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04.10.2010

»Bulle« Roth über die Bayern-Krise

»Bis zum Winter durchmogeln«

Interview: Alex Raack  Bild: Imago

Nach sieben Spielen auf Platz zwölf – der FC Bayern München steckt in einer einmaligen Krise. Einmalig? Bereits in der Saison 1974/75 hing der FCB im Niemandsland der Liga. Franz »Bulle« Roth war dabei – wir sprachen mit ihm.

»Bulle« Roth über die Bayern-Krise - »Bis zum Winter durchmogeln«


Franz Roth, 0:2 gegen Borussia Dortmund, Tabellenzwölfter, die wenigsten Tore der gesamten Liga – plant der FC Bayern jetzt schon für die 2. Bundesliga?

Schmarrn! Es sind doch erst sieben Spieltage vorbei. Die Saison ist noch lang.

Das war in der Saison 1974/75 allerdings genauso: Nach sieben Spielen stand der FC Bayern auf Platz 12. Und landete am Ende nur auf Rang 10. Sie waren damals mit im Kader...

So kann es halt auch mal gehen, selbst ein FC Bayern kann nicht jedes Jahr Meister werden. Aber noch einmal: Um die aktuelle Mannschaft mache ich mir keine Sorgen.



Was macht Sie da so sicher? Die Parallelen sind doch erschreckend: Die gleiche Platzierung, die soeben erst beendete Saison...

Das stimmt, und so eine Weltmeisterschaft ist auch Gift für eine anständige Vorbereitung. Und die Vorbereitung wiederum ist die wichtigste Phase für eine erfolgreiche Saison.

Das heißt also: Müller, Schweinsteiger und Co. sind einfach noch ein wenig müde?

Möglich, dass die Beine etwas schwer sind. Aber viel entscheidender sind die Verletzungen von Franck Ribery und Arjen Robben.

Inwiefern?

Ja, haben Sie denn die vergangene Saison nicht gesehen? Da hat der Robben die Spiele doch im Alleingang gewonnen! Und Ribery ist vom gleichen Kaliber. Solche Ausnahmefußballer sind einfach nicht zu ersetzen.

Auch nicht beim FC Bayern?

Vielleicht kann so ein qualitativ guter Kader die Verletzungen besser wegstecken als kleinere Mannschaften, aber auch in München merkt man, wenn statt Arjen Robben ein anderer Fußballer auf dem Rasen steht.

Der FCB hast gestern mit 0:2 gegen Dortmund verloren. Einige Beobachter nannten das »eine Demütigung«. Ihnen erging es 1974/75 aber noch viel schlechter, oder?

Ganz richtig. Das erste Spiel gegen Kickers Offenbach haben wir gleich mal 0:6 verloren.

Eine Demütigung!

Ach was, es gibt so Tage, da macht es »Bumm, Bumm, Bumm« und plötzlich steht es 0:6. Das kann passieren.

Und die erst fünf geschossenen Tore der Bayern, macht Ihnen das wenigstens Sorgen?

Nein, auch das nicht. Wenn der Knoten in München platzt, die Mannschaft eine kleine Serie hinlegt, dann fallen auch wieder die Tore. Das wird schneller gehen, als es manchen lieb ist.

Aber bald muss ja etwas passieren. Wie lange geben Sie der Mannschaft noch Zeit?

Die hat noch ausreichend Zeit. Bis zur Winterpause muss sie sich irgendwie durchmogeln, und danach geht es los.

Mit Louis van Gaal? Als sie vor 35 Jahren die Wende nach der Winterpause schaffen wollten, stand an der Seitenlinie Dettmar Cramer, Udo Lattek war da schon entlassen...

Van Gaal sitzt fest im Sattel, der hat nichts zu befürchten. Dafür hat er zu gute Arbeit abgeliefert. Außerdem gibt es ja immer noch den europäischen Wettbewerb, um nicht völlig in Verdruss zu geraten...

Sie meinen die Champions League? 1974/75 wurden sie in der Liga zwar Zehnter, holten aber im Finale gegen Leeds United den Europapokal der Landesmeister...

Mit einem Tor von mir. 2:0 und die Party durfte starten. Das wäre doch auch eine schöne Entschädigung, wenn es in dieser Saison tatsächlich nicht klappen sollte. Aber so weit wird es nicht kommen, die Bayern der Gegenwart werden die Kurve schon bekommen. So schnell wiederholt sich Geschichte nicht.




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Kommentare

  • User
  • 04.10.2010 18:44:19 Rafael Thunderfart

    Bayern hatte in der Saisonvorbereitung an einem Turnier teilgenommen, in Sevilla, wenn mich nicht alles täuscht. Die Cracks spielten wie einen Tag nach dem WM-Finale und bezogen von Racing Brüssel und Betis Sevilla kräftig Prügel. Breitner, der noch als Bayernspieler mitgefahren, in Spanien aber von der Fahne gegangen war, saß im obersten Stock eines Sevillaer Grandhotels, sah im Fernsehen die Bayern verlieren und gab einem Reporter von AS ein Interview, das hauptsächlich aus Beschimpfungen Beckenbauers bestand.

    Vorbereitungsspiele sind bekanntlich wenig aussagekräftig, und wie weit die Bundesliga damals die Nase vorn hatte, konnte man daran sehen, daß den Bayern, die im Mittelfeld der Liga herumdümpelten, ziemlich souverän die Verteidigung des Europapokals gelang.

    Trainer der Offenbacher Mannschaft, die gerade erst aufgestiegen war und am ersten Spieltag den Bayern die historische Abreibung verabreichte, war Otto Rehhagel. Einige Spieler von Kickers Offenbach schafften es in der Folge sogar in die Nationalmannschaft.

  • User
  • 05.10.2010 00:56:14 sharona

    Die Offenbacher Mannschaft war nicht "gerade erst" aufgestiegen, sondern schon 2 Jahre vorher. Die Saison 72/73 beeendete sie auf dem 7. Platz, Mitaufsteiger Wuppertaler SV kam sogar auf Platz 4! Sigi Held wurde im August 1974 erst 32 Jahre alt, da kann man wohl kaum von einem altenden Spieler sprechen. Seine letzte Saison als Spieler war 80/81- als 38jähriger war er immer noch gut genug für die 1. Bundesliga!

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