Loks Mirko Linke im Interview
»Schlüssel für den Einbrecher«
Interview: Daniel Marx Bild: Imago
Bei Lok Leipzig brennt der Baum: Auch weil der Klub mit dem verhassten RB Leipzig paktiert, traten verschiedene Vereinsmitglieder zurück. Wir sprachen mit Stadionsprecher Mirko Linke, der Ende November sein Amt niederlegte.
Mirko Linke, Sie waren seit 2004 Stadionsprecher beim 1. FC Lok Leipzig. Warum sind Sie zurückgetreten?
Ganz einfach: Mittlerweile hast du als Mitglied keinerlei Einfluss mehr auf den Verein. Sportlich geht es seit der Entlassung von Rainer Lisiewicz im Mai 2009, als der Verein sich neu ausrichten wollte, nur noch bergab.
Was hat Präsident Steffen Kubald damit zu tun?
Er und Schatzmeisterin Kathrin Pahlhorn führen den Verein als Alleinherrscher. Das Fass zum Überlaufen brachte die Kooperation mit RB Leipzig, als der Restverein vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. Selbst der Aufsichtsrat hat das erst aus dem Fernsehen erfahren. Es ist untragbar, dass die Spitze eines Familienvereins mit 1800 Mitgliedern eine solche Kooperation beschließt und das auch noch mit dem Erzfeind.
Widerspricht eine solche Vorgehensweise nicht auch den Vereinsstatuten?
Nun, sie sind ja gewählt, für sie ist das in Ordnung. Aus ethischer Sicht aber ist es das nicht, zumal uns der Vertrag keinerlei Vorteile bringt. RB hat uns die Talente sowieso schon weggenommen, jetzt dürfen sie es auch legal. Das ist so, als würde man einem Einbrecher seinen Schlüssel geben und sagen: Hier, sieh dich einfach mal um in meinem Haus.
In den letzten Tagen wurde kolportiert, RB würde Lok pro Jahr eine Summe von 10.000 Euro zur Verfügung stellen.
Für das Geld verkaufe ich doch nicht meine Seele! RB bezahlt das aus der Portokasse. Wir fanden es schlimm, dass der FC Sachsen sein Nachwuchszentrum für 100.000 Euro an RB verschachern musste. Und wir kriegen in einer dreijährigen Kooperation 30.000 Euro, das ist der absolute Witz!
Ist es nicht unerlässlich, mit einem zukünftigen Profiverein zu kooperieren, um auch nach aus der 5. Liga nach oben zu kommen?
Wir haben doch nichts davon. Wir haben eine wirklich gute Jugendabteilung, ab jetzt sollen die besten Jugendlichen zu RB gehen und im Gegenzug schicken die dann abgehalftete Ex-Profis zu Lok. Wenn RB irgendwann mal in der Dritten oder Zweiten Liga spielt, dann passiert nicht einmal das, man kann das doch nicht delegieren wie damals in der DDR. Kein Spieler kommt dann zu uns in die Oberliga, die versuchen dann noch mal in Jena oder Dresden ihr Glück.
Herr Kubald sitzt bei jedem RB-Heimspiel im VIP-Bereich des Zentralstadions. Bereitet er seinen Abgang zu RB vor?
Die Gerüchte gibt es immer wieder und immer häufiger. Klar ist, dass sich unser Jugendkoordinator Jörg Seydler bei RB beworben hat, er wurde aber abgelehnt.
Sie waren nicht der Erste, der sein Amt niedergelegt hat. Vorher sind schon der Marketing-Chef, der Pressesprecher und Anfang der Woche auch Teammanager Peter Milkau zurückgetreten. Hat das alles mit den Alleingängen von Kubald und Pahlhorn zu tun?
Das kann ich im nicht beurteilen, aber seit dem Lisiewicz-Rauswurf geht hier nichts mehr vorwärts. Alles wird an den Mitgliedern vorbei entschieden, das ist wie in einer Diktatur. Ich bin aber 1989 auf die Straße gegangen, weil ich genau das nicht mehr wollte. Mir tut das im Herzen weh, ich bin Lok-Fan seit 1976. Ich habe das alles ehrenamtlich gemacht, wir haben in Fanarbeit das Bruno-Plache-Stadion saniert. Das Dankeschön war, dass beim Pokalspiel gegen Chemnitz die Preise um 60 Prozent erhöht wurden. Der Fan wird hier als Melkkuh behandelt und das geht nicht.
Geht es mittlerweile so weit, dass die unzufriedenen Lok-Anhänger anerkennen, dass beim alten Rivalen Sachsen Leipzig, dem gewachsenen Erzfeind in der Stadt, bessere Arbeit geleistet wird?
Ja, das muss ich leider genau so feststellen. Momentan ist der FC Sachsen kein Thema, außer beim Derby. Die machen gute Aktionen, etwa kommen die Leute kostenlos ins Stadion, wenn sie Mitglied werden. Die werben neue Mitglieder und kümmern sich dann auch um sie. Der Vorstandsvorsitzende Lars Ziegenhorn ist Hotelmanager und hat gute Kontakte zur Wirtschaft. Die fallen bei Lok nahezu komplett weg. Sponsorenaquise und Sponsoren-Halten – das gibt es bei Lok nicht.
Kann die Situation noch entschärft werden, wenn Kubald auf die Menschen im Verein zugeht?
Nein, der Zug ist abgefahren. Im Januar oder Februar 2011 wird eine Mitgliederversammlung anberaumt werden, dafür werden schon Unterschriften gesammelt. Da wird das Präsidium sich verantworten müssen.





