Die Geschichte der Fußballfans

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15.10.2010

Christian Brand übers Business

»Die Vermarktung nervt«

Interview: Felix Laurenz  Bild: Imago

In den schnäuzerverseuchten Neunzigern galt Christian Brand als Alternativer im Fußball-Business. Vor dem kommenden Spieltag sprachen wir mit ihm über »ran«, Beleidigungen von Matthäus und einen Ruf als »ewiger Student«.

Christian Brand übers Business - »Die Vermarktung nervt«


Christian Brand, nach Ihrer Profikarriere haben Sie sich zunächst als Journalist versucht. Eine schwierige Umstellung?

Schwierig war das nicht. Aber während meines Volontariats bei der »Neuen Luzerner Zeitung« hatte ich jeden Mittag einen Tiefpunkt. Das hat man als Fußballer einfach drin. Dann habe ich die Stühle und die Bänke in meinem Büro zusammengeschoben, mich druntergelegt und eine halbe Stunde geschlafen. Die verlängerte Mittagspause ist nie aufgefallen.



Hat Ihnen das Fußball-Geschäft also irgendwann doch gefehlt?

Das Geschäft nicht. Der Fußball hingegen sehr. Als Spieler hat mich immer die Vermarktung genervt. Da ging es weniger um die Qualität des Spiels. Ich war müde von diesem ganzen Zeug.

Hat sich denn die Vermarktung des Fußballs seit Ihrem letzten Bundesligaspiel im Jahr 2002 nicht eher verschlimmert?

Man achtet wieder auf die Qualität des Spiels. »ran« empfand ich hingegen eher als befremdlich. Wenn man ein Spiel gemacht hatte und sich das abends bei »ran« in einem Zusammenschnitt angesehen hat, bekam man ein völlig verzehrtes Bild. Ich habe mich häufig gefragt: »Was haben die denn gesehen?« Da ging es nur noch um die Vermarktung und weniger um den Inhalt.

Und heute ist das anders?


Mein Eindruck ist, dass es sich heute wieder mehr um den Fußball selbst dreht. Mitte der Neunziger wurde ja alles gehypt, jede Szene hochstilisiert und aufgebauscht. Spiele, die  schwach waren wurden völlig anders verkauft. Für mich als Fußballer war das nur schwer zu ertragen. Da habe ich in den Achtzigern lieber die etwas spröde, aber dem Spiel näher stehende »Sportschau« mit Ernst Huberty geschaut.

Woher kommt diese neue Sachlichkeit in der Berichterstattung?


Durch das Internet und die neuen Möglichkeiten, sich zu informieren, setzt sich Qualität einfach durch. Heute kann man jeden Tag auf 20 Kanälen Fußball schauen. Und kein Zuschauer will gerne etwas präsentiert bekommen, was nicht der Wirklichkeit entspricht. Er möchte wissen, ob das Spiel gut war oder nicht.


weiterlesen [1] [2]





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Kommentare

  • User
  • 15.10.2010 11:06:31 M37

    Ich verzehre mich nach einem völlig fehlerfreien Bild dieses Artikels.

    P.S. Wer inkorrekte Orthographie findet, darf sie behalten.

  • User
  • 15.10.2010 16:56:43 Rafael Thunderfart

    >>Die Qualität in der Bundesliga fand ich ziemlich schlecht. Taktisch und spielerisch<<

    "Ziemlich schlecht" ist wohl ein bißchen over the top, wenn man bedenkt, daß es in Europa vielleicht 3 Ligen gab, die in dieser Hinsicht besser waren als die Bundesliga.

    Stefan Effenberg und Brian Laudrup haben, kaum in Italien, sofort über das dürftige spielerische Niveau des damaligen Bundesligafußballs zu lästern begonnen. Freilich, für einen Bundesligaprofi, der - wie Brand - über den in der Liga üblichen Durchschnitt kaum hinausragte, sind solche Äußerungen schon ungewöhnlich.---

    Das technische Potential im deutschen Fußball der 80er und 90er war nicht an sich schlecht, es blieb nur in allzu vielen Fällen ungenutzt oder unentwickelt. Erst langsam hat die Einsicht sich durchgesetzt, daß im Fußball zwischen Schönheit und Zweckmäßigkeit nicht notwendig ein Spannungsverhältnis besteht.
    Nichts ist so bezeichnend für den damals in der Bundesliga herrschenden Geist, wie die trotzige Genugtuung, die Otto Rehhagel darüber empfand, Spieler wie Netzer und Overath überflüssig gemacht zu haben.

    Die Unterordnung unter das Gebot der Zweckmäßigkeit brachte es mit sich, daß viel individuelles Potential verschüttet wurde. Viele Spieler dieser Zeit, die das Roboterhafte am damaligen deutschen Fußball scheinbar idealtypisch verkörperten, waren in Wirklichkeit keine so üblen Techniker (z.B. Briegel). Ein überdurchschnittlich begabter Fußballer, der dazu neigte, seine defensiven Verpflichtungen auf die leichte Schulter zu nehmen, wurde vorzugsweise als "Schönspieler" verunglimpft (z.B. Hansi Müller). Um sich auf die Frage der technischen Ausbildung nicht einlassen zu müssen, redete man sich ein, die Ballgewandtheit der Südländer sei naturgegeben und liege (statt in einer anderen Einstellung zum Spiel) in den Genen begründet.

  • User
  • 15.10.2010 19:06:19 AntiMöller

    Ja, ein Rehagel-Zögling! Pikant, pikant und bestätigt meine Meinung über den ehemaligen Bayern-Trainer.

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