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29.10.2010

Friedel Rausch über Hunde und Kiebitze

»Überall wurde gebellt«

Interview: Christian Lawendel  Bild: Imago

Wenn am Samstag Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Kaiserslautern aufeinander treffen, wird einer ganz genau zuschauen: Friedel Rausch über den Umgang mit Stefan Effenberg, Ratschläge von Kiebitzen und Hunde am Hintern.

Friedel Rausch über Hunde und Kiebitze - »Überall wurde gebellt«


Friedel Rausch, wie geht es Ihnen?

Gut geht es mir! Ich hatte gesundheitliche Probleme. Jetzt spiele ich aber schon wieder jeden Tag Tennis.

Sie hatten einen Herzinfarkt.

Stimmt. Aber lassen Sie uns nicht weiter über Krankheiten reden. Sprechen wir über Fußball. Der Ball ist immer noch rund.



Am Wochenende spielen mit dem 1. FC Kaiserslautern und Borussia Mönchengladbach zwei Ihrer Ex-Vereine gegeneinander. Bei beiden läuft es momentan nicht gut.

Ich wurde vor der Saison von Stefan Kuntz nach Kaiserslautern eingeladen und habe mich über den Kader informiert. Es wurde nicht sehr viel investiert. Das könnte ein Problem sein. Es heißt ja leider immer noch: Geld regiert die Welt.

Haben Sie genaue Einblicke in den Verein?

Nein. Manchmal telefoniere ich mit Stefan Kuntz. Ich halte mich aber eigentlich raus. Es gibt leider zu viele Dummschwätzer, die meinen, etwas sagen zu müssen.

Und was ist Ihr Eindruck, wenn Sie von außen auf den Verein schauen?

Es gibt mit Marco Kurz einen guten und jungen Trainer. Vor der Saison herrschte eine große Euphorie. Damit gewinnt man aber keine Spiele. Du hältst nur die Klasse mit guten Fußballern, die Zweikämpfe gewinnen, die frech sind und die etwas riskieren.

In Mönchengladbach haben Sie 1998 den Abstieg vermeiden können.

Ich hatte dort eine Leitfigur: Stefan Effenberg. Er hat damals die Stirn gerunzelt, als er hörte, dass ich dort Trainer werde. Mein Vorgänger Norbert Meier war ein guter Freund von ihm. Wir haben uns aber schließlich doch gut verstanden, weil ich ihn schalten und walten ließ. Effe war damals ein Weltklasse-Spieler.

Wie geht man mit so einem Menschen um? Stefan Effenberg gilt als schwierig.

Ich habe mit vielen speziellen Typen gearbeitet. In Kaiserslautern war das der Ciriaco Sforza und in Gladbach Toni Polster. Gerade mit solchen Spielern bin ich aber immer sehr gut ausgekommen. Das ist eine meiner Stärken.

Wie kriegt man solche Typen zu packen?

Ich habe denen nicht viel dusseliges Zeug erzählt. Wir haben uns wie Männer hingesetzt. Vertrauen ist entscheidend.

Sie sind ja ein richtiger Psychologe.

Ich muss immer lachen, wenn ich lese, dass ein Trainer einen Psychologen eingestellt hat. Gerade das muss doch ein Trainer sein! Alles andere, wie Schießen und Rennen, können die Spieler von ganz allein. Der Weg von der Kabine ins Trainerbüro ist der schnellste. Du musst nicht erst eine Stunde zum Psychologen fahren.

Mit dem 1. FC Nürnberg sind Sie 1999 nach einem dramatischen letzten Spieltag abgestiegen. Hat da die Psychologie versagt?

An dem Abstieg habe ich monatelang geknabbert. Im Kopf waren die Spieler schon weiter und fühlten sich sicher. Das merkte ich im Training. Im letzten Spiel verloren wir gegen Freiburg und stiegen ab. Ein schwerer Schock.

Wie gingen Sie mit diesem Erlebnis um?

Man sucht immer zuerst bei sich selbst die Schuld. Vielleicht haben wir zu offensiv gespielt. Es ist aber immer das Gleiche: Wer ist schuld? Der Trainer. Und so wird es auch bleiben.

Beim FC Schalke 04, einem Ihrer ehemaligen Vereine, sieht das anders aus. Dort kann sich der Trainer nur selbst entlassen.

Solange es gut geht, ist doch alles in Ordnung. Für die Presse ist es natürlich schön, wenn es nicht läuft. Dem Magath mal einen rein zu tun ist ja auch ganz nett. Er ist ein kluger Junge und wird die Situation schon meistern. Wenn er aber mehrere Spiele verliert, ist auch er weg vom Fenster.


weiterlesen [1] [2]





Friedel Rausch spielte von 1962 bis 1975 für den FC Schalke 04. Leider nicht immer mit Erfolg. In der Saison 66/67 musste Rausch bei widrigen Platzbedingungen den Ball aus dem Netz holen.


Fotostrecke

  • Friedel Rausch spielte von 1962 bis 1975 für den FC Schalke 04. Leider nicht immer mit Erfolg. In der Saison 66/67 musste Rausch bei widrigen Platzbedingungen den Ball aus dem Netz holen.
  • Von 1975 bis zum Sommer 1978 war er Coach auf Schalke. Gut gekleidet, versteht sich.
  • Danach ging es für zwei Spielzeiten nach Frankfurt. Hier gewann er 1980 mit der Eintracht den UEFA-Pokal. Schon damals pflegte er einen sehr intensiven Kontakt zu seinen Spielern. Hier herzt er Fred Schaub.
  • Nach drei Jahren in Luzern, arbeitete Rausch ab 1993 in Kaiserslautern.
  • Am 01. April 1998 übernahm Friedel rausch den Trainerjob in Mönchengladbach. Dort traf er auf Stefan Effenberg, seine »Leitfigur«.
  • Auch mit dem Polster Toni gab es einiges zu besprechen. Vertrauen ist Männersache.


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