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22.10.2010

Türkiyemspor Berlin vor dem Kollaps

»Ich habe geweint«

Text: Felix Laurenz  Bild: Imago

Deutschlands Migrantenverein Nummer eins, Türkiyemspor Berlin, spielte zuletzt in der Regionalliga gegen den VfB Lübeck ums sportliche Überleben. Kurz zuvor war der Verein knapp an der Insolvenz vorbei geschrammt. Eine Bestandsaufnahme.

Türkiyemspor Berlin vor dem Kollaps - »Ich habe geweint«


Im Berliner Szenebezirk Prenzlauer Berg, wo sonst hauptsächlich esoterisch angehauchte Alternative mit hinreichend gefülltem Geldbeutel flanieren, findet alle zwei Wochen der raue Fußballalltag der Regionalliga im Jahnstadion sein zuhause. Gerade mal 116 Zuschauer haben sich zum Spiel von Türkiyemspor Berlin gegen VfL Lübeck in das alterwürdige Stadion verirrt dass eigentlich Platz für fast 20 000 bietet. Wo einst ganz große Stimmung war, etwa als Michael Jackson hier auftrat, sind heute nur noch leere, bunte Sitze. Es ist kalt und neblig. Trocken ist es auch nicht. Süreyya Inal, seit drei Monaten Aufsichtsratsvorsitzende bei Türkiyemspor Berlin, ist trotzdem glücklich.



Der Grund für ihre Freude ist ein Treffen in Kreuzberg vor wenigen Tagen. An jenem hektischen Nachmittag wurde Türkiyemspor Berlin, der bekannteste Migrantenverein Deutschlands, vor dem finanziellen Ruin gerettet. »Die Sitzung war voller Emotionen und sehr chaotisch. Irgendwann habe ich dann gesagt: Wenn ihr euch jetzt nicht einigt, gehe ich morgen los und melde Insolvenz an.« Satte 600 000 Euro Schulden hatte der Verein zu diesem Zeitpunkt angehäuft, rund die Hälfte bei ehemaligen Vorstandsmitgliedern, der laufende Spielbetrieb konnte nicht mehr bezahlt werden. Das Süreyya Inal, diese kleine, zierliche Frau mit der leisen Stimmen für den Kreuzberger Verein eine entscheidende Rolle bei der Sanierung gespielt überrascht auf den ersten Blick – Doch Inal ist gelernte Steuerberaterin und kennt sich mit ihrem Handwerk bestens aus.

Der Verein wurde zur Geldverbrennungsanlage

In der Vergangenheit haben die Vorstandsmitglieder des Vereins bei ihren großen Visionen oft das Wirtschaften vergessen: » Der letzte Vorstandsvorsitzende Oğuz Ilter musste in drei Monaten 50.000 Euro von seinem eigenen Geld in den Verein stecken, um die laufenden Kosten zu decken.«, berichtet Inal. Nach drei Monaten als Vorstandsvorsitzender mussten Ilter und der Rest des Vorstands Anfang Oktober zurücktreten - Ilter war nicht mehr im Stande, die fehlenden Gelder durch sein Erspartes auszugleichen. »Als der letzte Vorstand zurücktreten musste, war keiner mehr da, der den Job machen wollte, weil alle Angst hatten, für die Schulden zu haften. «, erinnert sich Inal. Auf einmal war sie als Aufsichtsrat mitten im Tagesgeschäft, verbrachte Tage und Nächte damit, sich einen Eindruck von Türkiyems Finanzen zu verschaffen: » Ich habe mit sehr vielen ehemaligen Funktionären gesprochen, musste gucken wie viele Jugendmannschaften wir haben, wer wo tätig war, wer die Trainer sind, wer wann Geld bekommen hat. Das war ein Crashkurs in Fußballvereinsführung.«


weiterlesen [1] [2]





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Kommentare

  • User
  • 22.10.2010 21:36:22 AntiMöller

    Kinder, `s ist spät, kommt nach Hause!
    Ich habe auch geweint, als Ihr Euch der Silikonschlampe "Regionalliga" an den Hals geworfen hattet. Bitter habe ich geweint!
    Kommt heim, in die Katzbach und lasst mich bei Euch wieder den gewohnten Sonntagmittag-Brunch einehmen. Eure Stadion-Sücük ist jedenfalls Champions-League!

  • User
  • 22.10.2010 21:40:02 AntiMöller

    Ach ja: das Grünflächenamt Kreuzberg und ich, wir verlegen Euch gerade einen super-tollen neuen Rasen. In grasgrün!

  • User
  • 23.10.2010 16:11:08 gelsenkirchen

    ist ja auch das grünflächenamt!

  • User
  • 23.10.2010 17:51:53 AntiMöller

    Das "Grünflächenamt" bestand aus einem "Platzwart", welchem ich einen zweifelhaften Ruf attestieren UND auch unterstellen möchte, daß er den Rasen, im Sommer aus Faulheit hat vertrocknen lassen. Der wohnt zwar im Katzbachstadion, aber -wie ich schon ab mittags von der Biergartenterasse aus beobachten konnte- arbeiten sah man ihn selten. Und wenn, dann hat er in Gluthitze den Rasen gesprengt, weil er morgens wohl nicht hochkam. Wach wurde er einzig, wenn sich dort die Mittelstufen-Schülerinnen an der Leichtathletik versuchten. Dann inspizierte er emsig das Geschen.

  • User
  • 24.10.2010 03:15:28 Yvy

    Türk Gücü ist sowieso besser...

  • User
  • 24.10.2010 12:52:44 AntiMöller

    Ivy bürstet ihren Pferdeschwanz wieder auf Krawall.

  • User
  • 24.10.2010 15:41:41 Lederfresse

    Was Profis können können eben nur Profis. Und nicht Friseure, was wollt ihr bei der Zuschauerzahl in der Regionalliga. An der Mielkewiese liegts bestimmt nicht, echte Fans fahren überall hin ( siehe Union während des Stadionumbaus) Und gutes Catering kriegt man dort auch hin, schließlich wird der Tiergarten immer schön kaputtgegrillt. (viva knvb )

  • User
  • 26.10.2010 16:34:30 Statistikfreund

    Türkyemspor ist ja nun leider kein Einzelfall.

    1860, Arminia Bielefeld, Carl Zeiss Jena stets am Rande des Kollaps...der VfB (VfL, habe ich etwas verpasst?) Lübeck hat seine Insolvenz gerade hinter sich...Alemannia Aachen sie offensichtlich Dank der Stadt gerade noch verhindert...url=http://de.eurosport.yahoo.com/141 02010/30/rot-weiss-ahlen-stellt-insolvenzantrag.ht ml]Rot Weiß Ahlen[/url] seines gerade eröffnet...wie sieht es jetzt in Koblenz aus?...und bei den bereits im Sommer insolventen Viktoria aus Aschaffenburg, RWE, FSV Zwickau, SSV Reutlingen und Tennis Borussia Berlin?...Unterhaching klopft an die Vereinstür in der Säbener Straße, weil man Unterstützung braucht, usw., usw.

    Das alles lässt sich doch gerade in den Fällen Koblenz, Haching, Aachen nicht allein mit Missmanagement -wie bei 1860, RWE von deren Fans konstatiert- oder Strukturschwäche, wie ja irgendwie auch in diesem Beispiel Turkyemspor, oder gar beides zusammen -wie streckenweise bei FSV Zwickau und Carl Zeiss-erklären.

    Vielleicht findet sich ja ein 11freunde oder 11freunde.de Redakteur oder User, der da mal mehr Licht in die Angelegenheit bringt.

  • User
  • 18.11.2010 10:21:27 steve bloomer

    Wie Auswärtsspiele seien die Partien im Jahnstadion beklagen viele. Kreuzberg, wo Türkiyem in den Achtzigern groß wurde, ist fast eine Dreiviertelstunde entfernt und deshalb machen sich nur wenige Fans auf den Weg ins Jahnstadion. Früher, als Türkiyem noch im Katzbachstadion in Kreuzberg gespielt hat, war immer was los und alle lobten die tolle Atmosphäre.

    S-Bahnfahrer legen die Strecke von der Yorckstr. zum Nordbahnhof in exakt 12 Minuten zurück, von dort ist es entweder nochmal ein wenig Fußweg oder zwei Stationen mit der Tram. Und es muss schon verdammt viel Stau sein, um mit dem Pkw eine Dreiviertelstunde zu benötigen.

    Was die Zuschauerzahlen anbelangt, so waren diese die ganzen vergangenen Jahre auch im Katzbachstadion schon absolut trostlos, einige Male im Winter sogar nur noch zweistellig! Ok, das war Oberliga, aber die Regio sorgt ja bei den wenigsten Aufsteigern für einen signifikanten Anstieg des Interesses, manchmal sogar im Gegenteil.

    Klar ist dieser Umzug unsinnig, aber dessen Auswirkungen werden deutlich überschätzt.

  • User
  • 18.11.2010 13:45:06 AntiMöller

    Steve, ich wohne direkt vor dem Eingang Katzbachstadion und ich rechne -von Tür zu Tür- eine Dreiviertelstunde, zum Jahn.

    Die Zuschauerzahlen im Winter waren tatsächlich manchmal winzig, allerdings meine ich, das wir in der Aufstiegssaison grössere Zuschauerzahlen haben, als dann dort oben. Vorher so 300, jetzt max. 250? (Habe ich aus Zeitungen)

  • User
  • 20.11.2010 23:09:12 steve bloomer

    ist richtig, die zuschauerzahlen in der aufstiegssaison waren minimal höher. und vermutlich hätte türkiyem im katzbachstadion dann tatsächlich 30-50 zuschauer mehr gehabt. fand halt nur den eindruck, den der artikel suggeriert ("als Türkiyem noch im Katzbachstadion in Kreuzberg gespielt hat, war immer was los und alle lobten die tolle Atmosphäre") nicht ganz zutreffend, denn ein zuschauerproblem hatte türkiyem eben schon lange vor dem umzug, dieser tatsache muss der club ins auge sehen. eine zeitlang war der club angesagt in der community, aber die trifft sich mittlerweile eben lieber in der teestube und schaut türkische liga. heute übrigens 32 zahlende gegen den hsv - da hat beispielsweise magdeburg trotz des einbruchs seiner zuschauerzahlen immer noch das hundertfache. die regio wird für türkiyem immer ein zusschussgeschäft sein, das sich gar nicht rentieren kann....

    und zur anfahrt nochmal: wer im östlichen kreuzberg (schlesisches tor etc.) wohnt, der ist mit der tram fast schneller am jsp als am katzbach, ähnliches gilt für das nördliche kreuzberg. und das beides sind ja eigentlich auch einzugsgebiete für türkiyem.

  • User
  • 22.11.2010 15:59:08 AntiMöller

    Fahren ja eh alle BMWs, ahem...

    32 Zahlende? Hölle!

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