Frank Goosen über die Krise in Bochum
»Das ist nicht das Ende«
Interview: Felix Laurenz Bild: Imago
Beim VfL Bochum beginnt eine Zeitenwende. Nach 30 Jahren endet die Ära Altegoer. Nun will Frank Goosen als Mitglied des Aufsichtsrats den »neuen VfL« mit gestalten. Der Schriftsteller fordert mehr Offenheit und positive Ziele.
Frank Goosen, wie war für Sie der Tag nach der turbulentesten Jahreshauptversammlung in der Geschichte des VfL Bochum?
Da musste ich erstmal verdauen, was am Montag passiert ist. Der Verein hat geguckt, wer bei seinem Rücktritt bleibt, oder ob nicht doch noch jemand zur Umkehr gebracht werden kann. Das hat dazu geführt, dass gestern viel über den Verein geredet wurde, der aber den Eindruck gemacht hat, als würde er nichts sagen. Da schließe ich mich selber auch ein.
Hatte der Verein Angst, etwas Falsches zu sagen?
Das ist sicher so. Aber wer ist in diesem Moment mit »Verein« gemeint? Das Ganze ist eine Angelegenheit des Aufsichtsrates. Da hätte sich jemand zeigen müssen. Das kann man schlecht dem Vorstand oder der Presseabteilung vorwerfen, wenn die entsprechenden Leute einfach nicht greifbar sind.
Auch Sie waren am Dienstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Warum?
Dass ich mich nicht schon Dienstag gestellt habe, war falsch. Ich mache mich unglaubwürdig, wenn in der Zeitung steht, dass ich für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war. Da hätte ich anders auftreten können und sollen. Jetzt stelle ich mich hin und rede, was wiederum den Eindruck erweckt, als wolle ich mich in den Vordergrund spielen. Ich rede, weil es sonst keiner tut. Das ist eine traurige Situation.
Wie erklären Sie sich die Vorkommnisse vom Montagabend?
Die Sache ist getragen worden von einer ganz, ganz tiefen Enttäuschung der Mitglieder über die Art und Weise, wie sich der VfL Bochum in den letzten Jahren dargestellt hat. Es wurde unterschätzt, wie groß die Entfremdung zwischen Anhängerschaft und Vereinsführung war. Die Leute hatten das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Und das nicht zum ersten Mal.
Und dann kam es zur Abstimmung über die Entlastung des Aufsichtsrates um Werner Altegoer.
Die Gegenstimmen waren so zahlreich, dass einige Mitglieder nicht glauben konnten, dass die Entlastung erteilt war. Aber der Aufsichtsratsvorsitzende und Versammlungsleiter Werner Altegoer wurde dahingehend beraten, die Entlastung als erteilt anzusehen. Dieses Krisenmanagement war derart ungeschickt, dass selbst die Schwankenden dem Aufsichtsrat die Entlastung verweigerten. Rein rechtlich bedeutet das aber, dass man dem Aufsichtsrat unterstellt, er habe kriminell gehandelt, was natürlich nicht stimmt.
War es das falsche Mittel um gegen die Vereinspolitik zu protestieren?
Das ist nichts, was ich den Protestierern vorwerfe. Einige sagen, da wäre ein Mob am Werk gewesen. Aber das ist Quatsch. Die Leute haben schon verstanden, was sie da tun. Aber letztlich hatten sie gar keine andere Möglichkeit. Deshalb muss man in Zukunft auch überlegen, welche anderen Wege man in der Satzung des Vereins festschreiben kann, um seinen Unmut kundzutun. Schließlich hat man durch die Abstrafung des gesamten Aufsichtsrates auch Leute getroffen, die man gar nicht treffen wollte.
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