die alleinige Handlungsvollmacht als Mäzen in das operative Geschäft, somit eine Unterwanderung der 50+1 Regel) indem diese lächerliche Arbeitsverweigerungs-Posse mit dem "Neger" Demba Ba inszeniert wird, die ausschliesslich.....

    a) als Profilschärfungs Testimonial vom bis dato medial gänzlich total unbekannten und unbedeutenden PseudoManager Tanner dienen soll...
    b) ein weiterer "100%Rendite Plus"-Verkauf ansteht um vom Hoppenheimer "Seriösen Raubtierkapitalismus Transfer-Gebaren" Modell abzulenken...

    Hoffenheim ist eine Bruderschaft..zu 100% eine Sekte in "kurzenHosen", dessen Einziges Ziel es ist Gewinne und Rendite Faktoren jenseits von 100% sind.
    Hoffenheim ist ein reines Kapitalunternehmen, eine Fußball-Firma, sicherlich kein Fußball_Klub im Sinne eines Vereins mit Fußballerischer Identität.
    TSG Hoppenheim ist fern jeglicher sportlicher Intention, fern allen sportlichen Idealen und sportlichen Gesetzen.
    Geführt von einem selbstverliebten Milliardär und Hardliner, ausgestattet mit bundesdeutscher Briefkastenfirmen Immunität, versteckt im Mantel eines Dorfklubs, den man durch Steuerabschreibungsmodelle und Geldwäschepraktiken in den Profifußball geschleudert hat.

    Dass was in Hoppenheim passiert ist schlichtweg Wettbewerbsverzerrung, VOLKS und FANverarsche, ScientologyMentalität, Menschenhäscherei und hat mit Sport, Fairplay und Turnvater-Jahn Mentalität soviel zu tun, wie Schalke04 mit Liquidität !

    "Wo Geld ist, ist auch Korruption"
    TheofanisZwanziger

  • User
  • 05.01.2011 20:35:47 DerAchim

    er hat neger gesagt!

    intressantes scientology-gleichnis, sollte man mal auf catering verträge mit warsteiner geprüft werden.

  • User
  • 06.01.2011 08:42:41 SchindlerGregor

    Na, was für ne Überraschung, dass dieser weitere Totengräber des Fussballs alles in Hoffenheim toll findet und es seiner Meinung nach alles mit rechten Dingen zugeht. Herr Kind würde doch so gerne mit FC Hörgeräte Kind Hannover 96 gegen TSG SAP Uralt Hoffenheim antreten und dann noch gegen VW Touareg Wolfsburg, Chipsletten Lautern und Berliner Kindl BSC ehemals Hertha Berlin. Was ihn dann richtig anpissen würde wäre das Spiel gegen den FC St. Pauli...

  • User
  • 06.01.2011 09:44:27 einrudithömmes

    SAP im Zusammenhang mit Hoffenheim, haha, darauf muss man erst einmal kommen!

    Oder Auch "Straftat 1899 Hoffenheim".

    So lustig! Nicht.

    Vereine wie Dortmund, Schalke, Offenbach und viele, viele andere dürfte es nach diesen Maßstäben doch schon lange nicht mehr geben. Doppelmoral ist keine doppelte Moral, Spochtskameradem.

  • User
  • 06.01.2011 10:18:44 Accarat

    Ich finde den Artikel/ das Interview nicht schlecht. Herr Kind spricht doch nur das aus, was Sache ist. Leider haben GTEvo und Schindlergregor auch recht- der Blöde ist der Fan, der noch
    an here Werte in einem Umfeld glaubt, in dem Millionen fließen.
    Hopp spielt eben " Bundesligamanager" mit realem Geld- für einen 70jährigen Milliardär bestimmt spannender als Ölschinken oder Oldtimer zu sammeln. Ich kann ihn da ganz gut verstehen- und man kann das "Projekt Hoffenheim" auch als solches verstehen.
    Und viele Geschädigte giebt es ja auch nicht:
    Die Zuschauer bekommen in der Regel guten Offensivfußball geboten und talentierte Spieler haben die Möglichkeit, sich im milden " Presseklima" gut zu entwickeln. Und Vereine wie " St.Pauli"
    können sich als Gegenmodel profilieren .
    Ich bin begeisteter Kindertrainer- nicht immer der schönste Fußball,
    aber leidenschaftlich und ehrlich ist er allemal.

  • User
  • 06.01.2011 10:33:48 Karpfenluder

    Heute 10:18:44 von Accarat
    Ich bin begeisteter Kindertrainer- nicht immer der schönste Fußball, aber leidenschaftlich und ehrlich ist er allemal.


    Welches Alter hamse denn, Deine Lütten?

  • User
  • 06.01.2011 10:48:33 Accarat

    Ich trainiere 10 und 11 Jährige ....und muß mich mit dem auseinanderstzen, was Bundesligisten Fußballverbände unter Sport/ Talentförderung verstehen. Heile Welt ist schon dort nicht mehr.

  • User
  • 06.01.2011 10:55:24 Karpfenluder

    @Accarat: Ich habe die Kurzen, die noch zwei Altersklassen jünger sind. Von daher hab ich noch ein wenig Zeit, wenn es um irgendwelche Sichtungslehrgänge geht.

  • User
  • 07.01.2011 11:52:25 SVNiederemmel

    Sry Leute, aber willkommen in der Realität...
    Läufts irgendwo wos um Geld geht anders? Glaubt ihr das wirklich? Glaubt ihr wirklich das Milliardengeschäft Fussball wird sich dem dauerhaft entziehen können? Wunschdenken und Träumereinen.
    und als Gruß an Schindlergregor:
    Mach dich nicht lächerlich - St. Pauli ist doch schon lange von seinem Image aufgefressen; und ab da - kein Unterschied zu Mainz oder Freiburg - gute Arbeit im Rahmen ihrer Möglichkeiten
    Leider kommt man heute als St. Pauli Fan schnell in Verruf - für mich mittlerweile (was die Merchandisezahlen belegen) keine Kult Club, viel eher ein Pop-Club...

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