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20.12.2010

Dieter Eilts über Bremens Krise

»Es wird ungemütlich«

Interview: Alex Raack  Bild: Imago

In 390 Spielen für Werder Bremen hat Dieter Eilts eines gelernt: Krisen kommen und gehen – auch in Bremen. Im Interview mit 11FREUNDE spricht er über die Zukunft von Thomas Schaaf und ungemütliche Weihnachtsferien.

Dieter Eilts über Bremens Krise - »Es wird ungemütlich«


Dieter Eilts, Werder Bremen hat sein letztes Hinrundenspiel gegen Kaiserslautern 1:2 verloren und überwintert auf Platz 14. Ist Thomas Schaaf noch der richtige Trainer für Werder?

Absolut. Ich bin mir auch sicher, dass die gesamte Vereinsführung zu 100% hinter Thomas steht.



Als Schaaf nach der 0:4-Niederlage gegen Schalke 04 am 13. Spieltag vor seiner Mannschaft den Satz gesagt haben soll: »Dann steht hier ein anderer vor euch«, und das als mögliches Rücktrittsangebot ausgelegt wurde, haben Sie gesagt: »Ich glaube, dass Schaaf sich die Frage stellt, ob Werder noch der richtige Verein für ihn ist.«

Korrekt. Aber wenn Sie genau hinhören, werden Sie bemerken, dass ich damit nicht die Fähigkeiten von Thomas Schaaf als Werder-Trainer bezweifelt habe.

Sondern?

Das, was ich gesagt habe! Ich frage mich, ob Thomas nicht bald ernsthaft darüber nachdenkt, mal einen anderen Klub zu trainieren. Und zwar einen Verein, der in der Lage ist, solche Ausnahmespieler wie Diego oder Mesut Özil zu halten und nicht – wie Werder Bremen – aus Kostengründen Jahr für Jahr die besten Spieler ziehen lassen muss.

Es gibt Kritiker die sagen, dass Thomas Schaaf nur in Bremen Erfolg haben kann.

Das ist falsch. Thomas beweist seit zehn Jahren, welch ein exzellenter Trainer er ist. Seine Qualitäten würden jedem Klub der Welt zum Tragen kommen.

Heiß diskutiert wurde in der abgelaufenen Hinrunde Neuzugang Marko Arnautovic und sein zum Teil unkollegiales Verhalten. Kann so ein Spieler einer ganzen Mannschaft schaden?

Ich kann nicht beurteilen, wie sich Arnautovic verhalten hat und welchen Einfluss das auf die Mannschaft hatte. Aber natürlich: Ist die Krise erst einmal da, bleiben die Erfolge aus, dann wirkt sich jeder negative Einfluss auf die Stimmung in der Mannschaft aus. Fußballmannschaften sind sensibel, wenn Punkte und Tore ausbleiben.

Sie waren lange Zeit Führungsspieler bei Werder Bremen – wie haben Sie damals versucht »Problemkindern« wieder in die richtige Spur zu bringen?

Das kann ein Spieler nicht alleine machen. Das ist die gemeinsame Aufgabe aller Führungsspieler.

Haben Sie niemals einen nörgelnden Mitspieler im Training über die Bande getreten?

Ich glaube schon, dass wir unsere Trainingsspiele früher härter waren. Und da wurde sich durchaus auch mal auf die Stöcker gehauen.

Dieter Eilts, Werder Bremen ist nur 4 Punkte von Relegationsplatz 16 entfernt, aber 14 Punkte von einem Champions League Platz. Wird es besinnliche Weihnachten beim SVW geben?

Sagen wir es mal so – die Stimmung bei Werder ist wie das Wetter in Bremen: Es wird sehr ungemütlich.




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Kommentare

  • User
  • 20.12.2010 13:06:29 LowerRhenania

    Da ist sie wieder, die Werder-Legende: man ist angeblich nicht in der Lage, Leistungsträger aus finanziellen Gründen langfristig zu halten. Warum, weiß keiner, es wird aber einfach immer so hingenommen. Ein Verein, der regelmäßig international spielt, ab und zu mal nen Titel gewinnt und nicht eben für unseriöses Wirtschaften bekannt ist, sollte doch auch einen Diego/Özil und wie sie alle hießen hätte halten können.
    Was passiert mit der ganzen Kohle?

  • User
  • 20.12.2010 13:32:39 LowerRhenania

    Ich entschuldige mich hiermit für das Lothar-Matthäus-Deutsch

  • User
  • 20.12.2010 14:07:30 pandrodor

    Einen genauen Überblick werden nur die Finanzverantwortlichen bei Werder haben.
    Was man aber von außen feststellen kann ist, dass sie infrastrukturell hinter so einigen anderen Vereinen in der Bundesliga liegen. Auch bei den Sponsoren spiegelt sich Werders Position in den vergangen Jahren nicht unbedingt wider.

    Dazu kommt dann noch das Stadion, ich weiß nicht wie sie es finanzieren, aber da wird wohl auch genug Geld reingesteckt werden.

    Ob es imme sinnvoll ist solche Spieler abzugeben kann man auch nicht beanworten, das ist viel zu spekulativ. Selbst wenn man für die 16 Millionen oder so für Özil keinen gleichwertigen Spieler kaufen konnte, heißt es ja nicht, dass Özil bei Verbleib jetzt die Saison seines Lebens gespielt hätte.
    Zumal Werder weder sportlich noch prestigemäßig noch finanziell mithalten kann wenn Real Madrid oder Juventus Turin anklopft.


    Was ich im Interview nicht so toll fand, ist dass boulevard Themen jetzt als Fakten verkauft werden. Ob Arnautovic sich viel zitierte Eskapaden geleistet mag gut möglich sein, genauso dass Schaaf mit Rücktritt gedroht hat, aber die Glaubwürdigkeit dieser Quellen ist absolut nicht vorhanden.

  • User
  • 20.12.2010 14:44:44 Wirsching

    is doch eh immer das gleiche, stünde Werder auf Platz eins, glaubst du ernsthaft, irgedndeine verschissenes Boulevardblatt würde auch nur eine Silbe darüber schreiben, was Arnautovic privat alles so macht ?

  • User
  • 20.12.2010 15:08:00 AbteilungAttacke

    Folgender Beitrag hat natürlich den Ruch des "Ich hab es immer gewusst", aber schon seit Jahr-en warte ich auf einen eindeutigen Einbruch bei Werder, gleichwohl ich dem Verein sehr gewogen bin.

    Es ist nicht nur die Transfers, wo sie m.E. oft genug Lotterie gespielt und gewonnen haben, es ist auch an sich das ganze Spielsystem.
    Nun nicht falsch verstehen, Werder spielt einen tollen Offensivfussball und hat summa sumarum für die Attraktivität der Bundesliga mehr beigetragen, als so manch anderer Verein (man denke nur an internationales Auftreten in den letzten paar Jahren oder dieses irre Spiel gegen Hoffenheim).
    Aber irgendwie hatte man doch immer den Eindruck, als ob Bremens "Taktik" darauf basiert, 2 Tore mehr als der Gegner zu schiessen. Das ging gut, solange man mit Frings, Wiese und Mertesacker immer (mindestens) drei konstant gute Leute im defensiven Bereich und Glück beim Bäumchen-Wechsel-Dich im offensiven Bereich hatte.
    Dennoch hatte es immer den Geschmack eines Vabanque-Spiels, dass in gewissen Grundzügen an die "Handschrift" von Magath Anfang dieser Saison auf Schalke erinnert.

    Nun kommt diese Saison alles fatal zusammen: Ein Trainer, der vielleicht zu lange dabei ist, neue Spieler, die sich für CL-Gewinner halten, alte Spieler, die nicht mehr durch Leistung überzeugen können (weder nach außen noch in die Mannschaft hinein), oder einfach Spieler, die bundesligauntauglich sind (Pasanen wtf), Angriffsfussball, der nicht zündet, Heimspiele, die dämlich verloren gehen (man nehme nur das gegen Lautern) und eine Vereinsführung, die ausser einem "Et is noch immer jot jejange" nichts zu bieten haben scheint.
    Kein Geheimnis, die Winterpause wird entscheidend sein - nur allein mit Neukäufen ist es kaum getan. Und aus einer Abwärtsspirale rauszukommen, ist leichter, wenn sie zu Beginn an wirkt (siehe Schalke), als wenn sie sich erst Mitte der Saison entgültig realisiert (siehe x-fach Bochum).
    Alle reden über Köln, Gladbach, Stuttgart.
    Aber für mich ist Bremen momentan auch ein heisser Abstiegskandidat.

  • User
  • 20.12.2010 15:25:04 AntiMöller

    Das ging gut, solange man mit Frings, Wiese und Mertesacker immer (mindestens) drei konstant gute Leute im defensiven Bereich und Glück beim Bäumchen-Wechsel-Dich im offensiven Bereich hatte.

    + Naldo!

  • User
  • 20.12.2010 18:03:43 Diego K

    Meiner Meinung nach heist das Problem bei Werder ganz klar Thorsten Frings. Der Mann ist einfach über seinen Zenit hinaus. Er besitzt einfach nicht mehr die für seine Position benötigte Dynamik und Spritzigkeit. Mann muss sich nur mal anschauen, an wie vielen Gegentoren Frings entscheiden beteiligt war, meisten kommt er einfach zu spät, kann entstehende Lücken nicht zu laufen oder muss dumm faulen (sieh alleine das Lauternspiel am WE, mir fallen dutzende weitere ein). Ich verstehe nicht warum Schaaf, der als absoluter Fussballfachmann das auch sehen muss,das nicht schon lange realisiert und Frings ausgestauscht hat. Gerade die DM Position ist zu wichtig als das man da einem Herr Frings Gnadenbrot gibt. Ich könnte mir auch vorstellen, das diese Niebelungentreue zu seinen Spielführer auch nicht besonders förderich für die Stimmung im Team ist. Gerade so nen motzender Frings der seine Leistung nicht bringt würde mir persönlich mega auf den Sack gehen. Naja mal abwarten was da noch passiert.

  • User
  • 21.12.2010 13:10:09 Fix

    Hat Bremen nen DM-Spieler der nach 4/5 Spielen Frings Position besser ausführt?

  • User
  • 21.12.2010 14:45:58 Ganna

    Solange man in Bremen den Spielern vermitteln kann, dass man dort auch Titel gewinnen kann, lassen sich immer wieder gute Spieler an Land ziehen. Das Problem ist dann, wenn diese Spieler keine Titel bringen, weil sie Werder nur als Schaufenster missbrauchen.

    Dieter Eilts bleibt in ewiger Erinnerung für seine Leistung bei der Euro ‘96! Das haben ihm damals einige Leute nicht zugetraut und war deshalb eine schöne Überraschung.

  • User
  • 22.12.2010 09:52:14 AbteilungAttacke

    @ Diego

    Also, vorweg, der Lutscher mag sicher seinen Anteil haben - DAS zentrale Problem ist er aber nicht. Da rennen und kämpfen noch andere mit. Und wenn man nur den hälften der Gerüchte glauben schenken darf, haben Leute sich es mit Frings verscherzt, lange bevor dieser die anmotzen und so die Stimmung (bei mangelnder eigenleistung) zerstören konnte. Ich sage nur "Isch bin Championsleaguesiegerey"-Arnautovic.

    @ Ganna
    Dieses Schaufensterprinzip istzwar nicht ganz falsch - aber das "gute Spieler an Land ziehen" ding sehe ich da doch differenzierter. Waren Micoud, Diego, Özil Spitzenspieler, ehe sie zu Bremen kamen ? Micoud stand sowas von im Schatten von Zidane und eigentlich half ihm nichtmal sein Erfolg bei Bremen dagegen an. Özil flüchtete quasi aus Schalke, galt dort als raffgierig (sein Vater) und gescheitert, heute heulen sie ihm hinterher (mein Vater zumindest: "Man müsste den Assauer VERKLAGEN...")
    Bei Diego bin ich mir da unsicher...

    Das größte Problem bei Bremen ist, dass sie nicht wie die Bayern mal eben ihre Problemstellen wegkaufen können - nicht mal, wenn sie die Kohle hätten.
    Es muss also mit den Mitteln gelöst werden, die zur Verfügung stehen - im Endeffekt, muss es über die Mannschaft selbst gehen. Schafft sie es, zur Geschlossenheit zu finden, kommt werder mit einem blauen Auge davon. Wenn nicht....

  • User
  • 22.12.2010 11:13:55 noorange

    Werder geht es gut.

    Sie können immerhin auf Hugo Almeida in der Rückrunde verzichten.

  • User
  • 22.12.2010 13:27:25 einrudithömmes

    Wo man die Hinrunde schon auffe Abwehr verzichtet hat, warum dann nicht auch auf Vorne?

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