Clemens Fritz über den Weg aus der Krise
»Wir wollen jedes Spiel gewinnen«
Interview: Jörn Lange Bild: Imago
Clemens Fritz gehört in Bremen mittlerweile zur gestandenen Garde. Zu den Spielern, die in Krisenzeiten in die Bresche springen müssen. Wir sprachen mit ihm über Verletzungspech, starke Spielmacher und die Partie gegen Wolfsburg.
Clemens Fritz, wie schafft es ein Champions League Teilnehmer wie Werder Bremen aus einem Pflichtsieg gegen Aufsteiger St. Pauli Selbstvertrauen zu gewinnen?
Pflichtsieg? Wir haben vorher in fünf Spielen das Tor nicht getroffen, und stattdessen 16 Gegentreffer kassiert. In unserer Situation gibt es keine Pflichtsiege mehr, es tat einfach gut, mal wieder zu gewinnen.
Zuletzt wurde die Bremer Ruhe häufig als Ratlosigkeit interpretiert. Täuscht der Eindruck?
Thomas Schaaf hat mit uns konzentriert weitergearbeitet, die Spiele sachlich analysiert und uns jede Woche gut eingestellt. Von Ratlosigkeit ist bei uns nichts zu spüren.
Die Ergebnisse der vergangenen Spiele sprechen eine andere Sprache.
Das liegt auch an unserem Verletzungspech. Mit Naldo ist eine sehr wichtige Säule in der Defensive weggebrochen, mit Claudio Pizarro ein entscheidender Mann in der Offensive.
Reicht das Argument Verletzungspech tatsächlich, um die bisherige Saison zu erklären?
Es sind ja nicht nur Naldo oder Claudio, die uns fehlen: Der Trainer wusste oft nicht, wen er am Wochenende zur Verfügung hat, oder nicht. Wenn man jedes Wochenende in einer neuen Besetzung spielen muss, leidet darunter natürlich der Spielfluss. Wie soll man sich unter diesen Umständen einspielen? Zehn verletzte Spieler kann keine Mannschaft der Welt adäquat ersetzen.
Sie sind seit Sommer 2006 in Bremen, haben Diego und zuletzt den zu Real Madrid abgewanderten Mesut Özil erlebt. Wie groß ist die kreative Lücke, die Özils Weggang aufgerissen hat?
Ich denke, die Diskussion wird überbewertet. Mesut und auch Diego haben ja nicht jedes Spiel im Alleingang entschieden. In dieser Saison fehlt uns einfach noch die nötige Lockerheit, der Rhythmus, um unseren Fußball zu spielen.
Trotzdem hat man das Gefühl, dass in dieser Spielzeit etwas anders ist, als in den vergangenen Jahren.
Was meinen Sie?
Es scheint, als ob die Mannschaft nicht an einem Strang zieht.
Ich verstehe nicht, wie dieser Eindruck entstehen konnte. Natürlich ist alles besser, wenn der Erfolg da ist, aber ich kann Ihnen versichern: Intern gibt es bei uns keine Probleme.
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