Die Geschichte der Fußballfans

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14.12.2010

Dynamo-Fan Jens Genschmar über den Namensverkauf

»Das Herz findet es furchtbar«

Interview: Alex Raack  Bild: Imago

Dynamo Dresden hat ein Stück Tradition verkauft: Das frisch erbaute »Rudolf-Harbig-Stadion« heißt ab sofort nach einem Anbieter für Gas. Jens Genschmar vom Dynamo-Museum über Herzensangelegenheiten und 601 Flaschenöffner.

Dynamo-Fan Jens Genschmar über den Namensverkauf - »Das Herz findet es furchtbar«


Jens Genschmar, wie heißt das Stadion, in dem am Wochenende Dynamo Dresden Eintracht Braunschweig empfängt?

Dynamo-Stadion.

Aber Sie wissen schon, dass Dynamo die Namensrechte am vergangenen Freitag an die goldgas SL GmbH verkauft hat? Auf der Vereinshomepage steht »Dynamo spielt ab sofort im ´glücksgas stadion´«.

Mag sein, aber für uns wird es eben immer das »Dynamo-Stadion« bleiben. Hier haben wir die goldenen Zeiten in den Siebzigern erlebt, hier ist der Verein erst groß geworden.



Offiziell hieß das Stadion ab 1990 allerdings »Rudolf-Harbig-Stadion«. Haben Sie etwas gegen diesen Namen?

Ganz und gar nicht. Wer gerne ins »Rudolf-Harbig-Stadion« gehen möchte, der hat meinen Segen. Aber die alte Fangeneration wird vermutlich immer vom »Dynamo-Stadion« sprechen.

Stimmt es, dass der Verein den Fans versprochen hat, den Namen des Stadions nie verkaufen zu wollen?

Nein, das hat niemand versprochen. Vielleicht haben wir es gehofft, aber der Klub hat sein Wort nicht gebrochen. Als das neue Stadion 2009 eröffnet wurde, hat die Tochter von Rudolf Harbig eine Rede gehalten. Sie würde sich wünschen, wenn der Name dieser Stätte nie verkauft werden würde, aber man könne ja den Lauf der Dinge nicht ändern. Jetzt ist es also passiert.

Sie scheinen den Namenswechsel recht locker zu nehmen.

Für mich macht es ehrlich gesagt keinen Unterschied, ob sich Playmobil, goldgas oder Coca Cola den Namen erkauft, für die Fans wird sich nichts ändern. Die Heimspiele von Dynamo finden im Dynamo-Stadion statt. Genauso, wie die Fans vom HSV weiter in den Volkspark gehen werden.

Sie saßen lange Zeit im Aufsichtsrat von Dynamo – können Sie die wirtschaftlichen Gründe für den Verkauf nachvollziehen?

Sicher. Dynamo Dresden hat große Pläne im Profifußball und die lassen sich nur mit Geld finanzieren. Wir Fans träumen seit Jahren von den großen Zielen, und wollen unseren Verein möglichst bald in der zweiten oder ersten Liga spielen sehen. Dafür braucht der Klub Geld, die goldgas GmbH zahlt Geld – so läuft das eben. Mein Herz findet das ganz furchtbar, aber mein Kopf sagt, dass der Verein eine richtige Entscheidung getroffen hat.

Vor mehr als einem Jahr wurde das neue Stadion in Dresden eingeweiht. Sind Sie eigentlich zufrieden mit dem neuen Wohnzimmer?

Absolut. Das Stadion ist unsere Basis, unser Heimathafen für den zukünftigen Erfolg. Wer in der Gegenwart im Profifußball erfolgreich sein will, braucht ein modernes Stadion. Das haben wir jetzt. Fehlt nur noch der Erfolg.

Sie leiten das Dynamo-Dresden-Museum – welche Teile des alten Stadions konnten Sie vor dem Abriss retten?

Den Schriftzug »Rudolf-Harbig-Stadion« habe ich rechtzeitig abmontieren dürfen. Fachkundig ausgebessert, hängen die Buchstaben nun in unserem Fanshop. Und aus einem zwei Quadratmeter großen Metallstück der legendären Giraffen-Flutlichtmasten haben wir 601 Flaschenöffner herstellen lassen, die dann für den guten Zweck versteigert wurden. Außerdem steht neben dem neuen Stadion noch die alte Anzeigentafel, nach dem Abriss hielt sich niemand für die Entsorgung zuständig, jetzt haben wir noch ein Stück Vergangenheit gleich neben der Moderne. Das ist doch auch schön.




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Kommentare

  • User
  • 14.12.2010 21:29:54 seriousnilo

    Der Staionname wurde nicht von Dynamo verkauft, sondern von der Stadt Dresden als Eigentümer des Stadions. Der Vermarkter Sportfive hat die Kontakte geknüpft und kassiert ca. 20% der Summe. Eigentlich hatte S5 den Auftrag ein regionales Unternehmen zu finden.
    Dynamo ist "nur" Hauptmieter des Stadions, hat aber keinerlei Mitspracherechte. Der Stadionvertrag mit der Stadt wurde unter Druck in einer lizenbedrohenden Situation unterschrieben und verpflichtet Dynamo mit einer Jahresmiete von mehr als 2 Millionen € (Ligaschnitt ca 160.000 €) in den nächsten 20 Jahren, das Stadion quasi allein zu bezahlen. Fanproteste haben in den letzten beiden Jahren dafür gesorgt, dass die Stadt mit jeweils "einmaligen" Zuschüssen diese Summe verringert hat, damit Dynamo die Lizenz bekommt.
    Sollte der Knebelvertrag so bleiben (es laufen gerade wieder Verhandlungen mit der Stadt) bedeutet das neue Stadion über kurz oder lang das Ende für Dynamo Dresden (einige Stadtpolitiker wären nicht böse).
    Namen werden (wie Spieler) kommen und gehen. Der Fan geht ins Dynamo-Stadion oder ins RHS.

  • User
  • 14.12.2010 22:33:23 clam

    richtig, seriousnilo, der neue name hat mit dynamo nichts zu tun - und die verträge sind derzeit dynamos größtes problem... dieser verträge wegen haben schon einige hingeschmissen, da so einfach nicht solide gewirtschaftet werden kann. und auch calmund hat als primäres ziel die änderung dieser verträge genannt. schade nur das vor erreichen dieses ziels nun sportfive/die stadt den namen verkauft hat. jetzt kann man nur hoffen das sich der neue name ähnlich schlecht durchsetzt wie diverse hamburger namensfindungen.

  • User
  • 14.12.2010 22:33:38 FalscherHase

    So ist es. Und die Leute von Sportfive bezeichne ich an dieser Stelle mal als Arschlöcher.

    Danke für die Aufmerksamkeit.

  • User
  • 14.12.2010 23:30:18 Veltinsbauch Eufi

    Falscher Hase, ich stimm dir zu, dass die Leute von Sportfive Arschlöcher zu sein scheinen.

    Aber sind die Dynamo - Verantwortlichen nicht viel größere Arschlöcher ? Muss man sich ja nicht drauf einlassen, auf solche Knebelverträge.

    Wäre doch auch ohne Sportfive irgendwie weitergegangen, wenn auch vielleicht nicht in der gleichen Liga, oder ?

  • User
  • 15.12.2010 00:32:38 berlina

    und wieder nen stück fussball-kultur, das den bach runter geht. das stadion is halt zu hure geworden. jeder, der genügend zahlt, darf mal drauf. so wie in hamburg, wo firmen den namen gekauft haben die es heute gar nicht mehr gibt. aol??? nordbank??? hätten sie sich mal lieber das geld gespart. wer oder was ist eigentlich imtech???

    deswegen mag ich in gewisser weise auch unser olympia-stadion. is zwar keine fussball-arena (die ich sehr gerne hätte, die tartanbahn und die daraus resultierende distanz sind einfach scheiße) aber dafür wird es wohl, aufgrund des denkmalschutzes auf ewig seinen namen behalten.

  • User
  • 15.12.2010 10:26:20 WorpswederTyp

    Da bin ich froh, das ich zum Fußball gucken schon immer ins Weserstadion gehen darf - und auch zukünftig. Und ich bin auch froh, dass ich vom weiten auch in Zukunft die "unmodernen" Flutlichmasten sehen darf.

    Wir haben kein riesiges Stadion, aber alleine der Standort ist schon geil. Andere Vereine bauen sich riesige Arenen neben der Autobahn (oder neben einer Müllverbrennungsanlage^^). Meine Heimatstätte liegt direkt am Wasser, drumherum sind Wohnhäuser. Das erschwert natürlich die Verkehrsanbindung - aber das ist mir egal. Im Sommer vorm Spiel auf dem den Weserterassen rumzuliegen, Bier in der Hand, Sonne auf dem Bauch: Einfach nur herrlich. Momentan wäre das sogar der Höhepunkt des Spieltages^^

  • User
  • 15.12.2010 12:08:45 Atatenango

    Übrigens: falls mal jemand in Dresden ist. Das Museum ist durchaus sehenswert auch für Nicht-Dynamo Fans.

    Ansonsten: hier regen sich jetzt die Leute auf, die sich vor ein paar Jahren in Dortmund, Hamburg oder Fürth auch aufgeregt haben. Wird sich leider nicht verhindern lassen, dass Sponsoren die Stadionnamen übernehmen, aber ist doch eigentlich auch scheiß egal, wenn für den Fan sowieso der alte Name Bestand hat. So richtig geht mir auch sowieso nicht auf, was sich ein Sponsor von einem Stadionnamen verspricht, weiß nicht, ob das so'n wahnsinnigen Werbeeffekt hat...Was ich nur immer nicht verstehe ist, warum die Medien da mitspielen. Kein Mensch zwingst die 11 Freunde oder BILD oder sonstwen statt z.B. Volksparkstadion Imtech-Arena zu schreiben. Ganz im Gegenteil, wenn ich diese Presse wäre, würde ich da in der Marketingabteilung anrufen und sagen: wir drucken nur noch den Sponsornamen ab, wenn Sie uns das entsprechend bezahlen, ansonsten wird der traditionelle Stadionname abgedruckt...

  • User
  • 15.12.2010 12:09:54 bbs2206

    Imtech Arena, ich lach mir den Arsch ab.

    Aber Stadionname ist wie das richtige Leben, jeder bekommt was er verdient. Schönen Gruß nach Stellingen.

  • User
  • 15.12.2010 12:57:52 Autobahnkreuz

    "Wir haben kein riesiges Stadion, aber alleine der Standort ist schon geil. Andere Vereine bauen sich riesige Arenen neben der Autobahn (oder neben einer Müllverbrennungsanlage^^). Meine Heimatstätte liegt direkt am Wasser, drumherum sind Wohnhäuser. Das erschwert natürlich die Verkehrsanbindung - aber das ist mir egal."

    Wir haben ein Stadion inmitten des Stadtkerns. Vom Stadion aus kann ich auf die A1 gucken, auf eine Müllverbrennungsanalage, ins bergische Land, aufs Bayerkreuz und den Kölner Dom. Im Sommer grillen wir an der Dhünn neben dem Stadion, weil ein Kumpel in einem der anliegenden Wohnhäusern wohnt. :-)

  • User
  • 15.12.2010 13:10:17 UrmelAusmEis

    Auf die Gefahren hin,
    - dass das ein ziemlich langer Eintrag wird,
    - dem eine noch längere Diskussion folgt,
    - die große Teile des Forums nicht interessiert
    - und mit bei kleinen Teilen des Forums kaum Sympathien bringen dürfte,

    aber die Legendenbildung in Sachen Knebelvertrag kann und will ich so nicht stehen lassen.

    Vorneweg: das Ziel - ein neues Stadion in Dresden - war mit immer sympathisch. Das Ergebnis finde ich äußerst gelungen. Das ändert nichts daran, dass ich den Weg dorthin und insbesondere die methodik bei den Nachverhandlungen bedenklich fand und finde.

    [Nochmal vorneweg: Eine Mischung aus beruflichem und privatem Interesse zwang (bzw. "zwang") mich, zwischen 2003 und ca. 2008 in Sachen Stadionbau immer auf dem aktuellsten Stand zu sein. Da das Dynamo-Stadion dem allgemeinen deutschen Trend ein wenig hinterherhinkte und in einer Zeit durchgesetzt und gebaut wurde, zu der sonst in Deutschland fast überhaupt nichts mehr passierte, habe ich dessen Entwicklung sogar überdurchschnittlich intensiv verfolgen können/müssen. Da zudem in arena-news.de zu jener Zeit eine der größten Sportstätten-News-Seiten aus Dresden stammte und teilweise sogar mehrere Artikel täglich über das Harbigstadion präsentierte, und da ich zudem auch die Seite pro-rhs.de regelmäßig besuchte, konnte ich die Diskussion über das Stadion auch aus der Ferne sehr gut verfolgen.]

    "Der Stadionvertrag mit der Stadt wurde unter Druck in einer lizenbedrohenden Situation unterschrieben und verpflichtet Dynamo mit einer Jahresmiete von mehr als 2 Millionen € (Ligaschnitt ca 160.000 €) in den nächsten 20 Jahren, das Stadion quasi allein zu bezahlen. Fanproteste haben in den letzten beiden Jahren dafür gesorgt, dass die Stadt mit jeweils "einmaligen" Zuschüssen diese Summe verringert hat, damit Dynamo die Lizenz bekommt.
    Sollte der Knebelvertrag so bleiben (es laufen gerade wieder Verhandlungen mit der Stadt) bedeutet das neue Stadion über kurz oder lang das Ende für Dynamo Dresden (einige Stadtpolitiker wären nicht böse)."


    Das Problem bei der ganzen Sache und eine (bewusste?) Unterschlagung bei Deiner Argumentation ist, dass die Stadt damals nicht müde wurde, darauf hinzuweisen, dass dieses Stadion nicht bauen werden könne, da es sich nicht rentabel betreiben lasse. Gerade deswegen kam es ja zu all den Verzögerungen, weil jede angedachte Finanzierungsmöglichkeit an der mangelnden Rentabilität scheiterte. Weil sich zunächst kein Investor fand, und weil außer der SGD auch kein weiterer zahlungsfähiger Nutzer abzusehen war. Dass die Stadt dann irgendwann doch eingeknickt ist, lag am jahrelangen massiven Druck der Dynamo-Fans, auch auf der Straße, ein paar (de facto unglaubwürdigen, aber populistischen und gerade im Wahlkampf effektiven) Drohungen von einem Umzug nach Leipzig – und an der Zusicherung des Vereins, sich stärker als zuvor geplant selbst an den Kosten zu beteiligen.
    Nun, ich stimme Dir zu, dass die vereinbarten Summen für einen Drittligisten zu hoch sind/waren. Genau dies durfte der Verein aber zu jener Zeit auf gar keinen Fall zugeben, denn sonst wären das letzte verbliebene Finanzierungsmodell und damit das gesamte Projekt endgültig gescheitert.
    Auch stimme ich Dir zu, dass der Verein zu jener Zeit natürlich „geknebelt“ war: Ohne neues Stadion wäre es tatsächlich noch schwerer bis unmöglich geworden, Lizenzen zu erhalten und ein wirtschaftliches Überleben zu sichern. Und natürlich musste die Dynamo-Führung unter diesem Druck einen Vertrag unterschreiben, der auf 20 Jahre immense Belastungen bringen würde. Nur darf man hierfür nicht der Stadt die Schuld geben: nicht sie hat Dynamo geknebelt, die Altschulden haben Dynamo geknebelt. Die Stadt hatte doch eigentlich gar kein Interesse daran, Dynamo beim Bau über den Tisch zu ziehen, sondern sie hatte ein viel größeres Interesse daran, gar nicht zu bauen und das knappe Geld woanders einzusetzen. Diese Option allerdings kam wegen des Drucks und der Wählerstimmen der Dynamo-Fans und Sympathisanten nicht in Frage, daher hat die Stadt das Wagnis eingehen müssen. Dass sie hier mittels „Knebel“-Vertrag versucht hat, die eigenen finanziellen Verluste möglichst klein zu halten, ist nur legitim.
    Nun, es kam, wie es kommen musste: Kaum hatte der Bau unumkehrbar begonnen, hat die Dynamo-Führung eingestanden, was eigentlich zuvor schon jeder gewusst hatte: Dass sich der Verein die vereinbarten jährlichen Zahlungen nicht leisten kann.
    Die Stadt muss also noch deutlicher draufzahlen, es trat genau das ein, was die Stadt (und der objektive Beobachter) vorhergesehen hatte und was vom Verein (in dessen Not) vehement bestritten worden war. Wer die Stadt jetzt dafür beschimpft, dass sie - nachdem sie selbst ihren Part erfüllt hat - nun auch von der Gegenseite auf Vertragstreue pocht, zeigt, dass er es ein zweites Mal auf die populistische Art versucht.

    Das zeigt sich übrigens auch an der Argumentationsstruktur:

    "und verpflichtet Dynamo mit einer Jahresmiete von mehr als 2 Millionen € (Ligaschnitt ca 160.000 €) in den nächsten 20 Jahren, das Stadion quasi allein zu bezahlen."

    Also, Punkt für Punkt:

    "quasi allein"
    Die Stadt wollte ja gerade, weil es neben Dynamo keinen Nutzer geben würde, das Stadion gar nicht erst bauen. Dynamo hingegen wollte das Stadion und hat der Stadt zugesichert, sich da „quasi allein“ nicht nur beteiligen zu wollen, sondern auch zu können. Um dann - Vertrag hin, Vertrag her - bald darauf immer dann, wenn es ums Geld ging, als Drohkulisse einen angeblich geplanten Umzug nach Leipzig aufzubauen.

    "mehr als 2 Millionen € in den nächsten 20 Jahren, das Stadion quasi allein zu bezahlen."
    Bedauerlicherweise reichen die 2 Millionen jährlich kaum für die Zinslast. Ich bin zwar skeptisch, wenn der Finanzbürgermeister von 3-4 Millionen pro Jahr als städtischem Beitrag spricht, aber selbst wenn die Stadt pro Jahr „nur“ 2 Millionen beisteuert, ist das „quasi allein“ nicht haltbar.

    "mehr als 2 Millionen € (Ligaschnitt ca 160.000 €)"
    Das ist nun wirklich Polemik pur. Dynamo hat ja gerade alles daran gesetzt, nicht mehr in einem 160.000-Euro-pro-Jahr-Stadion zu spielen. Und das Einnahme-Potential des Dynamo-Stadions liegt garantiert um ein vielfaches der „zu viel gezahlten“ 1.840.000 € über dem Ligadurchschnitt.


    Sorry – wie gesagt: ich wusste, dass das lang wird.

  • User
  • 15.12.2010 14:10:17 Hennes2000

    @atatenango:
    "Kein Mensch zwingst die 11 Freunde oder BILD oder sonstwen statt z.B. Volksparkstadion Imtech-Arena zu schreiben."

    Gezwungen sind garantiert die Medien, die Verträge mit der DFL haben (v.a. TV- und Radio-Sender), aber höchst wahrscheinlich auch die, die eine Akkreditierung fürs Stadion haben wollen. So nach dem Motto: "Wenn ihr nichtmal unser Stadion richtig benennt, brauchen wir euch auch nicht reinlassen. Und den anderen Vereinen der Liga erzählen wir auch davon, damit ihr auch bei den Auswärtsspielen nicht reinkommt. Und Interviews kriegt ihr....."

    Solange man also irgendwie "am Puls des Geschehens" sein will, sollte man es sich nicht durch solche Lapalien mit den Clubs verscherzen.

  • User
  • 15.12.2010 14:14:12 Stinkbaer

    Ich hab´s gerne gelesen. Aber um die Sache mit dem Ansetzen des Anti-Orakels auf den Club zu bestrafen muss ich sagen: Der Beitrag war scheißlangweilig, zu lang und fachlich totale Grütze. Schäm dich und achte zukünftig auf die Länge deiner Langweilerbeiträge!!!

  • User
  • 15.12.2010 14:42:38 Atatenango

    @Urmel: lang aber interessant!

    @Hennes: ich lass ja so grad noch gelten, dass die Presseabteilung eines Vereines einem Journalisten weniger Interviewtermine einräumt, weil er womöglich den Stadionnamen nicht nennen will, wobei das sicherlich auch noch auf den Journalisten selbst ankäme, wie wichtig der ist usw. Alles andere halte ich für Quatsch, weil der Verkauf der Namensrechte Eigentümersache ist und die DFL damit überhaupt nix zu tun hat. Würde jetzt der Sky Reporter also statt Imtech Volkspark sagen, dann würde von DFL-Seite gar nix passieren, auch wenn die zwar Rechtinhaber der Übertragungsrechte sind, aber nicht der Stadien selbst, und von Vereinsseite vermutlich auch nicht, weil wenn die (um den Gedanken mal konsequent zu Ende zu spinnen) dann von dem HSV Heimspiel gar nicht mehr berichten würden, der Verein da noch weniger von hätte...dann könnten sie z.B. ihre Bandenwerbung sehr viel schlechter an den Mann bringen...also ich glaub, dass man diese Namen nicht nennen muss, wenn man nicht will! Und warum sollte man wollen?

  • User
  • 15.12.2010 16:03:01 UrmelAusmEis

    es gibt einige Kommentatoren, u.a. überraschenderweise sogar beim DSF, die bewusst die Sponsorennamen umschiffen. Jüngst war es etwas peinlich, als hierdurch an der falschen Stelle eine längere Sprechpause entstand: "und müssen nächste Woche in den... - - - zu Borussia Dortmund."

    Vermutlich werden - gerade weil es das DSF war - viele gedacht haben, da habe einfach ein Zonk den aktuellen Namen des Westfalenstadions vergessen. Mir ist diese Vermeidung aber schon häufiger aufgefallen, weshalb ich an die Gedächtnisschwund-Theorie nicht glauben mag.

  • User
  • 15.12.2010 16:30:07 Atatenango

    ...mir teilweise sogar auch, auch bei 11 Freunde. Den Jungs will ich das jetzt nicht zwingend unterstellen, aber beim DSF würde es mich nicht wundern, wenn die längst auf die selbe Idee gekommen sind wie ich da oben beschrieben habe...Nennung des Namensgebers für's Stadion nur noch gegen Kohle (oder von mir aus auch bessere Interviewtermine)

  • User
  • 15.12.2010 18:52:09 Eisendaniel

    Glücksgas??Wer hat da was geschnüffelt?!?

  • User
  • 15.12.2010 18:57:44 Veltinsbauch Eufi

    Die WAZ vermeidet auch die Nennung der Sponsoren, die sich den Namen des Stadions "erkauft" haben.

  • User
  • 15.12.2010 21:51:04 seriousnilo

    Hallo urmelausdemEis
    Natürlich hat Dynamo seit der Wende viele Fehler gemacht. Aber im alten RHS war nicht mal mehr 3.Ligafußball möglich.
    Natürlich braucht eine Stadt wie Dresden kein Fußballstadion. Sie hat ja die Semperoper und die Waldschlösschenbrücke.
    Natürlich bereut der Stadtkämmerer Herr Vorjohann den Stadionbau. Aber der dreht seine Zahlen ja jedes Quartal anders, immer so wie er es braucht. Und Fußballfan ist er natürlich nicht.
    Ich habe keine Ahnung von Finanzen, aber wenn die Baukosten 42 Millionen betragen, dann kann die Zinslast nicht bei 2 Millionen jährlich liegen.

  • User
  • 16.12.2010 09:29:16 siroj

    Das mit der Zinslast von ca. 5% der Bausumme passt schon. Bei der Risikostruktur könnte das sogar etwas niedrig gegriffen sein. Hinzu kommen ja vermutlich auch noch laufende Kosten für Unterhalt und Instandhaltung. Ich wundere mich immer wieder wie man auf die Idee kommt, dass es die Aufgabe der Städte sei, Ihrem ortsansässigen Club ein Stadion hinzustellen. Fussballclubs sind heutzutage anders als die von Dir angesprochenen Theater, Opern und Ballets gewinnorientierte Unternehmen - oder hast Du schon mal ne Ballerina im Jägermeister Top gesehen?

    Die Aufgabe des Stadtkämmerers ist es meines Wissens nach in keiner Stadt Fussballfan zu sein. Seine Aufgabe ist es die Steuern der Bürger zum Wohle der Bürger einzusetzen. Das das auch eine Unterstützung des Fussballclubs beim Stadionbau sein kann (sozusagen für den kulturellen und nicht den kommerziellen Aspekt des Vereins) ist denkbar - aber eine 100% Finanzierung des Stadions ohne Aussicht darauf, dass die Stadionmiete auch nur die Zinsen und laufenden Kosten deckt ist tatsächlich bereunenswert.

  • User
  • 16.12.2010 11:19:43 Atatenango

    Das allerdings seh ich nochmal ein bisschen anders. Natürlich zwingt niemand den Stadtkämmerer, dass er Fan eines ortsansässigen Fußballclubs ist, weil er genau das tun muss, was Du sagst. Und auch geb ich Dir recht, wenn es um Bundesligaclubs geht. In Dresden kenn ich mich nun nicht so gut aus, aber in Kassel, und auch hier wurde das Auestadion grundsaniert und zwar auf Staatskosten. Das hat zum einen den Grund, dass man z.B. auch sowas wie die Deutsche Leichtathletik Meisterschaften in 2011 austragen kann, aber eben auch den Grund, dass der KSV eine Grundlage hat höherklassigen Fußball zu spielen, denn letztendlich hat beides den gleichen Hintergrund...Zuschauer, und zwar in einer möglichst hohen Anzahl, denn die bringen Geld in die Stadt, beleben somit die Wirtschaft, und spülen wiederum neue Steuern in die Stadtkasse...bisschen einfach gerechnet, ich weiß, aber das ist der Hintergrund!
    Das ist so auf Bundesligaclubs nicht unbedingt übertragbar, aber wenn z.B. in Gelsenkirchen die Stadt den Verein bei gewissen Dingen unter die Arme greift, hat das mit Sicherheit auch damit zu tun, dass Schalke 04 vermutlich einer der größten Wirtschaftsunternehmen in der Stadt ist...Eufi, Gelse...ihr könnt mich gerne eines besseren belehren...

  • User
  • 16.12.2010 11:50:26 siroj

    Ich sehe nicht, wo wir uns widersprechen. Ich zitiere mich mal im Stile Sepp Blatters selber:

    "Seine Aufgabe ist es die Steuern der Bürger zum Wohle der Bürger einzusetzen. Das das auch eine Unterstützung des Fussballclubs beim Stadionbau sein kann (sozusagen für den kulturellen und nicht den kommerziellen Aspekt des Vereins) ist denkbar"

    Ich bin nur dafür, dass die Stadtkämmerer sich ganz genau überlegen sollten, ob sie auf den Aufstieg zurzeit unterklassiger Vereine wetten sollten. Das 42 Millionen Investment in Dresden ist schon sehr gewagt.

  • User
  • 16.12.2010 13:11:49 Atatenango

    ...aber vermutlich notwendig...jetzt mal unabhängig von der Höhe der Investments...aber ein neues Stadion mußte doch wohl anscheinend her, um perspektivisch zumindest in der 2. Liga spielen zu können...darüber sind sich doch eigentlich auch alle einig, oder?

  • User
  • 16.12.2010 13:13:38 saloth sar

    aber ein neues Stadion mußte doch wohl anscheinend her, um perspektivisch zumindest in der 2. Liga spielen zu können...darüber sind sich doch eigentlich auch alle einig, oder?

    aber ist das aufgabe der stadt?
    es gibt wesentlich mehr staedte als zweitligisten, da muss jetzt nicht jede stadt ueber 50.000 ew ein zweitligafaehiges stadion haben

  • User
  • 16.12.2010 14:32:52 Atatenango

    Nein, es ist nicht zwingend Aufgabe der Stadt...sag ich ja gar nicht, lies mein Post davor durch...
    Aber als Stadt muss man sich halt überlegen, wie man sich interessant macht. Das hinkt bei Dresden ein wenig, das geb ich zu, aber trotzdem würde doch jeder halbwegs interessierte Fußballfreund sagen, dass Dynamo mind. in die 2. Liga gehört, und dafür braucht es halt ein neues Stadion, und da der Verein sich das selbst nicht leisten kann, ist die Stadt in die Bresche gesprungen, und will jetzt die entsprechende Miete dafür haben, und das war der Ausgangspunkt der Diskussion, dass die böse böse Stadt erst 42 Mio. (oder so) da reininvestiert und dann auch noch soundsoviel Miete pro Jahr dafür haben will...unmöglich sowas!
    Andere Beispiele: was wäre denn mit Gelsenkirchen, wenn es da nicht einen bestimmten Fußballclub gäbe...das ist das einzige, was der Normalbürger mit Gelsenkirchen verbindet, und deshalb pumpt die Stadt halt Geld da rein...Dresden hat da natürlich einiges mehr zu bieten, deshalb hinkend. Aber mit Bayreuth verbinden die meisten dann eher die Festspiele und nicht die Spvgg, und deshalb hat sich da die Stadt sicherlich entschieden in die Festspiele zu investeieren und nicht ins Stadion..wie gesagt, man muss seine Stadt für die Leute interessant machen...bringt Kohle in die leeren Kassen!

  • User
  • 16.12.2010 14:35:41 saloth sar

    und da der Verein sich das selbst nicht leisten kann, ist die Stadt in die Bresche gesprungen, und will jetzt die entsprechende Miete dafür haben

    finde ich falsch formuliert, weil die stadt ja nur in die bresche gesprungen ist, weil der verein sagt, dass er soundso viel miete zahlt. und nu kommt der verein und beschwert sich drueber und das finde ich ganz schoen dreist!

  • User
  • 16.12.2010 18:11:55 Veltinsbauch Eufi

    Andere Beispiele: was wäre denn mit Gelsenkirchen, wenn es da nicht einen bestimmten Fußballclub gäbe...das ist das einzige, was der Normalbürger mit Gelsenkirchen verbindet, und deshalb pumpt die Stadt halt Geld da rein...Dresden hat da natürlich einiges mehr zu bieten, deshalb hinkend.

    Schonmal in Gelsenkirchen gewesen ? Nein ? Ich war auch noch nie in Dresden und erlaube mir deshalb kein Urteil darüber.

    Würd Schalke nicht erstklassig spielen seit vielen Jahrzehnten mit kleinen Unterbrechungen, wäre wohl der STV Horst ne große Nummer geworden oder der SC Hassel. Vielleicht auch der SV Rotthausen, der in den 90ern noch viertklassig spielte.

    Gelsenkirchen ist fußballbegeistert und wenn Schalke nicht zu dem Club gereift wäre, der er jetzt ist, wäre halt ein anderer Stadtteilclub in den Profifußball gezogen.

  • User
  • 17.12.2010 12:44:05 Atatenango

    Ach Eufi...darum geht's doch gar nicht! Davon abgesehen, ich war schon in Gelsenkirchen, sogar schon mehrmals...und glaub mir, ganz objektiv, Dresden ist schöner, ganz in echt! Da war ich nämlich auch schon häufiger!

  • User
  • 17.12.2010 14:40:13 rumpler

    Ich sehe so ein unterstützendes Invest einer Stadt in ein Fußballstadion ähnlich wie beispielsweise den finanziellen Einstieg in ein Nahverkehrsunternehmen, um den weiteren Betrieb zu sichern. Und mit etwas Glück ist das Ganze noch nicht einmal unprofitabel. Spricht also m. E. nichts dagegen. Jedenfalls garantiert besser, als irgendwo zu zocken, um "das große Geld" zu machen, so wie es einige Gemeinden versucht haben.
    Die "soziale Komponente" des Risikos eine Menge Steuergeld ggf. zu verlieren wird eben durch die hier als "Knebelvertrag" bezeichnete Rückzahlungsvereinbarung (="wirtschaftliche Komponente") aufgewogen.

  • User
  • 17.12.2010 15:03:23 UrmelAusmEis

    "Jedenfalls garantiert besser, als irgendwo zu zocken, um "das große Geld" zu machen, so wie es einige Gemeinden versucht haben."

    Mit der Argumentation kannst Du auch goldene Duschköpfe im Hallenbad vertreten.

    Die Frage ist aber nicht, ob ein Stadion besser ist, als das Geld zu verzocken, sondern ob ein Stadion besser ist als überhaupt noch ein Hallenbad. Und an genau solchen "Selbstverständlichkeiten" müssen unsere Kommunen inzwischen sparen.

  • User
  • 17.12.2010 15:05:22 UrmelAusmEis

    Und der Vergleich mit dem Nahverkehrsunternehmen hinkt rumpelt (<- um im Bild zu bleiben) auch gewaltig.

  • User
  • 17.12.2010 17:31:33 rumpler

    Die Frage stellt sich in der Tat (also die zwischen Hallenbad und Stadion). Ich finde, die Bürger sollten entscheiden dürfen, was ihnen wichtiger ist, bzw. ob es ihnen das Risiko wert ist, z. B. per Volksentscheid (so wie hier in München übrigens geschehen hinsichtlich der von der Stadt getragenen Infrastrukturkosten).

  • User
  • 18.12.2010 02:01:54 monssolis

    Also, ich kann, wenn man in Dresden ist, das süße Hallenbad in Hainsberg empfehlen. Zwar leicht außerhalb der Stadt, aber sehr adrett. Auch das Babyschwimmen ist prima.

    Und klar kann man Gelsenkirchen mit Dresden vergleichen. Man kann ja auch Youngstown, Ohio mit Chicago, Illinois vergleichen. Man wird halt "ein paar" Unterschiede feststellen...

  • User
  • 18.12.2010 02:05:12 monssolis

    Die Hauptstadt von Ohio hat übrigens eine Städtepartnerschaft mit...
    (Ta ta ta!)
    ...Dresden!

  • User
  • 18.12.2010 02:07:49 Veltinsbauch Eufi

    Und klar kann man Gelsenkirchen mit Dresden vergleichen. Man kann ja auch Youngstown, Ohio mit Chicago, Illinois vergleichen. Man wird halt "ein paar" Unterschiede feststellen...

    Ha, wie lustig. Immerhin lebt Gelsenkirchen nicht in dem Maße von deutschen Steuergeldern (westdeutschen) wie Dresden.

  • User
  • 18.12.2010 02:35:57 monssolis

    Die Grenzziehung der Besatzungszonen 1945 wurde ja auch so ausgesucht, dass die verdiente und wundervolle Stadt Gelsenkirchen auch ja nicht dem Russen in die Hände fallen konnte. Das war damals Hauptkriterium.

    Eufi, Dresden ist Landeshauptstadt, war Hauptstadt eines Königreiches, bis vor kurzem Weltkulturerbe und zieht Touristen aus aller Welt an, weil es "was tut" und immense kulturelle Schätze zu bieten hat. Ich weiß nicht, wie Gelsenkirchen vor 1945 ausgesehen hat, aber die Zerstörungen können quantitativ, ganz sicher aber qualitativ nicht in dem Maße wie in Dresden gewesen sein. Können sie nicht.

    Außerdem ist Dresden relativ schuldenfrei dank Verkauf aller Wohnungen, die mal städtisch waren. Klar ist das Steueraufkommen noch nicht ganz das, wie es heute wäre, wäre Sachsen nicht in der SBZ gelandet. Aber ich habe die Hoffnung, dass selbst du das irgendwann kapierst. Und bis dahin fleißig deinen Soli zahlst.

  • User
  • 18.12.2010 02:37:37 monssolis

    Ha, jetzt klimpert's ja erst so recht!

    Ha, wie lustig. Immerhin lebt Gelsenkirchen nicht in dem Maße von deutschen Steuergeldern (westdeutschen) wie Dresden.

    Richtig. Dresden lebt nämlich vornehmlich von ostdeutschen Steuergeldern. Haupteinnahmequelle einer Kommune ist die Gewerbesteuer. Und die zahlt für Dresden nicht der Bäcker bei dir um die Ecke.

  • User
  • 18.12.2010 19:29:07 monssolis

    Immer noch ergriffen, Eufi? Find ich stark von dir!

  • User
  • 18.12.2010 20:40:58 sgu07

    Immerhin lebt Gelsenkirchen nicht in dem Maße von deutschen Steuergeldern (westdeutschen) wie Dresden.

    @eufi, dich lassen sie echt an eine uni? glaub ich nicht, sonst könntest du nicht solch einen satz schreiben.
    manchmal machst du auf mich den eindruck, als seist du zu blöd um ausm linienbus zu winken, weil du das fenster nicht findest.

  • User
  • 18.12.2010 20:57:21 monssolis

    Ich glaube ja, er war sogar stets vom Turnunterricht befreit.

  • User
  • 18.12.2010 21:09:16 AbteilungAttacke

    Also, vorweg, unstreitig muss die Kommunalfinanzverfassung schleunigst reformiert werden. Sonst gehen bald an vielen Orten im wahrsten Sinne des Wortes die Lichter aus.

    Davon abgesehen davon ist hier aber auch konkret das Problem der wirtschaftlichen Betätigung einer Kommune erfasst. Und ohne jetzt groß Kenne vom Kommunalrecht in Sachsen zu haben, müssen doch einige Grundsätze gelten.

    Wirtschaftliche Faktoren sollten wenn nur untergeordnet eine Rolle spielen, sofern Pflichtaufgaben oder Daseinsvorsorge, sprich, öffentliche Aufgaben erfasst sind. Daher rumpelt hier auch der Vergleich mit dem Nahverkehrssystem.

    Beschränkt gilt dies, wenn die Gemeinde der Boss des privatwirtschaftlichen Betriebes ist, den sie subventioniert. Ist das Hallenbad also mittelbar oder unmittelbar von der jeweiligen Gemeinde abängig bzw. dieser untergeordnet, kann die Stadt lustig Geld zuschiessen, denn im Zweifel kann sie den Laden dicht machen.

    Betätigt sich die Gemeinde auf sonstige Weise, kann es doch aber nicht Sinn und Zweck sein, dass bei einer privatwirtschaftlichen Betätigung mit etwas Glück das Ganze noch nicht einmal unprofitabel ist.

    Und nun subsumieren wir das mal auf einen Fussballverein. Gerne auch in Gelsenkirchen.
    Ist es eine öffentliche Aufgabe, Schalke am Leben zu erhalten ?
    Nö.
    Ist Schalke "in der Hand" der Gemeinde ?
    Auch nein.
    Bleibt Tor Nummer drei.
    Klar, unbestritten hat Schalke seine Bedeutung für die Stadt, ja sogar die gesamte Region. Aber wenn man ernsthaft die obigen Grundsätze anwendet, kann (oder besser: sollte) eine Gemeinde sich nicht an einem privatrechtlichen Verein beteiligen, wenn es finanziell ein Hazardspiel ist.

    Wenn im Falle Dresdens der Sachverhalt so sein sollte, wie Urmel es geschuldet hat, möchte ich anmerken, dass mir bei seiner Darstellung die Stadt dennoch zu gut wegkommt. Stichwort ist hier "einknicken". Wenn man wegen der vox populi sich in die Hose scheißt und deswegen seine Verpflichtung gegenüber allen Bürgern vernachlässigt, hat m.E. als Kommunalpolitiker versagt.
    Mir ist durchaus bewusst, dass dies der Normalfall ist.
    Das macht die Sache nicht besser. Denn die Folgen liegen auf der Hand: In NRW werden seit Jahren in Reformen und Rechtssprechung die kommunale Wirtschaftsbetätigung eingeschränkt und die Kommunalaufsicht verschärft.

    Dies liegt, wie gesagt, sicher auch an systemimmanenten Gründen - aber leider auch, weil viele verantwortungslose Ratsherren und -damen sich ihrer Pflichten nicht bewusst sind oder sie bewusst gefährden.

  • User
  • 18.12.2010 21:15:35 monssolis

    Recht haste. Aber leicht hamses da ja ooch nich. Dresden ist ja fast mehr Dynamo als Gelsenkirchen Schalke. Zumindest nehmen sie sich da nicht allzu viel.

  • User
  • 18.12.2010 21:23:13 AbteilungAttacke

    Zu Dresden konkret kann/will ich nix sagen, da ich die genauen Verhältnisse nicht kenne, also wie Pleite Dresden wirklich ist und wie sehr sich die stimmberechtigte Bevölkerung mit dem Verein identifiziert. Doch auch hier ist die allgemeine Frage, ob, vor die Wahl gestellt, man lieber Kindergärten, Straßen, von mir aus auch Frei- und Hallenbäder denn einen (vielleicht sogar qualitativ mittelwertigen) "Fussballtempel" bauen möchte, im Kern doch keine wirkliche Frage - oder ? Von kommunalrechtlichen Fragen (darf die Kommune das überhaupt) mal abgesehen.

    Denn jeder Fan wird auch Vater, Mutter oder im Zweifel Straßennutzer sein. Selbst wenn man die ökonomische Komponente eines Vereins immer mitberücksichtigen müsste - man muss sich schon sehr anstrengen, um einen Verein als "Too big to Fail" einzuordnen.

    Ironischerweise könnte man hier sogar Eufis Argumenation aufgreifen - im Zweifel wird "ein anderer Stadteil" die Lücke füllen (was sicher ein schmerzhafter Prozess wäre - aber eben gegeben, wenn die Vereinsbetreiber nicht zu wirtschaften wissen)

  • User
  • 18.12.2010 21:47:03 saloth sar

    @eufi, dich lassen sie echt an eine uni? glaub ich nicht, sonst könntest du nicht solch einen satz schreiben.
    manchmal machst du auf mich den eindruck, als seist du zu blöd um ausm linienbus zu winken, weil du das fenster nicht findest.


    zwei odioten, ein gedanke!

  • User
  • 19.12.2010 00:49:29 monssolis

    Dresden ist halt auch, im Gegensatz zu Gelsenkirchen, Landeshauptstadt. Da sind solche Prozesse gleich mal noch ganz anders. Siehe dann wohl Düsseldorf. Die Fortuna war damals in der Oberliga. Und Rhein Fire hatte eine Handvoll Spiele pro Jahr.

  • User
  • 19.12.2010 00:50:44 monssolis

    @ Paulinchen: Odie, der Freund von Garfield? So in etwa stelle ich mir ja eher Eufi vor.

    "Eufi und Odie. Bei der Geburt getrennt."

    Passt.

  • User
  • 20.12.2010 16:19:36 gelsenkirchen

    17.12.2010 14:40:13 von rumpler
    Ich sehe so ein unterstützendes Invest einer Stadt in ein Fußballstadion ähnlich wie beispielsweise den finanziellen Einstieg in ein Nahverkehrsunternehmen, um den weiteren Betrieb zu sichern.


    ufftata... ich glaube nicht dass "fussball" zur sog. grundversorgung zählt.

  • User
  • 20.12.2010 16:24:58 gelsenkirchen

    18.12.2010 02:07:49 von Veltinsbauch Eufi
    Ha, wie lustig. Immerhin lebt Gelsenkirchen nicht in dem Maße von deutschen Steuergeldern (westdeutschen) wie Dresden.


    auch wenn du schon weg bist, aber halt zu diesem thema, angrenzenden und darüber hinausgehenden themen am besten einfach mal deine klappe!

  • User
  • 20.12.2010 17:12:54 rumpler

    ufftata... ich glaube nicht dass "fussball" zur sog. grundversorgung zählt.

    Oh doch! Genauso wie Bier.

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